07.2

BESCHICHTUNGS- & PFLEGESCHÄDEN · SCHICHT VOR GRUNDBELAG

Blasenbildung & Aufwölbungen

Kuppelförmige Erhebungen entstehen, wenn Gas, Dampf, Feuchte, gelöste Stoffe oder ein Haftungsfehler Druck unter einer geschlossenen Schicht aufbauen.

Realistische graue Bodenbeschichtung mit mehreren kuppelförmigen Blasen und einer aufgeplatzten Stelle
GENERIERTE ANSCHAUUNG

Die Blasen liegen in der Beschichtung, nicht als lose Verschmutzung darauf. Eine geöffnete Stelle kann Hinweise liefern, darf aber nicht unkontrolliert vergrößert werden.

01

SCHADENSBILD & BEGRIFF

Was ist in Film, Beschichtung oder Schichtverbund passiert?

Blasen sind örtliche Aufwölbungen einer Beschichtung oder eines Pflegefilms. Unter der Kuppel kann Luft, Wasserdampf, Lösemittel, Reaktionsgas oder Flüssigkeit eingeschlossen sein; auch osmotische Vorgänge durch lösliche Stoffe sind möglich. Ähnliche Erhebungen können jedoch aus dem Belag oder Untergrund kommen. Deshalb wird erst die betroffene Schicht bestimmt, bevor von einer Beschichtungsblase gesprochen wird.

TYPISCHE FORMEN
  • einzelne Rundblase
  • Blasennest
  • feuchte Blase
  • trockene Hohlblase
  • aufgeplatzte Kuppel
  • flächige Aufwölbung
02

WIE KANN DAS PASSIEREN?

Untergrund, Material, Auftrag, Trocknung oder Nutzung?

Beschichtungsfehler entstehen häufig nicht aus einem einzigen Grund. Vorbehandlung, Produktverträglichkeit, Schichtdicke, Klima, Trocknung und spätere Beanspruchung wirken als System zusammen.

01

Feuchte und osmotischer Druck

Restfeuchte, Wasser von oben oder gelöste Salze erzeugen unter einer relativ dichten Schicht einen Druckunterschied.

02

Eingeschlossene Luft oder Lösemittel

Poriger Untergrund, zu dicker Auftrag, heftiges Mischen oder zu schnelle Hautbildung hält Gas im Film fest.

03

Unzureichende Haftung und Wärme

Schwache Grenzfläche, Erwärmung oder frühe Nassbelastung erleichtern das Anheben der Schicht.

03

ERKENNEN & EINORDNEN

Trennebene, Filmzustand und Referenz kontrollieren.

  1. 01

    Blasenverteilung, Größe, Tageszeit, Temperatur und Zusammenhang mit Fugen, Außenwänden oder Nassereignissen dokumentieren.

  2. 02

    Nicht eigenmächtig aufstechen; vorhandene offene Stelle auf Feuchte, Geruch, Korrosion, Rückstand und Trennebene untersuchen lassen.

  3. 03

    Feuchte nicht nur oberflächlich messen: Untergrund, Raumklima und mögliche Dampfdiffusion gehören zur Bewertung.

  4. 04

    Von Belagsaufwölbung, Hohllage, eingeschlossenem Partikel und Schmutznoppe abgrenzen.

STUFE 1

Kleine Filmblase

Wenige begrenzte Blasen in einem erneuerbaren Pflegefilm, Grundfläche stabil.

STUFE 2

Beschichtung flächig gestört

Mehrere Blasen zeigen Prozess-, Feuchte- oder Haftungsproblem; Teilreparatur reicht meist nicht.

STUFE 3

Untergrund oder Verbund beteiligt

Feuchtequelle, Korrosion, Estrich oder Belag ist betroffen; bauliche Instandsetzung kann erforderlich sein.

04

REPARABEL ODER IRREPARABEL?

URSACHENABHÄNGIG

Film erneuern, Beschichtung sanieren oder Grundbelag instand setzen?

Eine Blase wird nicht durch Andrücken dauerhaft repariert. Erst Feuchte- beziehungsweise Gasquelle, Trennebene und Tragfähigkeit klären; anschließend den betroffenen Aufbau bis zur sicheren Schicht zurücknehmen und systemgerecht erneuern.

FACHLICH MÖGLICH

Tragfähigen Aufbau wiederherstellen

  • kleinen erneuerbaren Pflegefilm nach Freigabe abnehmen
  • Feuchtequelle beseitigen und Untergrund ausreichend trocknen
  • porigen Untergrund geeignet grundieren
  • fachgerechten Neuaufbau mit kontrollierter Schichtdicke herstellen
GRENZE

Nicht mit weiterer Pflege lösen

  • aufgeplatzte harte Schicht nicht zukleben
  • feuchten Untergrund nicht wieder dicht einschließen
  • Korrosion oder Estrichschaden nicht mit Film überdecken

Wichtig: Eine neue Schicht haftet nur so gut wie die Ebene darunter. Wenn Altfilm, Restchemie, Feuchte oder Untergrund nicht tragfähig sind, macht zusätzlicher Auftrag den Aufbau dicker – aber nicht sicherer.

05

MÖGLICHE BEHEBUNG

Erst Ursache und sichere Schichtgrenze – dann der Neuaufbau.

01

Blase nicht zerstören

Befund sichern und Öffnung nur geplant durch fachkundige Stelle durchführen.

02

Feuchte- und Prozessweg klären

Untergrund, Klima, Porigkeit, Schichtdicke, Misch- und Trocknungsprozess prüfen.

03

Aufbau erneuern

Nicht tragfähige Zonen abtragen, Untergrund instand setzen und erst nach Freigabe neu beschichten.

06

MATERIAL- & SYSTEMVERGLEICH

Gleiches Bild – völlig andere Reparaturtiefe.

Ein erneuerbarer Polymerfilm kann grundgereinigt werden. Eine werkseitige Vergütung, Holzversiegelung oder Reaktionsharzbeschichtung benötigt dagegen ihr eigenes Hersteller- beziehungsweise Instandsetzungssystem.

Material / SystemTypisches BildMögliche Lösung
Polymer-Pflegefilmkleine weiche Blasen nach NassbelastungFilm entfernen, trocknen und neu aufbauen
EP-/PU-Beschichtungharte Blasen, teils mit FlüssigkeitFeuchte-/Haftungsanalyse und Fachsanierung
Holzlack / VersiegelungBlasen an Fugen oder feuchten BereichenHolzfeuchte und Versiegelungsaufbau prüfen
Beschichteter Beton / MetallBlasen mit alkalischer Feuchte oder KorrosionUntergrund instand setzen, nicht nur Deckschicht erneuern
07

VORBEUGEN

Saubere Vorarbeit, dünne Schichten und echte Trocknungszeit.

PROFI-PRAXIS
  • Untergrundfeuchte und Taupunkt beachten
  • poröse Flächen passend grundieren
  • Material ruhig und nach Vorgabe mischen
  • Schichtdicke und Trocknung einhalten
  • stehendes Wasser und frühe Belastung vermeiden
NICHT MACHEN
  • Blasen flachtreten
  • alle Blasen ungeprüft aufstechen
  • nur die Kuppel abschleifen
  • feuchten Untergrund sofort neu versiegeln
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DOKUMENTATION

Damit aus einem Filmfehler keine ungeklärte Haftungsfrage wird.

  1. 01

    Verteilung und Größenmaßstab

  2. 02

    Temperatur, Luftfeuchte und Oberflächentemperatur

  3. 03

    Untergrund- und Restfeuchtewerte mit Messmethode

  4. 04

    Schichtdicken und Auftragszeiten

  5. 05

    Befund an vorhandener offener Stelle

FACHLICHE ANKNÜPFUNG

Eine Sichtprüfung benennt den Fehler – die Ursachenanalyse schützt vor Wiederholung.

Die Kapitel helfen beim Erkennen, Dokumentieren und Eingrenzen. Für feste Beschichtungen, unbekannte Schichtsysteme, Untergrundfeuchte oder mögliche Haftungs- und Rutschgefahren können Herstellerfreigabe, Messung und Beschichtungsfachkunde erforderlich sein.

Fraunhofer IPASchadensanalyse bei Lackier- und BeschichtungsfehlernHempelTroubleshooting in floor coatings – cause, repair and preventionTeknosSieben typische industrielle Beschichtungsfehler und ihre Ursachen