StartReinigungstechnikenSprühextrahieren

05.3 · TEXTILE TIEFENREINIGUNG

Sprühextrahieren
zweistufig ausführen

Beim zweistufigen Verfahren wird der Reiniger separat vorgelegt und darf kontrolliert einwirken. Anschließend spült der Sprühextraktor mit klarem destilliertem oder vollentsalztem Wasser und saugt Wasser, Chemie sowie gelösten Schmutz unmittelbar wieder ab.

Professioneller mobiler Sprühextraktor mit Druckleitung, Saugschlauch und transparenter Teppichdüse auf grauem Teppichboden
SPRÜHEN + SAUGEN

Der blaue Druckschlauch führt klares Spülwasser zur Düse. Der schwarze Saugschlauch transportiert Wasser, vorgelagerte Chemie und gelösten Schmutz in den Schmutzwassertank. Die transparente Düse macht die Rückgewinnung sichtbar.

ZWEISTUFIGER KURZABLAUF

Reiniger vorlegen, klar spülen und gründlich absaugen

  1. 01
    Reinigen

    Gebrauchslösung separat dosieren und nach Vorgabe einwirken lassen.

  2. 02
    Spülen

    Destilliertes oder vollentsalztes Wasser kontrolliert einsprühen.

  3. 03
    Absaugen

    Schmutzflotte sofort aufnehmen und mit Trockensaugzügen Restfeuchte senken.

01

VERFAHRENSVERGLEICH

Einstufiges und zweistufiges Sprühextrahieren unterscheiden

Beide Varianten sprühen und saugen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, wann die Reinigungslösung aufgetragen wird und ob die Maschine Chemie oder klares Spülwasser versprüht.

EINSTUFIG

Reiniger im Frischwassertank

Reinigungslösung wird durch die Teppichdüse eingesprüht und im selben Arbeitsgang wieder abgesaugt. Das ist technisch ein anerkanntes Verfahren, bietet dem Reiniger aber nur eine kurze, schwer gleichmäßig steuerbare Kontaktzeit.

EINSTUFIG · NACHTEIL

Chemie wird bei jedem Sprühzug nachdosiert

Solange mit Reiniger gesprüht wird, gelangt neue Chemie in den Flor. Ohne anschließende Klarspülung können waschaktive Rückstände verbleiben und eine schnelle Wiederanschmutzung begünstigen.

ZWEISTUFIG

Reiniger getrennt vorlegen

Die Gebrauchslösung wird mit einem separaten Drucksprühgerät gleichmäßig aufgetragen und darf nach Vorgabe einwirken. Erst danach beginnt die maschinelle Spülung und Absaugung.

ZWEISTUFIG · EMPFOHLEN

Klares Wasser im Sprühextraktor

Der Frischwassertank enthält klares destilliertes oder vollentsalztes Wasser. Es löst und verdünnt die vorgelagerte Chemie erneut; die Saugdüse entfernt Wasser, Reiniger und Schmutz gemeinsam.

02

CHEMIE UND SPÜLWASSER

Reinigungslösung und Klarspülung getrennt einsetzen

Der Reiniger braucht eine definierte Dosierung und Kontaktzeit. Das klare Wasser hat danach eine andere Aufgabe: Es nimmt gelöste Chemie erneut auf und macht sie für die Absaugung transportfähig.

01

DESTILLIERTES WASSER

Durch Verdampfen und Kondensieren gewonnenes, sehr mineralarmes Wasser. Es bringt kaum zusätzliche Salze in den Teppich und wird in diesem Kapitel als klares Spülmedium empfohlen.

02

VE-WASSER

VE bedeutet vollentsalzt. Das Wasser wurde beispielsweise über Ionenaustausch oder Umkehrosmose weitgehend von gelösten Mineralien befreit und kann dieselbe Spülfunktion übernehmen.

03

LEITUNGSWASSER

Kann nach Geräte- und Belagsfreigabe technisch verwendbar sein. Härtebildner können jedoch Düsen, Heizsystem und Faserrückstand beeinflussen; deshalb ist es nicht die bevorzugte Empfehlung dieses Kapitels.

04

TEMPERATUR

Lauwarm kann die Reinigungswirkung unterstützen, aber Faser, Farbe, Klebung und Gerät setzen die Grenze. Für bestimmte Interface-Teppichfliesen werden beispielsweise höchstens 45 °C genannt – das ist keine Universaltemperatur.

05

KLARSPÜLUNG

Klares Wasser neutralisiert unbekannte Chemie nicht automatisch. Es löst und verdünnt den Reiniger; entfernt wird er erst durch ausreichenden Wasserwechsel und wirksame Absaugung.

06

SPÜLZUSATZ

Saure oder andere chemische Extraktionsspülungen existieren als Produktsysteme. Sie gehören nur nach ausdrücklicher Material- und Herstellerfreigabe in den Tank; der hier beschriebene Standard arbeitet ohne Zusatz.

03

MATERIALPRÜFUNG

Faser, Rücken, Klebung und Untergrund vollständig prüfen

Die Düse arbeitet am Flor, die Feuchte kann bis in Rücken, Klebung, Polsterkern und Untergrund wandern. Deshalb reicht die Angabe „Teppich geeignet“ nicht.

FASER UND FARBE

Faserart, Färbeverfahren und Farbechtheit mit der gebrauchsfertigen Vorreinigungslösung sowie dem vorgesehenen Spülwasser prüfen. Das trockene Ergebnis entscheidet.

FLOR UND KONSTRUKTION

Schnittpol, Schlinge, Nadelvlies, Webware, Tufting, Bahnenware und Fliesen vertragen unterschiedliche Drücke, Wassermengen und mechanische Vorbehandlung.

RÜCKEN

Jute, Latex, Schaum, Bitumen und andere Rücken können Wasser aufnehmen, schrumpfen, ausbluten oder sich vom Florverbund lösen.

KLEBUNG

Tackifier, Dispersionskleber und unbekannte Altverklebungen dürfen nicht durchfeuchtet oder angelöst werden. Teppichfliesen können sich verschieben oder an den Kanten hochstellen.

UNTERGRUND

Holzwerkstoffe, Doppelböden, feuchteempfindliche Spachtelmassen, Hohlräume und elektrische Installationen setzen enge Grenzen für Wassermenge und Trocknungszeit.

POLSTER

Bezugsstoff, Nähgarn, Keder, Klebstoff, Schaumstoff, Federkern, Holz und Metall liegen dicht zusammen. Polster brauchen geringeren Druck, kleinere Düsen und besonders kontrollierte Feuchte.

VORSCHÄDEN

Offene Nähte, lose Schlingen, Wellen, Delamination, alte Ränder und Verfärbungen werden vor Arbeitsbeginn dokumentiert und nicht mit zusätzlicher Feuchte überarbeitet.

AUSRÜSTUNGEN

Fleckschutz, Flammschutz, Antistatik und andere Funktionsausrüstungen können durch Chemie, Temperatur oder Spülung verändert werden. Herstellerangaben gehen vor.

04

MASCHINEN UND BAUTEILE

Passenden Sprühextraktor und geeignete Düsen auswählen

Entscheidend sind nicht nur Pumpendruck oder Motorleistung. Gleichmäßiges Sprühbild, ausreichender Luftstrom, dichter Saugweg, passende Düse und beherrschbare Wassermenge bilden gemeinsam das System.

01

Mobiler Sprühextraktor

Getrennte Frisch- und Schmutzwassertanks, Pumpe, Druckleitung, Saugschlauch und Teppichdüse bilden ein tragbares System für Teilflächen und Räume.

02

Selbstfahrendes Kompaktgerät

Sprühdüsen, Bürstenwalze und Absaugung sind in einem Arbeitskopf integriert. Es eignet sich für größere freie Flächen, wenn der Belag das konkrete System erlaubt.

03

Kleinextraktor

Kompaktes Gerät mit Hand- oder Polsterdüse für Flecken, Treppen, Möbel und kleine Bereiche. Weniger Größe bedeutet nicht automatisch weniger Feuchte.

04

Separater Drucksprüher

Er verteilt die Reinigungslösung im zweistufigen Verfahren unabhängig vom Extraktor. Düse, Druck, Sprühbild und Dosierung müssen gleichmäßig und textilgeeignet sein.

05

Frischwassersystem

Tank, Filter, Pumpe, Druckschlauch und Sprühdüsen führen das klare Spülwasser zur Fläche. Verkalkte oder teilweise verstopfte Düsen erzeugen Streifen und ungleiche Feuchte.

06

Teppichdüse

Sprühdüsen bringen Wasser vor den Saugmund; der Saugspalt nimmt die entstehende Flotte unmittelbar auf. Transparente Düsen machen Wasserfluss und Rückgewinnung sichtbar.

07

Nasssaugfunktion

Saugturbine, dichter Luftweg, Saugschlauch, Deckeldichtung und Schmutzwassertank erzeugen die Rückgewinnung. Sprühextraktion enthält damit immer eine integrierte Nasssaugfunktion.

08

Trocknungstechnik

Luftbewegung, Lüftung und bei Bedarf Entfeuchtung verkürzen die Trocknungszeit. Luftstrom wird so geführt, dass er keinen Schmutz auf die nasse Fläche trägt.

05

ARBEITSABLAUF

Zweistufiges Sprühextrahieren Schritt für Schritt

Der Arbeitsweg trennt chemisches Lösen von maschinellem Spülen. Dadurch lassen sich Dosierung, Kontaktzeit, Klarspülung und Rückgewinnung einzeln kontrollieren.

01

Auftrag und Reinigungsziel klären

Fläche, Belag, Verschmutzung, Nutzungspause, Trocknungsfenster und gewünschtes Ergebnis festlegen.

02

Herstellerfreigaben beschaffen

Pflegeanleitung für Belag, Polster und Gerät sowie Produktinformation und Sicherheitsdatenblatt prüfen.

03

Gefährdungen beurteilen

Chemie, Elektrizität, nasse Verkehrsflächen, Möbel, mögliche Kontamination und Schmutzwasserentsorgung berücksichtigen.

04

Arbeitsbereich vorbereiten

Möbel entfernen oder schützen, Metallfüße sichern, Fläche sperren und Trocknung organisieren.

05

Aufbau und Vorschäden prüfen

Faser, Flor, Rücken, Klebung, Untergrund, Nähte, Kanten und bestehende Schäden erfassen.

06

Gründlich vorsaugen

Trockenen Abrasivschmutz mehrfach langsam und überlappend aus Flor, Laufzonen und Kanten entfernen.

07

Flecken getrennt behandeln

Einzelflecken passend detachieren und Fleckmittel austragen; unbekannte Mittel nicht mit dem Vorreiniger mischen.

08

Probefläche ausführen

Reiniger, Spülwasser, Kontaktzeit, Düse, Druck, Absaugung und Trocknung gemeinsam verdeckt prüfen.

09

Vorreiniger korrekt dosieren

Gebrauchslösung exakt nach Produktangabe ansetzen. Mehr Chemie erschwert die Rückspülung und erhöht das Rückstandsrisiko.

10

Reiniger separat aufsprühen

Mit Drucksprüher gleichmäßig und abschnittsweise vorlegen; Fugen, Kanten und besonders saugende Stellen nicht überladen.

11

Kontaktzeit einhalten

Reiniger nach Vorgabe wirken lassen, aber nicht antrocknen lassen. Große Flächen in beherrschbare Abschnitte teilen.

12

Extraktor vorbereiten

Frischwassertank mit freigegebenem destilliertem oder VE-Wasser füllen; Filter, Schläuche, Düsen, Dichtungen und Saugweg prüfen.

13

Ersten Spülzug ausführen

Düse langsam und gleichmäßig führen, Spülwasser freigeben und entstehende Flotte unmittelbar absaugen.

14

Bahnen überlappen

Anschlussstellen kontrolliert überdecken, ohne Ränder und Wendepunkte doppelt zu durchnässen.

15

Klarspülung beurteilen

Rückgewonnenes Wasser, Schaumbild und Griff prüfen. Bei Bedarf weitere kontrollierte Spülzüge durchführen.

16

Trockensaugzüge anschließen

Wasserzufuhr schließen und dieselbe Fläche langsam mehrfach nur absaugen, bis kaum noch Feuchte zurückgewonnen wird.

17

Flor ausrichten und trocknen

Freigegebenen Schnittflor gleichmäßig stellen, Luftwechsel starten und Fläche bis zur vollständigen Trocknung sperren.

18

Trockenbild kontrollieren

Ränder, Farbe, Flor, Griff, Geruch, Nähte, Klebung und Wiederanschmutzung trocken prüfen und dokumentieren.

06

DÜSENFÜHRUNG

Sprühmenge, Arbeitsgeschwindigkeit und Absaugung abstimmen

Die Düse bestimmt, wo Wasser eintritt und wie schnell es zurückgewonnen wird. Kleine Führungsfehler wiederholen sich über jede Bahn und werden nach der Trocknung als Streifen, Ränder oder lange Restfeuchte sichtbar.

01

Sprühbild vorab prüfen

Alle Düsen müssen einen gleichmäßigen Fächer bilden. Seitlich spritzende oder teilweise verstopfte Düsen werden gereinigt beziehungsweise ersetzt.

02

Saugmund vollständig auflegen

Düse flächig und ruhig führen. Risse, Kerben, Schmutz oder eine verzogene Saugkante verschlechtern die Rückgewinnung.

03

Sprühzug kontrollieren

Wasser nur während der geplanten Bewegung freigeben. Vor Kante, Wand oder Wendepunkt den Sprühhebel rechtzeitig schließen.

04

Langsam und überlappend arbeiten

Zu schnelle Züge spülen ungleichmäßig; zu langsame Sprühzüge übernässen. Die Überlappung soll Anschlussstreifen schließen, nicht doppelt fluten.

05

Trockensaugzüge einplanen

Nach jedem nassen Abschnitt folgen ein oder mehrere Züge ohne Wasserzufuhr. Sie sind Teil des Verfahrens, keine freiwillige Nacharbeit.

06

Teppichdüse richtig beurteilen

Viele professionelle Teppichdüsen dichten über einen glatten harten Saugmund ab und besitzen keine Gummilippen. Regeln für Nassbodendüsen dürfen daher nicht blind übertragen werden.

07

RÜCKGEWINNUNG UND TROCKNUNG

Wasserbilanz, Saugweg und Restfeuchte kontrollieren

Der Reinigungserfolg hängt nicht von der eingesprühten Wassermenge ab, sondern davon, wie gleichmäßig gespült und wie vollständig die belastete Flotte wieder entfernt wird.

SPRÜHSEITE

Tank → Filter → Pumpe → Druckleitung → Düse

Ungleicher Druck, pulsierender Strahl oder fehlender Fächer weisen auf Luft, Filter-, Pumpen- oder Düsenprobleme hin.

SAUGSEITE

Saugmund → Schlauch → Behälter → Turbine

Leckagen, verstopfte Schläuche, undichte Deckel oder voller Tank senken den Luftstrom und erhöhen die Restfeuchte.

RÜCKGEWINNUNG

Eingebrachte und entfernte Menge vergleichen

Ein voller Frischwassertank bei kaum gefülltem Schmutzwassertank ist kein Erfolg, sondern ein Warnsignal für Wasser im Aufbau.

SCHAUM

Rückstand im Schmutzwassertank beobachten

Starker Schaum kann Füllstandsschutz und Turbine gefährden. Nur freigegebenen Entschäumer nach Geräteangabe im Rückgewinnungssystem einsetzen.

TROCKNUNG

Flor und Rücken getrennt betrachten

Die Oberfläche kann trocken wirken, obwohl Rücken, Polsterkern oder Untergrund noch feucht sind. Zeit, Luftführung und Messung müssen zum Aufbau passen.

ABWASSER

Schmutzflotte sicher entsorgen

Aufgenommene Chemie, Fleckstoffe und Kontamination bestimmen den Entsorgungsweg. Nicht ungeprüft in Außenabläufe oder auf Freiflächen kippen.

08

FEHLERDIAGNOSE

Typische Fehler erkennen und richtig reagieren

Während der Arbeit zeigen Sprühbild, Saugfenster und Schmutzwasser erste Probleme. Rückstände, Dochtwirkung, Farbwanderung und Verbundschäden werden häufig erst nach vollständiger Trocknung sichtbar.

SPRÜHBILD

Gleichmäßiger Wasserfächer

Keine trockenen Streifen, seitlichen Spritzer oder konzentrierten Strahlen.

SAUGFENSTER

Flotte wird sofort sichtbar aufgenommen

Wasser steht nicht hinter der Düse und wandert nicht unkontrolliert zu Kanten oder Fugen.

SCHAUM

Nimmt im Verlauf ab

Anhaltend starker Schaum kann auf verbliebene Reinigungschemie oder Überdosierung hinweisen.

GRIFF

Nicht klebrig oder hart

Nach Trocknung fühlen sich Fasern sauber und beweglich an, nicht beschichtet oder verklebt.

FLOR UND FARBE

Stabil ohne Übertrag

Keine gezogenen Garne, Aufhellung, Ausblutung, Kreisbildung oder ungleichmäßige Florlage.

AUFBAU

Eben, fest und geruchsfrei

Keine Wellen, offenen Nähte, hochstehenden Fliesenkanten, weichen Klebezonen oder modrigen Gerüche.

FEHLERBILDWAHRSCHEINLICHE URSACHESICHERE REAKTION
Teppich wird schnell wieder grau

Waschaktive Chemie blieb im Flor; einstufig gearbeitet, überdosiert oder unzureichend klar gespült.

Bei Materialfreigabe mit klarem Wasser nachspülen und gründlich absaugen; Dosierung und Verfahren korrigieren.

Flor fühlt sich klebrig oder steif an

Reiniger, Fleckmittel oder Spülzusatz ist angetrocknet beziehungsweise nur unvollständig zurückgewonnen.

Keine weitere Chemie aufbringen. Rückstand bestimmen und kontrolliert klar extrahieren.

Helle oder dunkle Streifen

Düsen teilweise verstopft, Sprühbild ungleich, Bahnen ohne passende Überlappung oder Flor unterschiedlich gerichtet.

Düsen und Arbeitsweise prüfen; erst trocken zwischen optischer Florlage und Reinigungsfehler unterscheiden.

Braune Ränder nach Trocknung

Schmutz, Zellulosebestandteile, Farbe oder Kleber wandern mit Feuchte an die Oberfläche; Trocknung zu langsam.

Nicht nachdosieren. Aufbau und Ursache prüfen, Restfeuchte reduzieren und gegebenenfalls gezielt nacharbeiten.

Farbe im Schmutzwasser

Färbung ist nicht stabil oder ein Mittel löst Farbstoff beziehungsweise Rückenbestandteile.

Sofort stoppen, nur notwendige Flotte aufnehmen, trocknen und den Befund dokumentieren.

Fläche bleibt lange nass

Zu viel Wasser, zu langsame Sprühzüge, zu wenig Trockensaugzüge oder schwacher beziehungsweise undichter Saugweg.

Wasserzufuhr stoppen, Saugweg prüfen, zusätzliche Trockensaugzüge und sichere Lufttrocknung durchführen.

Wellen oder offene Nähte

Rücken, Klebung oder Untergrund wurden übernässt beziehungsweise sind dimensionsinstabil.

Keine weitere Flüssigkeit; absaugen, sperren, kontrolliert trocknen und Fachbetrieb beziehungsweise Auftraggeber informieren.

Schmutzwassertank schäumt über

Zu viel Reiniger im Belag, fehlende Entschäumung, voller Tank oder ungeeignetes Produkt.

Gerät ausschalten, Tank leeren und reinigen; nur zugelassenen Entschäumer korrekt einsetzen.

Wenig Rückgewinnung trotz starkem Sprühen

Saugmund liegt nicht an, Schlauch oder Deckel ist undicht, Filterweg blockiert oder Turbine geschwächt.

Sprühen sofort einstellen und vollständigen Luftweg prüfen, bevor weiteres Wasser eingebracht wird.

Modriger Geruch

Rücken, Polsterkern oder Untergrund blieb feucht; vorhandene biologische Belastung wurde möglicherweise verteilt.

Fläche sperren, Feuchte und Kontamination untersuchen und fachgerecht trocknen beziehungsweise sanieren.

09

MATERIALGRENZEN UND ARBEITSSCHUTZ

Feuchteempfindliche Aufbauten und Gefährdungen beachten

Sprühextraktion verbindet Chemie, Wasser, Druck, Elektrizität und lange Trocknungswege. Materialfreigabe und Gefährdungsbeurteilung sind deshalb Bestandteil des Verfahrens.

Herstellerfreigabe

Ein geeignetes Fasermaterial allein genügt nicht. Rücken, Klebung, Nähte, Untergrund und Ausrüstung müssen das konkrete Verfahren erlauben.

Wolle und empfindliche Naturfasern

Temperatur, pH-Wert, Mechanik und Feuchte eng begrenzen. Viskose, Sisal, Jute und Kokos ohne eindeutige Freigabe nicht flächig extrahieren.

Teppichfliesen und Doppelböden

Fugen, Tackifier, Bitumenrücken und technische Hohlräume verlangen geringe Restfeuchte und schnelle Trocknung. Herstellervorgaben können das Verfahren ausschließen.

Polster und Möbel

Nähte, Füllung, Holz und Metall können ausbluten, rosten oder Wasser speichern. Druck, Temperatur und Düsengröße entsprechend reduzieren.

Elektrizität und Wasser

Nur geprüfte Geräte und sichere Anschlüsse verwenden. Stecker, Kupplungen und Leitungen trocken halten; beschädigte Kabel sofort außer Betrieb nehmen.

Chemie und PSA

Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung, Sicherheitsdatenblatt, Lüftung und geeigneter Handschutz gelten bereits beim Ansetzen und Vorsprühen.

Kontaminierte Flächen

Abwasser, Fäkalien, Blut, Schimmel oder unbekannte Stoffe sind kein normaler Teppichreinigungsauftrag. Bereich sichern und Hygiene- beziehungsweise Sanierungsverfahren festlegen.

Wiederfreigabe

Fläche bis zur vollständigen Trocknung sperren. Möbel erst zurückstellen, wenn auch Rücken und Untergrund ausreichend trocken sind.

10

PRAXISBEISPIELE

Verfahren an Verschmutzung und Textilaufbau anpassen

Die gleiche Maschine kann auf einem freigegebenen Objektteppich richtig und auf einem feuchteempfindlichen Doppelboden völlig falsch sein. Der Aufbau entscheidet über Wassermenge, Druck und Verfahren.

OBJEKTTEPPICH

Starke Laufstraße auf freigegebener Bahnenware

Vorreiniger wird separat aufgetragen, darf wirken und wird anschließend mit klarem VE-Wasser gespült.

Zweistufig extrahieren, Rückgewinnung beobachten, mehrere Trockensaugzüge ausführen und aktiv trocknen.
EINSTUFIGER ZEITDRUCK

Reiniger soll direkt in den Maschinentank

Das Verfahren wäre technisch möglich, dosiert aber bei jedem Sprühzug erneut Chemie und verkürzt die Kontaktzeit.

JAN rät ab: Auftrag in beherrschbare Abschnitte teilen und zweistufig arbeiten. Ist einstufig vorgeschrieben, anschließend separat klar spülen.
TEPPICHFLIESE

Tackifier und Doppelboden

Wassermenge kann durch Fugen in Klebung und Hohlraum gelangen.

Nur nach konkreter Herstellerfreigabe, mit definierter geringer Restfeuchte und sofortiger Trocknung; andernfalls feuchteärmeres Verfahren wählen.
WOLLBELAG

Farbe stabil, Aufbau feuchteempfindlich

Zu hohe Temperatur, alkalische Chemie oder lange Nässe kann Farbe, Griff und Dimension verändern.

Wollgeeignetes Mittel, geringe Temperatur, separate Dosierung, kontrollierte Klarspülung und kurze Trocknung.
POLSTER

Getränkerest bis in die Füllung

Oberstoff wirkt sauber, doch Flüssigkeit kann aus dem Kern zurückwandern.

Kleine Düse, niedriger Druck, sparsame Vorbehandlung und intensive Rückgewinnung; Kernfeuchte vor Freigabe beachten.
WASSERSCHADEN

Unbekanntes Wasser und modriger Geruch

Sprühextraktion würde die Quelle und hygienische Belastung nicht klären.

Nicht reinigen. Wasserklasse, Feuchtetiefe und Sanierungsbedarf fachlich untersuchen.
VERSCHMUTZUNG

Entfernbarer Fremdstoff

Sand, Getränkereste, Fettfilm und gelöste Reinigungschemie liegen zwischen intakten Fasern. Zweistufiges Lösen, Spülen und Absaugen kann sie aus dem Belag entfernen.

MATERIALVERÄNDERUNG

Faser, Farbe oder Flor reagieren

Farbwanderung, Quellung, Filzung, Aufrauung, veränderte Florlage oder klebriger Rücken betreffen das Material selbst. Weiteres Spülen löst das nicht automatisch.

ECHTER SCHADEN

Konstruktion oder Verbund versagt

Offene Nähte, geschrumpfte Bahnen, Delamination, gelöste Teppichfliesen oder geschädigter Untergrund brauchen Reparatur beziehungsweise Austausch.

QUELLEN · STAND 15.09.2026

Fachliche Grundlagen und Herstellerangaben

Die Hersteller beschreiben sowohl ein- als auch zweistufige Verfahren. Die zweistufige Klarspülung mit destilliertem beziehungsweise vollentsalztem Wasser ist eine Praxisempfehlung von Jan.

01Interface · Carpet Tile Maintenance InstructionsHerstellerverfahren mit separatem Vorsprühen, Einwirkphase und anschließender Klarspülung im Extraktor; außerdem konkrete Temperatur- und Restfeuchtegrenzen für die beschriebenen Teppichfliesen ↗02Mannington Commercial · Carpet MaintenanceHerstellerhinweise zu separatem Vorreiniger, Einwirkzeit, mechanischer Vorbehandlung und Extraktion mit klarem Wasser zur Entfernung von Reinigungsrückständen ↗03Kärcher · Professionelle SprühextraktionsverfahrenGerätehersteller-Erklärung des ein- und zweistufigen Verfahrens sowie der Kombination aus Shampoonieren und Klarspülung ↗04Mohawk Group · Carpet Tile Maintenance GuideVorsprühen, Trockensaugzüge, Luftbewegung, kurze Trocknungszeiten und vollständige Sperrung bis zur Trocknung ↗05Carpet and Rug Institute · ReinigungsrückständeBranchenhinweise zu klebrigen Rückständen, schneller Wiederanschmutzung sowie geprüften Reinigungsprodukten und Extraktionssystemen ↗06DGUV Regel 101-605 · Branche GebäudereinigungGefährdungsbeurteilung, elektrische Betriebsmittel, Gefahrstoffe, Feuchtarbeit, Unterweisung und persönliche Schutzausrüstung ↗

VERWANDTE KAPITEL

Weitere Verfahren der Teppichreinigung

05.2 · Shampoonieren 05.4 · Textiles Kombinationsverfahren 05.1 · Detachur Textile Bodenbeläge verstehen Fasern und Textilien prüfen