Ein Fenster ist kein Stück Glas, sondern ein Bauteilsystem. Scheiben, Beschichtungspositionen, Abstandhalter, Randverbund, Dichtungen, Rahmen und Entwässerung brauchen getrennte Werkzeuge und passende Chemie.
meist MIG · mehrere Werkstoffe · innen und außen verschieden
A · ZUERST DIE DREI MATERIALZONEN
Rahmen. Dichtung. Glas.
Diese drei sichtbaren Bereiche bilden die einfache Grundordnung für die Reinigung. Jeder Bereich kann aus unterschiedlichen Materialien bestehen und braucht deshalb eine eigene Prüfung.
VEREINFACHTE VORDERANSICHT · DIE DREI SICHTBAREN REINIGUNGSZONEN
01 · RAHMEN
Gängige Materialien
Kunststoff, meist PVC-U
Holz, lackiert, lasiert oder geölt
Aluminium, beschichtet oder eloxiert
Holz-Aluminium-Kombination
Stahl, häufig lackiert oder beschichtet
02 · DICHTUNG
Gängige Materialien
EPDM-Kautschuk
Thermoplastische Elastomere, kurz TPE
Silikonprofile bei Sonderkonstruktionen
Bürstendichtungen bei Schiebeelementen
03 · GLAS
Gängige Ausführungen
Floatglas als Basisscheibe
Zwei- oder Dreifach-Isolierglas, kurz MIG
ESG, TVG oder VSG als mögliche Einzelscheiben
Wärme-, Sonnen- oder Sichtschutzbeschichtungen
Ornament-, Guss- oder Funktionsglas
Für die Reinigung entscheidend:
Rahmen, Dichtung und Glas gehören zum selben Fenster – sind aber drei getrennte Oberflächen. Mittel, Tuch und Mechanik deshalb für jede Zone passend wählen.
B · VERGLASUNGSAUFBAUTEN
Von einer Scheibe bis zum Vakuumsystem.
Die Übersicht zeigt die aktuell relevanten Grundaufbauten. Produktabhängige Scheibendicken, Beschichtungen und Randdetails sind bewusst nicht maßstäblich dargestellt.
Nur die äußeren, tatsächlich zugänglichen Glasoberflächen werden gereinigt. Beschlag oder Feuchte in einem hermetisch geschlossenen Scheibenzwischenraum ist ein Bauteilschaden – kein Reinigungsproblem.
C · FENSTER- UND ÖFFNUNGSARTEN
Wie sich der Flügel bewegen kann.
Die Karten zeigen die Bewegungslogik schematisch. Anschlagseite, Öffnungsrichtung, Beschlag und Sicherung werden immer am realen Fenster geprüft.
Band- oder Drehachse Öffnungsbewegung Flügel in geöffneter Lage
01 · nicht zu öffnen
Festverglasung
Festfeld
Die Verglasung sitzt fest im Blendrahmen oder in einem festen Feld. Es gibt keinen beweglichen Flügel.
02 · seitlich nach innen oder außen
Drehflügel
Drehfenster
Der Flügel dreht um eine senkrechte Bandachse. Links oder rechts angeschlagene Ausführungen sind möglich.
03 · oben nach innen
Kippflügel
Kippfenster
Die Bandachse liegt unten. Die Flügeloberkante kippt zur Lüftung in den Raum; Schere und Fangvorrichtung begrenzen den Weg.
04 · drehen oder kippen
Dreh-Kipp-Flügel
Dreh-Kipp-Fenster
Der Beschlag stellt wahlweise die seitliche Drehöffnung oder die Kippstellung bereit. Das ist eine häufige Wohnbau-Ausführung.
05 · Haupt- und Bedarfsflügel
Stulpfenster
zweiflügelig ohne festen Pfosten
Nach dem Hauptflügel lässt sich der Stulp- beziehungsweise Bedarfsflügel öffnen; dazwischen bleibt kein fester Mittelpfosten stehen.
06 · fest, kipp- oder klappbar
Oberlichtflügel
oberes Fensterfeld
Oberlicht bezeichnet zuerst die Lage über einem anderen Feld. Der Oberlichtflügel kann je nach System fest, kippbar oder klappbar sein.
07 · unten nach außen
Klappflügel
Klappfenster
Die waagerechte Bandachse liegt oben; die Unterkante bewegt sich von der Rahmenebene weg. Öffnungsrichtung am Objekt prüfen.
08 · um waagerechte Mittelachse
Schwingfenster
Schwingflügel
Der Flügel dreht um eine waagerechte Achse im mittleren Bereich. Typisch ist diese Bewegung bei vielen Dachfenstern.
09 · um senkrechte Mittelachse
Wendefenster
Wendeflügel
Der Flügel dreht um eine senkrechte Achse im mittleren Bereich; Innen- und Außenseite wechseln dabei ihre Lage.
10 · parallel zur Rahmenebene
Schiebefenster
Horizontal- oder Vertikalschieber
Ein Flügel läuft seitlich oder senkrecht an einem zweiten Feld vorbei. Schienen, Bürstendichtungen und Entwässerung sind eigene Schmutzzonen.
11 · kippen, abstellen, seitlich schieben
Parallel-Schiebe-Kipp
PSK-Element
Der bewegliche Flügel kann kippen und wird zum Schieben parallel aus der Dichtungsebene gestellt. Häufig bei großen Fenstertüren.
12 · schwingen oder nach außen klappen
Dachfenster
Schwing- oder Klapp-Schwing-Fenster
Die Bauform liegt in der Dachfläche. Je nach Beschlag schwingt der Flügel mittig oder klappt für einen freien Ausblick nach außen.
Begriffe richtig lesen
Dreh, Kipp, Schwing, Wende und Schieben beschreiben die Bewegung. Oberlicht, Stulpfenster und Dachfenster beschreiben Lage oder Bauform; sie können mit unterschiedlichen Öffnungsbeschlägen kombiniert sein.
Die Skizzen sind eine fachliche Orientierung und kein Beschlags- oder Produktnachweis. Motorische Fenster, Fangscheren, Öffnungsbegrenzer und Reinigungsstellungen nur nach Herstellerangabe bedienen.
01 · AUFBAU
Was steckt typischerweise drin?
Zwei- oder Dreifach-Isolierglas; die Einzelscheiben können Floatglas, ESG, TVG oder VSG sein.
Wärmedämm-, Sonnen- oder andere Funktionsschichten liegen häufig geschützt im Scheibenzwischenraum, können bei Sonderkonstruktionen aber auch zugänglich sein.
Rahmen bestehen unter anderem aus Kunststoff, beschichtetem Aluminium, Holz oder Materialkombinationen; Dichtungen und Glasleisten ergänzen das System.
02 · PRÜFEN
Was muss ich vor Ort klären?
Randkennzeichnung, Abstandhalter und Anzahl der Spiegelbilder einer Lichtquelle geben Hinweise auf Scheibenanzahl und Beschichtung.
Außen- und Raumseite festlegen; Position 1 liegt außen, bei Zweifach-MIG Position 4 raumseitig.
Rahmenmaterial, Dichtungen, Ablauföffnungen, Folien, Aufkleberreste und bestehende Kratzer dokumentieren.