StartReinigungstechnikenTrockenpulver- und Granulatreinigung

05.7 · TEXTILE ZWISCHENREINIGUNG

Granulatreinigung
feuchtearm, nicht feuchtelos

Ein leicht feuchtes Reinigungsgranulat wird dünn verteilt, mit einer freigegebenen Bürstenmaschine an die Teppichfasern gearbeitet und danach zusammen mit der gebundenen Verschmutzung vollständig aufgenommen. „Trocken“ ist hier eine Verfahrensbezeichnung – kein Beweis dafür, dass weder Wasser noch Chemie eingesetzt werden.

Professionelle gegenläufige Walzenbürstmaschine arbeitet eine dünne Menge Reinigungsgranulat in einen kurzflorigen Objektteppich ein; daneben steht ein Bürstsauger für die Endaufnahme
DÜNN DOSIERT

Das Granulat liegt nicht zentimeterdick auf der Fläche. Eine gemessene, dünne Verteilung wird mit freigegebenen Bürsten in den Flor gearbeitet und später mit einem geeigneten Bürstsauger vollständig aufgenommen.

KURZABLAUF

Vorsaugen, dosieren, einbürsten und vollständig aufnehmen

  1. 01
    Trocken vorbereiten

    Aufbau prüfen, Vorschäden dokumentieren, gründlich vorsaugen und Flecken getrennt behandeln.

  2. 02
    Dünn dosieren und einbürsten

    Gebrauchsfertiges Granulat nach Flächenvorgabe verteilen und mit dem freigegebenen Bürstensystem einarbeiten.

  3. 03
    Trocknen und austragen

    Produktspezifische Zeit einhalten, in mehreren Richtungen bürstsaugen und Ränder sowie Fugen kontrollieren.

01

WAS DAS VERFAHREN MACHT

Leicht feuchtes Granulat löst, bindet und transportiert Schmutz

Trockenpulver- oder Granulatreinigung ist ein feuchtearmes Verfahren für textile Beläge. Produkt, Chemie, Bürstenmechanik und Endaufnahme bilden ein Gesamtsystem. Kein einzelner Schritt darf den Schmutzaustrag nur behaupten.

TROCKEN HEISST FEUCHTEARM

Das Granulat ist meist leicht feucht

Der Name beschreibt den geringen Wassereintrag in den Teppich und den trockenen Endzustand – nicht zwingend ein staubtrockenes Produkt. Viele Systeme liefern kleine, mit Reinigungslösung angefeuchtete Trägerteilchen gebrauchsfertig.

TRÄGER + REINIGUNGSLÖSUNG

Das Produkt arbeitet wie viele kleine Reinigungskörper

Der Träger bringt eine begrenzte Menge Reinigungslösung an die Faser. Seine genaue Zusammensetzung ist produktspezifisch; aus Begriffen wie Pulver, Compound oder Mikro-Schwamm lässt sie sich nicht sicher ableiten.

MECHANIK + KONTAKT

Bürsten verteilen und lösen

Die Bürsten öffnen einen geeigneten Flor, verteilen das Granulat an den Faseroberflächen und unterstützen das Ablösen haftender Verschmutzung. Zu harte oder ungeeignete Bürsten können Schlingen und Fasern schädigen.

AUFNAHME + AUSTRAG

Gebundener Schmutz muss die Fläche verlassen

Verschmutzung haftet außen am Granulat und kann je nach Träger auch aufgenommen werden. Fachlich spricht man von Adsorption an der Oberfläche und Absorption in den Träger. Entscheidend bleibt das anschließende vollständige Aufsaugen.

02

UNTERSCHIEDE ZU ANDEREN VERFAHREN

Granulat ist nicht Verkapselung, Shampoo oder Sprühextraktion

Mehrere Teppichverfahren nutzen Bürsten und werden als feuchtearm beworben. Entscheidend ist deshalb nicht die Maschine, sondern was aufgebracht wird und auf welchem Weg gelöster Schmutz die Fläche wieder verlässt.

01

05.7 · GRANULATREINIGUNG

Ein bereits vorhandener, meist leicht feuchter körniger Träger wird verteilt, eingebürstet und zusammen mit gebundener Verschmutzung wieder aufgenommen.

02

05.8 · VERKAPSELUNGSREINIGUNG

Eine flüssige Spezialchemie wird aufgebracht und trocknet zu absaugbaren Rückständen aus. Gegenläufige Bürsten können auch dort eingesetzt werden, machen die beiden Verfahren aber nicht gleich.

03

05.2 · SHAMPOONIEREN

Shampoo bildet eine Schaumflotte. Granulat ist kein Schaumberg und wird nicht durch wahlloses Nachsprühen zu einem Shampoosystem.

04

05.3 · SPRÜHEXTRAHIEREN

Wasser beziehungsweise Spülmedium wird eingesprüht und unmittelbar nass abgesaugt. Bei der Granulatreinigung gibt es diesen Spül- und Rückgewinnungsweg nicht.

05

BÜRSTSAUGEN

Ein Bürstsauger löst und entfernt trockenen losen Schmutz. Ohne Reinigungsgranulat bleibt es Bürstsaugen – mit Granulat wird es Teil eines chemomechanischen Reinigungsverfahrens.

06

DETACHUR

Flecken werden stoff- und materialgerecht separat behandelt. Eine Handvoll Granulat auf jedem Fleck ersetzt weder Fleckbestimmung noch kontrollierten Austrag.

03

GEEIGNETER EINSATZ

Für freigegebene Teppiche mit begrenzter Verschmutzung

Kurze Trocknungs- und Sperrzeiten sind der große praktische Vorteil. Die Grenze liegt dort, wo Granulat nicht mehr vollständig aufgenommen werden kann oder Verschmutzung tiefer sitzt, als Bürste und Träger erreichen.

01 · GEEIGNET

Leichte bis mittlere Laufspuren

Auf einem freigegebenen Objektteppich kann das Verfahren oberflächennahe, anhaftende Verschmutzung mindern und Nutzungsausfälle kurz halten.

02 · GEEIGNET

Feuchteempfindliche Umgebung mit Systemfreigabe

Der geringe Flüssigkeitseintrag kann Fugen, Klebung und Doppelbodenkonstruktionen weniger belasten als ein Nassverfahren. Granulat in Fugen und Bodenauslässen bleibt trotzdem ein eigenes Risiko.

03 · PRÜFEN

Naturfasern und empfindliche Farben

Einzelne Produktsysteme besitzen Freigaben für Wolle, Sisal oder andere empfindliche Fasern. Das ist keine pauschale Freigabe für jedes Granulat und jede Bürstenmaschine.

04 · PRÜFEN

Nadelvlies und sehr dichter Flor

Kleine Teilchen können sich festsetzen und schwer aussaugen lassen. Nur mit ausdrücklicher Belags- und Systemfreigabe sowie belastbarer Probefläche arbeiten.

05 · NICHT AUSREICHEND

Tiefe, klebrige oder massive Verschmutzung

Altchemie, tief eingelagerter Sand, große Mengen Fett, Getränke, Urin, Geruchsquellen oder Kontamination im Rücken werden nicht zuverlässig herausgespült.

06 · STOPP

Lose Schlingen, offene Nähte oder instabiler Verbund

Gegenläufige Bürsten können lose Garne erfassen. Wellen, Delamination, weiche Klebezonen und offene Teppichfliesen werden vor jeder Maschinenarbeit geklärt.

04

MATERIALPRÜFUNG

Flor, Farbe, Nähte, Rücken und Klebung gemeinsam prüfen

Der geringe Flüssigkeitseintrag löst nicht jedes Materialproblem. Vor allem Floraufbau und offene Stellen entscheiden, ob Granulat wieder herauskommt und ob die Bürsten arbeiten dürfen.

PFLEGEANLEITUNG

Belagshersteller und Produktsystem bestimmen, ob Granulat, konkrete Bürstenmechanik und abschließendes Bürstsaugen zugelassen sind.

FASERART

Polyamid, Polyester, Polypropylen, Wolle, Sisal, Viskose und Mischungen reagieren unterschiedlich auf Reiniger, Restfeuchte und mechanische Belastung.

FLORKONSTRUKTION

Schnittpol, Schlinge, Hoch-Tief-Struktur, Nadelvlies und Hochflor halten Granulat unterschiedlich fest. Je tiefer und verschachtelter der Flor, desto schwieriger der vollständige Austrag.

FARBE

Granulat, Fleckmittel und Bürsten gemeinsam an einer unauffälligen Stelle prüfen. Erst trocken auf Ausbluten, Aufhellung, Farbwanderung und Abrieb kontrollieren.

NÄHTE UND KANTEN

Offene Nähte, lose Garnenden, Fransen und hochstehende Fliesenkanten können von Walzen erfasst oder durch mehrfaches Bürsten vergrößert werden.

RÜCKEN UND KLEBUNG

Feuchte bleibt gering, ist aber vorhanden. Fugen, Rücken, Tackifier, Kleber, Doppelboden und Bodenauslässe müssen gegen Eintrag geprüft werden.

FUNKTIONSAUSRÜSTUNG

Fleckschutz, Antistatik und Flammschutz können durch Reiniger oder Bürsten beeinflusst werden. Nutzungsklasse und Brennverhalten sind keine Reinigungsfreigabe.

VORSCHÄDEN

Shading, Polumkehr, verfilzte Laufstraßen, Faserabrieb und Delamination vor Beginn dokumentieren. Granulat macht einen verschlissenen Flor nicht wieder neu.

Dichte graue Nadelvliesstruktur in Flächen- und Seitenansicht
DICHTER FLOR · AUSTRAG PRÜFENNadelvlies kann kleine Granulatteilchen festhalten. Die Eignung wird nicht geraten, sondern mit Herstellerfreigabe und vollständiger Probefläche geprüft.
Langer beiger Hochflor mit deutlich sichtbaren losen und tiefen Garnlagen
HOCHFLOR · MECHANIKGRENZELange Garne erschweren gleichmäßigen Kontakt und vollständiges Aussaugen. Walzen können Fasern verdrillen oder lose Enden erfassen.
05

MASCHINEN UND BÜRSTEN

Dosierhilfe, Bürstenmaschine und Bürstsauger haben getrennte Aufgaben

Gegenläufige Walzenbürstmaschinen sind bei Granulatsystemen weit verbreitet, aber nicht die einzige mögliche Bauart. Verbindlich ist immer die Kombination, die Produkt- und Teppichhersteller freigeben.

01

Bürstsauger für die Vorbereitung

Entfernt trockenen Abrasivschmutz vor der Chemie. Bürstenhöhe und Walze müssen zum Teppich passen; empfindliche oder beschädigte Konstruktionen werden mit freigegebener Düse ohne aggressive Walze abgesaugt.

02

Dosierhilfe oder Streuer

Messbecher, Schaufel oder Systemstreuer verteilt die vorgeschriebene Menge gleichmäßig. Eine breite Handvoll nach Gefühl erzeugt überdosierte Inseln und erschwert den Austrag.

03

Gegenläufige Walzenbürstmaschine

Zwei zylindrische Bürsten drehen gegeneinander, arbeiten das Granulat von mehreren Seiten an die Fasern und richten geeigneten Flor auf. Bürstenhärte und -drehzahl bleiben systemabhängig.

04

Maschine mit Auffangwannen

Einige Systeme besitzen sogenannte Renovator- oder Auffangwannen. Sie können verschmutztes Granulat während weiterer Maschinenfahrten aufnehmen, ersetzen aber nur dann den vorgesehenen Endgang, wenn der Hersteller dies ausdrücklich so beschreibt.

05

Freigegebene Bürst- oder Einscheibenmaschine

Manche Produktsysteme erlauben andere Bürstmaschinen oder eine langsam laufende Einscheibenmaschine mit Teppichbürste. Das ist eine konkrete Systemfreigabe – keine Einladung, irgendeine Bürste einzusetzen.

06

Bürstsauger für die Endaufnahme

Ein geeigneter Bürstsauger löst getrocknete Teilchen aus dem Flor und führt sie in Filtertüte beziehungsweise Behälter. Saubere Filter, passende Bürstenhöhe und mehrere überlappende Richtungen sind Teil des Reinigungsverfahrens.

06

GRANULAT RICHTIG VERWENDEN

Produktzustand, Dosierung und Lagerung kontrollieren

Granulat ist kein neutrales Sägemehl. Träger, Reinigungswirkstoffe, Feuchte und eventuelle Ausrüstungen unterscheiden sich je Produkt. Deshalb werden Gebinde, Produktinformation und Sicherheitsdatenblatt vor der Fläche gelesen.

01

Gebrauchsfertig bedeutet nicht beliebig veränderbar

Granulat in der gelieferten Konsistenz verwenden. Weder Wasser noch Allzweckreiniger, Duftstoff oder Fleckmittel in den Eimer mischen.

02

Feuchte vor der Arbeit beurteilen

Gleichmäßig leicht feuchte, lockere Teilchen passen zum typischen Systemprinzip. Ausgetrocknetes, staubendes oder verklumptes Material nicht eigenmächtig nachbefeuchten, sondern Produktangabe und Lagerzustand klären.

03

Dosierung messen

Die Herstellerangabe in Gramm beziehungsweise Kilogramm pro Fläche auf den tatsächlichen Abschnitt übertragen. Zu viel Granulat erhöht weder automatisch Lösekraft noch Reinigungstiefe.

04

Nur sauberes Produkt entnehmen

Messhilfe sauber halten und verschmutztes, bereits benutztes Granulat niemals in das Frischgebinde zurückgeben.

05

Gebinde sofort schließen

Offene Eimer verlieren Feuchte, nehmen Fremdschmutz auf und können zum Stolperhindernis werden. Lagerbedingungen und Mindesthaltbarkeit des Herstellers einhalten.

06

Produktwechsel nicht mitten auf der Fläche

Trägergröße, Feuchte, Chemie und Farbe unterscheiden sich. Zwei Produkte in einer Arbeitszone machen Wirkung, Rückstände und Reklamation unnötig schwer nachvollziehbar.

Wenn der Teppich aussieht wie ein frisch gestreuter Gehweg, war die Dosierung nicht großzügig, sondern daneben.

Mehr Granulat heißt vor allem: mehr Material kaufen, mehr Material einbürsten und mehr Material wieder heraussaugen. Die Reinigungsgrenze wandert davon keinen Millimeter tiefer.

07

ARBEITSABLAUF

Die Granulatreinigung Schritt für Schritt ausführen

Der Ablauf trennt trockenen Vorschmutz, Fleckbehandlung, gemessene Granulatgabe, Bürstmechanik, Zeit und Endaufnahme. So bleibt nachvollziehbar, welcher Schritt welche Aufgabe erfüllt.

01

Reinigungsziel festlegen

Klären, ob oberflächennahe Verschmutzung feuchtearm entfernt werden soll oder ob Tiefe, Rückstände beziehungsweise Kontamination ein anderes Verfahren verlangen.

02

Gesamtsystem freigeben

Pflegeanleitung des Teppichs sowie Angaben zu Granulat, Fleckmitteln, Bürstenmaschine, Bürstenbesatz und Aufnahmegerät gemeinsam prüfen.

03

Gefährdungen beurteilen

Chemie, Staub, elektrische Maschinen, Kabel, bewegte Bürsten, Verkehrswege, Bodenauslässe und Entsorgung in die Arbeitsplanung aufnehmen.

04

Fläche vorbereiten und sperren

Möbel entfernen oder schützen, lose Gegenstände sichern, Steckdosen und Bodentanks vor Teilcheneintrag schützen und einen geordneten Arbeitsweg festlegen.

05

Teppichaufbau und Vorschäden dokumentieren

Faser, Flor, Farbe, Nähte, Kanten, Rücken, Klebung, Flecken, Laufstraßen und vorhandene Schäden aufnehmen.

06

Gründlich trockensaugen

Den freigegebenen Flor langsam und überlappend aus mehreren Richtungen absaugen. Sand und lose Partikel werden nicht erst mit Granulat vermischt.

07

Flecken separat behandeln

Fleckart bestimmen, passendes Mittel sparsam einsetzen und Rückstände nach Systemvorgabe austragen. Unbekannte Chemie nicht unter Granulat verstecken.

08

Vollständige Probefläche anlegen

Dosierung, Granulat, Bürsten, Maschinenfahrten, Trockenzeit und Endaufnahme gemeinsam testen und das trockene Ergebnis beurteilen.

09

Granulat und Geräte prüfen

Produktzustand, Messhilfe, Bürstenbesatz, Kabel, Auffangwannen, Filter, Filtertüte und Bürstsaugerhöhe kontrollieren.

10

Teilfläche festlegen

Nur einen Abschnitt bearbeiten, dessen Dosierung, Bürstung, Kontaktzeit und Aufnahme sicher beherrscht werden. Ränder und Anschlüsse von Anfang an einplanen.

11

Granulat dünn und gleichmäßig verteilen

Vorgeschriebene Menge über die Teilfläche geben. Der Teppich bleibt zwischen den Teilchen sichtbar; dicke Haufen werden vor dem Bürsten verteilt.

12

Systemgerecht einbürsten

Maschine ruhig in den vorgeschriebenen überlappenden Richtungen führen. Nicht auf der Stelle arbeiten und Kanten, Nähte sowie Wendepunkte laufend prüfen.

13

Ränder kontrolliert bearbeiten

Nur freigegebene Hand- oder Maschinenbürsten verwenden. Granulat nicht unter Sockelleisten, Türen, Möbelkanten oder in Bodenauslässe drücken.

14

Verschmutztes Granulat beurteilen

Farbwechsel kann auf Schmutzaufnahme hinweisen. Verklumpen, Schmieren, starkes Stauben, Faserzug oder ungewöhnlicher Maschinenlauf sind Stoppsignale.

15

Kontakt- und Trockenzeit einhalten

Zeitpunkt und Nutzung richten sich nach dem konkreten Produkt. Leicht feucht an der Oberfläche ist nicht automatisch trocken im gesamten Flor.

16

Granulat systemgerecht aufnehmen

Auffangwannen verwenden, wenn vorgesehen, und anschließend beziehungsweise alternativ mit dem freigegebenen Bürstsauger langsam, überlappend und aus mehreren Richtungen arbeiten.

17

Ränder und Technikzonen nachsaugen

Sockelkanten, Übergänge, Nähte, Möbelstandflächen und geschützte Bodentanks kontrollieren. Filter beziehungsweise Tüte prüfen und bei nachlassendem Luftstrom wechseln.

18

Trockenes Ergebnis abnehmen

Flor, Farbe, Griff, Geruch, Restgranulat, Nähte, Kanten und Übergänge prüfen. Produktmenge, Maschinenwahl, Zeiten und Abweichungen dokumentieren.

08

TROCKNEN UND VOLLSTÄNDIG AUSSAUGEN

Die Endaufnahme entscheidet über Rückstände und Wiederanschmutzung

Hersteller unterscheiden sich bei Kontaktzeit, sofortiger Nutzung und maschineller Aufnahme. Die gemeinsame Grundregel bleibt: Das belastete Granulat muss systemgerecht aus dem Flor, den Rändern und allen Anschlusszonen entfernt werden.

GRANULAT WIRD GRAU

Gebundene Verschmutzung wird sichtbar

Das kann funktionierende Aufnahme zeigen, beweist aber allein keine vollständige Reinigung. Entscheidend sind sauberer Belag und vollständiger Austrag.

TEILCHEN BLEIBEN SICHTBAR

Endaufnahme ist noch nicht beendet

Bürstenhöhe, Fahrtrichtung, Filter, Luftstrom und Florzugang prüfen. Nicht einfach Möbel zurückstellen und auf den nächsten Unterhaltssauger hoffen.

HELLER RAND AN SOCKELN

Granulat wurde in die Randzone geschoben

Mit passender Fugendüse beziehungsweise freigegebener Bürstdüse sorgfältig aufnehmen und Dosier- sowie Bürstweg korrigieren.

STAUBWOLKE ENTSTEHT

Produkt ist ausgetrocknet, zermahlen oder schlecht erfasst

Arbeit stoppen, Produktzustand und Sicherheitsdatenblatt prüfen, lüften beziehungsweise Staubausbreitung kontrollieren und geeignetes Saugsystem einsetzen.

FILTERANZEIGE ODER SAUGKRAFT FÄLLT

Tüte, Behälter oder Filter sind belastet

Gerät ausschalten und nach Anleitung warten. Schwache Aufnahme mit weiteren Leerfahrten zu kaschieren lässt Rückstände im Teppich.

GRANULAT TAUCHT SPÄTER WIEDER AUF

Tiefe Teilchen wurden nicht erreicht oder durch Nutzung hochgearbeitet

Nachsaugen, Austragsweg überprüfen und bei wiederholtem Auftreten Verfahren beziehungsweise Belagsfreigabe neu bewerten.

Granulat, das im Teppich bleibt, ist kein Langzeit-Reinigungsdepot.

Es ist liegen gebliebener Schmutzträger. Der nächste Kollege soll reinigen – nicht deine Krümelsammlung archäologisch ausgraben.

09

TYPISCHE FEHLER

Fehlerbild erkennen, Ursache prüfen und sicher reagieren

Die häufigsten Fehler entstehen durch Überdosierung, falsche Bürsten, unvollständiges Aussaugen und den Versuch, eine tiefe Verschmutzung mit einem Zwischenreinigungsverfahren zu lösen.

FEHLERBILDWAHRSCHEINLICHE URSACHESICHERE REAKTION
Weiße oder beige Inseln im Flor

Granulat wurde zu dick oder ungleichmäßig verteilt und nicht vollständig aufgenommen.

Bereich gründlich in mehreren Richtungen bürstsaugen; Dosierung messen und kleinere Teilflächen wählen.

Teppich staubt nach der Reinigung

Produkt war ausgetrocknet, wurde mechanisch zermahlen oder der Austrag war unvollständig.

Nutzung begrenzen, Sicherheitsdatenblatt prüfen, staubarm nachsaugen und Produkt- sowie Maschinenzustand klären.

Klebriger oder seifiger Griff

Granulat, Vorreiniger oder Fleckmittel war überdosiert, ungeeignet oder chemisch nicht kompatibel.

Keine weitere Chemie aufbringen. Rückstandsart bestimmen und ein freigegebenes Austrags- oder Spülverfahren planen.

Dunkle Laufstraße bleibt

Verschmutzung sitzt tiefer, Flor ist verschlissen oder die Dosierung beziehungsweise Mechanik reicht nicht aus.

Trockenbild mit Vergleichsfläche prüfen und zwischen weiterer Reinigung, anderem Verfahren und Materialveränderung unterscheiden.

Schlinge oder Naht wird gezogen

Bürstenbesatz beziehungsweise Walzenbewegung hat ein loses Garn oder eine Vorschadstelle erfasst.

Sofort ausschalten, Garn nicht herausziehen, Stelle sichern und vor weiterer Mechanik reparieren beziehungsweise freigeben lassen.

Wolken oder unterschiedliche Florlage

Maschine wurde ungleichmäßig geführt oder der Flor liegt nach mehreren Richtungen verschieden.

Nicht nass nacharbeiten. Materialgerecht ausrichten, vollständig trocknen lassen und erst dann bewerten.

Granulat liegt in Bodentank oder Fuge

Anschlüsse waren ungeschützt oder die Maschine hat Teilchen in Randzonen gedrückt.

Technikzone spannungs- und objektsicher behandeln, geeignet absaugen und Schutzmaßnahmen vor dem nächsten Abschnitt verbessern.

Saugkraft bricht schnell ein

Feuchtes Granulat oder große Mengen belasten Tüte, Filter oder ein ungeeignetes Saugsystem.

Nur freigegebenes Aufnahmegerät verwenden, Filterweg warten und Füllstand sowie Herstellergrenzen einhalten.

10

GRENZEN UND ARBEITSSCHUTZ

Chemie, Staub, Bürsten, Elektrik und Materialgrenzen beachten

Feuchtearm bedeutet weder gefahrlos noch für jeden Teppich geeignet. Die Gefährdungsbeurteilung umfasst den chemischen Träger, mögliche Staubbildung, Maschinenarbeit, Verkehrswege und die vorhandene Verschmutzung.

Sicherheitsdatenblatt und Produktinformation

Granulat ist Reinigungschemie auf einem Träger. Inhaltsstoffe, Kennzeichnung, Haut- und Augenschutz, Lagerung, Lüftung, Erste Hilfe und Entsorgung werden nicht aus dem Wort trocken abgeleitet.

Staub nicht unterschätzen

Ausgetrocknetes oder zerriebenes Granulat kann einatembaren Staub erzeugen. Nicht trocken zusammenkehren, nicht aus großer Höhe ausschütten und kein ungeeignetes Gerät verwenden, das Staub wieder ausbläst.

Bewegte Bürsten

Maschine vor Bürstenkontrolle, Entwirren oder Wannenwechsel ausschalten, Netzstecker ziehen und Stillstand abwarten. Kabel, Fransen und lose Garne dürfen nicht in die Walzen gelangen.

Elektrische Betriebsmittel

Kabel, Stecker, Zugentlastung und Gehäuse vor Arbeitsbeginn prüfen. Beschädigte Geräte aussortieren und Leitungen so führen, dass weder Überfahren noch Stolperstellen entstehen.

Verkehr und Nutzung

Granulat auf Hartboden kann rutschig wirken und wird leicht verschleppt. Arbeitszone kennzeichnen, Übergänge sauber halten und Fläche erst nach systemgerechter Aufnahme freigeben.

Hygienische und gefährliche Belastungen

Granulat ist kein Verfahren zur sicheren Aufnahme unbekannter Gefahrstoffe, Schimmelbelastung, Körperflüssigkeiten oder anderer kontaminierter Stäube. Hier gelten spezielle Beurteilung und Verfahren.

Materialgrenze

Hochflor, lose Schlingen, Fransen, instabile Nähte, offene Teppichfliesen, unbekannte Naturfasern und schwer aussaugbare Konstruktionen bleiben ohne eindeutige Freigabe außen vor.

Leistungsgrenze

Das Verfahren hat keine Klarspülung und keine unmittelbare Nassrückgewinnung. Tiefer Schmutz, Altchemie, Geruchsquellen und starke fettige Belastung verlangen häufig eine andere Reinigungsstufe.

11

PRAXIS UND ZUSTÄNDE

Verschmutzung, Materialveränderung und echten Schaden trennen

Ein dunkler Laufweg kann schmutzig, verfilzt, anders gepolt oder verschlissen sein. Erst Probefläche, vollständiger Austrag und trockenes Vergleichsbild zeigen, was Reinigung leisten kann.

FALL 01

Leichte Laufspur im Büroflur

Kurzfloriger Objektteppich, freigegebenes System, trockener loser Schmutz bereits entfernt. Eine gemessene Granulatmenge wird abschnittsweise eingebürstet und vollständig bürstgesaugt.

PASSEND · WENN PROBEFLÄCHE UND AUSTRAG STIMMEN
FALL 02

Granulat bleibt im Nadelvlies

Die dichte, verfilzte Konstruktion hält kleine Teilchen trotz mehrerer Saugfahrten. Weitere Produktgabe würde das Problem nur vergrößern.

STOPP · AUFNAHMEWEG UND VERFAHRENSFREIGABE NEU PRÜFEN
FALL 03

Hochfloriger Teppich

Lange Garne erschweren gleichmäßigen Bürstenkontakt und vollständige Rückgewinnung. Walzen können Fäden verdrillen oder erfassen.

NICHT PAUSCHAL EINSETZEN · HERSTELLERFREIGABE ERFORDERLICH
FALL 04

Dunkle Zone bleibt nach dem Saugen

Möglich sind tief sitzender Schmutz, Polumkehr, verfilzter Flor oder Faserabrieb. Mehr Granulat ist erst nach richtiger Einordnung sinnvoll.

TROCKEN VERGLEICHEN · VERSCHMUTZUNG VOM MATERIALZUSTAND TRENNEN
FALL 05

Beige Krümel an der Sockelleiste

Das sind Rückstände des Reinigungsverfahrens, keine Materialveränderung. Randabsaugung und Dosierweg waren unvollständig.

NACHARBEIT · VOLLSTÄNDIG AUFNEHMEN
FALL 06

Walze zieht eine Schlinge

Die Maschine hat eine lose oder vorgeschädigte Garnschlinge erfasst. Weiterfahren kann Laufmasche, Nahtöffnung oder Flächenschaden vergrößern.

ECHTER SCHADEN · SOFORT STOPPEN UND SICHERN
VERSCHMUTZUNG

Entfernbarer Fremdstoff oder liegen gebliebenes Granulat

Sand, Laufstraßenschmutz, fettige Anhaftung und Rückstände des Reinigungsgranulats können bei geeignetem Verfahren ausgetragen werden.

MATERIALVERÄNDERUNG

Florbild oder Faseroberfläche ist verändert

Shading, Polumkehr, Mattierung, Verfilzung und druckbelastete Laufwege können fleckig oder dunkler wirken. Bürsten kann das Bild ändern, macht Verschleiß aber nicht rückgängig.

ECHTER SCHADEN

Garn, Naht, Rücken oder Klebeverbund ist beschädigt

Gezogene Schlingen, Faserbruch, offene Nähte, Delamination und gelöste Fliesen werden durch Granulat nicht sauber. Weitere Mechanik kann den Schaden vergrößern.

QUELLEN · STAND 15.09.2026

Herstellerangaben und Arbeitsschutz

Produktrezepturen und Arbeitszeiten unterscheiden sich; verbindlich bleiben die Pflegeanleitung des tatsächlich eingebauten Teppichs und die Angaben des verwendeten Granulatsystems.

01SEBO · DUO ReinigungssystemHerstellerangaben zu angefeuchtetem Reinigungspulver, motorisch angetriebenen Bürsten, ungefährer Kontaktzeit und anschließendem gründlichen Saugen ↗02SEBO Australia · DUO und DUO-PHerstellerbeschreibung der leicht angefeuchteten Mikro-Schwämme, Vorreinigung, gleichmäßigen Verteilung, Bürstmechanik und trockenen Endaufnahme ↗03CCI Carpet Cleaner Industries · ProduktkatalogHerstellerangaben zu professionellem Reinigungscompound, gegenläufigen Walzenbürsten, Auffangwannen und Aufnahme durch Maschine beziehungsweise Saugen ↗04HOST · Dry Extraction CleanerHerstellerinformationen zu einem feuchtearmen Reinigungscompound und zu produktspezifischen Materialfreigaben – als Beispiel dafür, dass Freigaben immer zum konkreten System gehören ↗05Carpet and Rug Institute · Seal of ApprovalBranchenprogramm zur geprüften Leistung von Teppichreinigungsprodukten, Saugern sowie Zwischen- und Tiefenreinigungssystemen ↗06DGUV Regel 101-605 · Branche GebäudereinigungGefährdungsbeurteilung, Gefahrstoffe, elektrische Betriebsmittel, Maschinen, Unterweisung und persönliche Schutzausrüstung ↗

VERWANDTE KAPITEL

Weitere Verfahren der Teppichreinigung

05.6 · Faser- und Mikrofaserpadverfahren 05.8 · Textile Verkapselungsreinigung 07.2 · Bürstsaugen Textile Bodenbeläge verstehen Textilreinigungsmaschinen