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REINIGUNGSABLAUF · EINRICHTUNG & BAUTEIL 03.12

BEWEGLICHE BAUTEILE SIND KEINE STARRE FASSADE

Sonnen-, Sicht- & Wetterschutzanlagen

Rollladen, Raffstore, Screen, Fensterladen und feste Verschattung verbinden dünne Oberflächen mit Führung, Gelenken, Textilien, Antrieb und Wetterschutz. Gereinigt werden freigegebene, sicher erreichbare Flächen – nicht Mechanik und Elektrik auf Verdacht.

Moderne leere Gebäudefassade mit Rollladen, Raffstore, Textilscreen, Fensterladen und festem Sonnenschutz ohne Personen
PRAXISANSICHT · MATERIAL, HERSTELLERANGABEN UND OBJEKTVORGABEN BLEIBEN MASSGEBLICH

01 · VOR DEM START

Arbeitsfeld klären.
Material schützen.

01

Anlagentyp, Hersteller, Werkstoff, Beschichtung, Bedienart und zugängliche Vorder- sowie Rückseiten eindeutig bestimmen

02

Betreiberfreigabe einholen, Automatik gegen unbeabsichtigte Bewegung sichern und elektrische Anlage nach Vorgabe stillsetzen lassen

03

Zugang, Absturzkante, Wind, direkte Sonne, Niederschlag, scharfe Kanten und Gefahrenbereich unter der Arbeitsstelle beurteilen

04

Lamellen, Behang, Tuch, Führung, Kasten, Befestigung und Anschluss auf Knicke, Risse, lose Teile, Korrosion oder verschlissene Bänder prüfen

05

Herstellerangabe und Probefläche nutzen; Reiniger, Wasserauftrag, Bürste und Tuch an der empfindlichsten beteiligten Oberfläche ausrichten

06

Schmutz- und Spülwasserweg so planen, dass Motor, Fassade, Fenster, Fuge, Dämmung und Personenverkehr trocken beziehungsweise geschützt bleiben

02 · BAUARTEN ERKENNEN

Zehn Systeme.
Kein Universalverfahren.

Die Begriffe helfen beim Einordnen. Gereinigt wird trotzdem nach konkretem Produkt, Werkstoff, Oberflächenbehandlung, Zustand und Herstellerangabe – nicht nach einer pauschalen Anlagenfamilie.

01Rollladen

Gegliederter Panzer aus Kunststoff, Aluminium, Stahl oder Holz; Kasten, Welle, Führung und Antrieb bleiben sensible Funktionszonen.

02Raffstore / Außenjalousie

Dreh- und hebbare Lamellen mit Leiterkordeln, Führungsseilen oder Schienen. Dünne Profile knicken schnell und dürfen keine Tritt- oder Haltefläche sein.

03Textilscreen

Technisches Gewebe läuft frei oder seitlich geführt. Beschichtung, Naht, Reißverschlussführung und vollständige Trocknung bestimmen den Reinigungsweg.

04Fenster- / Klappladen

Starre oder lamellierte Flügel aus Holz, Metall oder Kunststoff. Kanten, Beschlag und Fuge getrennt von der Fläche beurteilen.

05Markise / textiler Außenbehang

Tuch, Saum, Gelenk und Kassette bilden ein System. Hier werden keine Bauarten zerlegt: maßgeblich sind Herstellerfreigabe und spannungsfreie Reinigung ohne Durchnässen der Technik.

06Feste Lamellen / Brise-Soleil

Nicht einfahrbare Metall-, Holz-, Glas- oder Verbundelemente. Verschattung ist fest, Zugang und Befestigung sind es nicht automatisch.

07Vordach / Überkopfbauteil

Glas, Metall, Polycarbonat oder Membran schützt vor Niederschlag. Oberseite, Ablauf, Tragwerk und Arbeiten über Kopf verlangen ein eigenes Zugangskonzept.

08Sonnensegel

Gespannte textile Fläche mit Nähten, Kanten und Verankerungen. Nicht aushängen, nachspannen oder als Arbeitsfläche benutzen.

09Lamellendach / Pergolasystem

Bewegliche oder feste Dachlamellen mit Rinnen, Dichtungen und häufig Motorik. Reinigung endet vor Einstellung, Entwässerungsreparatur und Antrieb.

10Innenliegender Sicht- / Blendschutz

Rollo, Jalousie oder Plissee ist weniger bewittert, dafür oft staub-, knick- und feuchteempfindlich. Textilkennzeichnung und Beschichtung geben die Grenze vor.

MATERIALZONEN

Eine Anlage besteht selten aus nur einem Werkstoff.

Die empfindlichste beteiligte Zone begrenzt Feuchte, Chemie und Mechanik. Ein robustes Aluminiumprofil macht Motor, Textil und Wandanschluss nicht automatisch robust.

Beschichtetes Metall

Staub erst entfernen, dann mit freigegebenem mildem System und weichem Werkzeug arbeiten. Scheuern, starke Säure, starke Lauge und Lösemittel können Glanz und Schicht verändern.

Kunststoff

Alterung, Versprödung und Kreidung prüfen. Wärme, Lösemittel und hohe Mechanik können verformen oder Spannungsrisse fördern.

Technisches Textil

Nicht aus einer sichtbaren Faser auf Waschbarkeit schließen. Imprägnierung, Beschichtung, Naht, Farbstoff und Trocknung gemeinsam prüfen.

Holz

Lasur, Lack, Öl, offene Kante und Hirnholz begrenzen Feuchte. Vergrauung, abgewitterte Beschichtung und Fäulnis sind keine gewöhnliche Verschmutzung.

Glas / Polycarbonat

Beschichtung und Kunststoffscheibe sicher unterscheiden. Kratzende Partikel vor der Nassarbeit vollständig aufnehmen.

Führung, Kasten & Antrieb

Nur freigegebene Außenflächen reinigen. Wasser, Reiniger und lose Fasern nicht in Lager, Motor, Gurtführung, Sensor oder Wandanschluss bringen.

REINIGUNGSLOGIK

Vom sicheren Stillstand zur trockenen Übergabe.

  1. 01
    Stellung sichern

    Automatik, Windwächter und Fernsteuerung berücksichtigen; die freigegebene Reinigungsstellung darf sich nicht unerwartet verändern.

  2. 02
    Lose Auflage aufnehmen

    Sand und harte Partikel nicht zwischen Lamelle und Tuch verschleppen, sonst wird aus Wischen sehr schnell Schleifen.

  3. 03
    Fläche und Funktion trennen

    Behang oder Lamelle bearbeiten, Führung, Gelenk, Kordel, Dichtung und Elektrik jedoch nicht eigenmächtig warten.

  4. 04
    Feuchte begrenzen

    Tuch, offene Kante, Kasten und Anschluss nicht fluten; senkrechte Läufer und darunterliegende Fassade mitdenken.

  5. 05
    Rückstände entfernen

    Milde Chemie ist ebenfalls Chemie. Reste material- und herstellergerecht abnehmen, bevor Sonne sie auf der Oberfläche antrocknet.

  6. 06
    Trocken übergeben

    Feuchte Behänge nicht einrollen. Knick, Riss, lockere Befestigung oder Funktionsstörung dokumentieren und fachlich übergeben.

Eine Raffstore-Lamelle sieht aus wie ein kleines Trittbrett. Das ist optische Täuschung mit eingebauter Reparaturrechnung.

03 · SINNVOLLE REIHENFOLGE

Schritt für Schritt.
Ohne Rückverschmutzung.

  1. 01

    Anlage in die vom Hersteller freigegebene Reinigungsstellung bringen, gegen Bewegung sichern und Arbeitsbereich sperren

  2. 02

    Lose Partikel, Spinnweben, Pollen und Insektenreste mit weicher Bürste oder geeignetem Saugsystem aufnehmen

  3. 03

    Kastenaußenseite, Rahmen und feststehende Bauteile zuerst mit geringer Feuchte materialgerecht bearbeiten

  4. 04

    Lamellen, Panzer oder Textil in kleinen Abschnitten ohne Abstützen, Knicken, Zerren oder Überdehnen von oben nach unten reinigen

  5. 05

    Führungen nur oberflächlich von losem Schmutz befreien; Schmierstoff, Einstellung und Demontage bleiben Herstellervorgabe beziehungsweise Wartung

  6. 06

    Reinigerreste kontrolliert mit sauberem Wasser oder feuchtem Tuch entfernen, Wasser nicht in Kasten, Motor, Lager oder Wandanschluss drücken

  7. 07

    Anlage vollständig trocknen lassen; textile Behänge nicht feucht einrollen und Lamellen nicht nass in den Kasten fahren

  8. 08

    Sicherung erst nach Sichtkontrolle aufheben und eine notwendige Funktionsprüfung durch die zuständige Betreiber- oder Fachperson ausführen lassen

04 · VOR DER FREIGABE

Sauber reicht nicht.
Sicher und funktionsfähig.

PRÜFPUNKT 01Oberfläche ohne Kratzer oder Knicke
PRÜFPUNKT 02Textilien vollständig trocken
PRÜFPUNKT 03Führungen frei von Reinigungsresten
PRÜFPUNKT 04Elektrik und Kasten trocken
PRÜFPUNKT 05Keine losen oder verstellten Bauteile
PRÜFPUNKT 06Funktionsfreigabe geklärt
JAN SAGT

Mit dem Hochdruckstrahl einmal quer über Lamellen, Tuch, Motor und offene Fuge zu ziehen spart tatsächlich Zeit – hauptsächlich bis zur Schadensmeldung.

QUELLEN & EINORDNUNG

Fachliche Grundlagen.

Für den konkreten Auftrag gelten zusätzlich Herstellerangaben, Gefährdungsbeurteilung, Leistungsverzeichnis und Betreiberfreigaben.

DGUV Regel 101-605 · Branche GebäudereinigungAusbildungsverordnung Gebäudereiniger/inArbeitsschutzgesetzBetriebssicherheitsverordnungTRBS 1111 · GefährdungsbeurteilungROMA · Herstellerhinweise zur Reinigung von Außenjalousien