INHALTOxidationsmittel
WICHTIG ZU WISSEN · BEREICH 04Oxidation & Reduktion
Alle fünf Bereiche
WissensplattformTheorieOxidationsmittel

WICHTIG ZU WISSEN · KAPITEL 04.1

Ein Apfel zeigt dir Oxidation.

Ich sag dir, was Oxidation ist: Beiß mal in einen Apfel und lass ihn anschließend zwei Stunden liegen. Die offene Stelle wird braun. Dort reagieren Stoffe aus dem Apfel mit Sauerstoff – ein einfaches Beispiel für Oxidation. In der großen Chemie ist Oxidation aber nicht immer mit Sauerstoff verbunden.

FACHLICH FORMULIERT

Oxidation ist die Abgabe von Elektronen.

Oxidationsmittel greifen in die Elektronenstruktur anderer Stoffe ein. Damit lassen sich Farbsysteme bleichen, bestimmte Geruchsbildner verändern und – im passenden Produktverfahren – Mikroorganismen inaktivieren. Denk dran: Dieselbe Reaktivität kann auch Farben, Materialien und Menschen treffen.

NACH DIESEM KAPITEL KANNST DU
  • Oxidation und Reduktion fachlich unterscheiden,
  • oxidative Bleiche richtig erklären,
  • neun relevante Oxidationssysteme einordnen,
  • Bleichwirkung und Desinfektion trennen,
  • gefährliche Fehlmischungen vermeiden,
  • Material- und Umweltrisiken bewerten.
01

ELEKTRONEN STATT NUR SAUERSTOFF

Was ist eine Oxidation?

Die Oxidationszahl (formale Bilanzzahl für den Elektronenzustand eines Atoms) macht den Vorgang nachvollziehbar: Steigt sie, wurde der betrachtete Stoff oxidiert; sinkt sie, wurde er reduziert. Elektronenabgabe und Elektronenaufnahme laufen dabei immer gemeinsam ab.

REDOX = REDUKTION + OXIDATION

Kein Elektron verschwindet.

Der eine Reaktionspartner gibt ab, der andere nimmt auf. Das Oxidationsmittel verursacht die Oxidation seines Partners und wird dabei selbst reduziert.

REDUKTIONSMITTELgibt e⁻ ab

wird oxidiert

e⁻ →
OXIDATIONSMITTELnimmt e⁻ auf

wird reduziert

ELEKTRONENÜBERTRAGUNGDas Farbsystem gibt ein Elektron ab.

Das Oxidationsmittel nimmt Elektronen auf. Dadurch kann sich das lichtabsorbierende System des Farbstoffs verändern – die sichtbare Farbe wird schwächer oder verschiebt sich.

02

FARBE CHEMISCH VERÄNDERN

Wie oxidative Bleiche wirkt.

Viele Farbstoffe besitzen ein Chromophor (Molekülbereich, der sichtbares Licht aufnimmt). Oxidation kann dieses zusammenhängende Elektronensystem verändern. Der Stoff absorbiert danach anderes Licht und erscheint heller oder farblos.

01 · VORHER
Farbiges Chromophor

Die Molekülstruktur nimmt bestimmte Bereiche des sichtbaren Lichts auf.

02 · REAKTION
e⁻
Oxidative Veränderung

Bindungen und Elektronenverteilung werden umgebaut oder gespalten.

03 · DANACH
Weniger sichtbar

Heller bedeutet nicht automatisch vollständig entfernt oder unschädlich.

BLEICHEN

Die Farbe verschwindet optisch.

Das ist eine chemische Stoffumwandlung und kein bloßes Lösen wie bei Wasser oder Lösemitteln.

REINIGEN

Reaktionsprodukte müssen noch weg.

Tenside, Wasser, Mechanik und Aufnahme transportieren verbleibenden Schmutz sowie Produktreste von der Fläche.

MATERIALSCHADEN

Auch die Oberfläche kann oxidieren.

Farbstoffe des Materials, Fasern, Metalle, Beschichtungen und Dichtstoffe können ebenfalls verändert werden.

03

VON CHLORDIOXID BIS WASSERSTOFFPEROXID

Alphabetischer Stoffkatalog.

Der Katalog ordnet neun relevante Systeme alphabetisch – einschließlich Luftsauerstoff als Grundlagenstoff. Er ist keine Einkaufsliste: Für die sichere Anwendung zählen immer der konkrete Wirkstoff, seine Konzentration, die gesamte Rezeptur und das freigegebene Verfahren.

01 · CHLORDIOXIDClO₂

Chlordioxid

In geschlossenen, fachlich geplanten Verfahren zur Wasser-, Anlagen- oder Flächendesinfektion.

Wirkprinzip
Chlordioxid reagiert vor allem über Elektronenübertragung und wird dabei unter anderem zu Chlorit reduziert.
Grenze
Gasförmig, stark oxidierend und inhalationsgefährlich. Erzeugung, Messung und Anwendung gehören ausschließlich in ein dafür freigegebenes Verfahren.
02 · PEROXOMONOSULFATKHSO₅

Kaliumperoxomonosulfat

Als Bestandteil speziell formulierter Oxidations- und Desinfektionssysteme, nicht als Rohstoff für Eigenmischungen.

Wirkprinzip
Das Peroxomonosulfat-Ion nimmt Elektronen auf. Handelsware kann als stabiles Tripelsalz mit weiteren Kaliumsalzen vorliegen.
Grenze
Reaktiv und je nach Produkt ätzend oder brandfördernd. Rezeptur, Aktivierung und Materialfreigabe müssen zusammen bewertet werden.
03 · AKTIVCHLORNaOCl

Natriumhypochlorit

In ausgewählten chlorhaltigen Bleich-, Schimmel- und Desinfektionsprodukten.

Wirkprinzip
In Wasser stehen Hypochlorit und hypochlorige Säure in einem pH-abhängigen Gleichgewicht. Diese reaktiven Chlorspezies oxidieren geeignete Zielstrukturen.
Grenze
Sehr mischungs- und materialkritisch. Säure kann Chlorgas freisetzen; Ammoniak beziehungsweise Ammoniumverbindungen können gefährliche Chloramine bilden.
04 · FESTE PEROXIDQUELLE2 Na₂CO₃ · 3 H₂O₂

Natriumpercarbonat

Vor allem in Sauerstoffbleichen, Fleckensalzen und pulverförmigen Spezialreinigern.

Wirkprinzip
In Wasser werden Natriumcarbonat und Wasserstoffperoxid verfügbar. So treffen alkalische Reinigungswirkung und oxidative Bleiche zusammen.
Grenze
Die Gebrauchslösung ist nicht neutral und nicht für jedes Material farbsicher. Produktfreigabe, Temperatur und Dosierung entscheiden.
05 · GASFÖRMIGES OXIDATIONSMITTELO₃

Ozon

In technisch kontrollierten Spezialverfahren, etwa bei der Wasseraufbereitung oder Behandlung geschlossener Systeme.

Wirkprinzip
Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel und kann direkt oder über weitere reaktive Spezies mit Zielstoffen reagieren.
Grenze
Gefährlich beim Einatmen. Keine Anwendung in belegten Räumen; Erzeugung, Überwachung, Abbauphase und Freimessung gehören zum Verfahren.
06 · PERSÄURECH₃CO₃H

Peressigsäure

Vor allem in professionellen Desinfektions- und Spezialverfahren, nicht als beliebiger Allzweckreiniger.

Wirkprinzip
Die Peroxygruppe –O–O–H ist hochreaktiv. Handelsprodukte können Gleichgewichtsgemische mit Essigsäure, Wasserstoffperoxid und Wasser sein.
Grenze
Konzentrate können stark ätzend, reizend und brandgefährlich sein. Aerosole, Geruch und Materialverträglichkeit müssen im Verfahren beherrscht werden.
07 · PERSULFATES₂O₈²⁻

Peroxodisulfate

Kaliumpersulfat und verwandte Salze kommen nur in dafür entwickelten Spezialformulierungen zum Einsatz.

Wirkprinzip
Sie oxidieren über Elektronenaufnahme und können unter Aktivierung sehr reaktive Sulfatradikale bilden.
Grenze
Kein Standardwirkstoff für die tägliche Gebäudereinigung. Staub, Sensibilisierung und starke Reaktivität verlangen eine konkrete Produktbewertung.
08 · LUFTSAUERSTOFF · GRUNDLAGENSTOFFO₂

Sauerstoff

Als natürlicher Reaktionspartner, etwa beim Braunwerden eines angeschnittenen Apfels, bei Alterungsprozessen oder bei Korrosion.

Wirkprinzip
Sauerstoff kann Elektronen aufnehmen und wird dabei reduziert. Welche Reaktionsprodukte entstehen, hängt vom Stoff und von den Reaktionsbedingungen ab.
Grenze
In der Gebäudereinigung meist kein dosierter Wirkstoff aus dem Kanister. Luftsauerstoff erklärt das Grundprinzip, ersetzt aber kein passend formuliertes Oxidationsprodukt.
09 · PEROXIDH₂O₂

Wasserstoffperoxid

In geeigneten Bleich-, Flecken-, Schimmel- und Desinfektionsprodukten.

Wirkprinzip
In seiner Anwendung als Oxidationsmittel nimmt es Elektronen auf. Welche reaktiven Spezies beteiligt sind, hängt von pH-Wert, Konzentration und Reaktionspartner ab.
Grenze
Je nach Konzentration und Rezeptur kann das Produkt reizend, ätzend oder materialkritisch sein. Nur stabilisierte Originalprodukte nach ihrer Anwendungsvorgabe einsetzen.
BEGRIFF · PERSÄURE

Persäuren beziehungsweise Peroxycarbonsäuren besitzen anstelle der Carboxylgruppe –C(=O)–OH eine Peroxycarboxylgruppe –C(=O)–OOH. Ein wichtiges Beispiel ist Peressigsäure. Sie ist ein starkes Oxidationsmittel und keine gewöhnliche Reinigungssäure. In formulierten Produkten kann sie für festgelegte Desinfektions- oder Prozessverfahren eingesetzt werden; Konzentration, Materialfreigabe und Anwendungsvorgabe sind verbindlich. Technische Systeme können außerdem Gleichgewichtsgemische aus Persäure, Ausgangssäure, Wasserstoffperoxid und Wasser enthalten.

BEISPIEL · WASSERSTOFFPEROXID2 H₂O₂ → 2 H₂O + O₂ ↑

Die Gleichung beschreibt den Zerfall. Sie beweist nicht, dass jedes stabilisierte Produkt sofort zerfällt. Katalysatoren wie Metallionen, Licht, Wärme, pH-Wert und Verunreinigungen verändern die Geschwindigkeit.

04

ZWECK VOR WIRKSTOFF

Wo Oxidationsmittel eingesetzt werden.

Dass ein Produkt oxidiert, sagt noch nicht, ob es für Fleckentfernung, Schimmelbehandlung, Wäsche, Oberflächenreinigung oder Desinfektion vorgesehen ist. Produktfreigabe und Verfahren müssen zum Ziel passen.

FLECKENSALZ

Oxidative Textilbleiche

Percarbonat- oder peroxidhaltige Produkte können geeignete farbige Flecken auf freigegebenen Textilien aufhellen.

SANITÄR

Bleichende Spezialreiniger

Gegen ausgewählte Verfärbungen und organische Rückstände. Kalk wird dadurch nicht automatisch sinnvoll entfernt.

SCHIMMELFLECKEN

Sichtbare Verfärbung behandeln

Ein oxidierendes Produkt kann Flecken bleichen. Feuchteursache, befallenes Material und Arbeitsschutz müssen trotzdem separat gelöst werden.

DESINFEKTION

Nur im vorgesehenen Produkt

Oxidierende Wirkstoffe können Teil zugelassener oder nach Übergangsrecht verkehrsfähiger Biozidprodukte sein. Konzentration, Spektrum und Kontaktzeit sind verbindlich.

INDUSTRIE

Prozess- und Anlagenreinigung

Stärkere Peroxid-, Persäure- oder Persulfatverfahren gehören in festgelegte professionelle Prozesse mit Gefährdungsbeurteilung.

GERUCH

Geruchsbildner oxidieren

Bestimmte Moleküle können chemisch verändert werden. Eine Geruchsüberdeckung und eine hygienische Freigabe sind davon zu unterscheiden.

CHLORREINIGER · REZEPTUR

Aktivchlor ist nur ein Teil des Produkts.

Typisch sind Wasser und Natriumhypochlorit als Aktivchlorquelle sowie eine alkalische Stabilisierung, häufig über Natriumhydroxid. Je nach Produkt kommen Tenside, Builder, Salze, Verdicker, Duft- oder Farbstoffe hinzu. Maßgeblich bleiben Etikett, Inhaltsstoffangabe und Sicherheitsdatenblatt des konkreten Produkts.

SINNVOLLER SPEZIALFALL

Gezielt – nicht als täglicher Kalkreiniger.

Ein dafür vorgesehenes Produkt kann auf einer bestätigten, abwaschbaren und chlorbeständigen Fläche ausgewählte organische Verfärbungen bleichen. Ist eine Desinfektion begründet, darf nur ein dafür verkehrsfähiges Produkt nach Hygieneplan, Konzentration und Kontaktzeit eingesetzt werden. Sichtbarer Schmutz wird vorher entfernt.

STOPP

Säure, Ammoniak und unbekannte Reste.

Chlorreiniger niemals mit sauren Sanitärreinigern, ammoniak- beziehungsweise ammoniumhaltigen Stoffen oder unbekannter Vorchemie zusammenbringen. Er ist keine Lösung für Kalk; Metalle, Farben, Dichtstoffe und Fugen können geschädigt werden. Direktes Versprühen ist kein Standardverfahren.

05

WIRKSTOFF ≠ FERTIGES DESINFEKTIONSMITTEL

Wann Oxidation desinfiziert.

Mikroorganismen können durch Oxidation lebenswichtiger Proteine, Membranen und anderer Zellbestandteile inaktiviert werden. Ob das zuverlässig geschieht, hängt vom fertigen Produkt und dem exakt geprüften Verfahren ab.

BIOZID-REALITÄT

Ein oxidierender Reiniger ist kein Desinfektionsmittel auf Zuruf.

In Deutschland und der EU dürfen Biozidprodukte nur nach den geltenden Zulassungs- oder Übergangsregeln bereitgestellt und verwendet werden. Entscheidend sind Produktart, Zielorganismen, Konzentration, vollständige Benetzung und Kontaktzeit.

  1. 01
    Reinigen

    Schmutz und organische Belastung entfernen, weil sie Wirkstoff verbrauchen oder Mikroorganismen abschirmen können.

  2. 02
    Richtig ansetzen

    Nur die angegebene Konzentration und das freigegebene Verfahren verwenden. Keine Eigenmischung.

  3. 03
    Vollständig benetzen

    Die vorgesehene Fläche muss während der geforderten Kontaktzeit ausreichend benetzt bleiben.

  4. 04
    Nachbehandeln

    Abspülen, aufnehmen oder nachtrocknen – genau so, wie Produktinformation und Objektvorgabe es verlangen.

06

DER FLECK IST NICHT DAS EINZIGE REAKTIONSZIEL

Materialverträglichkeit.

Oxidationsmittel unterscheiden nicht von selbst zwischen unerwünschtem Fleck und wertvoller Oberfläche. Konzentration, pH-Wert, Temperatur, Kontaktzeit und Nachspülen bestimmen mit, was angegriffen wird.

TEXTILIEN & FARBEN

Ausbleichen, Vergilben, Faserabbau

Unbekannte Farbstoffe, Wolle, Seide und farbige Textilien nur bei eindeutiger Freigabe behandeln.

METALLE

Korrosion und Lochfraß

Hypochlorit- und chloridhaltige Lösungen können Metalle stark belasten. Auch kurze Kontakte können je nach Werkstoff kritisch sein.

KUNSTSTOFF & ELASTOMER

Versprödung oder Farbänderung

Dichtungen, Fugen, Pflegefilme, Kautschuk und Beschichtungen reagieren sehr produktspezifisch.

NATURSTEIN & FUGEN

Rezeptur entscheidet

Nicht nur der Oxidationswirkstoff zählt. Säuren, Alkalien und Hilfsstoffe im Produkt können mineralische Werkstoffe zusätzlich angreifen.

HOLZ & BESCHICHTUNG

Farbe und Oberfläche verändern

Offene Poren, Lackschäden und unbekannte Altbeschichtungen erhöhen das Risiko dauerhafter Flecken.

PROBEFLÄCHE

Erst testen, dann freigeben

Eine verdeckte Probefläche zeigt nur die kurzfristige Reaktion. Herstellerfreigabe und Objektkenntnis bleiben trotzdem erforderlich.

07

DIE GEFÄHRLICHSTE REAKTION PASSIERT OFT IM EIMER

Arbeitssicherheit und Fehlmischungen.

Produkte niemals anhand einer einzelnen Inhaltsstoffbezeichnung beurteilen. Etikett, Sicherheitsdatenblatt, Betriebsanweisung und Gefährdungsbeurteilung bestimmen Schutz, Lagerung und Anwendung.

LEBENSGEFAHR · CHLORPRODUKT + SÄURENaOCl + 2 HCl → Cl₂ ↑ + NaCl + H₂O

Das Reaktionsschema zeigt die Chlorgasfreisetzung beim Ansäuern einer Hypochloritlösung in Gegenwart von Chlorid. In der Praxis gilt einfacher: Chlorhaltige Produkte niemals mit sauren Reinigern mischen oder nacheinander ohne sicheren Zwischenschritt einsetzen.

HYPOCHLORIT + SÄURE

Chlorgas

Giftig beim Einatmen; reizt beziehungsweise schädigt Augen und Atemwege. Bereich verlassen und bei Beschwerden oder größerer Freisetzung den Notruf 112 wählen.

HYPOCHLORIT + AMMONIAK / AMMONIUM

Chloramine

Gefährliche reizende Gase können entstehen. Auch Urin- oder Reinigungsmittelreste können die Chemie unübersichtlich machen.

OXIDATIONSMITTEL + UNBEKANNTER REST

Wärme, Gas oder Spritzer

Nie Produktreste zusammenkippen, nie in Fremdgebinde füllen und nie durch eigene Neutralisationsversuche „retten“.

01Augen und Gesicht

Bei Spritzgefahr dicht schließenden Augenschutz und gegebenenfalls Gesichtsschutz nach Gefährdungsbeurteilung verwenden.

02Geeignete Handschuhe

Material und Durchbruchzeit müssen zum konkreten Produkt passen. „Chemikalienhandschuh“ allein ist keine ausreichende Auswahl.

03Einatmen vermeiden

Nicht versprühen oder vernebeln, wenn das Verfahren dies nicht ausdrücklich vorsieht. Lüftung und Atemschutz werden betrieblich festgelegt.

04Kennzeichnung lesen

GHS03 kann brandfördernde Produkte kennzeichnen; GHS05, GHS07 und GHS09 können je nach Rezeptur zusätzlich relevant sein.

08

KEIN BLEICHEN AUF VERDACHT

Sicherer Praxisablauf.

Oxidationsmittel sind keine Steigerungsstufe für jeden Reiniger. Sie werden nur eingesetzt, wenn Ziel, Produkt, Material und Verfahren eindeutig zusammenpassen.

  1. 01
    Erst festlegen, was sich ändern soll.

    Reinigung, optische Fleckbleiche, Geruchsbehandlung und Desinfektion sind verschiedene Aufträge. Ohne klares Ziel lässt sich kein passendes Produkt auswählen.

  2. 02
    Der Fleck braucht eine Diagnose.

    Oxidative Bleiche ist nur sinnvoll, wenn eine oxidierbare Struktur getroffen werden soll. Kalk, Fettfilm und Pigmentschmutz verlangen häufig eine andere Arbeitslogik.

  3. 03
    Der Handelsname reicht nicht.

    Wirkstoff, Konzentration, pH-Wert, Hilfsstoffe und vorgesehene Anwendung stehen in Produktinformation und Sicherheitsdatenblatt. Bei Desinfektion kommt der rechtlich zulässige Anwendungsbereich dazu.

  4. 04
    Die Oberfläche reagiert mit.

    Farbstoffe, Fasern, Metalle, Dichtungen und Beschichtungen können ebenfalls oxidiert werden. Denk dran: Eine unauffällige Probefläche ersetzt keine fehlende Materialfreigabe.

  5. 05
    Unbekannte Vorbehandlung bedeutet Stopp.

    Säure, Ammoniak, Reinigerreste oder Verunreinigungen können gefährliche Nebenreaktionen auslösen. Erst eindeutig klären, vollständig entfernen und nach Verfahren freigeben.

  6. 06
    Dosis und Kontaktzeit gehören zusammen.

    Temperatur, Benetzung, Einwirkzeit und Nachbehandlung steuern Wirkung und Schaden. Mehr Wirkstoff oder längere Zeit ist keine automatische Verbesserung.

  7. 07
    Ergebnis, Rückstände und Entsorgung prüfen.

    Nach der Reaktion müssen Schmutzflotte und Produktreste sicher aufgenommen werden. Danach Materialzustand kontrollieren und den vorgesehenen Entsorgungsweg nutzen.

09

ZERFALLSPRODUKT IST NICHT DIE GANZE UMWELTBILANZ

Umwelt, Lagerung und Entsorgung.

Für die Umweltbewertung zählt der gesamte Arbeitsansatz: Rezeptur, Reaktionsprodukte, aufgenommener Schmutz und Entsorgungsweg. Ein günstiger Zerfallsweg eines einzelnen Wirkstoffs macht die gebrauchte Schmutzflotte noch nicht umweltneutral.

HYPOCHLORIT

Reaktive Chlorchemie

Kann mit organischer Materie chlorierte Nebenprodukte bilden und Wasserorganismen belasten. Nur bestimmungsgemäß dosieren und entsorgen.

PEROXIDE & PERSÄUREN

Zerfall kontrollieren

Verunreinigte oder falsch gelagerte Produkte können Wärme und Gas entwickeln. Niemals in dicht verschlossene Fremdgebinde umfüllen.

LAGERUNG

Getrennt und originalverpackt

Vor Wärme, Sonne, Verunreinigung und unverträglichen Stoffen schützen. Angaben des Herstellers und betriebliche Lagerregeln gelten.

SCHMUTZFLOTTE

Nicht in Boden oder Gully

Entsorgungsweg nach Produktunterlagen, betrieblicher Regel und örtlicher Abwasservorgabe wählen. Keine Eigenneutralisation.

MERKSATZBeurteile den gebrauchten Eimer – nicht nur den Reaktionsweg eines einzelnen Wirkstoffs.

Produktreste, Hilfsstoffe, Reaktionsprodukte und gelöster Schmutz bleiben Teil der Bewertung.

10

WISSEN ANWENDEN

Kurzer Praxischeck.

Vier kurze Fragen prüfen, ob Reaktionsprinzip, Produktauswahl und Arbeitsablauf wirklich verstanden sind.

Welche Entscheidung fällt vor der Produktauswahl?+

Zuerst wird das Arbeitsziel festgelegt: reinigen, einen farbigen Fleck bleichen, Geruchsbildner verändern oder nach einem geprüften Verfahren desinfizieren.

Wann ist eine unbekannte Vorbehandlung ein Stoppsignal?+

Immer dann, wenn Reste anderer Chemie nicht sicher ausgeschlossen oder entfernt werden können. Besonders bei Hypochlorit können Säuren sowie Ammoniak- oder Ammoniumreste gefährliche Gase freisetzen.

Woran erkennst du einen vollständigen Arbeitsabschluss?+

Schmutzflotte und Produktreste sind nach Vorgabe aufgenommen, die Fläche ist kontrolliert und der Entsorgungsweg ist geklärt. Ein optisch heller Fleck allein reicht nicht.

Was muss für eine Desinfektion feststehen?+

Das fertige Produkt ist für die konkrete biozide Anwendung verkehrsfähig; Zielorganismen, Konzentration, Benetzung, Kontaktzeit und Nachbehandlung folgen der Produktvorgabe.

Warum ist eine Persäure nicht einfach ein besonders saurer Reiniger?+

Ihre Peroxycarboxylgruppe macht sie zu einem starken Oxidationsmittel. Die praktische Wirkung und Gefahr ergeben sich aus dem vollständigen Produkt und seinem geprüften Verfahren – nicht allein aus einem niedrigen pH-Wert.

PRIMÄR- UND FACHQUELLEN

Weiterlesen und prüfen.

IUPACOxidation – fachliche Definition BAuABiozid-Verordnung und Produktzulassung ATSDR / CDCHypochlorite, Säuren und Ammoniak NIOSHOzon – Gefährdung und Arbeitsschutz US EPAChlordioxid und alternative Oxidationsverfahren NCBI PUBCHEMKaliumperoxomonosulfat – Stoffdatensatz ECHAStoffinformationen zu Wasserstoffperoxid ECHAStoffinformationen zu Natriumhypochlorit ECHAStoffinformationen zu Peressigsäure DGUVRegel 101-019 · Reinigungs- und Pflegemittel KRINKO / RKIAnforderungen an Flächenreinigung und Flächendesinfektion · 2026

NÄCHSTES THEMA

Reduktionsmittel.

Oxidationsmittel nehmen Elektronen auf. Reduktionsmittel geben Elektronen ab – und können dadurch andere Farbsysteme verändern.

04.2Reduktionsmittel öffnen