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03.11.8 · SCHLAGREGENSCHUTZ FÜR MINERALISCHE FASSADEN

Imprägnierung &
Hydrophobierung

Eine Versiegelung bildet eine zusammenhängende Schicht auf der Oberfläche und kann Poren weitgehend schließen. Eine Imprägnierung dringt dagegen in den Porenraum ein, ohne zwingend einen sichtbaren Film zu bilden. Die hydrophobierende Imprägnierung verändert dort die Benetzung der Porenwände und reduziert die kapillare Wasseraufnahme – sie ersetzt weder Abdichtung, Rissverschluss noch eine funktionierende Fuge.

Illustration einer Steinfassade mit Wassertropfen auf einer hellen Fläche und einer angrenzenden dunkleren Zone, ohne Personen
Abperlen ist sichtbar.KI-Illustration · Eindringtiefe, Wasseraufnahme und langfristige Eignung lassen sich am Bild allein nicht beurteilen.

SYSTEME RICHTIG LESEN

Wirkstoff, Darreichungsform und Spezialanwendung unterscheiden

Der Produktname allein sagt wenig über Aufnahme, Verarbeitung und Verträglichkeit. Die vorhandenen acht Begriffe gehören zu unterschiedlichen Ebenen.

Wirkstoffchemie

Silan
Kleine reaktive Moleküle können tief in geeignete mineralische Poren eindringen und dort wasserabweisend reagieren.
Siloxan
Oligomere siliziumorganische Verbindungen werden häufig als Lösung oder Emulsion angeboten.
Silan-Siloxan-Kombination
Verbindet unterschiedliche Molekülgrößen und Verarbeitungseigenschaften in einem abgestimmten System.
Siliconharz
Harzartige siliziumorganische Systeme können stärker oberflächennah wirken; Film- und Diffusionsverhalten prüfen.
Siliconat
Wasserlösliche alkalische Systeme reagieren im Baustoff; Nebenreaktion, Salzbildung und Eignung sind objektspezifisch.
DARREICHUNGSFORM

Creme & Gel

Creme und Gel beschreiben die Darreichungsform, nicht eine eigene Wirkstoffchemie. Die längere Kontaktzeit kann die Aufnahme fördern; Wirkstoff, Verbrauch und Eignung bleiben produktabhängig.

SPEZIELLE SYSTEME
Metallseife / Stearat
Ältere oder spezielle Systeme besitzen eigene Verträglichkeits- und Alterungsgrenzen und sind kein heutiger Universalstandard.
Fluorhaltiges Spezialsystem
Spezielle Rezepturen können zusätzlich ölabweisend wirken. Das ist ein anderes Schutzziel als reine Hydrophobierung. Inhaltsstoffe, Alternativen, Umweltprofil und spätere Entfernbarkeit anhand der Produktunterlagen prüfen.

Die Grundlagen zu Film und Porenbehandlung stehen in der Materialkunde: Versiegelung & Imprägnierung. Hier geht es um die Auswahl und Ausführung an der Fassade.

SCHUTZZIEL FESTLEGEN

Was ein geeignetes System leisten muss

Kapillarität reduzieren
Kapillare Aufnahme von Schlagregen vermindern. Wasser unter Druck, offene Risse und undichte Anschlüsse brauchen andere Lösungen.
Diffusion erhalten
Wasserdampfdurchgang möglichst wenig beeinträchtigen. Diffusionsoffen bedeutet nicht, dass flüssiges Wasser unverändert austrocknet; den gesamten Wandaufbau bewerten.
Gleichmäßig eindringen
Die für Baustoff und Schutzaufgabe erforderliche Eindringtiefe und Wirkstoffverteilung erreichen; ein oberflächlicher Abperleffekt reicht dafür nicht als Nachweis.
Optik bewahren
Keine unbeabsichtigte Verdunkelung, Glanzbildung, Flecken, Läufer oder klebrige Zone erzeugen.
Beständig bleiben
UV-, Alkali-, Witterungs- und objektspezifische Chemikalienbeständigkeit nachweisen.
Untergrund vertragen
Mineralbestand, Porigkeit, Fuge, Salz, Feuchte, Altbehandlung und Reparaturstellen müssen zusammenpassen.
Nachfolge erlauben
Wartung, Wiederholungsauftrag, Reinigung, spätere Beschichtung und Reparatur planbar halten.
Sicher verarbeiten
Emission, Lösemittel, Abdrift, Boden- und Gewässerschutz sowie Reststoffentsorgung berücksichtigen.

VOR DER PRODUKTFREIGABE

Untergrund und Umfeld prüfen

  1. Feuchtequelle, Risse, offene Fugen, Hohllagen und schadhafte Anschlüsse zuerst untersuchen und instand setzen lassen
  2. Baustoff, Mineralbestand, Porigkeit, Saugverhalten, Salzbelastung, Altbehandlung und angrenzende Materialien bestimmen
  3. Reinigung abschließen und Rückstände entfernen. Den geforderten trockenen Untergrund nachweisen; eine pauschale Wartezeit nach der Reinigung ersetzt diese Prüfung nicht
  4. Repräsentative Probefläche und unbehandelte Vergleichsfläche festlegen; Auftragsmenge, Werkzeug, mögliche Wiederholung und Umgang mit Überschüssen produktbezogen vereinbaren
  5. Farbe, Glanz und Wasseraufnahme vor und nach der vorgegebenen Reaktionszeit vergleichen; die Trocknung des gesamten Bauteils zusätzlich fachlich bewerten
  6. Produkt, Charge, Verbrauch, Luft- und Untergrundtemperatur, Wetter, Fläche und Reststoffweg dokumentieren; Kontrolltermin und Wartung vereinbaren

Feuchte, Salz und Substanzverlust zuerst einordnen: 03.11.7 Steinfassaden-Schäden. Reinigung und Musterflächen: 03.11.6 Verfahren & Vorversuch.

VERARBEITUNG VERGLEICHEN

Flüssiges Mittel und Creme haben unterschiedliche Abläufe

Die beiden Herstellerbeispiele zeigen, weshalb eine allgemeine Anweisung wie „auftragen und abwischen“ zu ungenau ist. Es gelten jeweils Produktfreigabe, aktuelles Merkblatt und Sicherheitsdatenblatt.

FLÜSSIGE IMPRÄGNIERUNG

Funcosil SNL [ultra]

Merkblatt 08/2026

Auftrag
Drucklos fluten und mit Flächenstreicher nacharbeiten. Wiederholungen erfolgen nass in feucht entsprechend der Aufnahme und Herstellervorgabe.
Überschüsse
Das Merkblatt nennt ein bestimmtes Entfernungsmittel und ein Zeitfenster. Dessen Materialverträglichkeit muss ebenfalls passen.
Technisches Merkblatt lesen ↗
IMPRÄGNIERCREME

Funcosil FC [ultra]

Merkblatt 01/2026

Auftrag
Im Kreuzgang mit Rolle oder Pinsel; der Verbrauch ist für einen Arbeitsgang beschrieben und wird am Probefeld ermittelt.
Überschüsse
Für verbleibende Überschüsse nennt der Hersteller einen saugfähigen Schwamm und eine Frist von einer Stunde.
Technisches Merkblatt lesen ↗

Ein geplanter Flüssigkeitsfilm während des Flutens ist etwas anderes als ein bleibender Läufer nach dem Trocknen. Verbrauch, Wiederholungen und Fristen lassen sich nicht auf andere Produkte übertragen.

Vor der Fläche

  1. Ziel begründen

    Schlagregenbelastung und Nutzen begründen. Eine gereinigte Fassade braucht nicht automatisch eine Imprägnierung; Auftrag und Freigabekriterien gesondert vereinbaren.

  2. Untergrund freigeben

    Tragfähigkeit, Sauberkeit, Trockenheit und Aufnahmefähigkeit prüfen. Feuchteursachen, Salze, Risse und Fugen müssen geklärt sein; Reparaturstellen nach deren Systemvorgaben abwarten.

  3. Nebenflächen schützen

    Glas, Metall, Dichtstoffe, Pflanzen und Boden abdecken; Abläufe sichern. Verträglichkeit des Abdeckmaterials, Windbedingungen und erforderliche Schutzausrüstung prüfen.

  4. Probefläche ausführen

    Produkt auf den tatsächlich vorhandenen Baustoffen und Reparaturstellen erproben. Verbrauch je Fläche und Optik dokumentieren; das vereinbarte Ergebnis vor dem Flächenauftrag freigeben.

Auf der Fläche

  1. Gleichmäßig auftragen

    Flüssiges Mittel oder Creme mit der vorgesehenen Methode verarbeiten. Zusammenhängende Abschnitte planen, Aufnahme beobachten und Wiederholungen nur nach Produktvorgabe ausführen.

  2. Überschuss beherrschen

    Aufnahmezeit, Werkzeug und gegebenenfalls geeignetes Entfernungsmittel dem Merkblatt entnehmen. Eine frisch aufgetragene Creme nicht pauschal sofort abwischen; verbleibende Überschüsse fristgerecht behandeln.

  3. Reagieren lassen

    Produktbezogene Temperatur- und Schutzzeiten einhalten. Schlagregen, Tauwasser, direkte Sonne, Wind und Frost berücksichtigen. Frühe Regenfestigkeit ersetzt nicht die Wartezeit bis zur Wirksamkeitsprüfung.

Nach der Reaktion

  1. Wirkung kontrollieren

    Optik, Aufnahme und Ausführung dokumentieren. Die Wasseraufnahme zum vorgesehenen Prüfzeitpunkt mit geeigneten Referenzwerten vergleichen; bei unklarer Wirkung Ursachen klären, nicht blind nachimprägnieren.

RISIKEN & MATERIALVERTRÄGLICHKEIT

Wann der Schutz zum Problem werden kann

Feuchter Untergrund

Zu viel Untergrundfeuchte kann die Mittelaufnahme und Reaktion beeinträchtigen. Nachströmendes Wasser hinter der behandelten Zone bleibt ein eigenes bauphysikalisches Problem.

Salzbelastung

Verlagerter Trocknungshorizont kann Kristallisation und Schalenbildung unter der behandelten Zone fördern.

Überauftrag

Bleibende Überschüsse können Glanz, Klebrigkeit oder dunkle Läufer verursachen. Aufnahmephase und Entfernungsvorgabe des Produkts beachten.

Unterdosierung

Unzureichende Aufnahme oder Fehlstellen können eine ungleichmäßige, wenig dauerhafte Wirkung ergeben. Verbrauch allein beweist umgekehrt keine ausreichende Eindringtiefe.

Falsches System

Dichter, schwach saugender oder bereits behandelter Baustoff nimmt das Produkt anders auf als geplant.

Folgearbeiten

Hydrophobierte Zonen können Haftung von Mörtel, Farbe, Kleber und Reparaturmaterial verschlechtern.

Rissillusion

Kapillarwasser kann sinken, doch Risse, Anschlüsse und Druckwasser bleiben offene Eintrittswege.

Umwelt & Abdrift

Auch wasserbasierte Mittel gehören nicht in Boden oder Abläufe. Vernebelung vermeiden, Alternativen und Sicherheitsdatenblatt prüfen sowie Produktreste und Werkzeugreinigung auffangen.

ABNAHME & NACHKONTROLLE

Abperlen beobachten, Schutzwirkung prüfen

ZEITPUNKTE TRENNEN

Regenfest bedeutet noch nicht fertig geprüft.

Bei FC [ultra] nennt Remmers eine frühe Regenfestigkeit nach etwa 60 Minuten. Die Wirksamkeitsprüfung ist dort frühestens nach sechs Wochen vorgesehen. Diese Angaben gelten für dieses Produkt.

Wasseraufnahme vergleichen

Eine geeignete Prüfung, beispielsweise mit dem Karsten-Prüfröhrchen, erfasst die Aufnahme unter festgelegten Bedingungen. Vergleichsfläche, Messstellen, Dauer und Untergrundzustand dokumentieren; lose oder empfindliche Flächen nicht ungeprüft belasten.

Der Messwert allein belegt weder Eindringtiefe noch Dauerhaftigkeit. Prüfumfang und Abnahmekriterien vor dem Auftrag festlegen.

Herstellerhinweise zur Aufnahmeprüfung ↗
  • Untergrundzustand und Trockenheit dokumentiert
  • Optik unverändert oder vereinbart
  • Keine unerwünschten Läufer oder Filmreste
  • Wasseraufnahme zum vereinbarten Termin geprüft
  • Fugen und Risse nicht kaschiert
  • Produkt, Auftrag und Nachkontrolle dokumentiert

Den Nachkontrolltermin bereits bei der Übergabe vereinbaren. Auffällige Fehlstellen oder nachlassendes Abperlen zuerst untersuchen; ein weiterer Auftrag folgt erst nach Prüfung von Ursache, Aufnahmefähigkeit und Systemverträglichkeit.

AUFTRAG KLAR ABGRENZEN

Hydrophobierung braucht eine begründete Schutzaufgabe

Hydrophobierung ist Oberflächenschutz, keine Bauwerksabdichtung. Ursachen von Durchfeuchtung, Salzbelastung, offene Fugen, Risse und lose Substanz werden vorher fachgerecht geklärt. Der Neuauftrag ist eine eigene Schutzleistung und keine beiläufige Schlussphase der Reinigung.

Sie ersetzt auch keine Steinfestigung. Öl- oder Graffitischutz sind gesonderte Anforderungen; dazu führt 03.11.9 Graffiti entfernen & vorbeugend schützen weiter.

JAN SAGT

Wenn Wasser abperlt, heißt das zunächst nur: Wasser perlt ab. Es heißt nicht, dass die Fassade jetzt U-Boot spielen darf.

GEZIELT WEITERLESEN

Materialwissen und passende Arbeitsschritte

QUELLEN GEPRÜFT · 20.09.2026

Fachliche Einordnung und Produktvorgaben

Die Remmers-Merkblätter belegen die konkreten Verarbeitungsbeispiele. Der NPS-Fachtext behandelt vor allem historisches Mauerwerk. Von WTA 3-17 wurde die öffentliche Kurzfassung geprüft; sie nimmt Beton ausdrücklich aus. Der kostenpflichtige Volltext wurde nicht ausgewertet.

Für das Objekt gelten zusätzlich Fachplanung, Gefährdungsbeurteilung, Herstellerfreigabe und örtliche Vorgaben. Die Beispiele sind keine pauschale Produktempfehlung.