EINZELKAPITEL · REINIGUNGSTECHNIK 01.3

Trockensaugen.
Der Luftweg muss stimmen.

Nicht die Wattzahl reinigt den Boden. Das Ergebnis entsteht aus passendem Sauger, freiem Luftweg, richtiger Filterung, geeigneter Düse und einer ruhigen Arbeitsführung.

Luftmenge+Unterdruck+Düsenkontakt+freier Luftweg=Aufnahme an der Fläche
Kessel-Trockensauger mit umschaltbarer Bodendüse auf einem textilen Bodenbelag
BILD LESEN

Die Kombidüse steht auf einem textilen Belag. Hier gehören die normalen starren Borsten in die Düse. Der Fußschalter stellt nur den Abstand zum Boden um – aus der Kombidüse wird dadurch noch kein Bürstsauger mit angetriebener Walze.

01

VOR DEM EINSCHALTEN

Vier Fragen verhindern den falschen Sauger.

Trockensaugen passt zu trockener, loser oder schwach haftender Verschmutzung. Ob ein normaler Objekt-Trockensauger genügt, entscheidet aber nicht das Aussehen des Staubes allein.

01

Ist der Schmutz wirklich trocken?

PASSTStaub, Haare, Flusen, Sand und Krümel können aufgenommen werden.

STOPP / NEU WÄHLENFeuchte, Flüssigkeit oder klebrige Stoffe verlangen ein anderes freigegebenes Gerät oder Verfahren.

02

Ist die Staubart bekannt?

PASSTÜblicher Hausstaub im Rahmen der Unterhaltsreinigung lässt sich mit einem passenden Trockensauger bearbeiten.

STOPP / NEU WÄHLENBei Bau-, Holz-, Quarz-, Metall-, Toner-, Schimmel- oder unbekanntem Staub zuerst die Gefährdung und Geräteeignung klären.

03

Passt die Düse zur Oberfläche?

PASSTBodendüse, Bürstenstellung und gegebenenfalls Florhöhe sind auf Hartboden oder Textil eingestellt.

STOPP / NEU WÄHLENEine falsche Düse erhöht Schiebekraft, lässt Schmutz liegen oder kann empfindliche Oberflächen belasten.

04

Ist der Luftweg frei und dicht?

PASSTBeutel, Behälter, Filter, Schlauch, Rohr, Dichtungen und Düse sind einsatzbereit.

STOPP / NEU WÄHLENBei Schaden, Verstopfung, voller Anzeige oder deutlich sinkender Aufnahmeleistung wird erst die Ursache behoben.

02

SECHS BAUARTEN UND AUFGABEN

„Staubsauger“ ist keine eindeutige Geräteklasse.

Bauform und Energieversorgung sagen zuerst etwas über Handhabung und Einsatz aus. Gefahrstaubtauglichkeit, Filterung und Zubehör müssen separat nachgewiesen werden.

01

Kessel-Trockensauger

Der klassische kabelgebundene Objekt- und Bodensauger für trockene lose Verschmutzung.

STARK, WENN
Gut für regelmäßige Unterhaltsreinigung, wenn Aktionsradius, Geräusch, Behälter und Zubehör zum Objekt passen.
GRENZE
Kein Sauger für Flüssigkeit oder automatisch für Gefahrstaub.
02

Akku-Trockensauger

Trockensauger ohne Netzkabel; Bauform als Boden-, Stiel- oder Kompaktgerät möglich.

STARK, WENN
Hilfreich für Spot Cleaning, viele Raumwechsel und belegte Bereiche ohne Kabelweg.
GRENZE
Laufzeit, Ersatzakku, Ladezeit und Leistung unter realer Filterbelastung einplanen.
03

Rückensauger

Motor, Sammelsystem und Filter werden am Körper getragen; Schlauch und Düse bleiben beweglich.

STARK, WENN
Treppen, Kinos, enge Räume und stark möblierte Flächen mit vielen Richtungswechseln.
GRENZE
Tragesystem einstellen, Gewicht und Wärme beachten; Schlauch darf weder hängen bleiben noch den Laufweg kreuzen.
04

Bürst- oder Teppichbürstsauger

Eine angetriebene Bürstwalze öffnet geeigneten Textilflor und löst Partikel vor der Absaugung.

STARK, WENN
Regelmäßige intensivere Trockenpflege geeigneter textiler Beläge.
GRENZE
Schlingen, Hochflor, Fransen, Naturfasern und beschädigte Ware nicht ohne Freigabe und Probefläche bürsten.
05

Nass-/Trockensauger

Ein dafür gebautes Gerät kann je nach Konfiguration trockene Partikel oder geeignete Flüssigkeiten aufnehmen.

STARK, WENN
Werkstatt, Bau- und Sonderaufgaben, wenn Filter, Beutel, Schwimmer und Zubehör korrekt eingerichtet sind.
GRENZE
„Kann nass“ bedeutet nicht „darf jeden Feinstaub“. Vor dem Medienwechsel gilt die Betriebsanleitung.
06

Industriesauger oder Entstauber

Ein Industriesauger nimmt abgelagerten Staub auf. Ein Entstauber kann Staub zusätzlich direkt an einer Maschine erfassen und überwacht den erforderlichen Volumenstrom.

STARK, WENN
Definierte gewerbliche Stäube, Baustelle, Werkstatt oder Quellenabsaugung nach Gefährdungsbeurteilung.
GRENZE
Staubklasse, Explosionsschutz, Entleerung und Zubehör gehören zur Freigabe des Gesamtsystems.
03

VON DER DÜSE BIS ZUR ABLUFT

Jede Engstelle kostet Aufnahmeleistung.

01Düse

Kontakt zur Fläche

02Rohr + Schlauch

Transport ohne Knick

03Beutel / Behälter

Hauptmenge abscheiden

04Hauptfilter

Feinanteile zurückhalten

05Motor + Abluft

Luft kontrolliert ausgeben

Die genaue Reihenfolge der Filterstufen hängt von der Gerätebauart ab. Entscheidend ist: Die belastete Luft darf den vorgesehenen Weg nicht über einen falsch sitzenden Beutel, eine beschädigte Dichtung oder einen offenen Filter umgehen.

Sammelbeutel oder Vorabscheidung

Nimmt den größten Schmutzanteil auf. Ein voller, ungeeigneter oder schlecht sitzender Beutel drosselt den Luftstrom und kann Staub am System vorbeiführen.

Haupt- und Motorschutzfilter

Schützen den Luftweg und den Motor vor feineren Partikeln. Bauform, Reihenfolge und zulässige Reinigung sind gerätespezifisch.

Abluft- oder Schwebstofffilter

Begrenzt feine Partikel in der austretenden Luft. Er wirkt nur richtig, wenn er unbeschädigt, passend eingesetzt und das Gerätegehäuse dicht ist.

Dichtungen und Verbindungen

Sind keine Filter, entscheiden aber über das Ergebnis. Nebenluft und Undichtigkeiten können Aufnahme und Staubrückhaltung verschlechtern.

04

ZWEI SYSTEME, DIE OFT VERWECHSELT WERDEN

Staubklasse H ist nicht HEPA H13.

L, M und H ordnen den Sauger beziehungsweise Entstauber für gefährliche Stäube ein. E10 bis H14 beschreiben dagegen die Abscheideleistung eines einzelnen Schwebstofffilters. Gleiche Buchstaben machen daraus nicht dieselbe Prüfung.

GERÄT / GESAMTSYSTEM

Staubklassen L · M · H

KlasseAbscheidegradEinordnungPraxis
L99 %

Leichtere Staubgefährdung

Geräteklasse nur anhand der konkreten Staubbeurteilung auswählen.

M99,9 %

Mittlere Staubgefährdung

Die DGUV nennt unter anderem Holzstaub und quarzhaltigen mineralischen Staub mit mindestens M.

H99,995 %

Hohe Staubgefährdung

Für besonders gefährliche Stäube; Asbest verlangt H plus besondere Zusatzanforderungen und ein eigenes Verfahren.

FILTERELEMENT

EPA E10–E12 · HEPA H13–H14

EPAE10

≥ 85 %integraler Mindestabscheidegrad am MPPS

EPAE11

≥ 95 %integraler Mindestabscheidegrad am MPPS

EPAE12

≥ 99,5 %integraler Mindestabscheidegrad am MPPS

HEPAH13

≥ 99,95 %integraler Mindestabscheidegrad am MPPS

HEPAH14

≥ 99,995 %integraler Mindestabscheidegrad am MPPS

05

KOMBIDÜSE RICHTIG SCHALTEN

Hartboden: Bürste raus. Teppich: Bürste rein.

HARTE OBERFLÄCHE

Borsten ausgefahren

Auf geeigneten Hartböden läuft die Kombidüse auf dem abgesenkten Bürstenkranz. Sand und Haare werden zum Saugmund geführt, ohne dass die harte Düsenunterseite direkt über den Belag schiebt.

Fußschalter auf das Hartbodensymbol.
TEXTILE OBERFLÄCHE

Borsten eingefahren

Auf geeignetem Teppich werden die starren Borsten hochgestellt. Die Düse liegt näher an der Polschicht und lässt sich kontrolliert führen. Das ist weiterhin reines Saugen ohne angetriebene Bürstwalze.

Fußschalter auf das Teppichsymbol.

Hartboden- / Parkettdüse

Feste weiche Borsten und gleitfähige Ausführung für geeignete glatte, empfindlichere Hartböden.

Sand vorher sichtbar erfassen; Borsten und Laufrollen sauber halten.

Turbo- oder Elektrobürste

Rotierende Bürstwalze für geeignete textile Beläge; luft- oder motorgetrieben.

Florhöhe, Schlingen, Fransen und Faserfreigabe prüfen. Nicht blind auf jeden Teppich setzen.

Fugendüse

Schmale Ansaugzone für Kanten, Fugen und enge Zwischenräume.

Nicht als Flächendüse missbrauchen; harte Kante ohne Druck führen.

Polsterdüse

Breitere kleine Düse, häufig mit Fadenhebern, für geeignete Polster und textile Möbelbereiche.

Material, lose Fäden, Knöpfe und empfindliche Bezüge vorher prüfen.

Saugpinsel

Weicher Bürstenaufsatz für geeignete Möbel, Profile und unregelmäßige Oberflächen.

Empfindliche, lose oder kratzgefährdete Teile nur mit reduzierter Leistung und Probefläche.
06

KOMPLETTER ARBEITSWEG

Vom Staubbefund bis zum einsatzbereiten Gerät.

01

Auftrag, Fläche und Staub bestimmen

Reinigungsziel, Boden, Möblierung, Trockenheit und Staubart prüfen. Unbekannte oder gefährliche Belastung wird vor dem Einschalten geklärt.

02

Sauger, Filterung und Düse festlegen

Bauform, Geräteeignung, Sammelsystem, Staubklasse und Zubehör als Einheit auswählen – nicht nach Wattzahl oder Werbeetikett.

03

Gerät vor Einsatz kontrollieren

Stecker, Leitung, Gehäuse, Rollen, Schlauch, Rohr, Dichtungen, Beutel oder Behälter, Filter und Anzeigen prüfen. Beschädigtes Gerät nicht benutzen.

04

Problematische Teile aussortieren

Flüssigkeit, heiße Asche, glühende Stoffe, scharfe Gegenstände, große Brocken und unbekannte Stoffe nicht einfach einsaugen.

05

Bodendüse richtig einstellen

Auf Hartboden bei einer üblichen Kombidüse die Borsten ausfahren, auf Teppich einfahren. Abweichende Symbole und Herstellerangaben gehen vor.

06

Ränder und schwer erreichbare Zonen vorlegen

Sockelkanten, Ecken, unter erreichbaren Möbeln und hinter Türen zuerst bearbeiten, damit die freie Fläche anschließend geschlossen gefahren wird.

07

Freie Fläche ruhig absaugen

Mit gleichmäßiger Geschwindigkeit und leicht überlappenden Bahnen arbeiten. Auf Teppich in der erforderlichen Richtung und nicht hektisch über die Oberfläche schieben.

08

Aufnahmeleistung währenddessen lesen

Geräusch, Schiebekraft, Anzeige und sichtbares Restbild beobachten. Bei Leistungsabfall zuerst Düse, Rohr, Schlauch, Beutel und Filter prüfen.

09

Staubarm wechseln und entleeren

Beutel oder Sammelsystem vor Überfüllung nach Herstellerangabe wechseln. Gefahrstaub nur im dafür festgelegten sicheren Wechsel- und Entsorgungsverfahren behandeln.

10

Ergebnis und Gerät abschließen

Kanten, Bahnen und erreichbare Zonen kontrollieren. Zubehör reinigen, Leitung sicher aufwickeln und das Gerät für den nächsten Einsatz vollständig bereitstellen.

07

WENN DER SAUGER PLÖTZLICH SCHWACH WIRD

Den Luftweg prüfen – nicht auf die Düse schlagen.

01

Beutel oder Behälter voll

Der freie Querschnitt sinkt; Anzeige und Aufnahmeleistung reagieren.

Wechseln oder entleeren – nicht bis zum völligen Stillstand weiterfahren.
02

Filter zugesetzt

Der Strömungswiderstand steigt, Motor und Luftweg werden belastet.

Nur nach Betriebsanleitung abreinigen oder ersetzen; nicht im Raum ausklopfen.
03

Düse oder Rohr blockiert

Haare, Fäden, Papier und Brocken verengen die Ansaugung.

Ausschalten, Netzstecker ziehen beziehungsweise Akku sichern und Blockade gefahrlos entfernen.
04

Schlauch geknickt oder undicht

Zu langer, enger, beschädigter oder geknickter Schlauch kostet nutzbaren Volumenstrom.

Verlauf korrigieren und beschädigte Teile ersetzen.
05

Falsche Düse oder Einstellung

Die Ansaugöffnung hat keinen passenden Abstand zur Oberfläche oder die Schiebekraft wird zu hoch.

Düse, Bürstenstellung, Florhöhe und Nebenluft passend einstellen.
06

Dichtung oder Beutel sitzt falsch

Nebenluft umgeht den vorgesehenen Weg; Staub kann im Gerät falsch geführt werden.

Montage nach Anleitung korrigieren und Dichtflächen prüfen.
08

VERFAHRENSGRENZEN & ABSCHLUSS

Nicht alles, was in ein Rohr passt, gehört in den Sauger.

STOPP

Flüssigkeit im Trockensauger

Stoppen. Nur ein dafür freigegebenes Nass- oder Nass-/Trockensystem in korrekter Konfiguration einsetzen.

STOPP

Heiße Asche, Glut oder Zündquelle

Nicht einsaugen. Brand- und Explosionsgefahr zuerst beseitigen und geeigneten Entsorgungsweg festlegen.

STOPP

Unbekannter Fein- oder Gefahrstaub

Bereich sichern, Stoff ermitteln und Staubklasse, Ex-Schutz, Wechselweg und PSA aus der Gefährdungsbeurteilung ableiten.

STOPP

Scharfe oder infektiöse Gegenstände

Nicht mit der Bodendüse jagen. Berührungsarm mit geeignetem Werkzeug in ein passendes stichfestes Behältnis geben.

STOPP

Beschädigte Leitung oder Gehäuse

Gerät außer Betrieb nehmen und kennzeichnen. Keine improvisierte Reparatur im Objekt.

STOPP

Haftschmutz oder tiefe Textilverschmutzung

Trockensaugen nicht endlos wiederholen. Fleck-, Zwischen- oder Grundreinigungsverfahren materialgerecht auswählen.

ENTFERNT

Lose trockene Verschmutzung

Staub, Haare, Flusen, Sand und Krümel sind aus der vereinbarten Fläche und den erreichbaren Randzonen aufgenommen.

NICHT VERSPROCHEN

Haftschmutz und tiefe Bindung

Flecken, klebrige Filme und tief sitzende textile Verschmutzung können bleiben. Dafür wird bewusst das nächste passende Verfahren gewählt.

GERÄT BEREIT

Luftweg für den nächsten Einsatz

Düse und Rohr sind frei, Beutel beziehungsweise Behälter und Filter sind kontrolliert, Zubehör und Leitung sicher verstaut.

FACHLICHER ABGLEICH

Fachliche Grundlagen und Quellen

Gerätearten, Staubklassen, Filterklassen, Düsenwahl und Sicherheitsgrenzen wurden mit Unfallversicherungs-, Normen- und Herstellerinformationen abgeglichen.

01DGUV Information 209-084Industriesauger, Entstauber, Staubklassen und Luftweg ↗02DGUV Information 209-044 · HolzstaubStauberfassung und Geräteklasse M ↗03DIN EN 1822 · FilterklassifikationEPA-, HEPA- und ULPA-Filter am MPPS ↗04SEBO · Bodendüsen und GerätefiltrationKombidüse, Turbo- und Elektrobürste als unterschiedliche Systeme ↗05Kärcher · Teppich trocken saugenUmschaltbare Bodendüse, langsame Führung und Turbodüse ↗06Kärcher Professional · RückensaugerBauart, Einsatz und optionale Filterung ↗

WEITER IM VERFAHRENSREGISTER

Lose Verschmutzung anders aufnehmen.

Staubbindendes Wischen Bürstsaugen Alle Reinigungstechniken