Glatt und matt
Nicht abrasive Netzmittelwäsche wählen. GRM 07 warnt hier vor Melaminpads: Sie können die Mikrostruktur aufpolieren und sichtbare Glanzstellen erzeugen.
03.11.5 · FASSADENREINIGUNG
Organisch beschichtete Fassaden tragen einen Lackfilm auf dem Metall. Seine Zusammensetzung, sein Zustand und sein Oberflächenfinish bestimmen, welche Reinigung verträglich ist. Pulverlack, Nasslack und bandbeschichtete Bleche brauchen deshalb eine zum konkreten System passende Vorgehensweise.
Werkzeuge nach Oberfläche wählen
BESCHICHTUNG EINORDNEN
Diese Angaben beschreiben verschiedene Eigenschaften und können miteinander kombiniert sein. „Pulverbeschichtet“ allein ist noch keine Reinigungsanweisung.
MATERIALVERTRÄGLICHKEIT
Für die normale Wäsche sauber und weich beginnen. Auch ein weiches Tuch kann durch aufgenommenen Sand kratzen.
Nicht abrasive Netzmittelwäsche wählen. GRM 07 warnt hier vor Melaminpads: Sie können die Mikrostruktur aufpolieren und sichtbare Glanzstellen erzeugen.
Für die dort untersuchten Strukturtypen beschreibt GRM 07 nach der Vorwäsche eine leicht abrasive Reinigung mit Melaminpad. Das Verfahren nur mit passender Herstellerfreigabe und erfolgreicher Musterfläche übernehmen. Abrasive Pulver können sich in Vertiefungen festsetzen.
Effektpigmente können durch abtragende Reinigung verändert werden. IGP TI106 verlangt eine Prüfung im Einzelfall. Ergebnis trocken und aus vergleichbaren Blickrichtungen beurteilen; eine Freigabe für Uni-Lack nicht übertragen.
Mattheit und fühlbare Struktur können zusammen auftreten. Bei unklarer Zuordnung die Unterlagen des Beschichters heranziehen; eine kleine unauffällige Probe ersetzt keine widersprechende Herstelleranweisung. GRM 07: Unterschiede nachlesen ↗
BEFUND VOR BEARBEITUNG
Ein sichtbares Merkmal kann mehrere Ursachen haben. Die folgende Übersicht hilft bei der Arbeitsentscheidung; sie ersetzt keine Schadensuntersuchung.
| Befund | Möglicher Hintergrund | Was folgt für die Arbeit? |
|---|---|---|
| Kreidung | Bewitterungsbedingter Bindemittelabbau kann Pigmente und Füllstoffe freilegen. Der pulverige Abrieb ist ein Alterungshinweis; ein weißes Tuch allein unterscheidet ihn noch nicht sicher von Staub. | Befund nach schonender Wäsche erneut prüfen; verbleibende Kreidung dokumentieren. |
| Glanz- oder Farbverlust | Bewitterung, abrasive Reinigung, starke Chemie oder ungleichmäßige Sanierung können dauerhaft verändern. | Trockene Referenz vergleichen. Einen bereits verlorenen Glanz nicht als Reinigungserfolg versprechen. |
| Kratzer & Scheuerspuren | Sand, harte Pads, Metallwerkzeuge, falsche Bürsten oder trockene Reibung verletzen den Film. | Vorschäden fotografieren; bei neu entstehenden Spuren sofort unterbrechen. |
| Blasen | Feuchte, Osmose, eingeschlossene Stoffe, Wärme oder mangelnde Haftung können den Film vom Untergrund abheben. | Blasen nicht öffnen und nicht mit dem Wasserstrahl belasten. Haftung fachlich klären lassen. |
| Abblättern | Haftungsverlust, Korrosion, falscher Schichtaufbau oder Alterung – stärkeres Reinigen vergrößert die Fehlstelle. | Lose Schicht nicht weiter ablösen; Bereich ausnehmen und Instandsetzung abstimmen. |
| Unterfilmkorrosion | Wasser und Salze können an Kratzern, Schnittkanten und Anschlüssen unter die Beschichtung wandern. | Kanten schützen, keine Flotte darunter treiben; Korrosionsschaden gesondert übergeben. |
| Erweichung & Klebrigkeit | Ungeeignete Lösemittel, Hitze oder chemische Wechselwirkung können den Lack anlösen. | Anwendung stoppen, eingesetztes Mittel und Bedingungen festhalten und Hersteller hinzuziehen. |
| Läufer & Wolken | Antrocknung, hartes Wasser, ungleichmäßige Dosierung oder Reinigerreste zeigen sich häufig erst nach dem Trocknen. | Rückstände, Wasser und Arbeitsweise prüfen; weitere Reinigung nur nach erneuter Probe. |
VORBEREITUNG UND MUSTER
Zugang und Absperrung stehen in 03.11.2 Planung & Sicherheit; das Auffangen und Ableiten der Flotte in 03.11.3 Schmutzflotte & Abwasser.
ACHT SCHRITTE IN DREI PHASEN
Das ist der Ablauf für eine schonende Wäsche. Spezialmittel oder zusätzliche Mechanik brauchen vorab eine eigene, zum Befund passende Arbeitsanweisung.
Schmutz, Kreidung, Kratzer, Korrosion und Beschichtungsverlust voneinander trennen.
Sand und Staub ohne Reibschaden absaugen, abspülen oder mit weichem Werkzeug aufnehmen.
Freigegebene Reinigungslösung gleichmäßig und ohne Aerosolüberschuss aufbringen.
Mit sauberem, weichem Werkzeug und geringer Mechanik arbeiten; Tücher und Spülwasser rechtzeitig wechseln. Geschädigte Kanten und Falze aussparen. Zusätzliche Mechanik nur nach gesonderter Verfahrensfreigabe.
Oberflächentemperatur und Herstellervorgaben beachten. Arbeitsfelder an Sonne, Wind und Trocknung anpassen; die Lösung darf nicht antrocknen. Keine pauschale Temperaturgrenze auf alle Lacksysteme übertragen.
Schmutzflotte und Reiniger vollständig entfernen, ohne Wasser hinter Kassetten und Anschlüsse zu treiben.
Glanz, Farbe, Kreidung, Läufer und Restschatten gegen Probefläche und Vorzustand prüfen. Effektbeschichtungen auch bei vergleichbarem Blickwinkel beurteilen.
Offene Beschichtung, Korrosion und Sanierungsbedarf dokumentieren; nicht mit Pflegefilm kaschieren.
EINGRIFFSGRENZEN
Können Film anquellen, Glanz verändern, Pigment lösen oder Dichtstoffe schädigen.
Greifen je nach Lack, Metall, Schnittkante und Anschluss dauerhaft an.
Ungeeignete Scheuermittel und Pads können Glanzstellen, matte Inseln oder Filmabtrag erzeugen. Leicht abrasive Spezialverfahren für bestimmte Strukturen sind keine Freigabe für glatte matte Lacke.
Kann an Kanten, Befestigungen, Blasen und Rissen unter die Beschichtung gelangen.
Ungleichmäßiger Bindemittelabbau wird durch kräftige Mechanik oft nur fleckig sichtbar gemacht.
Fehlender Lack und Metallkorrosion benötigen ein abgestimmtes Beschichtungs- oder Sanierungssystem.
Reinigung erhält eine intakte organische Beschichtung. Anschleifen, Ausbessern, Überlackieren, Korrosionsschutz und großflächige Farbanpassung sind Sanierungs- beziehungsweise Beschichtungsarbeiten mit eigener Untergrundprüfung und Qualifikation.
Konservierende Reiniger und Pflegefilme können matte Flächen glänzender machen. Sie können zudem Scheuerspuren vorübergehend verdecken. Zusätzlichen Schutz deshalb mit Muster und eigener Vereinbarung festlegen.
TROCKENE ABNAHME
Die gereinigte Fläche mit dem vereinbarten Muster vergleichen. Bereits vorhandene Unterschiede bleiben Teil der Dokumentation.
Intervall nach Beschichtungssystem, Herstellerangaben, Verschmutzung und Lage bestimmen. Auch regengeschützte Bereiche kontrollieren. Regelmäßige Pflege soll vermeiden, dass später nur noch ein stärkerer Eingriff zum gewünschten Ergebnis führen würde.
GEZIELT WEITERLESEN
Die Grundlagen stehen in den Fachkapiteln. Hier bleibt der Schwerpunkt auf dem Arbeitsablauf an beschichteten Metallfassaden.
GEPRÜFTE FACH- UND HERSTELLERQUELLEN
Abgleich vom 20. September 2026: GRM 07 unterscheidet matte und strukturierte Oberflächen; GRM 03 ordnet Mittel und Hilfsmittel zu. IGP TI108 beschreibt die Pflege von Pulverbeschichtungen, TI106 die Besonderheiten von Perlglimmereffekten.
Herstellerhinweise zu speziellen Fleckenmitteln sind keine allgemeine Rezeptur für Nasslack, Coil-Coating, Folien oder unbekannte Reparaturlacke. Bei widersprüchlichen Angaben die Freigabe für das konkrete System klären. Die weiteren Links ergänzen Beschichtungsqualität, Arbeitsschutz, Wasserrecht und Sanierung.