MEISTERWISSEN · SCHADENSANALYSE · BEWEISSICHERUNG

Der Fleck ist nur
der Tatort.

80 Schadensbilder liefern Begriffe. Meisterwissen verbindet sie zu einer überprüfbaren Ursachenkette – ohne voreilige Schuldzuweisung und ohne die Probe selbst zum nächsten Schaden zu machen.

01 · DIAGNOSELOGIK

Vier Aussagen.
Vier Beweisstufen.

Im Reklamationsfall werden Beobachtung, Deutung und Schuld schnell vermischt. Eine fachliche Analyse hält sie bewusst auseinander.

01 · BEFUND

Beobachtbar

„Auf 1,4 m² sind matte, halbkreisförmige Spuren sichtbar.“

Foto, Maß, Lage, Licht.
02 · MECHANISMUS

Erklärbar

„Die Reflexion änderte sich durch gerichteten mechanischen Abtrag.“

Merkmale und Prüfung.
03 · URSACHE

Belegbar

„Ein eingeschlossenes Hartpartikel lief unter dem Pad mit.“

Werkzeug, Partikel, Spurabgleich.
04 · VERURSACHER

Zuzuordnen

„Wer setzte wann unter welchen Vorgaben welches Verfahren ein?“

Dokumente und Zuständigkeit.

02 · SCHICHTENMODELL

Welche Ebene ist wirklich betroffen?

Die sichtbare Fläche ist ein System. Derselbe weiße Strich kann aufliegender Rückstand, beschädigter Pflegefilm, verletztes Finish oder offener Grundwerkstoff sein.

01Fremdstoff
02Pflegefilm
03Werkseitiges Finish
04Nutzschicht
05Grundwerkstoff
06Verbund
07Untergrund
01
Fremdstoff

Staub, Fett, Salz, Pigment oder biologischer Belag liegt auf. Das ist zunächst Verschmutzung.

02
Pflegefilm

Wischpflege, Polymerdispersion, Wachs, Öl oder Finish kann Rückstände, Verschleiß und eigene Fehlerbilder zeigen.

03
Werkseitiges Finish

PU-Vergütung, Lack, Glasur, Eloxal oder Imprägnierung besitzt eigene Beständigkeiten und Schadensgrenzen.

04
Nutzschicht

Dekor, Flor, Steinoberfläche oder elastische Belagszone trägt Nutzung und Reinigungsmechanik.

05
Grundwerkstoff

Holz, Metall, Kunststoff, Stein, Keramik, Glas oder Textil reagiert materialtypisch.

06
Verbund

Klebstoff, Haftbrücke, Spachtelung, Fuge und Beschichtungszwischenlagen übertragen Feuchte und Spannung.

07
Untergrund

Estrich, Beton, Mauerwerk oder Konstruktion kann die sichtbare Oberfläche von unten beeinflussen.

03 · SCHADENSMECHANISMEN

Nicht nach Fleckfarbe.
Nach Wirkung denken.

Ein Schadensmechanismus beschreibt den physikalischen, chemischen oder biologischen Vorgang. Er verbindet Belastung mit der beobachteten Materialveränderung.

01 · MECHANISCH

Kraft verändert Geometrie

Druck, Stoß, Reibung, Abrasion, Scherung oder Ermüdung erzeugt Riefe, Bruch, Abrieb oder Verformung.

02 · CHEMISCH

Stoff reagiert mit Werkstoff

Säure, Lauge, Lösemittel, Oxidant oder Elektrolyt verändert Bindemittel, Pigment, Metall oder Mineralgefüge.

03 · FEUCHTE & MINERAL

Wasser transportiert und spannt

Quellung, Schrumpfung, Kapillartransport, Kristallisation und Frost-Tau-Wechsel wirken in Poren und Verbünden.

04 · MIGRATION

Bestandteile wandern

Weichmacher, Farbstoff, Bitumen, Metallionen oder Holzinhaltsstoffe bewegen sich durch Kontakt und Schichten.

05 · THERMISCH & ALTERUNG

Eigenschaften driften

Wärme, UV, Sauerstoff, Kälte und Lastwechsel verändern Farbe, Elastizität, Festigkeit und Abmessung.

06 · BIOLOGISCH

Organismen besiedeln oder bauen ab

Feuchte ermöglicht Biofilm, Schimmel, Algen, Pilze und bei geeigneten Materialien echten Substanzabbau.

01Belastung

Chemie · Kraft · Wasser · Wärme · UV · Organismen

02Transport

Benetzung · Diffusion · Kapillare · Kontakt · Reibung

03Reaktion

Lösen · Quellen · Oxidieren · Kristallisieren · Abbauen

04Folge

Farbe · Glanz · Form · Festigkeit · Haftung · Funktion

04 · SYSTEMATISCHER ANALYSEABLAUF

Vom Stopp bis zur belastbaren Aussage.

Die Reihenfolge schützt Menschen, Material und Beweise. Sie orientiert sich am Grundgedanken systematischer Schadensanalyse: erst erfassen, dann Hypothesen prüfen und Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren.

  1. 01
    STOPPEN

    Keine weitere Chemie, Mechanik, Wärme oder Feuchte einbringen. Gefahr und Folgeschaden begrenzen.

  2. 02
    SICHERN

    Nutzung, Rutsch-, Schnitt-, Bruch-, Biostoff- oder Tragfähigkeitsrisiko bewerten und Bereich nötigenfalls sperren.

  3. 03
    ZUSTAND EINFANGEN

    Übersicht, Detail, Maßstab, Streiflicht, Lageplan und unveränderte Referenz aufnehmen – vor Reinigung und Probe.

  4. 04
    SYSTEM BESTIMMEN

    Nicht nur „PVC“ oder „Stein“ notieren: Beschichtung, Pflegefilm, Fuge, Klebstoff, Untergrund, Alter und Vorbehandlung gehören dazu.

  5. 05
    HYPOTHESEN BILDEN

    Mindestens zwei plausible Ursachen formulieren und für jede ein erwartbares sowie ein widersprechendes Merkmal benennen.

  6. 06
    ZERSTÖRUNGSARM PRÜFEN

    Mit Licht, Vergleich, Klima-, Feuchte- und einfachen Transferprüfungen beginnen; aggressive Proben zuletzt.

  7. 07
    PROBE PLANEN

    Unauffällige Stelle, klarer Prüfzweck, begrenzte Fläche, dokumentierte Mittel und Abbruchkriterium festlegen.

  8. 08
    BEFUND BEWERTEN

    Beobachtung, Messwert, Vermutung und Schlussfolgerung getrennt notieren. Eine Verbesserung ist noch kein Ursachennachweis.

  9. 09
    ESKALIEREN

    Bei Substanz, Verbund, Gesundheit, Statik, Brandschutz, unbekanntem Biostoff oder Streitwert an die passende Fachstelle übergeben.

05 · GEOMETRIE · VERTEILUNG · ZEIT

Schadensspuren lesen.

Form und Lage liefern Hypothesen – keine fertige Diagnose. Erst wenn Prozess, Materialreaktion und Gegenprobe zusammenpassen, wird aus einem Muster ein belastbarer Hinweis.

MusterMöglicher HinweisPrüfrichtung
KREIS / BOGENMaschine, Pad, Teller oder wiederholte DrehbewegungMechanik, Drehzahl, Druck, Fremdkorn und Stillstand prüfen.
PARALLELE LINIENSchaber, Transport, Rolle, Moppführung oder AuftragAbstand, Richtung, Werkzeugbreite und Prozessfolge vergleichen.
TROPFEN / FAHNEFlüssigkeitslauf, Reaktion, Migration oder MetallionentransportStartpunkt, Gefälle, Feuchteweg und Trocknungsrand suchen.
RAND / FUGEKapillartransport, Anschlussfeuchte, Dichtstoff- oder KlebstoffeinflussAufbau öffnen lassen, wenn die Oberfläche nur das Ende des Weges zeigt.
RASTER / WIEDERHOLUNGSystematischer Prozess- oder BauteilfehlerMaschinenbahn, Plattenformat, Heizung, Abstandhalter oder Chargengrenze abgleichen.
UNTER MATTE / MÖBELKontaktmigration, Druck, Feuchtestau oder fehlende AlterungAbgedeckte Zone ist nicht automatisch die ursprüngliche Referenz.
SOFORTDirekte Reaktion oder mechanisches Ereignis

Anlösung, Kratzer, Bruch, Farbstoffübertrag oder Benetzungsstörung kann während der Arbeit sichtbar werden.

NACH TROCKNUNGFilm, Salz, Glanz oder Schichtbildung

Schlieren, Kristallrand, Klebrigkeit und Wolken zeigen sich häufig erst nach Verdunstung oder Filmbildung.

VERZÖGERTMigration, Feuchte, Korrosion oder Alterung

Stoffwanderung, Untergrundfeuchte und Oxidation entwickeln sich über Stunden, Wochen oder Jahre.

WIEDERKEHRENDUrsache bleibt aktiv

Zurückkehrender Fleck spricht für Transport, Feuchte, Biofilm, Nutzung oder einen nicht beseitigten Prozessfehler.

06 · PRÜFSTRATEGIE

Von zerstörungsfrei bis Labor.

Die beste Prüfung ist nicht die technisch größte, sondern die kleinste Methode, die eine konkrete Frage zuverlässig beantwortet. Jede Stufe braucht Referenz, dokumentierte Bedingungen und ein Abbruchkriterium.

STUFE 1

Sehen & vergleichen

Normallicht, Streiflicht, Gegenlicht, mehrere Blickwinkel, trockene Referenz, Randzone und Bereich unter losem Inventar.

Nicht destruktiv
STUFE 2

Übertragen & abheben

Sauberes weißes Tuch, Klebeband- oder Transferprobe nach Eignung: Liegt Kreidung, Pigment, Fett oder loser Film auf?

Nahezu zerstörungsfrei
STUFE 3

Klima & Feuchte

Raumklima, Oberflächentemperatur, Taupunktabstand und materialgerechte Feuchtemessung als Verlauf betrachten.

Messmethode dokumentieren
STUFE 4

Chemische Indikatoren

pH-Wert, Leitfähigkeit oder Ionennachweis nur mit definierter Probenahme und passender Interpretation einsetzen.

Messwert ist keine Ursache
STUFE 5

Oberfläche quantifizieren

Glanz, Farbe, Schichtdicke, Rauheit, Härte oder Benetzung mit geeigneter, kalibrierter Messtechnik vergleichen.

Referenz und Geometrie nötig
STUFE 6

Haftung & Verbund

Gitterschnitt, Haftzug, Abreiß-, Kratz- oder Schnittprüfung sind material- und normabhängig und können die Fläche beschädigen.

Nur qualifiziert und freigegeben
STUFE 7

Labor & Bauteilöffnung

Mikroskopie, Querschliff, Spektroskopie, Chromatografie, Salz-/Mikrobiologieanalyse oder konstruktive Öffnung.

Fachlabor / Fachplanung

07 · KAUSALITÄT & BEWEISWERT

„Danach“ bedeutet nicht automatisch „dadurch“.

Ein Schaden kann nach der Reinigung sichtbar werden und trotzdem vorher entstanden sein. Umgekehrt kann eine Bearbeitung einen vorgeschädigten Aufbau endgültig zum Versagen bringen.

AUSLÖSER

Was setzte das Ereignis in Gang?

Zum Beispiel Nassreinigung, Hitzeimpuls, Stoß, Wassereintritt oder Beschichtungsauftrag.

HAUPTURSACHE

Was war für den Mechanismus wesentlich?

Etwa falsche Chemie, fehlende Haftung, nicht trockener Untergrund oder ungeeignete Materialkombination.

BEGÜNSTIGUNG

Was erhöhte die Wahrscheinlichkeit?

Alterung, Vorschaden, hohe Feuchte, fehlende Wartung, Schmutzeintrag oder unklare Arbeitsvorgabe.

FOLGE

Welche Eigenschaft ging verloren?

Optik, Reinigbarkeit, Rutschhemmung, Dichtheit, Haftung, Festigkeit oder sichere Nutzbarkeit.

VIER GEGENFRAGEN

Eine gute Hypothese muss Gegenwind aushalten.

  1. 01

    Erklärt sie Form, Lage, Tiefe und zeitlichen Verlauf gemeinsam?

  2. 02

    Welche Beobachtung müsste vorliegen, wenn die Hypothese stimmt?

  3. 03

    Welche Beobachtung würde sie widerlegen oder eine Alternative wahrscheinlicher machen?

  4. 04

    Kann derselbe Befund mit einem zweiten Mechanismus einfacher erklärt werden?

08 · KOMBINATIONSSCHÄDEN

In der Praxis wirkt selten nur eine Kraft.

Reale Schäden sind Prozessketten. Wer nur den letzten sichtbaren Schritt behandelt, beseitigt möglicherweise das Symptom und lässt den Mechanismus weiterlaufen.

01

REINIGUNG MACHT SICHTBAR

Ein gleichmäßiger Schmutzfilm verdeckt UV-Alterung oder Laufstraßen. Nach der Reinigung erscheint der ältere Schaden deutlicher, ohne dass die Reinigung ihn verursacht haben muss.

02

REINIGUNG LÖST FOLGESCHADEN AUS

Eine bereits lose Beschichtung hält bis zur Nass- oder Maschinenbearbeitung. Das Verfahren ist der Auslöser der Ablösung, während mangelhafter Verbund und Vorschädigung mitursächlich sein können.

03

EIN BILD – ZWEI MECHANISMEN

Feuchte löst Salze, Kapillartransport bewegt sie, Verdunstung kristallisiert sie. Der weiße Belag ist Ablagerung; die Abplatzung darunter ist Substanzschaden.

04

EIN STOFF – MEHRERE FOLGEN

Weichmacherwanderung kann Verfärbung, Erweichung, Klebrigkeit und Haftverlust erzeugen. Vier Symptome bedeuten nicht automatisch vier unabhängige Ursachen.

05

FALSCHE REPARATUR VERDECKT URSACHE

Ein neuer Pflegefilm kann Schlieren, Salz, Restfeuchte oder Benetzungsstörung einschließen. Das optische Ergebnis verbessert sich kurz und der spätere Sanierungsaufwand steigt.

06

ALTERUNG PLUS BELASTUNG

UV versprödet einen Kunststoff; erst eine normale mechanische Belastung lässt ihn brechen. Der Bruchzeitpunkt ist nicht gleich der Beginn des Schadensprozesses.

09 · SANIERUNGSENTSCHEIDUNG

Nicht „geht weg?“ – sondern „welche Funktion muss zurück?“

Eine optische Verbesserung genügt nicht, wenn Haftung, Dichtheit, Hygiene, elektrische Eigenschaft, Rutschhemmung oder Tragfähigkeit betroffen ist.

A · REVERSIBEL

Entfernen

Fremdstoff oder erneuerbarer Film wird vollständig und materialverträglich beseitigt.

Reinigung / Pflege
B · TEILREPARABEL

Aufarbeiten

Oberste Schicht kann geschliffen, poliert, nachbeschichtet oder lokal ergänzt werden.

Material- oder Herstellersystem
C · LOKAL IRREVERSIBEL

Segment ersetzen

Dekor, Nutzschicht oder Bauteil ist örtlich verloren, ein Modul- oder Einsatztausch bleibt möglich.

Fachbetrieb
D · SYSTEMSCHADEN

Aufbau sanieren

Feuchte, Verbund, Korrosion, Biostoff oder Konstruktion betrifft mehrere Schichten beziehungsweise die Funktion.

Fachplanung / Sachkunde

10 · BEWEISSICHERUNG & SCHADENSAKTE

Dokumentation, die auch Wochen später noch spricht.

Eine Schadensakte hält Rohdaten und Bewertung getrennt. Originaldateien bleiben unverändert; bearbeitete Ausschnitte oder Markierungen werden zusätzlich gespeichert.

01

Auftrag & Zustand

  • Objekt, Raum, Bauteil und Nutzung
  • Datum, Zeit, Klima und Beleuchtung
  • Material, Alter und bekannter Aufbau
  • Vorschäden und Fremdgewerke
02

Bild & Lage

  • Übersicht, Mittelabstand und Makro
  • Maßstab und Orientierung
  • Referenz- und Randzone
  • Lageplan mit Schadensgrenze
03

Arbeitsprozess

  • Produkt, Charge und Konzentration
  • Pad, Bürste, Werkzeug und Gerät
  • Zeit, Temperatur, Druck und Reihenfolge
  • Ausführende und Arbeitsfreigabe
04

Prüfung & Proben

  • Fragestellung jeder Prüfung
  • Methode, Gerät und Messstelle
  • Originalmesswert und Referenz
  • Proben-ID, Verpackung und Übergabe
05

Bewertung

  • Beobachtung von Interpretation trennen
  • Alternativhypothesen aufführen
  • Unsicherheit und Grenzen nennen
  • Freigabe oder Eskalation festhalten
06

Nachverfolgung

  • Sofortmaßnahme und Verantwortlichkeit
  • Verlauf nach Trocknung oder Nutzung
  • Reparatur und Erfolgskontrolle
  • Präventionsmaßnahme im Ablauf

11 · FACHWORTKATALOG

Ein Schaden.
Nicht fünf Namen.

Der Katalog ordnet Fachwörter nach ihrem hauptsächlichen Mechanismus. Jeder Hauptbegriff steht genau einmal; gebräuchliche Varianten und Synonyme hängen direkt daran. So bleibt die Terminologie vollständig, ohne denselben Schaden in jeder Materialgruppe neu aufzuzählen.

HAUPTBEGRIFFE145

Eindeutige, fachlich eingeordnete Katalogeinträge.

SYNONYME & VARIANTEN182

Zugeordnete Benennungen statt doppelter Schadensarten.

HAUPTGRUPPEN9

Von Optik und Mechanik bis Biologie und Rückstand.

01Optik & Farbe17 Hauptbegriffe

Begriffe beschreiben zunächst das sichtbare Ergebnis. Ursache und betroffene Schicht müssen getrennt bestimmt werden.

Verfärbung

Neutraler Oberbegriff für eine abweichende Farbe.

AUCH VERWENDETFarbtonveränderung · Farbverschiebung

Farbverlust

Farbe oder Farbstärke nimmt ab, etwa durch Licht, Chemie oder Abrieb.

AUCH VERWENDETAusbleichung · Verbleichung

Vergilbung

Gelbliche Farbverschiebung durch Alterung, Wärme, Chemie oder Stoffwanderung.

Vergrauung

Grauer Gesamteindruck durch Schmutz, Lichtalterung, Mikrostruktur oder Materialabbau.

Nachdunkelung

Zunehmende Dunkel- beziehungsweise Braunfärbung; Mechanismus bleibt zu klären.

AUCH VERWENDETVerbräunung · Schwärzung

Weißfärbung

Heller Bereich durch Stress, Poren, Kristalle, Feuchte, Kreidung oder chemische Veränderung.

Fleckenbildung

Örtlich begrenzte optische Abweichung ohne vorweggenommene Ursache.

Randbildung

Kontur um einen Einwirkungs-, Kontakt- oder Trocknungsbereich.

AUCH VERWENDETHofbildung · Schattenbildung

Wolkenbildung

Unregelmäßige flächige Helligkeits-, Farb- oder Glanzunterschiede.

AUCH VERWENDETMarmorierung · Wolkigkeit

Trübung

Lichtdurchgang oder klare Reflexion nimmt ab.

AUCH VERWENDETEintrübung · Transparenzverlust · Opazitätsveränderung · Glasblindheit · Ätztrübung

Irisieren

Regenbogenartige Interferenzfarben, unter anderem bei dünnen Schichten oder Glaskorrosion.

Anlaufen

Dünne Reaktions- oder Feuchteschicht verändert Farbe und Reflexion.

AUCH VERWENDETAnlauffarben · Anlauffarbenbildung · Weißanlaufen

Patinierung

Oberflächenreaktion mit charakteristischer Farb- und Schichtbildung; nicht jede Patina ist ein Schaden.

AUCH VERWENDETPatinabildung · Grünspanbildung

Weißbruch

Stressbedingte Weißfärbung in Kunststoffen durch Mikrohohlräume oder Strukturveränderung.

Farbausbluten

Farbgebende Bestandteile wandern oder lösen sich aus ihrem ursprünglichen Bereich.

AUCH VERWENDETFarbbluten · Farbstoffmigration · Farbmigration · Pigmentmigration

Kontaktverfärbung

Die Zusatzbezeichnung benennt die vermutete Einwirkung, nicht automatisch den bewiesenen Mechanismus.

AUCH VERWENDETDruckverfärbung · Reaktionsverfärbung · Feuchteverfärbung · UV-Verfärbung · Brandverfärbung

Farbabrieb

Farbgebende Oberfläche oder Faser wird mechanisch abgetragen beziehungsweise übertragen.

02Glanz, Haptik & Struktur20 Hauptbegriffe

Diese Begriffe betreffen Lichtreflexion, Rauheit, Poren, Faser- oder Florgeometrie und mechanische Eigenschaften.

Glanzverlust

Reflexion nimmt durch Film, Abrieb, Rauheit oder chemische Veränderung ab.

AUCH VERWENDETGlanzgradverlust · Politurverlust · Mattierung

Aufglänzung

Örtlich höherer Glanz durch Verdichtung, Reibung, Politur oder Film.

AUCH VERWENDETGlanzstellenbildung · Hochglanzstellen · Speckglanz · Glanzinseln

Glanzgradveränderung

Neutraler Oberbegriff für messbare oder sichtbare Reflexionsänderung.

AUCH VERWENDETPoliturveränderung · Glanzunterschiede

Aufrauung

Rauheit nimmt durch Angriff, Abrieb, Faserhebung oder Materialverlust zu.

Glättung

Relief und Rauheit nehmen durch Nutzung, Verdichtung oder Politur ab.

Verdichtung

Poren, Fasern oder Werkstoffzonen werden unter Druck beziehungsweise Reibung kompakter.

AUCH VERWENDETOberflächenverdichtung

Strukturverlust

Vorgegebene Oberflächengeometrie wird flacher oder verschwindet.

AUCH VERWENDETProfilverlust · Prägestrukturverlust

Porenöffnung

Poren erscheinen größer oder zugänglicher, etwa nach Bindemittelverlust oder Ätzung.

AUCH VERWENDETPorenvergrößerung · Porenveränderung

Porenverschluss

Film, Schmutz, Kristalle oder Pflegekomponenten schließen eine offene Struktur.

Faseraufrichtung

Fasern stellen sich durch Feuchte, Bürsten oder mechanische Bearbeitung auf.

Faserlegung

Fasern beziehungsweise Flor ändern dauerhaft oder vorübergehend ihre Richtung.

AUCH VERWENDETFlorlageveränderung · Florverlagerung

Faserverfilzung

Fasern verhaken und verdichten sich; Struktur und Optik verändern sich.

AUCH VERWENDETVerfilzung · Florverdichtung

Florverlust

Polmaterial fehlt durch Abrieb, Bruch oder Ablösung.

Pilling

Kleine Faserknötchen entstehen durch Reibung und Faserwanderung.

Fusselbildung

Lose Fasern oder Faserenden treten an der Oberfläche hervor.

Faserbruch

Fasern sind mechanisch oder chemisch geschwächt und gebrochen.

Klebrigkeit

Oberfläche bindet Schmutz oder haftet bei Kontakt; mögliche Ursachen sind Rückstand, Reemulgierung, Migration oder Anlösung.

Erweichung

Härte beziehungsweise Formstabilität nimmt ab.

Verhärtung

Elastizität nimmt ab und der Werkstoff wird steifer.

Versprödung

Werkstoff verliert Dehnfähigkeit und wird riss- oder bruchanfälliger.

03Mechanik & Substanzverlust14 Hauptbegriffe

Mechanische Begriffe unterscheiden flächigen Abtrag, gerichtete Spuren, punktuelle Eindrücke und fehlende Substanz.

Abrieb

Material oder Schicht wird durch wiederholte Relativbewegung abgetragen.

AUCH VERWENDETAbrasion · Verschleiß · Materialabtrag · Oberflächenabtrag · Faserabrieb · Filmabrieb · Beschichtungsabrieb · Glasurverschleiß · Oberflächenverschleiß · Rollenverschleiß · Beschichtungsverschleiß · Profilabrieb

Erosion

Fortschreitender Substanzverlust durch Strömung, Partikel, Witterung oder wiederholte Belastung.

AUCH VERWENDETAuswaschung · Ausschleifung · Abschleifung · Abwittern

Absanden

Partikel oder Pigmente lösen sich aus einer nicht mehr ausreichend gebundenen Oberfläche.

AUCH VERWENDETAbmehlen · Abkreiden · Kreidung · Pulverisierung

Kratzerbildung

Linienförmige oder flächig gebündelte mechanische Spuren unterschiedlicher Tiefe.

AUCH VERWENDETMikrokratzer · Riefenbildung · Schrammenbildung · Schürfspuren · Scheuerspuren · Schleifspuren · Bürstspuren · Padspuren · Mikrokratzerbildung

Druckstellen

Örtliche Formänderung unter Flächen- oder Punktlast.

AUCH VERWENDETEindruckstellen · Dellenbildung · Druckstellenbildung · Beulenbildung

Kerbenbildung

Scharf begrenzte Vertiefung mit Kerbwirkung und möglicher Risskonzentration.

Schlagstellen

Punktuelle Veränderung durch Stoß oder fallenden Gegenstand.

Stauchung

Werkstoff wird unter Druck verkürzt, verdichtet oder seitlich verdrängt.

Ausbruch

Ein begrenztes Stück Substanz fehlt; die Bruchform kann Hinweise auf Richtung und Werkstoff geben.

AUCH VERWENDETMuschelausbruch

Kantenbruch

Bruch oder Substanzverlust konzentriert sich an einer Kante.

Abplatzung

Oberflächennahe Schicht oder Teilstück löst sich schollenartig.

AUCH VERWENDETKantenabplatzung · Glasurabplatzung

Abschuppung

Dünne schuppen- oder schalenartige Materialteile lösen sich.

AUCH VERWENDETAbschälung · Schuppenbildung · Schalenbildung · Abschiefern

Lochbildung

Material ist örtlich vollständig durchbrochen.

AUCH VERWENDETPerforation

Laufstraßenbildung

Verkehr erzeugt gerichtete Zonen aus Verschmutzung, Filmverschleiß, Abrieb und Verdichtung.

AUCH VERWENDETTrittstraßenbildung · Begehspuren
04Risse & Trennungen7 Hauptbegriffe

Risse trennen innerhalb eines Materials; Ablösungen trennen an einer Grenzfläche. Diese Unterscheidung entscheidet über die Prüfung.

Rissbildung

Trennung innerhalb eines Werkstoffs oder einer Schicht; Zusatzbegriffe beschreiben Größe, Muster oder vermutete Beanspruchung.

AUCH VERWENDETHaarrissbildung · Mikrorissbildung · Netzrissbildung · Spannungsrissbildung · Ermüdungsrissbildung · Schrumpfrissbildung · Schwindrissbildung

Craquelébildung

Feines netzartiges Rissbild in Lack, Glasur oder Beschichtung.

AUCH VERWENDETGlasurrissbildung

Fugenrissbildung

Riss liegt gezielt in Fuge oder Film und kann andere Ursachen als ein Bauteilriss besitzen.

AUCH VERWENDETFilmrissbildung · Filmriss

Filmbruch

Beschichtungs- oder Pflegefilm ist vollständig durchtrennt.

Nahtöffnung

Anschluss oder Stoß öffnet sich infolge Bewegung, Schrumpfung, Haftverlust oder Verlegung.

AUCH VERWENDETFugenöffnung · Kantenöffnung · Nahtveränderung

Schichtentrennung

Verbund geht innerhalb eines Schichtsystems oder an einer Grenzfläche verloren.

AUCH VERWENDETEnthaftung · Delamination · Ablösung · Beschichtungsablösung · Furnierablösung · Rückenschichtablösung · Randablösung · Lackablösung

Unterwanderung

Feuchte, Korrosion oder Stoffe breiten sich unter einer noch vorhandenen Schicht aus.

05Form, Maß & Feuchte15 Hauptbegriffe

Feuchte kann selbst sichtbar werden, Stoffe transportieren und gleichzeitig Maß, Spannung und Verbund verändern.

Verformung

Oberbegriff für eine von der Sollgeometrie abweichende Form oder Abmessung.

AUCH VERWENDETVerzug · Verwerfung · Dimensionsveränderung · Maßänderung

Aufwölbung

Fläche, Rand oder Kante hebt sich aus der Ebene.

AUCH VERWENDETRandaufwölbung · Kantenaufstellung · Kantenhochzug

Schüsselung

Bauteil oder Belagselement krümmt sich schalenartig.

Wellenbildung

Längliche periodische oder unregelmäßige Höhenänderung.

AUCH VERWENDETFaltenbildung

Schrumpfung

Volumen oder Abmessung nimmt durch Trocknung, Alterung oder Temperatur ab.

AUCH VERWENDETSchwund · Schwinden

Quellung

Volumen oder Abmessung nimmt durch Aufnahme eines Mediums zu.

AUCH VERWENDETQuellen · Aufquellung · Faserquellung · Kantenquellung · Wasseraufnahme · Feuchteaufnahme

Dehnung

Abmessung nimmt unter Temperatur, Feuchte oder mechanischer Zugwirkung zu.

Fugenbildung

Zwischen Elemente tritt ein neuer oder vergrößerter Abstand.

Verblockung

Kontaktflächen haften unerwünscht aneinander, häufig infolge Wärme, Druck, Migration oder nicht ausgehärtetem Film.

Durchfeuchtung

Feuchte reicht über die Oberfläche hinaus in Material oder Aufbau.

Feuchtefleckenbildung

Sichtbare Zone infolge Wasser, gelöster Stoffe oder unterschiedlicher Trocknung.

AUCH VERWENDETWasserfleckenbildung · Wasserkranzbildung · Randzonenbildung

Kondensatbildung

Wasserdampf unterschreitet lokal den Taupunkt und schlägt sich flüssig nieder.

Frostschaden

Gefrierendes Porenwasser und Wechselbeanspruchung erzeugen Spannung und Substanzverlust.

AUCH VERWENDETFrostsprengung · Frost-Tau-Schädigung

Salzsprengung

Kristallisations- oder Hydratationsdruck von Salzen schädigt das Porengefüge.

Stockfleckenbildung

Punkt- oder wolkenförmige Verfärbung nach Feuchte und möglicher mikrobieller Aktivität.

06Chemie, Mineral & Migration27 Hauptbegriffe

Hier stehen Reaktionen, Ionentransport, Kristallisation und Stoffwanderung. Viele Begriffe benennen einen Mechanismus statt nur das Aussehen.

Ätzung

Chemischer Angriff löst oder verändert Oberflächensubstanz.

AUCH VERWENDETVerätzung · Ätzschaden · Säureangriff · Säurefraß · Kalkätzung

Laugenangriff

Alkalische Einwirkung greift empfindliche Bindemittel, Metalle, Lacke oder organische Werkstoffe an.

AUCH VERWENDETAlkalischaden

Hydrolyse

Chemische Bindungen werden unter Beteiligung von Wasser gespalten.

Verseifung

Ester beziehungsweise Fette reagieren alkalisch; bei Beschichtungen kann Bindemittel geschädigt werden.

Oxidation

Elektronenabgabe verändert Werkstoff oder Inhaltsstoff; Sauerstoff ist ein häufiger, aber nicht der einzige Oxidant.

Korrosion

Werkstoffreaktion mit der Umgebung; Erscheinungsform und elektrochemische Bedingungen müssen unterschieden werden.

AUCH VERWENDETRostbildung · Flugrostbildung · Flächenkorrosion · Lochkorrosion · Spaltkorrosion · Kontaktkorrosion · galvanische Korrosion · Spannungsrisskorrosion · Unterwanderungskorrosion · Feuchtekorrosion · Biokorrosion · Lochfraß · Weißrostbildung · Entzinkung

Auslaugung

Lösliche Bestandteile werden aus Material oder Schicht herausgelöst.

AUCH VERWENDETEntkalkung · Entmineralisierung

Carbonatisierung

Kohlendioxid reagiert mit alkalischen mineralischen Bestandteilen und verändert unter anderem den pH-Wert.

Dekarbonatisierung

Carbonatische Bestandteile werden abgebaut beziehungsweise entzogen; nicht mit Carbonatisierung verwechseln.

Sulfatierung

Sulfate entstehen oder werden eingetragen und können mineralische Gefüge und Krusten verändern.

Chloridangriff

Chlorid- beziehungsweise Salzbelastung beeinflusst Korrosion, Feuchte und Kristallisation.

AUCH VERWENDETSalzangriff

Kristallisation

Gelöste Stoffe bilden feste Kristalle; Ort und Druckwirkung entscheiden zwischen Belag und Schaden.

AUCH VERWENDETRekristallisation · Kristallbildung · Ausfällung · Kalkausfällung · Kristallisationsschaden

Neutralisationsreaktion

Säure und Base reagieren; Wärme, Salzbildung und Materialwirkung bleiben zu berücksichtigen.

Lösemittelangriff

Werkstoff oder Beschichtung quillt, erweicht, löst sich oder verliert Inhaltsstoffe.

Polymerabbau

Polymerketten werden durch Chemie, Wärme, Licht oder Oxidation verändert beziehungsweise gespalten.

Weichmacherwanderung

Weichmacher bewegt sich innerhalb eines Systems oder in einen Kontaktstoff.

Weichmacherverlust

Weichmacher verlässt den Werkstoff; Härte und Sprödigkeit können zunehmen.

Gummimigration

Bestandteile aus Gummi wandern in eine Kontaktfläche und erzeugen Farbe oder Eigenschaftsänderung.

Photooxidation

Licht und Sauerstoff beschleunigen den chemischen Abbau organischer Werkstoffe.

pH-bedingte Veränderung

Saurer oder alkalischer Bereich verändert Pigment, Bindemittel, Mineral oder Metall.

Reaktionsfleckenbildung

Örtliche Farbe entsteht durch chemische Wechselwirkung und nicht bloß durch aufliegenden Farbstoff.

Ausblühung

Gelöste Stoffe kristallisieren sichtbar an der Oberfläche.

AUCH VERWENDETSalzausblühung · Kalkausblühung

Aussinterung

Mineralische Stoffe werden mit Wasser transportiert und als dichte Ablagerung ausgeschieden.

AUCH VERWENDETSinterbildung · Sinterhautbildung · Kalksinterbildung

Krustenbildung

Zusammenhängende mineralische oder gemischte Schicht bildet sich auf beziehungsweise mit der Oberfläche.

AUCH VERWENDETSalzkrustenbildung · Gipskrustenbildung · Schwarzkrustenbildung · Salzkruste

Kalkseifenbildung

Härtebildner reagieren mit Fettsäuren beziehungsweise Seifen zu schwer löslichen Rückständen.

AUCH VERWENDETKalkseifenbelag

Entfestigung

Zusammenhalt und Festigkeit eines Werkstoffs nehmen ab.

Harzaustritt

Holzinhaltsstoffe treten durch Wärme, Alterung, Beschichtung oder Feuchte an die Oberfläche.

07Beschichtungen & Pflegefilme12 Hauptbegriffe

Filmfehler können aus Untergrund, Auftrag, Trocknung, Nutzung oder falscher Pflege entstehen. Der sichtbare Fehler liegt nicht zwingend in der obersten Schicht.

Beschichtungsabbau

Bindemittel und Funktion einer Beschichtung nehmen chemisch, mechanisch oder altersbedingt ab.

Haftungsverlust

Adhäsion an einer Grenzfläche oder Kohäsion innerhalb einer Schicht reicht nicht mehr aus.

Abblättern

Beschichtung löst sich in Blättern, Fetzen oder zusammenhängenden Schichten.

AUCH VERWENDETAbschälen

Abpudern

Pflegefilm oder Beschichtung gibt feines Pulver ab; Ursache kann Aufbau, Trocknung, Rezeptur oder Belastung sein.

Blasenbildung

Gas, Flüssigkeit, Osmose, Wärme oder Haftungsfehler wölbt eine Schicht lokal auf.

Runzelbildung

Filmoberfläche zieht sich während Trocknung oder Reaktion faltig zusammen.

Kraterbildung

Film zieht sich örtlich zurück und bildet runde Vertiefungen.

Porenbildung

Offene kleine Hohlräume bleiben in einer Beschichtung zurück.

Nadelstichbildung

Sehr kleine punktförmige Öffnungen entstehen durch Luft, Lösemittel oder Auftrag.

Orangenhautbildung

Wellig genarbte Filmstruktur erinnert optisch an Orangenschale.

Filmvergilbung

Pflege- oder Beschichtungsfilm verschiebt sich gelblich.

Schichtverdickung

Wiederholter oder zu hoher Auftrag erzeugt einen zu dicken beziehungsweise ungleichmäßigen Aufbau.

AUCH VERWENDETSchichtaufbau · Schichtüberlagerung · Pflegefilmüberlagerung · Polymerüberlagerung · Wachsüberlagerung · Überpflegung
08Biologie & Alterung11 Hauptbegriffe

Zeit ist kein einzelner Mechanismus. Licht, Sauerstoff, Wärme, Feuchte, Nutzung und Organismen wirken über unterschiedliche Zeiträume zusammen.

Alterung

Zeitabhängige Veränderung von Eigenschaften unter Umgebungs- und Nutzungsbelastung.

AUCH VERWENDETMaterialalterung

UV-Alterung

Ultraviolette Strahlung verändert Pigmente und organische Werkstoffe.

thermische Alterung

Wärme beschleunigt chemische und physikalische Eigenschaftsänderungen.

Verwitterung

Witterung aus Licht, Feuchte, Temperatur, Wind und Stoffeintrag verändert Außenflächen.

Biofilmbildung

Mikroorganismen bilden eine haftende Gemeinschaft in selbst erzeugter Matrix.

Algenbewuchs

Photosynthetische Mikroorganismen besiedeln länger feuchte Außenflächen.

Moosbewuchs

Moose bilden auf dauerhaft feuchten, rauen Außenflächen Polster.

Flechtenbewuchs

Flechten haften als Lebensgemeinschaft aus Pilz und photosynthetischem Partner an Oberflächen.

Pilzbefall

Pilzwachstum auf oder in Material; Art, Tiefe und Gefährdung sind nicht aus Farbe ableitbar.

AUCH VERWENDETSchimmelbefall · mikrobieller Bewuchs

Bläue

Pilzbedingte bläuliche bis dunkle Holzverfärbung, die nicht mit Holzfäule gleichzusetzen ist.

Vermorschung

Biologischer Abbau vermindert Materialsubstanz und Festigkeit.

AUCH VERWENDETModerfäule · Verrottung
09Aufliegend & häufig reversibel22 Hauptbegriffe

Diese Begriffe beschreiben meist Fremdstoffe oder Filme. Vor der Reinigung muss trotzdem ausgeschlossen werden, dass darunter bereits ein Materialschaden liegt.

Belagsbildung

Fremdstoff bildet eine wahrnehmbare Auflage.

Filmbildung

Dünne zusammenhängende Schicht entsteht auf der Oberfläche.

Schichtbildung

Allgemeiner Begriff für wachsende oder aufgebrachte Auflage ohne Materialzuordnung.

Rückstandsbildung

Produkt- oder Schmutzanteile bleiben nach dem Prozess zurück.

Schleierbildung

Dünne flächige optische Auflage reduziert Klarheit oder Glanz.

Schlierenbildung

Gerichtete Film- oder Rückstandsspuren folgen der Bearbeitung.

Streifenbildung

Linienförmige Unterschiede entstehen durch Auftrag, Aufnahme, Überlappung oder Ablauf.

Kalkbelag

Aufliegende mineralische Ablagerung aus Härtebildnern; von Ätzung und Ausblühung abgrenzen.

Kalkschleier

Dünner heller Mineralfilm auf einer Oberfläche.

Zementschleier

Feiner zementärer Rückstand nach Bauarbeiten oder Verfugung.

Silikatschleier

Silikathaltiger Film beziehungsweise Reaktionsrückstand; Stoff und Untergrund bestimmen die Entfernbarkeit.

Tensidrückstand

Nicht vollständig aufgenommene Tenside hinterlassen Film, Schaumneigung oder Klebrigkeit.

Reinigungsmittelrückstand

Produktbestandteile bleiben wegen Dosierung, Aufnahme oder Spülung auf der Fläche.

Pflegemittelrückstand

Pflegekomponenten liegen ungleichmäßig oder ungeplant auf.

Polymerfilm

Zusammenhängender polymerer Pflege- oder Beschichtungsfilm.

Wachsfilm

Wachsartige Pflege- oder Fremdstoffschicht auf der Oberfläche.

Fettfilm

Dünne organische Schicht aus Fett oder Öl bindet weiteren Schmutz.

Rußfilm

Feine kohlenstoffhaltige Partikel bilden einen dunklen Film.

Nikotinfilm

Umgangssprachlicher Begriff für gelb-braune Rauch- und Kondensatrückstände.

Klebstofffilm

Dünner aufliegender oder angeschmierter Klebstoffrest.

Schmutzvergrauung

Grauer Eindruck entsteht durch eingetragenen oder gebundenen Schmutz und ist von Materialvergrauung zu trennen.

Verglasung

Verdichtete, glänzende oder hart wirkende Zone, besonders bei Textilfasern; Begriff immer materialspezifisch erklären.

MATERIALBEZOGENER INDEX

Wo muss ich bei welchem Werkstoff genauer hinschauen?

Die Karten wiederholen keine Fachbegriffe. Sie zeigen, welche Mechanismen bei einem Material besonders wichtig sind, und führen zur passenden Materialkunde.

12 · MEISTERFÄLLE

Eine Erscheinung.
Mehrere plausible Ursachen.

Die Fälle trainieren nicht das Raten, sondern das begründete Eingrenzen. Öffne danach das passende Fachkapitel für den vollständigen Mechanismus.

01

Milchiger PVC nach Nassreinigung

BEOBACHTUNG
Weiße Wolken, stellenweise klebriger Film und schnelle Laufstraßen.
HYPOTHESEN
Produktrest, überpflegter Film, Reemulgierung, Restfeuchte aus dem Aufbau oder chemische Anlösung.
PRÜFWEG
Trocknungszeit, Transferprobe, Schichtaufbau, Dosierung und unverdeckte Referenz vergleichen. Erst dann entscheidet sich, ob Nachspülen, Grundreinigung oder Bodendiagnostik nötig ist.
Fachkapitel öffnen
02

Weiße Linie an einer mineralischen Fuge

BEOBACHTUNG
Heller Rand kehrt nach dem Abwischen zurück.
HYPOTHESEN
Reinigungsmittelrest, Kalk, Effloreszenz, hygroskopisches Salz oder beginnende Subfloreszenz.
PRÜFWEG
Feuchteweg, Rückkehrzeit, Kristallisationsort, Löslichkeit und Materialverlust unterscheiden. Säure ist ohne Stoff- und Materialklärung keine Diagnose.
Fachkapitel öffnen
03

Dunkle Kontur unter Gummifuß

BEOBACHTUNG
Exakte Kontaktform bleibt trotz Reinigung bestehen.
HYPOTHESEN
Aufliegender Abrieb, Gummimigration, Weichmacherwechselwirkung oder Druckstelle.
PRÜFWEG
Kontaktgeometrie, Transfer, Härte und Tiefenwirkung prüfen. Eingewanderte Verfärbung lässt sich nicht mit mehr Lösemittel herausziehen.
Fachkapitel öffnen
04

Matte Stelle auf Kalkstein

BEOBACHTUNG
Der Fleck ist sauber, aber im Streiflicht rau und glanzlos.
HYPOTHESEN
Filmrest, Abrieb oder Säureangriff.
PRÜFWEG
Trockene Referenz, Reflexion und Oberflächenstruktur vergleichen. Ist Mineralgefüge angelöst, endet Reinigung und eine steintechnische Aufarbeitung beginnt.
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05

Blasen in einer Beschichtung

BEOBACHTUNG
Runde Aufwölbungen liegen gehäuft in einer Zone.
HYPOTHESEN
Restfeuchte, Osmose, eingeschlossene Luft, Benetzungsfehler, Wärme oder fehlender Verbund.
PRÜFWEG
Lage, Inhalt, Bruchfläche, Untergrundfeuchte und Schichtgrenze auswerten. Aufstechen ohne Plan zerstört Beweise und öffnet den Aufbau.
Fachkapitel öffnen
06

Schwarze Punkte in einer Wandecke

BEOBACHTUNG
Punkte sitzen nahe Sockel und Außenecke; die Fläche riecht muffig.
HYPOTHESEN
Aufliegender Schmutz, Wärmebrücke/Kondensat, Leckage oder verdeckter mikrobieller Befall.
PRÜFWEG
Nutzung, Oberflächentemperatur, Feuchteverlauf, Materialtiefe und verdeckte Anschlüsse prüfen. Farbe bestimmt weder Pilzart noch Sanierungsumfang.
Fachkapitel öffnen

13 · FACHLICHE ANKNÜPFUNG

Systematisch prüfen.
Nachvollziehbar belegen.

Normen und Fachquellen dienen zur Einordnung; für eine konkrete Prüfung gilt immer die vollständige aktuelle Originalfassung.

VDI 3822Grundlagen und Durchführung einer systematischen SchadensanalyseBundesanstalt für Materialforschung und -prüfungSchadensanalyse und SchadenspräventionFraunhofer IPAGanzheitliche Analyse von Beschichtungsfehlern und AbstellmaßnahmenDIN EN ISO 4628-1Bewertungssystem für Menge, Größe und Intensität von BeschichtungsschädenUmweltbundesamtSchimmelbefall erfassen, Ursache klären und fachgerecht sanierenDGUV Information 201-028Biostoffe und Schutzmaßnahmen bei Schimmelsanierungen
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