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07.6

BESCHICHTUNGS- & PFLEGESCHÄDEN · SCHICHT VOR GRUNDBELAG

Benetzungsstörungen, Krater & Fischaugen

Die frische Beschichtung zieht sich von einzelnen Stellen zurück und hinterlässt runde Vertiefungen, Krater oder nadelartige Öffnungen.

Realistische frisch beschichtete graue Bodenfläche mit runden Kratern und Fischaugen
GENERIERTE ANSCHAUUNG

In den runden Kratern bleibt der Untergrund sichtbar. Das unterscheidet die Benetzungsstörung von einer erhabenen Blase.

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SCHADENSBILD & BEGRIFF

Was ist in Film, Beschichtung oder Schichtverbund passiert?

Benetzungsstörungen entstehen, wenn eine flüssige Beschichtung den Untergrund örtlich nicht gleichmäßig bedeckt. Bei Fischaugen zieht sich der Film häufig kreisförmig um eine stark benetzungshemmende Kontamination zurück; Krater und Pinholes können zusätzlich durch Luft, Schaum, Partikel oder ausgasenden Untergrund entstehen. Das Fehlerbild bildet sich während Auftrag und Trocknung – es ist kein später aufliegender Schmutz.

TYPISCHE FORMEN
  • rundes Fischauge
  • flacher Krater
  • Nadelstich
  • offene Porenstelle
  • Kraterfeld
  • zurückgezogener Filmrand
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WIE KANN DAS PASSIEREN?

Untergrund, Material, Auftrag, Trocknung oder Nutzung?

Beschichtungsfehler entstehen häufig nicht aus einem einzigen Grund. Vorbehandlung, Produktverträglichkeit, Schichtdicke, Klima, Trocknung und spätere Beanspruchung wirken als System zusammen.

01

Fett, Öl, Silikon oder Wachs

Sehr geringe Oberflächenspannung der Kontamination lässt den wasser- oder lösemittelbasierten Film zurückweichen.

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Schaum, Luft und Porigkeit

Luftblasen aus Mischen, Auftrag oder ausgasendem Untergrund platzen, bevor der Film verlaufen und schließen kann.

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Restchemie und Prozessfehler

Reiniger, Tensid, Staub, falsche Viskosität, Temperatur oder zu dicker Auftrag stören Verlauf und Filmbildung.

03

ERKENNEN & EINORDNEN

Trennebene, Filmzustand und Referenz kontrollieren.

  1. 01

    Form unterscheiden: Vertiefung mit freiem Mittelpunkt, erhabene Blase, Partikelhöcker und mechanische Delle sind verschiedene Fehler.

  2. 02

    Zeitpunkt klären: War der Fehler sofort beim Auftrag sichtbar oder entstand er erst während Trocknung beziehungsweise Nutzung?

  3. 03

    Werkzeuge, Eimer, Mopps, Altpflege, Silikon-/Ölsprays, Maschinenleckagen und Restreiniger als Kontaminationsquellen prüfen.

  4. 04

    Probestelle nur auf gründlich vorbereiteter Referenzfläche und mit sauberem Gerät anlegen.

STUFE 1

Einzelne kleine Krater

Optischer Fehler in erneuerbarem Film, Schutzfunktion überwiegend vorhanden.

STUFE 2

Kraterfeld / offene Schicht

Filmbildung und geschlossene Schutzfläche sind flächig gestört.

STUFE 3

Kontamination im Untergrund

Öl, Silikon, Poren oder Fremdstoff wirken aus tieferen Schichten weiter; Neuauftrag scheitert ohne Sanierung erneut.

04

REPARABEL ODER IRREPARABEL?

NACH KONTAMINATIONSBESEITIGUNG REPARABEL

Film erneuern, Beschichtung sanieren oder Grundbelag instand setzen?

Krater lassen sich nicht durch einen weiteren dicken Auftrag sicher füllen. Der fehlerhafte Film wird entfernt oder fachgerecht angeschliffen, die Kontaminationsquelle beseitigt und die Benetzung auf einer Probestelle geprüft.

FACHLICH MÖGLICH

Tragfähigen Aufbau wiederherstellen

  • erneuerbaren Pflegefilm vollständig abnehmen
  • Geräte und Fläche rückstandsfrei vorbereiten
  • porigen Untergrund passend grundieren
  • dünnen kompatiblen Neuauftrag nach Probestelle ausführen
GRENZE

Nicht mit weiterer Pflege lösen

  • Silikon- oder Ölquelle nicht überbeschichten
  • Krater nicht mit immer mehr Material zuschütten
  • feste Beschichtung nicht ohne Systemfreigabe anschleifen

Wichtig: Eine neue Schicht haftet nur so gut wie die Ebene darunter. Wenn Altfilm, Restchemie, Feuchte oder Untergrund nicht tragfähig sind, macht zusätzlicher Auftrag den Aufbau dicker – aber nicht sicherer.

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MÖGLICHE BEHEBUNG

Erst Ursache und sichere Schichtgrenze – dann der Neuaufbau.

01

Kontaminationsquelle finden

Fläche, Gerät, Textilien, Raum und Vorbehandlung systematisch auf Fett, Öl, Silikon, Wachs und Tensid prüfen.

02

Fehlerfilm entfernen

Nicht geschlossenen Film bis zur tragfähigen Ebene abnehmen beziehungsweise fachgerecht vorbereiten.

03

Benetzung testen

Mit sauberem System eine kleine Probestelle auftragen und Verlauf sowie Trocknung vollständig beobachten.

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MATERIAL- & SYSTEMVERGLEICH

Gleiches Bild – völlig andere Reparaturtiefe.

Ein erneuerbarer Polymerfilm kann grundgereinigt werden. Eine werkseitige Vergütung, Holzversiegelung oder Reaktionsharzbeschichtung benötigt dagegen ihr eigenes Hersteller- beziehungsweise Instandsetzungssystem.

Material / SystemTypisches BildMögliche Lösung
Polymer-Pflegefilmrunde offene Punkte nach Auftraggrundreinigen, sauber spülen, neu auftragen
EP-/PU-BeschichtungKrater, Pinholes, PorenabzeichnungUntergrundvorbereitung und Entlüftung fachlich planen
MetalllackFischaugen um Öl-/Silikonspurenkontaminierte Vorbehandlung vollständig erneuern
Poröser Estrich / BetonNadelstiche durch AusgasungTemperatur, Grundierung und Porenverschluss anpassen
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VORBEUGEN

Saubere Vorarbeit, dünne Schichten und echte Trocknungszeit.

PROFI-PRAXIS
  • silikon-, öl- und wachsfrei arbeiten
  • saubere getrennte Auftragsgeräte
  • Restreiniger vollständig aufnehmen und spülen
  • Material ruhig nach Vorgabe mischen
  • Porigkeit, Temperatur und Schichtdicke kontrollieren
NICHT MACHEN
  • Silikonspray im Beschichtungsbereich
  • Krater mit dickem Folgeauftrag füllen
  • schäumendes Material weiterverwenden
  • verschmutzte Mopps zum Beschichten nutzen
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DOKUMENTATION

Damit aus einem Filmfehler keine ungeklärte Haftungsfrage wird.

  1. 01

    Makro mit Größenmaßstab

  2. 02

    Zeitpunkt der Fehlerentstehung

  3. 03

    verwendete Geräte und Vorbehandlung

  4. 04

    mögliche Öl-/Silikonquellen

  5. 05

    Ergebnis der Benetzungs-Probestelle

FACHLICHE ANKNÜPFUNG

Eine Sichtprüfung benennt den Fehler – die Ursachenanalyse schützt vor Wiederholung.

Die Kapitel helfen beim Erkennen, Dokumentieren und Eingrenzen. Für feste Beschichtungen, unbekannte Schichtsysteme, Untergrundfeuchte oder mögliche Haftungs- und Rutschgefahren können Herstellerfreigabe, Messung und Beschichtungsfachkunde erforderlich sein.

Fraunhofer IPASchadensanalyse bei Lackier- und BeschichtungsfehlernTeknosSieben typische industrielle Beschichtungsfehler und ihre UrsachenPPGCommon Paint Defects Guide: Ursachen, Vorbeugung und Behebung