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REINIGUNGSABLAUF · HYGIENE- & RISIKOZONE 05.7

Farb- & Textilwechselsystem

Das Vier-Farben-System wird teilweise auch Quattro-System genannt. Die Farben helfen bei der Zuordnung von Textilien und Bereichen, reinigen oder desinfizieren aber nicht selbst. Entscheidend sind eindeutige Objektregeln, genügend frische Textilien, rechtzeitiger Wechsel und eine sichere Aufbereitung.

Rote, blaue, gelbe und grüne Tücher sowie ein Bodenbezug offen auf einer Ablage im Sanitärraum; Anschauungsbild zur Farbzuordnung
FARBEN ALS ANSCHAUUNG · IM EINSATZ DEN SAUBEREN VORRAT GESCHÜTZT LAGERN

01 · OBJEKTPLAN

Zuordnung und Vorrat vor dem Start klären

Dieses Kapitel organisiert das System im Objekt. Faltfolge, Wischbewegung und die ausführliche Wechseltechnik stehen in den verlinkten Technik-Kapiteln.

  • Objektspezifische Farbzuordnung prüfen; betriebliche Vorgabe geht vor einer vermeintlich universellen Farbregel
  • Übliche Orientierung kennen: blau für allgemeine Oberflächen, grün für Küchen- und Lebensmittelbereiche, gelb für Sanitärflächen außerhalb von WC und Urinal sowie rot für WC und Urinal; nur übernehmen, wenn der Objektplan sie bestätigt
  • Textilmenge anhand Flächen, Räume, Zonen und vorgeschriebener Wechselpunkte berechnen
  • Saubere Lagerung, geschlossenen Abwurf und getrennten Transport vorbereiten
  • Vorpräparation, Dosierung, Standzeit und Kennzeichnung der Lösungen kontrollieren

Farbe immer mit Text verbinden: Behälter und Ablagen zusätzlich mit dem Einsatzbereich beschriften. So bleibt die Zuordnung auch bei ähnlichen Farbtönen, ausgebleichten Tüchern oder eingeschränktem Farbsehen eindeutig.

02 · TEXTILWEG

Vom sauberen Vorrat bis zur Aufbereitung

Bereitstellen und einsetzen

  1. Saubere Textilien geschützt zum Einsatzort bringen und erst dort entnehmen
  2. Passende Farbe und Textilart vor Beginn der Zone kontrollieren
  3. Tuch systematisch falten und jede saubere Seite nur für den vorgesehenen Abschnitt nutzen

Wechseln und zurückführen

  1. Bei Verschmutzung, Bereichswechsel, vorgegebener Fläche oder vollständiger Nutzung wechseln
  2. Benutzte Textilien direkt und ohne Zwischenablage in den vorgesehenen Abwurf geben
  3. Transport, Waschverfahren, Trocknung, Lagerung und Bestandskontrolle geschlossen abschließen

Vor der nächsten Entnahme: Den Kontaktweg über belastete Hände oder Handschuhe nach Hygieneplan unterbrechen. Mit dem Handschuh vom WC weder frische Tücher noch den sauberen Boxdeckel anfassen.

03 · FARBZUORDNUNG

Vier Farben mit klaren Bereichsgrenzen

Die folgende Zuordnung ist verbreitet. Im konkreten Objekt gilt der unterwiesene Farbplan; zusätzliche Trennungen innerhalb einer Farbe bleiben erforderlich.

Grün

Küche und Lebensmittelumfeld

Küchenarbeitsflächen und zugeordnete Geräteflächen. Rohware, verzehrfertige Lebensmittel und Allergenwechsel zusätzlich trennen.

05.3 · Küchenbereiche

Gelb

Waschplatz und übriger Sanitärraum

Waschbecken, Armaturen, Dusche und Ablagen außerhalb der WC- und Urinalzone.

05.2 · Sanitärbereiche

Rot

WC und Urinal

WC-Außenflächen, Sitz, Deckel und zugeordneter Spritzbereich; für die Innenkeramik bleibt die eigene WC-Bürste zuständig.

05.2 · Rote Zone

04 · WECHSELENTSCHEIDUNG

Umfalten, ganz wechseln oder Sonderablauf?

Kontrolliert umfaltenDieselbe freigegebene Einheit, eine saubere Seite ist eindeutig verfügbar
Nur solange das Tuch ausreichend aufnimmt und die vorgesehene Feuchte abgibt.
Das ganze Textil wechselnRaum-, Flächen- oder Zonengrenze laut Plan erreicht
Eine neue Tuchseite hebt die festgelegte Wechselgrenze nicht auf. Gleiche Farbe bedeutet nicht gleiche Nutzungseinheit.
Vorzeitig wechselnTuch gesättigt, ausgetrocknet, heruntergefallen oder Seitenfolge unklar
Nicht ausspülen und weiterverwenden. In der Wechselmethode gibt es keinen Rückweg in frische Lösung oder Vorrat.
Sonderablauf anwendenBlut, Erbrochenes oder andere besondere Kontamination
Betroffene Stelle sichern und den Ereignisplan nutzen. Das belastete Textil gehört nicht in den normalen Rundgang.

Für Bodenbezüge gilt ebenfalls die vorab bestimmte Einheit. Eine allgemeingültige Quadratmeterleistung gibt es nicht; Schmutzaufnahme, Feuchte und Verfahren begrenzen den Einsatz.

Wechselmethode mit Handgriffen und Praxisfällen →

05 · MATERIALBEDARF

Textilien nach Wechselpunkten einplanen

RECHENBEISPIEL · KEINE VERBRAUCHSNORM

Der Beispielplan setzt für jeden von vier kleinen Waschräumen ein gelbes Tuch für den Waschplatz und ein rotes Tuch für das einzelne WC an. Größere Flächen oder frühe Wechsel erhöhen den Bedarf.

Geplanter Einsatz
4 gelbe + 4 rote Tücher
Beispielreserve
1 gelbes + 1 rotes Tuch
Bereitstellung
5 gelbe + 5 rote Tücher

Die Reserve wird je Farbe geplant. Ein überschüssiges blaues Tuch ersetzt keinen fehlenden roten Vorrat. Zusätzlich müssen genug Textilien für Wasch-, Trocken- und Transportzeiten im Umlauf sein. Nachschub organisieren, bevor die festgelegten Wechselgrenzen nicht mehr eingehalten werden können.

Flächenleistung und Flüssigkeitsmenge für Bezüge berechnen →

06 · AUFBEREITUNG

Nur ein freigegebener Rücklauf wird wieder sauberer Vorrat

  1. Getrennt sammeln und transportieren

    Mehrweg in den vorgesehenen geschlossenen Abwurf, Einweg in den festgelegten Abfall. Keine Textilien über den Rand hängen lassen. Bei Infektionsrisiko den vorgeschriebenen, gegebenenfalls flüssigkeitsdichten Transport nutzen.

  2. Passendes Waschverfahren wählen

    Textilart, Belastung und Aufbereitungsfreigabe bestimmen Programm und Waschchemie. Mikrofaser und stark flusende Baumwolle getrennt behandeln; keinen Weichspüler einsetzen. Chemikalienreste und besondere Kontamination bei der Chargenzuordnung berücksichtigen.

  3. Trocken lagern oder kontrolliert vorpräparieren

    Trockenvorrat vollständig trocknen und geschützt lagern. Für vorpräparierte Textilien gelten die freigegebene Kombination, Flüssigkeitsmenge, Kennzeichnung und Nutzungsfrist. Nicht eigenmächtig nachtränken oder die Standzeit verlängern.

  4. Textilien und Behälter kontrollieren

    Unklare Aufbereitung, Fremdkörper, beschädigte Fasern, auffällige Rückstände oder unlesbare Zuordnung vor dem nächsten Einsatz klären. Entnahmebox, Abwurf und Wagenkontaktflächen in den Reinigungsplan aufnehmen.

HERSTELLERBEISPIEL

Pflegehinweis ist kein Desinfektionsnachweis

Greenspeed empfiehlt für sein Original-Mikrofasertuch eine Wäsche bei 60 °C mit geeignetem Colorwaschmittel und rät zur Schonung möglichst vom maschinellen Trocknen ab. Das beschreibt die Produktpflege, kein geprüftes Desinfektionswaschverfahren.

MEDIZINISCHE EINRICHTUNGEN

Der Hygieneprozess muss zum Textil passen

KRINKO fordert für zur Desinfektion eingesetzte Mehrwegtextilien ein wirksames Desinfektionswaschverfahren mit jährlichem Wirksamkeitsnachweis in der Einrichtung und maschinelle Trocknung; kontrollierte Vortränksysteme sind gesondert zu bewerten. Wenn Textilpflege und erforderlicher Prozess nicht zusammenpassen, ein geeignetes Textil oder freigegebenes Einwegsystem wählen.

Vorpräparation und Standzeiten im Detail →

07 · ABSCHLUSSKONTROLLE

Den kompletten Textilweg prüfen

  • Farbe korrekt zugeordnet
  • Wechselintervalle eingehalten
  • Sauber/unrein getrennt
  • Aufbereitung gesichert

Abweichungen wie fehlenden Nachschub, einen berührten sauberen Vorrat oder einen ungeklärten Waschlauf melden und vor dem nächsten Einsatz beheben lassen.

Vier Farben am Wagen sind noch kein Hygienesystem. Ohne Wechsel sind es lediglich vier verschiedenfarbige Möglichkeiten, Schmutz zu verteilen.

JAN SAGT

08 · FACHLICHE GRENZE

Der Objektplan bleibt verbindlich

Vier-Farben- beziehungsweise Quattro-System bezeichnet eine Organisationskonvention und kein eigenes Desinfektionsverfahren. Die Zuordnung kann objektbezogen abweichen. Verbindlich sind der jeweilige Hygieneplan, die Unterweisung und der festgelegte Materialfluss.

09 · PASSENDE VERTIEFUNGEN

Handgriffe und Verfahren nachlesen

QUELLEN & EINORDNUNG

Fachliche Grundlagen.

Fachlicher Abgleich am 20.09.2026: KRINKO für medizinische Einrichtungen, VAH für grundlegende Textil- und Farbregeln im privaten Umfeld sowie Greenspeed als konkretes Beispiel für Hersteller-Pflegehinweise. Haushalts- und Produktpflegeempfehlungen ersetzen keinen erforderlichen Desinfektionswaschprozess. DGUV und Arbeitsschutzgesetz ergänzen die betrieblichen Schutzvorgaben. Das Bedarfsbeispiel dient der Planung und ist keine Verbrauchsnorm.
Für den konkreten Auftrag gelten zusätzlich der aktuelle Hygieneplan, Betriebsanweisungen, Herstellerangaben und die Freigabe der verantwortlichen Stelle.

KRINKO · Flächenhygiene, insbesondere 6.1.1 und 7.3.2: Textilsysteme und AufbereitungVAH · Sachgerechte Reinigung, Kapitel 2 und 3: Textilien und Farbzuordnung im privaten UmfeldGreenspeed · Original-Mikrofasertuch: produktbezogene Wasch- und PflegehinweiseDGUV Regel 101-605 · Branche GebäudereinigungArbeitsschutzgesetz