ERKENNEN · ABGRENZEN · NICHT VERSCHLIMMBESSERN
Nicht jeder Fleck ist Schmutz.
Verätzung, Vergrauung, Migration oder Schichtablösung brauchen zuerst eine Diagnose. Wer einen Materialschaden wie eine Verschmutzung behandelt, kann ihn vergrößern und anschließend selbst dafür verantwortlich gemacht werden.
SCHADENSBILD-FINDER
Was siehst du auf der Oberfläche?
Starte mit dem sichtbaren Signal – nicht mit einer vermuteten Ursache. Wähle danach eine passende Fachgruppe. Orientierung, keine Diagnose.
Matt oder stumpf
Glanz fehlt, die Fläche wirkt rau oder das Licht bricht anders.
Verfärbt
Farbe, Helligkeit oder Ton weichen sichtbar von der Referenzfläche ab.
Klebrig oder weich
Film, Belag oder Werkstoff bleibt tackig, schmiert oder gibt nach.
Rissig oder gebrochen
Risse, Ausbrüche oder gelöste Verbünde zeigen echten Substanzverlust an.
Aufgequollen oder verformt
Kanten stehen hoch, Material wölbt sich oder Bauteile verändern ihre Form.
Blasen oder Ablösung
Eine Schicht hebt sich, blättert ab oder verliert die Haftung zum Untergrund.
Weiß oder kristallin
Ränder, Krusten oder Kristalle treten an mineralischen Flächen hervor.
Grün, schwarz oder bewachsen
Belag, Pigmente oder Geruch deuten auf Feuchte und biologisches Wachstum.
WEITERARBEITEN ODER STOPPEN?
Erst die Grenze klären. Dann handeln.
Freigabe, Produkt, Dosierung und Probefläche passen – und die Oberfläche verändert sich während der Arbeit nicht.
Rauheit, Quellung, neue Verfärbung, Riss, Ablösung oder fehlende Materialkenntnis: sichern, dokumentieren und freigeben lassen.
DIE 10 FACHGRUPPEN
Eine Gruppe öffnen. Acht Kapitel gezielt auswählen.
Die Nummerierung bleibt durchgehend: 01–10 für die Gruppen und 01.1–10.8 für die Unterkapitel. Es ist immer nur die ausgewählte Gruppe geöffnet.
Säuren, Laugen, Lösemittel, Oxidationsmittel oder ungeeignete Mischungen verändern die Oberfläche chemisch.
- Verätzung
- Anlösung
- Auslaugung
- Verseifung
- Korrosion
- Lochfraß
Zu harte Pads, Bürsten, Schaber, Schleifmittel, falscher Anpressdruck oder eingetragene Partikel tragen Material ab oder verändern die Struktur.
- Kratzer
- Mikrokratzer
- Riefen
- Abrieb
- Mattierung
- Faserbruch
Zu viel Wasser, fehlende Trocknung, Leckagen oder ungeeignete Nassverfahren verändern feuchteempfindliche Werkstoffe und Verbünde.
- Quellung
- Aufwölbung
- Kantenhochstellung
- Schrumpfung
- Durchfeuchtung
- Verformung
Gelöste Salze wandern mit Feuchtigkeit, konzentrieren sich an Trocknungszonen und kristallisieren an oder unter der Oberfläche. Sichtbare Ablagerung, hygroskopischer Feuchtefleck und echter Kristallisationsschaden müssen getrennt werden.
- Effloreszenz
- Subfloreszenz
- Salzränder
- Versinterungen
- Kalkfahnen
- Sulfatkrusten
- Salzsprengung
- Absanden
Bestandteile wandern aus einem Material in ein anderes oder durch einen Schichtaufbau und verändern Farbe, Härte, Klebrigkeit oder Haftung.
- Weichmachermigration
- Gummimigration
- Farbstoffwanderung
- Klebstoffdurchschlag
- Bitumendurchschlag
- Gerbstoffwanderung
- Dichtstoffmigration
- Metallionenwanderung
Farbe, Helligkeit, Glanz oder Reflexion ändern sich, ohne dass die Ursache allein mit dem Auge feststeht. Film, Licht, Blickrichtung, Alterung und Materialschaden können ähnlich wirken.
- Vergrauung
- Vergilbung
- Ausbleichung
- Glanzverlust
- Speckglanz
- Wolkenbildung
- Schlieren
- Metamerie
Störungen im Untergrund, Pflegefilm, Beschichtungssystem oder Trocknungsprozess zeigen sich als Haftungs- und Oberflächenfehler.
- Schichtablösung
- Blasenbildung
- Abblättern
- Rissbildung
- Abkreiden
- Reemulgierung
Hitze, Kälte, Temperaturwechsel, Sonnenlicht, Oxidation und natürliche Alterung verändern Kunststoffe, Glas, Stein, Holz, Beschichtungen, Textilien und Dichtstoffe.
- Brand- & Schmelzstelle
- Hitzeverfärbung
- Wärmeverformung
- Thermoschock
- Frostabplatzung
- UV-Schädigung
- Versprödung
- Altersschrumpfung
Mikroorganismen, Pilze, Algen oder Moose verändern Oberfläche, Farbe, Geruch und bei langem Einwirken möglicherweise auch die Materialsubstanz.
- Schimmelbefall
- Algenbewuchs
- Moos & Flechten
- Biofilm
- Stockflecken
- Vermorschung
- mikrobielle Pigmente
- Vogelkotfolgen
Der Werkstoff selbst, eine Fuge oder die Verbindung zwischen Schichten, Belag, Klebstoff und Untergrund verliert Festigkeit, Zusammenhalt oder vorgesehene Funktion.
- Riss & Bruch
- Ausbruch
- Hohllage
- Delamination
- Fugenverlust
- Absanden
- Carbonatisierung
- Querschnittsverlust
DIE ERSTE ENTSCHEIDUNG
Schmutz, Veränderung oder Schaden?
Dasselbe Erscheinungsbild kann verschiedene Ursachen besitzen. Eine matte Stelle kann Reinigungsmittelrückstand, abgenutzter Pflegefilm, Mikrokratzer oder eine Verätzung sein.
Fremdstoff auf oder im Material
Der Stoff kann mit einem materialgeeigneten Verfahren gelöst und aufgenommen werden, ohne die Oberfläche selbst abzutragen.
Beispiele: Fettfilm, Staub, KalkablagerungAussehen oder Eigenschaft weicht ab
Die Veränderung kann reversibel, dauerhaft, natürlich oder technisch bedingt sein. Erst die Ursache entscheidet über die Bewertung.
Beispiele: Vergrauung, Vergilbung, GlanzänderungSubstanz oder Funktion ist beeinträchtigt
Reinigung kann den Schaden sichtbar machen oder vergrößern, aber sie kann fehlendes Material und gelöste Verbünde nicht zurückbringen.
Beispiele: Verätzung, Riss, DelaminationBEVOR WEITERGEREINIGT WIRD
Fünf Schritte schützen Fläche und Reinigungskraft.
Dokumentation bedeutet nicht, Verantwortung abzuschieben. Sie trennt Beobachtung, Ursache und bereits ausgeführte Leistung – besonders bei Bauendreinigung, Grundreinigung und unbekannten Altflächen.
- 01Stoppen
Nicht automatisch stärker dosieren, länger einwirken lassen oder härtere Mechanik einsetzen.
- 02Dokumentieren
Übersicht, Detail, Lage, Ausdehnung, Lichtverhältnisse und bereits verwendete Mittel festhalten.
- 03Material bestimmen
Werkstoff, Oberfläche, Beschichtung, Pflegefilm, Alter und bekannte Vorbehandlungen klären.
- 04Ursache eingrenzen
Schmutz, Rückstand, Alterung, Fremdstoff, Baufehler und Reinigungseinfluss getrennt prüfen.
- 05Probe oder Fachstelle
Nur materialverträglich testen – bei Substanz- oder Verbundschäden Instandsetzung beziehungsweise Sachkunde einbeziehen.
Reinigung entfernt Fremdstoffe. Sie ersetzt keine Instandsetzung.
Wenn Substanz fehlt, eine Beschichtung nicht mehr haftet, ein Verbund gelöst ist oder ein Werkstoff chemisch verändert wurde, muss der Schaden dokumentiert und die weitere Bearbeitung fachlich freigegeben werden.
Meisterwissen: systematische Schadensanalyse
Schichtenmodell, Schadensmechanismen, Spurenlesen, Prüfstrategie, Ursachenkette, Beweissicherung, Kombinationsschäden und Sanierungsentscheidung – mit offiziellen Fachquellen und sechs Meisterfällen.
FACHLICHE ANKNÜPFUNG