04.2

SALZ- & MINERALERSCHEINUNGEN · PRAXISDIAGNOSE

Subfloreszenz & Kryptofloreszenz

Salze kristallisieren unterhalb der sichtbaren Oberfläche. Der Kristallisationsdruck kann Porenwände, Schalen und Beschichtungen von innen lösen.

Realistische Makroaufnahme einer mineralischen Oberfläche mit unter der Deckschicht kristallisierenden Salzen und kleinen Abplatzungen
GENERIERTE ANSCHAUUNG

Die Kristalle sitzen nicht nur obenauf. Schuppen, aufgewölbte Schalen und sandiger Materialverlust weisen auf eine Kristallisation unter der Oberfläche hin.

01

SCHADENSBILD

Was liegt auf – und was zerfällt bereits?

Bei Subfloreszenz kristallisieren Salze in Poren unter der Oberfläche; Kryptofloreszenz beschreibt die verborgene Auskristallisation im Material. Wiederholtes Lösen und Kristallisieren sowie Hydratationswechsel bestimmter Salze können Druck und Spannungen erzeugen. Das Erscheinungsbild reicht von Mattierung und Absanden bis zu Schuppen und Abplatzungen – oft ohne kräftigen weißen Oberflächenbelag.

TYPISCHE FORMEN
  • Schuppenbildung
  • sandiger Zerfall
  • aufgewölbte Schale
  • hohle Oberfläche
  • feine Abplatzungen
  • Materialverlust ohne starken Salzrasen
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ENTSTEHUNG

Salz braucht Quelle, Wasser und einen Kristallisationsort.

Erst das Zusammenspiel aus löslichen Stoffen, Feuchtebewegung, Verdunstung, Porengefüge und Klima erklärt, warum dieselbe Salzmenge harmlos sichtbar oder unsichtbar zerstörend wirken kann.

01

Verdunstung unter einer dichten Zone

Beschichtung, dichter Zementputz, Imprägnierung oder verschlossene Poren verlagern den Trocknungshorizont in den Baustoff.

02

Kristallisationszyklen

Wechsel von Feuchte und Trockenheit löst Salze wiederholt und lässt sie erneut auskristallisieren; Art, Konzentration, Porengefüge und Klima bestimmen die Belastung.

03

Ungeeigneter Schichtaufbau

Eine harte oder dichte Deckschicht liegt auf weicherem, salzbelastetem Material. Die untere Zone zerfällt, während die Oberfläche zunächst scheinbar geschlossen bleibt.

03

ERKENNEN & EINORDNEN

Beobachten, abgrenzen, erst dann behandeln.

  1. 01

    Nicht an Schuppen ziehen oder lose Kanten wegkratzen; Bestand, Hohlstellen, Schichtgrenzen und Verlustzonen dokumentieren.

  2. 02

    Oberflächenbelag und innere Salzbelastung trennen: Wenig sichtbares Salz bedeutet nicht automatisch geringe Belastung.

  3. 03

    Feuchte- und Salzprofil in abgestimmten Tiefen untersuchen; eine reine Oberflächen-Leitfähigkeitsmessung kann den Schadensort verfehlen.

  4. 04

    Beschichtungen, frühere Abdichtungen, Fugenmörtel und Trocknungsrichtung in die Diagnose einbeziehen.

STUFE 1

Innere Belastung ohne Verlust

Salze sind nachweisbar, die Oberfläche ist noch fest; Ursache und Klima können rechtzeitig stabilisiert werden.

STUFE 2

Schuppen und Absanden

Porenverband oder oberste Schicht lösen sich; jede mechanische Reinigung kann weiteren Verlust erzeugen.

STUFE 3

Fortschreitender Substanzverlust

Schalen brechen ab, Fugen und Stein verlieren Querschnitt oder tragende Bereiche sind betroffen.

04

REPARABEL ODER IRREPARABEL?

NICHT DURCH REINIGUNG REPARABEL

Ablagerung entfernen oder Substanz sichern?

Der sichtbare Materialverlust ist irreversibel. Ziel ist, Feuchte- und Salzbewegung zu reduzieren, gefährdete Substanz zu sichern und ein verträgliches Sanierungs- oder Opfermaterial einzusetzen.

OFT MÖGLICH

Ursache begrenzen und fachgerecht behandeln

  • Feuchtequelle und Verdunstungsbedingungen korrigieren
  • gefährdete Schalen konservatorisch sichern
  • ungeeignete dichte Schichten fachgerecht zurückbauen
  • kompatiblen Opferputz oder Austauschmörtel einsetzen
GRENZE

Nicht durch Reinigung rückgängig

  • abgesprengte Körner und Oberflächenstruktur wachsen nicht nach
  • mürbe Oberfläche nicht durch harte Bürste scheinbar ‚säubern‘
  • keine dichte Beschichtung auf aktiven Salztransport setzen

Wichtig: Eine optisch saubere Oberfläche beweist weder Salzfreiheit noch eine behobene Feuchtequelle. Bei aktiver Belastung kann das Schadensbild wiederkehren oder sich tiefer in das Material verlagern.

05

MÖGLICHE BEHEBUNG

Quelle stoppen, Probe sichern, abgestimmt handeln.

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Fläche vor Verlust schützen

Bereich absperren, lose Teile sichern und mechanische sowie nasse Bearbeitung stoppen.

02

Transportweg untersuchen

Feuchtequelle, Porengefüge, Salzarten, Tiefenverteilung und vorhandene Deckschichten gemeinsam bewerten.

03

Systemisch sanieren

Durchlässigkeit und Trocknungsweg passend herstellen, Salze gegebenenfalls kontrolliert verlagern oder reduzieren und Fehlstellen kompatibel ergänzen.

06

MATERIALVERGLEICH

Dasselbe Salz – anderes Risiko im Porengefüge.

Porosität, Festigkeit, Schichtung, Fuge, Beschichtung und Salzart bestimmen, ob ein Belag abnehmbar ist oder bereits Materialverlust droht.

Material / SystemTypisches BildMögliche Lösung
Sandstein / weicher NatursteinSchuppen, körniger Zerfall, zurückwitternde Zonekonservatorische Sicherung und salzbezogene Sanierung
Historischer Kalkputzhohle Schale über sandendem Untergrunderhaltene Schicht sichern; kompatiblen Opferputz planen
Ziegelabplatzende Brennhaut, mürbe KantenFeuchteweg stoppen; Stein und Fuge materialgerecht instand setzen
Beschichtetes MauerwerkBlasen oder Schalen über salzbelastetem GrundSchichtsystem fachlich prüfen; nicht einfach neu überstreichen
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VORBEUGEN

Feuchteweg kontrollieren, Salz nicht tiefer treiben.

PROFI-PRAXIS
  • durchlässigen Schichtaufbau erhalten
  • Feuchte- und Salzquellen früh beheben
  • dichte Beschichtungen nicht pauschal auf Altbauputz einsetzen
  • Sockel und Fugen regelmäßig kontrollieren
  • Salzbelastung vor Sanierung untersuchen
NICHT MACHEN
  • Schuppen abkärchern
  • mürbe Fläche mit Tiefgrund auf Verdacht verkleben
  • nur den sichtbaren Belag beseitigen
  • feuchtes salzbelastetes Mauerwerk dicht versiegeln
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DOKUMENTATION

Was im Salz- und Mineralschadensbericht nicht fehlen darf.

  1. 01

    Verlusttiefe, Schuppenrichtung und Hohlstellen

  2. 02

    Schichtaufbau und vorhandene Beschichtung

  3. 03

    Feuchte- und Salzprofil mit Probenort

  4. 04

    Klima- und Witterungsverlauf

  5. 05

    gesicherte Originalteile und Sanierungsschritte

FACHLICHE ANKNÜPFUNG

Das sichtbare Salz ist nur ein Teil der Schadenskette.

Die Kapitel geben eine sichere Einordnung für die Gebäudereinigung. Sie ersetzen keine Salzanalytik, Bauwerksdiagnostik, Restaurierungsplanung oder statische Bewertung.

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