Der Katalog ordnet neun relevante Systeme alphabetisch – einschließlich Luftsauerstoff als Grundlagenstoff. Er ist keine Einkaufsliste: Für die sichere Anwendung zählen immer der konkrete Wirkstoff, seine Konzentration, die gesamte Rezeptur und das freigegebene Verfahren.
01 · CHLORDIOXIDClO₂
Chlordioxid
In geschlossenen, fachlich geplanten Verfahren zur Wasser-, Anlagen- oder Flächendesinfektion.
- Wirkprinzip
- Chlordioxid reagiert vor allem über Elektronenübertragung und wird dabei unter anderem zu Chlorit reduziert.
- Grenze
- Gasförmig, stark oxidierend und inhalationsgefährlich. Erzeugung, Messung und Anwendung gehören ausschließlich in ein dafür freigegebenes Verfahren.
02 · PEROXOMONOSULFATKHSO₅
Kaliumperoxomonosulfat
Als Bestandteil speziell formulierter Oxidations- und Desinfektionssysteme, nicht als Rohstoff für Eigenmischungen.
- Wirkprinzip
- Das Peroxomonosulfat-Ion nimmt Elektronen auf. Handelsware kann als stabiles Tripelsalz mit weiteren Kaliumsalzen vorliegen.
- Grenze
- Reaktiv und je nach Produkt ätzend oder brandfördernd. Rezeptur, Aktivierung und Materialfreigabe müssen zusammen bewertet werden.
03 · AKTIVCHLORNaOCl
Natriumhypochlorit
In ausgewählten chlorhaltigen Bleich-, Schimmel- und Desinfektionsprodukten.
- Wirkprinzip
- In Wasser stehen Hypochlorit und hypochlorige Säure in einem pH-abhängigen Gleichgewicht. Diese reaktiven Chlorspezies oxidieren geeignete Zielstrukturen.
- Grenze
- Sehr mischungs- und materialkritisch. Säure kann Chlorgas freisetzen; Ammoniak beziehungsweise Ammoniumverbindungen können gefährliche Chloramine bilden.
04 · FESTE PEROXIDQUELLE2 Na₂CO₃ · 3 H₂O₂
Natriumpercarbonat
Vor allem in Sauerstoffbleichen, Fleckensalzen und pulverförmigen Spezialreinigern.
- Wirkprinzip
- In Wasser werden Natriumcarbonat und Wasserstoffperoxid verfügbar. So treffen alkalische Reinigungswirkung und oxidative Bleiche zusammen.
- Grenze
- Die Gebrauchslösung ist nicht neutral und nicht für jedes Material farbsicher. Produktfreigabe, Temperatur und Dosierung entscheiden.
05 · GASFÖRMIGES OXIDATIONSMITTELO₃
Ozon
In technisch kontrollierten Spezialverfahren, etwa bei der Wasseraufbereitung oder Behandlung geschlossener Systeme.
- Wirkprinzip
- Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel und kann direkt oder über weitere reaktive Spezies mit Zielstoffen reagieren.
- Grenze
- Gefährlich beim Einatmen. Keine Anwendung in belegten Räumen; Erzeugung, Überwachung, Abbauphase und Freimessung gehören zum Verfahren.
06 · PERSÄURECH₃CO₃H
Peressigsäure
Vor allem in professionellen Desinfektions- und Spezialverfahren, nicht als beliebiger Allzweckreiniger.
- Wirkprinzip
- Die Peroxygruppe –O–O–H ist hochreaktiv. Handelsprodukte können Gleichgewichtsgemische mit Essigsäure, Wasserstoffperoxid und Wasser sein.
- Grenze
- Konzentrate können stark ätzend, reizend und brandgefährlich sein. Aerosole, Geruch und Materialverträglichkeit müssen im Verfahren beherrscht werden.
07 · PERSULFATES₂O₈²⁻
Peroxodisulfate
Kaliumpersulfat und verwandte Salze kommen nur in dafür entwickelten Spezialformulierungen zum Einsatz.
- Wirkprinzip
- Sie oxidieren über Elektronenaufnahme und können unter Aktivierung sehr reaktive Sulfatradikale bilden.
- Grenze
- Kein Standardwirkstoff für die tägliche Gebäudereinigung. Staub, Sensibilisierung und starke Reaktivität verlangen eine konkrete Produktbewertung.
08 · LUFTSAUERSTOFF · GRUNDLAGENSTOFFO₂
Sauerstoff
Als natürlicher Reaktionspartner, etwa beim Braunwerden eines angeschnittenen Apfels, bei Alterungsprozessen oder bei Korrosion.
- Wirkprinzip
- Sauerstoff kann Elektronen aufnehmen und wird dabei reduziert. Welche Reaktionsprodukte entstehen, hängt vom Stoff und von den Reaktionsbedingungen ab.
- Grenze
- In der Gebäudereinigung meist kein dosierter Wirkstoff aus dem Kanister. Luftsauerstoff erklärt das Grundprinzip, ersetzt aber kein passend formuliertes Oxidationsprodukt.
09 · PEROXIDH₂O₂
Wasserstoffperoxid
In geeigneten Bleich-, Flecken-, Schimmel- und Desinfektionsprodukten.
- Wirkprinzip
- In seiner Anwendung als Oxidationsmittel nimmt es Elektronen auf. Welche reaktiven Spezies beteiligt sind, hängt von pH-Wert, Konzentration und Reaktionspartner ab.
- Grenze
- Je nach Konzentration und Rezeptur kann das Produkt reizend, ätzend oder materialkritisch sein. Nur stabilisierte Originalprodukte nach ihrer Anwendungsvorgabe einsetzen.
BEGRIFF · PERSÄUREPersäuren beziehungsweise Peroxycarbonsäuren besitzen anstelle der Carboxylgruppe –C(=O)–OH eine Peroxycarboxylgruppe –C(=O)–OOH. Ein wichtiges Beispiel ist Peressigsäure. Sie ist ein starkes Oxidationsmittel und keine gewöhnliche Reinigungssäure. In formulierten Produkten kann sie für festgelegte Desinfektions- oder Prozessverfahren eingesetzt werden; Konzentration, Materialfreigabe und Anwendungsvorgabe sind verbindlich. Technische Systeme können außerdem Gleichgewichtsgemische aus Persäure, Ausgangssäure, Wasserstoffperoxid und Wasser enthalten.
BEISPIEL · WASSERSTOFFPEROXID2 H₂O₂ → 2 H₂O + O₂ ↑Die Gleichung beschreibt den Zerfall. Sie beweist nicht, dass jedes stabilisierte Produkt sofort zerfällt. Katalysatoren wie Metallionen, Licht, Wärme, pH-Wert und Verunreinigungen verändern die Geschwindigkeit.