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MATERIALKUNDE · BEREICH 05Textilien
Alle Kapitel im Überblick

KAPITEL 07 · TIERISCHE NATURFASER

Wolle.

Wolle darf nicht wie Baumwolle behandelt werden. pH-Wert, Temperatur, Bewegung und Zeit müssen gemeinsam mild bleiben.

Tierische Naturfasergekräuselte Stapelfaser

01 · LEHRBILD

Faser.
Textile Fläche.

Das eigens generierte, fotorealistische Lehrbild zeigt Rohfaser oder Filament neben einer typischen Oberfläche. Es ist kein Produktfoto und keine sichere Materialbestimmung.

Fotorealistische Lehransicht von Wollfasern und Wollgewebe
FOTOREALISTISCHE KI-LEHRANSICHT · KONKRETE FASERFEINHEIT, FARBE UND AUSRÜSTUNG KÖNNEN ABWEICHEN

02 · ZUSAMMENSETZUNG

Was die Faser
im Kern ist.

Wolle besteht hauptsächlich aus Keratinproteinen. Kräuselung, Schuppenstruktur und Faserfeinheit beeinflussen Elastizität, Verfilzung und Anschmutzung; Ausrüstungen können Filz- oder Fleckverhalten verändern.

02.1 · WOLLFASER IM SCHEMA

Schuppen außen.
Keratin im Inneren.

Unter dem Mikroskop unterscheidet sich Wolle deutlich von einer glatten Kunstfaser. Das Schema zeigt die wichtigsten Bauteile stark vergrößert und vereinfacht. Faserfeinheit, Schuppenform und innerer Aufbau unterscheiden sich je nach Tier, Rasse und Faser.

Schematische Längs- und Querschnittsansicht einer WollfaserLinks eine gekräuselte Wollfaser und ihre dachziegelartig überlappenden Schuppen. Rechts ein Querschnitt mit Schuppenschicht, Ortho- und Paracortex sowie einer nur bei manchen groben Fasern vorhandenen Markzone.LÄNGSANSICHTnatürliche KräuselungSchuppenschichtdachziegelartig überlappende OberflächenzellenQUERSCHNITTSchuppenschichtOrtho-cortexPara-cortexMarkkanal nur bei manchen gröberen Fasern
SCHEMA · STARK VERGRÖSSERT · NICHT MASSSTÄBLICH · EIN DURCHGEHENDER MARKKANAL IST BEI FEINER WOLLE MEIST NICHT VORHANDEN
01

Schuppenschicht

Die Cuticula (äußere Schutzschicht) besteht aus überlappenden Zellen. Ihre gerichtete Reibung begünstigt, dass sich Fasern unter ungünstigen Bedingungen ineinander verhaken.

02

Faserrinde

Der Cortex (Hauptkörper der Faser) besteht aus langgestreckten, keratinreichen Zellen. Er bestimmt einen großen Teil von Festigkeit, Dehnung und Rückstellvermögen.

03

Ortho- und Paracortex

Zwei unterschiedlich aufgebaute Bereiche der Faserrinde reagieren nicht völlig gleich. Ihre Anordnung trägt zur natürlichen Krümmung und Kräuselung der Wollfaser bei.

04

Markzone

Eine Medulla (Markkanal im Faserzentrum) kann bei gröberen oder medullierten Tierhaaren vorkommen. Feine Bekleidungswolle besitzt meist keinen durchgehenden Markkanal.

REINIGUNGSBEZUG

Warum Wolle verfilzen kann

Feuchtigkeit lässt die Faser quellen. Kommen Wärme, Bewegung und Druck hinzu, wandern Fasern gegeneinander und die Schuppen behindern den Rückweg. Der Faserverband verdichtet sich – das ist Verfilzung.

CHEMISCHE GRENZE

Keratin ist ein Protein

Starke Laugen und bestimmte Proteasen (Enzyme, die Eiweiß spalten) können die Wollsubstanz angreifen. Deshalb mild dosieren, mechanische Belastung begrenzen und die Produktfreigabe beachten.

03 · HERSTELLUNG

Vom Rohstoff
zur Faser.

Der Herstellungsweg erklärt Form, Oberfläche und erste Pflegegrenzen. Färbung, Garnbildung und textile Konstruktion folgen als eigene Produktstufen.

  1. 01

    Wolle scheren und nach Qualität sortieren

  2. 02

    Fett, Schweißsalze und Schmutz kontrolliert auswaschen

  3. 03

    Fasern kardieren beziehungsweise kämmen und zu Garn verspinnen

  4. 04

    Weben, stricken, filzen, färben und ausrüsten

04 · ERKENNEN

Belege sammeln.
Nicht erraten.

Optik und Griff liefern Hinweise. Belastbar sind Materialkennzeichnung, Pflegeetikett, Produktdatenblatt, Rückseite und vollständiger Schichtaufbau.

01

Kennzeichnung WO beziehungsweise Wolle

02

Natürliche Kräuselung und matte bis leicht glänzende Oberfläche

03

Filz und Wollmischungen können sehr unterschiedlich reagieren

04

Brennprobe und Chemietest sind im Objekt ungeeignet

06 · FASERREAKTION

Feuchte, Wärme,
Chemie und Statik.

Bei Textilfasern sind Rohdichte und Härte für die Reinigung wenig hilfreich. Entscheidend sind Feuchteverhalten, Nassbelastbarkeit, Thermik, chemisches Grundgerüst und Oberflächenwirkung.

01 · NASSVERHALTEN

feuchtefähig, aber filz- und formkritisch

02 · WÄRME

nur mild und ohne Temperaturschock

03 · CHEMIE

neutraler Wollreiniger; starke Lauge und Protease vermeiden

04 · ELEKTROSTATIK

eher gering bei ausreichender Luftfeuchte

07 · EIGENSCHAFTEN

Stärken.
Grenzen.

Proteinbasierte Faser mit Schuppenstruktur und guter Feuchtepufferung – alkalische Chemie, Reibung und Temperaturwechsel sind kritisch.

POSITIV

Stärken

  • elastisch und formrückstellend
  • kann Luftfeuchte puffern
  • Oberfläche nimmt manche Anschmutzung verzögert an
  • schwer entflammbares Verhalten im Vergleich zu vielen Fasern – Produktklassifizierung bleibt nötig
NEGATIV

Schwächen

  • verfilzt bei Feuchte, Wärme und Bewegung
  • starke Alkalität und bestimmte Enzyme greifen Protein an
  • Motten- und biologischer Befall bei Lagerung möglich
  • langsame Trocknung und Farbbluten möglich

08 · REINIGUNG

So trocken wie möglich.
So feucht wie nötig.

Die Faserangabe ist nur der Startpunkt. Pflegekennzeichnung, Färbung, Ausrüstung, Konstruktion, Rücken, Verlegung und Probefläche entscheiden verbindlich.

01UNTERHALT

Regelmäßig trocken saugen oder schonend bürsten; Pflegekennzeichnung und Wollfreigabe beachten.

02INTENSIVER

Mit mildem neutralem Wollreinigungsmittel, wenig Bewegung und kontrollierter Rückgewinnung arbeiten; Farbe vorher prüfen.

03TROCKNUNG

Flach beziehungsweise formstabil und mit Luftbewegung trocknen, nicht heiß beschleunigen.

09 · ARBEITSSICHERHEIT

Textil schützen.
Menschen zuerst.

Wollstaub und mögliche biologische Belastung bei Alttextilien nicht aufwirbeln. Schädlingsbefall getrennt vom Reinigungsauftrag beurteilen.

10 · QUELLEN

Faserkunde.
Produktpraxis.

Fachquellen zur Einordnung. Für das konkrete Objekt gelten zusätzlich Pflegekennzeichnung, Produktunterlagen und die dokumentierte Probefläche.

WoolmarkWool washing and careWoolmarkMilde neutrale Waschmittel für WolleGINETEXPflegesymbole nach ISO 3758:2023 und ihre Behandlungsgrenzen