REINIGUNGSABLAUF · HYGIENE- & RISIKOZONE 05.8

OP-Saal

Im Operationssaal entscheidet nicht der Wunsch nach möglichst viel Desinfektion, sondern ein abgestimmter, reproduzierbarer Ablauf. Eingriff, sichtbare Kontamination, Flächenart, Einwirkzeit und Freigabe bestimmen, was zwischen zwei Operationen und am Tagesende bearbeitet wird.

Generierte Ansicht eines leeren Operationssaals mit OP-Tisch, Leuchten, Anästhesiegerät und links offen dargestelltem Textilwagen
SYMBOLBILD · TEXTILIEN IM EINSATZ GESCHÜTZT BEREITSTELLEN

01 · VOR DEM ZUTRITT

Raumstatus und Auftrag übernehmen

  • Raumstatus und Freigabe durch die verantwortliche OP-Stelle bestätigen; während medizinische Tätigkeiten laufen, beginnt keine eigenmächtige Reinigung
  • Verbindlichen Reinigungs- und Desinfektionsplan, erforderliches Wirkspektrum, Konzentration, Einwirkzeit und Wiederbenutzung prüfen
  • Gebäudereinigungsflächen, Medizinprodukte, Sterilgut, Instrumente, Anästhesiearbeitsplatz und technische Anlagen eindeutig abgrenzen
  • Ausreichend vorpräparierte Textilien, Bodenbezüge, PSA, geschlossenen Abwurf und einen Ersatzweg bei sichtbarer Kontamination bereitstellen
  • Unreinen Abtransport und sauberen Materialnachschub so planen, dass sich Wege nicht kreuzen

Bereichskleidung, Haarschutz, Mund-Nasen-Schutz und weitere Schutzausrüstung richten sich nach Tätigkeit und Hausstandard. Reinigung und erneute sterile Vorbereitung müssen zeitlich und räumlich abgestimmt sein; medizinische Tätigkeiten nicht durch einen ungeklärten Reinigungsbeginn unterbrechen.

02 · ZWISCHEN ZWEI EINGRIFFEN

Den OP-Raum für die nächste Nutzung vorbereiten

Die OP-Zwischenreinigung ist der örtlich festgelegte Reinigungs- und Desinfektionsablauf zwischen zwei Eingriffen. Sie beginnt nach Raumfreigabe und endet mit der vereinbarten Kontrolle und Übergabe.

  1. Freigabe übernehmen, Händehygiene und vorgesehene PSA herstellen und nur das benötigte Material einbringen

  2. Abfall, gebrauchte Wäsche, Instrumente und scharfe Gegenstände ausschließlich nach festgelegter Zuständigkeit entfernen beziehungsweise übernehmen lassen

  3. Sichtbare Verunreinigung mit Blut, Sekret oder Exkret spritzarm mechanisch aufnehmen und die Fläche anschließend mit dem dafür freigegebenen Verfahren desinfizieren

  4. Festgelegte patientennahe, häufig berührte und horizontale Flächen lückenlos bearbeiten; für jede Fläche ein sauberes Tuchfeld verwenden

  5. Den gesamten begangenen Fußboden des OP-Raumes und weitere im Plan festgelegte Flächen desinfizierend reinigen; den Bezug wechseln, bevor ein anderer OP- oder Funktionsbereich betreten wird

  6. Benetzung, Einwirkzeit, Antrocknung und sichere Begehbarkeit beachten; aseptische Arbeitsflächen erst nach vollständiger Einwirkzeit nutzen

  7. Material geschlossen abwerfen, Abweichungen dokumentieren und den Raum erst nach dem vereinbarten Kontroll- und Freigabeschritt übergeben

Beim nächsten Eingriff frisch beginnen: Benutzte Tücher und Bezüge abwerfen; vor dem Griff in den sauberen Vorrat den Kontaktweg über Hände und Handschuhe nach Hygieneplan unterbrechen. 05.7 erklärt Vorrat und Textilwechsel.

IM OP GILT DER HAUSPLAN

Ich habe selbst zwei Jahre im OP-Bereich gearbeitet. Für die tatsächliche Ausführung war ausschließlich der von der zuständigen Hygiene freigegebene Plan des Hauses maßgeblich. Eine allgemeine Lernregel kann Methoden erklären – sie entscheidet aber weder über den Flächenumfang noch über Produkt, Einwirkzeit, Zuständigkeit oder Raumfreigabe.

03 · TAGESABSCHLUSS

Nach dem OP-Programm vollständig nach Plan reinigen

Mit „Schlussreinigung“ ist im OP-Alltag häufig die vollständige Reinigung nach dem Operationsprogramm gemeint. Eine Schlussdesinfektion ist dagegen eine gezielte, begründete Maßnahme nach einer besonderen Erreger- oder Isolationssituation.

  1. OP-Programm, letzte Nutzung und Raumfreigabe bestätigen; Restbetrieb und geplante Eingriffe berücksichtigen

  2. Gebrauchte Materialien durch die jeweils zuständige Berufsgruppe entfernen und unreine Transportwege schließen

  3. Sichtbare Kontaminationen sofort zweistufig behandeln: mechanisch aufnehmen, anschließend geeignet desinfizieren

  4. Alle im Plan genannten häufig berührten, patientennahen und horizontalen Flächen systematisch und lückenlos bearbeiten

  5. Fußboden vollständig im festgelegten desinfizierenden Verfahren bearbeiten; Ränder, Fahrspuren und zugängliche Zonen einbeziehen

  6. Selten berührte Flächen nur im vorgegebenen Turnus beziehungsweise bei Verschmutzung reinigen – die Raumdecke wird nicht täglich aus Prinzip gewischt

  7. Textilien, Geräte und Wagen geschlossen ausführen, aufbereiten und sauber/unrein wieder trennen

  8. Trocknung, vorgeschriebene Einwirkzeiten, sichere Begehbarkeit, Vollständigkeit und dokumentierte Raumfreigabe prüfen

Bei besonderer Erregerfreisetzung oder ungeklärter Kontamination legt die Krankenhaushygiene die Zusatzmaßnahmen fest. 05.5 erklärt den Umgang mit besonderen Kontaminationen.

04 · FLÄCHEN & WIEDERBENUTZUNG

Wann welche Fläche wieder genutzt werden darf

Im selben OP-Raum gelten je nach Fläche unterschiedliche Bedingungen. Gerade deshalb müssen Produkt, Fläche, Zeit und Wiederbenutzung im Plan konkret zusammengeführt werden.

Sechs Flächenarten und Anlässe · die konkrete Konzentration und Einwirkzeit stehen im Hausplan
Flächenart / AnlassBeispielKonsequenz
Aseptische ArbeitsflächeZum Beispiel Instrumententisch oder freigegebene AnästhesiearbeitsflächeEinwirkzeit vollständig abwarten; erst danach wieder nutzen
Patientennah / häufig berührtZum Beispiel OP-Tisch und nicht sterile Bediengriffe der OP-Leuchte, soweit zugewiesen; sterilisierbare Griffe separat aufbereitenDesinfizierend bearbeiten; Wiederbenutzung nach objektbezogener Festlegung und Antrocknung
FußbodenIm OP-Bereich desinfizierende Flächenreinigung nach festgelegtem UmfangVor dem Betreten lufttrocken; zusätzliche Einwirkzeitregeln aus dem Plan beachten
Selten berührte FlächeZum Beispiel wenig genutzte Wand- oder AußenzonenReinigung nach Plan und bei Verschmutzung; keine wahllose Vollraumdesinfektion
Sichtbare KontaminationBlut, Sekret, Exkret oder relevante ErregerfreisetzungZuerst spritzarm mechanisch entfernen, danach gezielt desinfizieren und Einwirkzeit abwarten
Nicht sichtbare besondere KontaminationNur bei begründeter Indikation, etwa nach festgelegter ErregerfreisetzungGezielte Schlussdesinfektion im definierten Umfang – nicht mit normalem Tagesabschluss verwechseln

05 · SCHNITTSTELLEN

Wer reinigt was?

Unklare Verantwortung erzeugt im OP entweder Lücken oder riskante Doppelarbeit. Jede Fläche und jedes Gerät braucht deshalb eine zugewiesene Berufsgruppe und ein freigegebenes Verfahren.

Gebäudereinigung
Freigegebene Raumflächen, Boden, definierte Außenflächen und zugewiesene Kontaktpunkte nach Plan.
OP-/Anästhesiepersonal
Instrumente, Sterilgut, medizinische Verbrauchsmaterialien und patientenbezogene Vorbereitung.
AEMP / qualifizierte Aufbereitung
Wiederverwendbare Medizinprodukte nach validiertem Aufbereitungsverfahren.
Technik / Medizintechnik
Innenbereiche, Wartung, Demontage und nicht freigegebene Teile technischer Anlagen und Geräte.
Krankenhaushygiene
Risikobewertung, Wirkspektrum, Flächenumfang, Einwirkzeit, Überprüfung und Verfahren bei Abweichungen.
Einrichtungsleitung
Ausreichend Personal, Zeit, Material, Schulung, Schnittstellen und einen umsetzbaren Plan bereitstellen.

06 · KONTROLLE & DOKUMENTATION

Durchführung und offene Punkte nachvollziehbar festhalten

Dokumentiert werden nicht möglichst viele Häkchen, sondern die Informationen, die den Ablauf nachvollziehbar machen.

  • Raum, Zeitpunkt und Art der Maßnahme
  • verwendetes Verfahren und erforderliche Einwirkzeit
  • besondere Kontamination und ergriffene Zusatzmaßnahme
  • Abweichung, fehlendes Material oder beschädigte Fläche
  • nicht bearbeitete beziehungsweise ungeklärte Zuständigkeit
  • Kontrollstatus und verantwortliche Raumfreigabe

Für eine konkrete Übergabe: Die betroffene Fläche benennen, den noch offenen Arbeitsschritt festhalten und angeben, wer informiert wurde. Nacharbeit und erneute Kontrolle nachtragen.

07 · ÜBERGABE

Reinigungsabschluss und Raumfreigabe bestätigen

  • Raumstatus eindeutig
  • Kontamination vollständig beherrscht
  • Einwirkzeit flächenbezogen eingehalten
  • Sauber/unrein nicht gekreuzt
  • Medizinische Zuständigkeiten respektiert
  • Freigabe dokumentiert

Bei offenen Punkten bleibt die Übergabe unvollständig

Ein Blutrest, eine nicht erreichte Fläche, ein beschädigtes Polster oder eine ungeklärte Einwirkzeit wird konkret gemeldet. Nacharbeit beziehungsweise technische Klärung und die anschließende Kontrolle abstimmen; den Raum nicht pauschal als fertig melden.

Die Reinigungskraft bestätigt ihre Durchführung. Wer die nächste Nutzung freigibt, ist im Hausplan festgelegt.

Im OP zählt nicht, wer am schnellsten wieder draußen ist. Wer die Einwirkzeit wegdiskutiert, unreine Wege kreuzt oder medizinische Geräte nach Gefühl abwischt, produziert keinen Zeitgewinn – sondern ein nicht beherrschtes Risiko.

JAN SAGT

QUELLEN & EINORDNUNG

Fachliche Grundlagen.

Fachlicher Abgleich am 20.09.2026: KRINKO-Flächenhygiene in der Fassung von 2026, insbesondere Tabelle 3 und Abschnitte 5.2–5.3, ergänzt durch die OP-bezogenen Empfehlungen zur Prävention postoperativer Wundinfektionen von 2018. Diese unterscheiden Eingriffe nach ihrem Infektionsrisiko; örtliche Varianten erfordern eine fachliche Risikobewertung. Die PRISMALIX-Anleitung dient als konkretes Gerätebeispiel für getrennte Aufbereitungswege und Materialgrenzen. Für vorhandene Geräte ist die jeweils aktuelle, zum Modell passende Gebrauchsanweisung maßgeblich. Rechtliche und betriebliche Schutzvorgaben sind zusätzlich verlinkt.
Für den konkreten Auftrag gelten zusätzlich der aktuelle Hygieneplan, Betriebsanweisungen, Herstellerangaben und die Freigabe der verantwortlichen Stelle.

KRINKO · Flächenreinigung und Flächendesinfektion · 2026KRINKO · Prävention postoperativer Wundinfektionen (2018), insbesondere Abschnitt 4.1Getinge / Maquet · PRISMALIX-Anleitung 0113103, Abschnitt II A: Reinigung und Griffaufbereitung§ 23 InfektionsschutzgesetzTRBA 250 · Biologische Arbeitsstoffe im GesundheitswesenDGUV Regel 101-605 · Branche Gebäudereinigung