INHALTBakterien
HYGIENE & MIKROBIOLOGIEErregergruppen & Sonderformen
Alle Kapitel im Überblick

01 · Erregergruppen & Sonderformen

Bakterien

Eigenständig vermehrungsfähige Zellen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften.

BLICK INS INNERE

Eine Zelle. Mehrere Schutz- und Funktionsschichten.

Bakterien sind eigenständig vermehrungsfähige Zellen. Welche Hülle und Zusatzstrukturen sie besitzen, beeinflusst Anhaftung, Beweglichkeit und Empfindlichkeit – aber die Grafik ist kein Bauplan für jede Art.

Schematischer Querschnitt durch eine BakterienzelleBeschriftet sind Kapsel oder Schleimschicht, Zellwand, Zellmembran, Cytoplasma, Ribosomen, Bakterienchromosom, Plasmid, Pili und Geißel.KAPSEL /SCHLEIMSCHICHT*ZELLWANDZELLMEMBRANRIBOSOMENBAKTERIEN-CHROMOSOMPLASMID*CYTOPLASMAPILI*GEISSEL*
* nicht bei allen Bakterien vorhanden

Didaktisches Schema, nicht maßstabsgetreu. Zellhülle und Oberflächenstrukturen unterscheiden sich je nach Bakteriengruppe.

01

UNSICHTBAR & ÜBERTRAGBAR

Bakterien lassen sich nicht zuverlässig am Aussehen einer Fläche erkennen. Hände, Tücher, Mopps und häufig berührte Kontaktflächen können sie weitertragen.

02

FEUCHTE RESERVOIRS

Feuchtigkeit, Nährstoffreste und schwer trocknende Arbeitsmittel können Überleben oder Vermehrung begünstigen – etwa in Abflüssen, Tanks und gebrauchten Textilien.

03

NICHT ALLE GLEICH

Vegetative Bakterien, Mykobakterien, Biofilm und bakterielle Sporen stellen unterschiedliche Anforderungen. „Antibakteriell“ beschreibt noch keinen freigegebenen Hygieneprozess.

01 · ENTFERNEN

Reinigung löst Anhaftungen und nimmt Bakterien mit Schmutzflotte, Tuch oder Mopp von der Fläche auf.

02 · ABTÖTEN

Bei einer Desinfektionsindikation wird ein geprüft bakterizides Verfahren mit passender Konzentration, vollständiger Benetzung und Einwirkzeit eingesetzt.

03 · GRENZE

Bakterizid bedeutet nicht sporizid. Bakterielle Endosporen, Mykobakterien oder ein Biofilm können weitergehende Anforderungen stellen.

WICHTIGE GRENZENicht jedes Bakterium ist krankmachend und nicht jede Fläche ist ein Infektionsrisiko. Entscheidend sind Bereich, Nutzung, Kontamination, Übertragungsweg und Hygieneplan.

VERTIEFUNG

FORMENLEHRE

Bakterienformen: Grundform und Anordnung getrennt lesen.

Die einzelne Zelle besitzt eine Grundform. Nach der Zellteilung können mehrere Zellen zusätzlich typische Paare, Ketten, Haufen oder Pakete bilden. Eine Kette aus Kugeln ist deshalb keine neue Grundform, sondern eine Anordnung von Kokken.

Generierte mikroskopische Visualisierung unterschiedlicher kugeliger, stäbchenförmiger, gebogener, spiraliger und fadenförmiger Bakterienformen
VISUELLE EINORDNUNGDie Nummern ordnen zehn deutlich erkennbare Beispiele im Bild zu. Die Farben dienen nur der Unterscheidung. Die Darstellung ersetzt keine echte Mikroskopaufnahme oder Bestimmung eines Erregers.
  1. 01
    Staphylokokkentraubenähnlicher Haufen aus kugeligen Zellen
  2. 02
    Diplokokkenpaarweise liegende kugelige Zellen
  3. 03
    StreptokokkenKette aus kugeligen Zellen
  4. 04
    Stäbchen beziehungsweise Bazillenlängliche, meist gerade Zellen
  5. 05
    Kokkobazillenkurze, gedrungene Stäbchen
  6. 06
    Vibrioneneinfach gebogene, kommaförmige Stäbchen
  7. 07
    Spirillenrelativ starre Schraubenform mit wenigen Windungen
  8. 08
    Spirochätendünne, flexible und eng gewundene Schraubenform
  9. 09
    Filamentöse Formenlange, unverzweigte fadenförmige Zellen
  10. 10
    Verzweigt-filamentöse Formenfadenförmige Zellen mit Verzweigungen
01

Häufige Grundformen

Kokken
kugelige oder leicht ovale Zellen
Stäbchen beziehungsweise Bazillen
längliche, meist gerade Zellen
Kokkobazillen
sehr kurze, gedrungene Stäbchen zwischen Kugel- und Stäbchenform
Vibrionen
einfach gebogene, kommaförmige Stäbchen
Spirillen
relativ starre, schraubenförmige Zellen mit wenigen Windungen
Spirochäten
dünne, flexible und eng gewundene Schraubenformen
02

Weitere und seltenere Grundformen

Fusiforme Stäbchen
spindelförmige Stäbchen mit zugespitzten Enden
Halbmond- oder sichelförmige Zellen
deutlich gekrümmte Zellen mit bogenförmigem Verlauf
Filamentöse Formen
lange fadenförmige Zellen oder Zellverbände
Verzweigt-filamentöse Formen
fadenförmige Zellen mit Verzweigungen
Pleomorphe Formen
Zellen, deren Gestalt innerhalb einer Art deutlich wechseln kann
Gestielte beziehungsweise prosthekate Formen
Zellen mit einem stielartigen Fortsatz zur Anheftung oder Oberflächenvergrößerung
Sternförmige Zellen
seltene Zellen mit mehreren strahlenförmigen Ausläufern
03

Typische Zellanordnungen

Einzelkokken
einzeln liegende kugelige Zellen
Diplokokken
Kokkenpaare
Streptokokken
Kokkenketten
Staphylokokken
traubenähnliche Kokkenhaufen
Tetraden
Pakete aus vier Kokken
Sarzinen
würfelförmige Pakete aus meist acht oder mehr Kokken
Diplobazillen
Paare aus Stäbchenzellen
Streptobazillen
Ketten aus Stäbchenzellen
Palisaden
nebeneinander liegende Stäbchen wie Zaunlatten
V-, L- oder Y-Anordnung
winklige Stäbchenverbände nach einer besonderen Form der Zellteilung
01

EINORDNUNG

Was sind Bakterien?

DEFINITION

Bakterien sind einzellige Mikroorganismen. Viele sind harmlos oder nützlich; einige können Infektionen auslösen oder als unerwünschte Kontamination auftreten.

BIOLOGISCH WICHTIG
  • besitzen einen eigenen Zellaufbau und Stoffwechsel
  • können sich unter passenden Bedingungen durch Zellteilung vermehren
  • Zellwand, Membran und Umweltbedingungen beeinflussen ihre Empfindlichkeit
02

VORKOMMEN & RESERVOIRE

Wo begegnet es der Reinigung?

01

Menschen, Tiere, Lebensmittel und Wasser

02

feuchte Bereiche, Abflüsse, Arbeitsflächen und Geräte

03

Hände und häufig berührte Kontaktflächen

03

MÖGLICHE ÜBERTRAGUNGSWEGE

Wie kann die Kette weiterlaufen?

Bakterien sind eine sehr große Gruppe. Der konkrete Übertragungsweg hängt von Art, Reservoir, Ausscheidung und Eintrittspforte ab – nicht allein vom Wort „Bakterium“.

01Häufig relevant

Kontakt & Schmierweg

Hände, Tücher, Geräte und häufig berührte Flächen können Bakterien zwischen Bereichen weitertragen.

02Möglich

Fäkal-oral

Bei enteralen Bakterien können kleinste Ausscheidungsreste über Hände, Gegenstände, Lebensmittel oder Wasser aufgenommen werden.

03Situationsabhängig

Tröpfchen, Luft oder Staub

Nur bestimmte Arten werden über Atemwegspartikel oder kontaminierte Partikel übertragen; das gilt nicht pauschal für alle Bakterien.

04Situationsabhängig

Blut & Körperflüssigkeiten

Sekrete, Wunden oder Blut können je nach Erreger und Eintrittspforte eine Rolle spielen.

PRAXISORTE

In diesen Bereichen spielt das eine besonders große Rolle.

01

Sanitärbereich

WC, Urinal, Armaturen und Griffe bilden durch Hände und Ausscheidungen eine mögliche Übertragungskette.

02

Kita & Schule

Viele Kontakte, gemeinsam genutzte Gegenstände und noch nicht sichere Hygieneroutinen erhöhen die Verschleppungswahrscheinlichkeit.

03

Pflege & Medizin

Vulnerable Personen, Wunden, Sekrete und patientennahe Kontaktflächen erhöhen die mögliche Schadensfolge.

04

BEDEUTUNG FÜR DIE REINIGUNG

Was folgt daraus für den Arbeitsablauf?

EINORDNUNG

Sichtbare Sauberkeit sagt nichts sicher über die Zahl vermehrungsfähiger Bakterien aus. Wo ein definiertes Hygieneziel besteht, braucht es einen freigegebenen Prozess mit bakterizider Wirksamkeit.

  1. 01organische Belastung zuerst beherrschen
  2. 02vollständige Benetzung sicherstellen
  3. 03bakterizides Wirkspektrum und Anwendungsbereich prüfen
  4. 04Rekontamination durch Tücher, Hände und Geräte verhindern
05

RISIKOGRENZEN

Hier besonders aufpassen.

NICHT VERWECHSELN · NICHT ABKÜRZENVegetative Bakterien sind nicht dasselbe wie bakterielle Sporen.
  • !Bakterien pauschal als gefährlich bezeichnen
  • !Reinigung automatisch mit Desinfektion gleichsetzen
  • !bakterielle Sporen wie vegetative Bakterien behandeln
06

BEGRIFFE RICHTIG LESEN

Fachwörter – direkt daneben einfach erklärt.

vegetativ

aktive, stoffwechselnde und vermehrungsfähige Zellform

bakterizid

unter definierten Prüfbedingungen gegen Bakterien wirksam

Kolonisation

Besiedlung ohne zwingende Erkrankung

07

OFFIZIELLE QUELLEN

Fachliche Grundlage dieses Kapitels.