CO₂-Eintrag in den Beton
Kohlendioxid diffundiert von der Oberfläche in zugängliche Poren. Feuchtehaushalt, Porosität, Risse und Betonqualität beeinflussen den Fortschritt.
SUBSTANZ- & VERBUNDSCHÄDEN · GRENZE DER REINIGUNG
Kohlendioxid senkt die Alkalität des Betons. Erreicht die Carbonatisierungsfront die Bewehrung, kann deren Passivschutz verloren gehen.

Rostende Bewehrung hat die Betonüberdeckung gerissen und abgesprengt. Das Bild zeigt eine mögliche Folge – Carbonatisierung selbst ist an einer geschlossenen Oberfläche nicht zuverlässig sichtbar.
SCHADENSBILD
Bei der Carbonatisierung dringt Kohlendioxid aus der Luft in das Porengefüge des Betons ein und reagiert in Gegenwart von Feuchte mit alkalischen Bestandteilen. Der pH-Wert sinkt. Erreicht diese Reaktionsfront den Bewehrungsstahl, kann dessen schützende Passivschicht verloren gehen. Korrosion setzt jedoch nicht automatisch ein: Dafür sind zusätzlich geeignete Feuchte- und Sauerstoffbedingungen nötig. Rostprodukte beanspruchen mehr Raum und können Längsrisse, Delamination und Abplatzungen auslösen.
ENTSTEHUNG
Belastung, Feuchte, Chemie, Bewegung, Materialaufbau und Alter wirken häufig gemeinsam. Deshalb darf das Schadensbild nicht automatisch der letzten Reinigung zugeschrieben werden.
Kohlendioxid diffundiert von der Oberfläche in zugängliche Poren. Feuchtehaushalt, Porosität, Risse und Betonqualität beeinflussen den Fortschritt.
Geringe oder geschädigte Betonüberdeckung, poröser Beton und offene Risse verkürzen den Weg bis zum Stahl.
Nach der Depassivierung ermöglichen ausreichende Feuchte und Sauerstoff elektrochemische Korrosion. Chloride können ein eigenes oder zusätzliches Korrosionsrisiko darstellen.
ERKENNEN & EINORDNEN
Carbonatisierung nicht nach Farbe, Rostfleck oder Oberflächenalter 'diagnostizieren'; auch unauffälliger Beton kann carbonatisiert sein.
Carbonatisierungstiefe fachgerecht an einer frischen Bruch- oder Bohrfläche mit geeignetem Indikator und dokumentiertem Messraster bestimmen.
Betondeckung und Lage der Bewehrung messen und mit der Carbonatisierungsfront vergleichen; ein einzelner Messpunkt reicht nicht.
Risse, Hohllagen, Rost, Chloridbelastung, Feuchte und Korrosionsaktivität gemeinsam bewerten lassen.
Alkalitätsverlust ist nachweisbar, erreicht den Stahl aber an den untersuchten Stellen noch nicht; Schutzkonzept und Prognose sind nötig.
Front erreicht Bewehrungsniveau oder Betondeckung ist unzureichend; Korrosionsbedingungen müssen bewertet werden.
Rostfahnen, Längsrisse, Delamination, Abplatzung oder Querschnittsverlust der Bewehrung sind vorhanden.
REPARABEL ODER IRREPARABEL?
Die Instandsetzung richtet sich nach Ist-Zustand, Ursache, Restnutzungsdauer, Standsicherheitsrelevanz und Instandsetzungsprinzip. Sie kann Betonabtrag, Behandlung der Bewehrung, Reprofilierung und ein Schutzsystem umfassen.
Wichtig: „Reparabel“ bedeutet nicht, dass die Reinigungskraft die Reparatur ausführen soll. Zuständigkeit, Qualifikation, Produktsystem, Bauteilfunktion und dokumentierte Freigabe bestimmen das weitere Vorgehen.
MÖGLICHE BEHEBUNG
Abplatzungsgefährdete Bereiche absperren und Betreiber beziehungsweise Bauverantwortliche sofort informieren.
Carbonatisierungstiefe, Betondeckung, Hohllagen, Risse, Chloride und Korrosionszustand in einem abgestimmten Konzept prüfen.
Nach Planung nicht tragfähigen Beton entfernen, Stahl und Querschnitt beurteilen, reprofilieren und Schutz herstellen.
MATERIALVERGLEICH
Werkstoff, Schichtaufbau, Bauteilfunktion und Verbundebene entscheiden, ob eine örtliche Reparatur möglich ist oder ein Sicherheits- und Sanierungsfall vorliegt.
VORBEUGEN
DOKUMENTATION
Bauteil, Lage und Exposition
Risse, Rost, Hohllagen und Abplatzungen
Carbonatisierungstiefe und Messstellen
Betondeckung und Bewehrungslage
Feuchte, Chloridverdacht und bereits vorhandene Reparaturen
FACHLICHE ANKNÜPFUNG
Die Kapitel helfen beim Benennen, Stoppen und Dokumentieren. Sie ersetzen keine Materialprüfung, Bauwerksdiagnostik, Restaurierungsplanung oder statische Bewertung.