INHALTUnbehüllte Viren
HYGIENE & MIKROBIOLOGIEErregergruppen & Sonderformen
Alle Kapitel im Überblick

01 · Erregergruppen & Sonderformen

Unbehüllte Viren

Viruspartikel ohne Lipidhülle, häufig widerstandsfähiger gegen chemische Einwirkung.

BIOLOGISCHER STECKBRIEF

Erst den Bauplan verstehen. Dann das Wirkspektrum.

Norovirus ist nicht mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid“ abgedeckt.

PROTEINKAPSIDERBMATERIAL
Schematisches unbehülltes Virus: Das Proteinkapsid liegt ohne äußere Lipidhülle vor. Bau und Tenazität unterscheiden sich je nach Virusfamilie.
01.4ERREGERGRUPPE / SONDERFORM

Unbehüllte Viren

Unbehüllte Viren besitzen keine äußere Lipidhülle. Ihr Proteinkapsid kann gegenüber vielen chemischen Wirkstoffen stabiler sein, weshalb ein weitergehender Wirksamkeitsnachweis nötig sein kann.

01

bestehen im Wesentlichen aus Erbmaterial und Proteinkapsid

02

nutzen denselben Grundweg über Andocken, Eindringen, Produktion, Zusammenbau und Freisetzung in einer geeigneten Wirtszelle

03

weisen je nach Virusfamilie unterschiedliche Tenazität auf

01 · ENTFERNEN

Erreger beziehungsweise erforderlichen Wirkbereich klären

02 · INAKTIVIEREN

Je nach Erreger und Hygieneplan ist „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ erforderlich. Das Etikett muss den passenden Wirkbereich für die vorgesehene Anwendung ausweisen.

03 · GRENZE

Norovirus mit einem nur begrenzt viruziden Mittel behandeln

VERTIEFUNG

ERKRANKUNGSBEISPIELE

Erkrankungsbeispiele bei unbehüllten Viren.

Unbehüllt beschreibt den Aufbau des Viruspartikels. Die einzelnen Virusfamilien verursachen trotzdem sehr unterschiedliche Erkrankungen und werden nicht alle auf demselben Weg übertragen.

Generierte mikroskopische Visualisierung behüllter Viruspartikel und unbehüllter geometrischer Kapside
VISUELLE EINORDNUNGGenerierte Strukturvisualisierung: rechts sind unbehüllte Kapside dargestellt. Das Motiv zeigt keine bestimmten Virusarten und ist keine echte Elektronenmikroskopaufnahme.
01

Magen, Darm und Leber

Norovirus-Gastroenteritis
akute Magen-Darm-Entzündung mit Erbrechen und Durchfall
Rotavirus-Gastroenteritis
Magen-Darm-Entzündung, besonders bedeutsam bei Säuglingen und Kleinkindern
Hepatitis A
virusbedingte Leberentzündung, häufig fäkal-oral übertragen
Hepatitis E
virusbedingte Leberentzündung mit je nach Virustyp unterschiedlichen Übertragungswegen
02

Atemwege, Augen, Haut und Nervensystem

Adenovirus-Erkrankungen
zum Beispiel Atemwegsinfektionen, Bindehautentzündung oder Magen-Darm-Beschwerden
Erkältung durch Rhinoviren
meist milde Infektion der oberen Atemwege
Hand-Fuß-Mund-Krankheit
meist durch Enteroviren verursachte Erkrankung mit Bläschen und Hautausschlag
Poliomyelitis (Kinderlähmung)
Erkrankung durch Polioviren, die das Nervensystem schädigen kann
HPV-Erkrankungen
Warzen und bei bestimmten Typen mögliche Krebsvorstufen beziehungsweise Krebserkrankungen
01

EINORDNUNG

Was sind Unbehüllte Viren?

DEFINITION

Unbehüllte Viren besitzen keine äußere Lipidhülle. Ihr Proteinkapsid kann gegenüber vielen chemischen Wirkstoffen stabiler sein, weshalb ein weitergehender Wirksamkeitsnachweis nötig sein kann.

BIOLOGISCH WICHTIG
  • bestehen im Wesentlichen aus Erbmaterial und Proteinkapsid
  • nutzen denselben Grundweg über Andocken, Eindringen, Produktion, Zusammenbau und Freisetzung in einer geeigneten Wirtszelle
  • weisen je nach Virusfamilie unterschiedliche Tenazität auf
02

VORKOMMEN & RESERVOIRE

Wo begegnet es der Reinigung?

01

Ausscheidungen und Erbrochenes bei gastrointestinalen Infektionen

02

Hände, Sanitärbereiche und häufig berührte Flächen

03

Lebensmittel- und Gemeinschaftsbereiche je nach Erreger

03

MÖGLICHE ÜBERTRAGUNGSWEGE

Wie kann die Kette weiterlaufen?

Bei unbehüllten Viren sind fäkal-orale und indirekte Kontaktwege häufig bedeutsam. Einzelne Virusfamilien können jedoch andere Wege nutzen.

01Häufig relevant

Fäkal-oral

Ausscheidungen oder Erbrochenes können über Hände, Flächen, Lebensmittel und Wasser zum Mund gelangen.

02Häufig relevant

Kontakt & Schmierweg

Widerstandsfähige Viruspartikel können über Sanitärflächen, Griffe, Tücher und gemeinsam genutzte Gegenstände verschleppt werden.

03Situationsabhängig

Tröpfchen & Aerosole

Bei einzelnen unbehüllten Viren oder beim Erbrechen können erregerhaltige Partikel zusätzlich eine Rolle spielen.

PRAXISORTE

In diesen Bereichen spielt das eine besonders große Rolle.

01

Sanitärbereich

WC, Urinal, Spülknopf, Armaturen und Türgriffe müssen als getrennte Kontaktkette betrachtet werden.

02

Kita & Schule

Toiletten, Wickelbereiche, gemeinsam genutzte Gegenstände und viele Hand-Mund-Kontakte erhöhen die Relevanz.

03

Pflege & Gemeinschaftseinrichtungen

Bei Durchfall und Erbrechen sind sofortige Begrenzung, sichere Aufnahme und ein passendes Wirkspektrum entscheidend.

04

BEDEUTUNG FÜR DIE REINIGUNG

Was folgt daraus für den Arbeitsablauf?

EINORDNUNG

Je nach Erreger und Hygieneplan ist „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ erforderlich. Das Etikett muss den passenden Wirkbereich für die vorgesehene Anwendung ausweisen.

  1. 01Erreger beziehungsweise erforderlichen Wirkbereich klären
  2. 02sichtbare Kontamination kontrolliert aufnehmen
  3. 03begrenzt viruzid PLUS oder viruzid gezielt auswählen
  4. 04Schutz- und Entsorgungsweg vor Arbeitsbeginn festlegen
05

RISIKOGRENZEN

Hier besonders aufpassen.

NICHT VERWECHSELN · NICHT ABKÜRZENNorovirus ist nicht mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid“ abgedeckt.
  • !Norovirus mit einem nur begrenzt viruziden Mittel behandeln
  • !Erbrochenes trocken aufwirbeln
  • !Handschuhe als Ersatz für Händehygiene betrachten
06

BEGRIFFE RICHTIG LESEN

Fachwörter – direkt daneben einfach erklärt.

begrenzt viruzid PLUS

behüllte Viren plus Adeno-, Noro- und Rotaviren

viruzid

wirksam gegen behüllte und unbehüllte Viren im geprüften Bereich

Kapsid

schützende Proteinhülle des Virus

Wirtszelle

lebende Zelle, die ein Virus zur Herstellung neuer Viruspartikel nutzt

07

OFFIZIELLE QUELLEN

Fachliche Grundlage dieses Kapitels.