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03.11.5 · FASSADENREINIGUNG

Organisch beschichtete Metallfassaden

Organisch beschichtete Fassaden tragen einen Lackfilm auf dem Metall. Seine Zusammensetzung, sein Zustand und sein Oberflächenfinish bestimmen, welche Reinigung verträglich ist. Pulverlack, Nasslack und bandbeschichtete Bleche brauchen deshalb eine zum konkreten System passende Vorgehensweise.

Werkzeuge nach Oberfläche wählen
Leere moderne Fassade mit organisch beschichteten Metallkassetten, leichten Laufspuren und kleinen Vorschäden
Vorschäden vor der Wäsche erfassenKI-Illustration · Laufspuren, Kratzer und offene Kanten getrennt beurteilen. Das genaue Lacksystem lässt sich am Bild nicht bestimmen.

BESCHICHTUNG EINORDNEN

Verfahren, Bindemittel und Finish auseinanderhalten

Diese Angaben beschreiben verschiedene Eigenschaften und können miteinander kombiniert sein. „Pulverbeschichtet“ allein ist noch keine Reinigungsanweisung.

Wie aufgebracht?
Pulver- oder Nasslack; Coil-Coating beschreibt die Beschichtung eines Metallbands vor der Weiterverarbeitung.
Woraus aufgebaut?
Das Bindemittel bestimmt Eigenschaften mit. PVDF ist beispielsweise ein Fluorpolymer und keine Bezeichnung für den Glanzgrad.
Wie ausgeführt?
Glatt, matt, strukturiert, uni oder mit Effektpigmenten: Das Finish beeinflusst die mechanische Empfindlichkeit.

Acht Angaben, die vor der Reinigung zählen

01Beschichtungsart
Pulver- oder Nasslack und eine mögliche Bandbeschichtung anhand der Unterlagen klären. Reparaturlacke und Folien gesondert erfassen; Farbe und Glanz reichen zur Bestimmung nicht aus.
02Bindemittelsystem
Polyester, Polyurethan, Acrylat, Epoxid oder Fluorpolymer können bei Wetter, Chemie und Lösemitteln verschieden reagieren.
03Alter & Bewitterung
UV-Strahlung, Temperaturwechsel, Industrieatmosphäre und Küstenklima können Glanz, Farbe und Kreidung verändern. Geschützte Bereiche und Wetterseiten getrennt beurteilen.
04Schichtzustand
Kratzer, Abrieb, Blasen, Unterwanderung, Abplatzung und offene Kanten vor der Reinigung dokumentieren.
05Anschlüsse
Dichtstoffe, Glas, Schrauben, Schnittkanten, Falze und Entwässerungsöffnungen begrenzen Chemie und Wasserweg.
06Schmutzart
Staub, Ruß, Fett, Vogelkot, Metallabrieb, Bauverschmutzung und biologischer Film verlangen unterschiedliche Ansätze.
07Herstellerfreigabe
pH-Bereich, Produkt, Konzentration, Temperatur, Einwirkzeit und Werkzeug aus belastbaren Unterlagen ableiten.
08Probefläche
Reinigung und Trocknung vollständig ausführen; Farbe, Glanz, Griff, Kreidung und Restschatten vergleichen.

MATERIALVERTRÄGLICHKEIT

Welche Mechanik passt zum Finish?

Für die normale Wäsche sauber und weich beginnen. Auch ein weiches Tuch kann durch aufgenommenen Sand kratzen.

01

Glatt und matt

Nicht abrasive Netzmittelwäsche wählen. GRM 07 warnt hier vor Melaminpads: Sie können die Mikrostruktur aufpolieren und sichtbare Glanzstellen erzeugen.

02

Deutlich strukturiert

Für die dort untersuchten Strukturtypen beschreibt GRM 07 nach der Vorwäsche eine leicht abrasive Reinigung mit Melaminpad. Das Verfahren nur mit passender Herstellerfreigabe und erfolgreicher Musterfläche übernehmen. Abrasive Pulver können sich in Vertiefungen festsetzen.

03

Metallic und Perlglimmer

Effektpigmente können durch abtragende Reinigung verändert werden. IGP TI106 verlangt eine Prüfung im Einzelfall. Ergebnis trocken und aus vergleichbaren Blickrichtungen beurteilen; eine Freigabe für Uni-Lack nicht übertragen.

Mattheit und fühlbare Struktur können zusammen auftreten. Bei unklarer Zuordnung die Unterlagen des Beschichters heranziehen; eine kleine unauffällige Probe ersetzt keine widersprechende Herstelleranweisung. GRM 07: Unterschiede nachlesen ↗

BEFUND VOR BEARBEITUNG

Schadensbild und mögliche Ursache trennen

Ein sichtbares Merkmal kann mehrere Ursachen haben. Die folgende Übersicht hilft bei der Arbeitsentscheidung; sie ersetzt keine Schadensuntersuchung.

BefundMöglicher HintergrundWas folgt für die Arbeit?
KreidungBewitterungsbedingter Bindemittelabbau kann Pigmente und Füllstoffe freilegen. Der pulverige Abrieb ist ein Alterungshinweis; ein weißes Tuch allein unterscheidet ihn noch nicht sicher von Staub.Befund nach schonender Wäsche erneut prüfen; verbleibende Kreidung dokumentieren.
Glanz- oder FarbverlustBewitterung, abrasive Reinigung, starke Chemie oder ungleichmäßige Sanierung können dauerhaft verändern.Trockene Referenz vergleichen. Einen bereits verlorenen Glanz nicht als Reinigungserfolg versprechen.
Kratzer & ScheuerspurenSand, harte Pads, Metallwerkzeuge, falsche Bürsten oder trockene Reibung verletzen den Film.Vorschäden fotografieren; bei neu entstehenden Spuren sofort unterbrechen.
BlasenFeuchte, Osmose, eingeschlossene Stoffe, Wärme oder mangelnde Haftung können den Film vom Untergrund abheben.Blasen nicht öffnen und nicht mit dem Wasserstrahl belasten. Haftung fachlich klären lassen.
AbblätternHaftungsverlust, Korrosion, falscher Schichtaufbau oder Alterung – stärkeres Reinigen vergrößert die Fehlstelle.Lose Schicht nicht weiter ablösen; Bereich ausnehmen und Instandsetzung abstimmen.
UnterfilmkorrosionWasser und Salze können an Kratzern, Schnittkanten und Anschlüssen unter die Beschichtung wandern.Kanten schützen, keine Flotte darunter treiben; Korrosionsschaden gesondert übergeben.
Erweichung & KlebrigkeitUngeeignete Lösemittel, Hitze oder chemische Wechselwirkung können den Lack anlösen.Anwendung stoppen, eingesetztes Mittel und Bedingungen festhalten und Hersteller hinzuziehen.
Läufer & WolkenAntrocknung, hartes Wasser, ungleichmäßige Dosierung oder Reinigerreste zeigen sich häufig erst nach dem Trocknen.Rückstände, Wasser und Arbeitsweise prüfen; weitere Reinigung nur nach erneuter Probe.

VORBEREITUNG UND MUSTER

Die Probefläche legt das erreichbare Ergebnis fest

  1. Beschichtungsunterlagen, Alter, Farbton, Glanzgrad, Reparaturstellen und Garantiebedingungen mit dem Betreiber klären
  2. Oberfläche im Streiflicht prüfen; vor einer schonenden Tuchprobe lose Körner entfernen. Abrieb auf weißem Tuch zusammen mit Vorzustand und gereinigter, trockener Vergleichsstelle beurteilen
  3. Lose Kanten, Korrosion, Blasen und Kratzer markieren; beschädigte Zonen nicht mit Wasser oder Chemie unterwandern
  4. Weiche Tücher, Schwämme oder Bürsten und einen geeigneten milden Reiniger auswählen; Freigabe für Lack, Finish, Werkzeug und Anschlüsse gemeinsam prüfen
  5. Fenster, Fugen, Entwässerungen, Sockel und Schmutzflottenweg in die Probefläche einbeziehen
  6. Repräsentative Probefläche vollständig trocknen lassen, bei gleichem Licht mit dem Bestand vergleichen und Ergebnis sowie Verfahren mit dem Auftraggeber festhalten

Zugang und Absperrung stehen in 03.11.2 Planung & Sicherheit; das Auffangen und Ableiten der Flotte in 03.11.3 Schmutzflotte & Abwasser.

ACHT SCHRITTE IN DREI PHASEN

Die freigegebene Reinigung feldweise ausführen

Das ist der Ablauf für eine schonende Wäsche. Spezialmittel oder zusätzliche Mechanik brauchen vorab eine eigene, zum Befund passende Arbeitsanweisung.

PHASE 1

Prüfen

  1. Trocken beurteilen

    Schmutz, Kreidung, Kratzer, Korrosion und Beschichtungsverlust voneinander trennen.

  2. Lose Partikel abnehmen

    Sand und Staub ohne Reibschaden absaugen, abspülen oder mit weichem Werkzeug aufnehmen.

PHASE 2

Waschen und spülen

  1. Mild vorlegen

    Freigegebene Reinigungslösung gleichmäßig und ohne Aerosolüberschuss aufbringen.

  2. Kontrolliert lösen

    Mit sauberem, weichem Werkzeug und geringer Mechanik arbeiten; Tücher und Spülwasser rechtzeitig wechseln. Geschädigte Kanten und Falze aussparen. Zusätzliche Mechanik nur nach gesonderter Verfahrensfreigabe.

  3. Nicht antrocknen lassen

    Oberflächentemperatur und Herstellervorgaben beachten. Arbeitsfelder an Sonne, Wind und Trocknung anpassen; die Lösung darf nicht antrocknen. Keine pauschale Temperaturgrenze auf alle Lacksysteme übertragen.

  4. Klar spülen

    Schmutzflotte und Reiniger vollständig entfernen, ohne Wasser hinter Kassetten und Anschlüsse zu treiben.

PHASE 3

Abnehmen und übergeben

  1. Trocknen & vergleichen

    Glanz, Farbe, Kreidung, Läufer und Restschatten gegen Probefläche und Vorzustand prüfen. Effektbeschichtungen auch bei vergleichbarem Blickwinkel beurteilen.

  2. Schäden übergeben

    Offene Beschichtung, Korrosion und Sanierungsbedarf dokumentieren; nicht mit Pflegefilm kaschieren.

EINGRIFFSGRENZEN

Wann die Reinigung Schaden verursachen kann

Starke Lösemittel

Können Film anquellen, Glanz verändern, Pigment lösen oder Dichtstoffe schädigen.

Saure oder alkalische Kraftreiniger

Greifen je nach Lack, Metall, Schnittkante und Anschluss dauerhaft an.

Abrasive Hilfsmittel

Ungeeignete Scheuermittel und Pads können Glanzstellen, matte Inseln oder Filmabtrag erzeugen. Leicht abrasive Spezialverfahren für bestimmte Strukturen sind keine Freigabe für glatte matte Lacke.

Hochdruck

Kann an Kanten, Befestigungen, Blasen und Rissen unter die Beschichtung gelangen.

Kreidung wegpolieren

Ungleichmäßiger Bindemittelabbau wird durch kräftige Mechanik oft nur fleckig sichtbar gemacht.

Reinigung als Reparatur

Fehlender Lack und Metallkorrosion benötigen ein abgestimmtes Beschichtungs- oder Sanierungssystem.

Reparatur und zusätzlichen Schutz gesondert planen

Reinigung erhält eine intakte organische Beschichtung. Anschleifen, Ausbessern, Überlackieren, Korrosionsschutz und großflächige Farbanpassung sind Sanierungs- beziehungsweise Beschichtungsarbeiten mit eigener Untergrundprüfung und Qualifikation.

Konservierende Reiniger und Pflegefilme können matte Flächen glänzender machen. Sie können zudem Scheuerspuren vorübergehend verdecken. Zusätzlichen Schutz deshalb mit Muster und eigener Vereinbarung festlegen.

TROCKENE ABNAHME

Sauberkeit und Oberflächenerhalt gemeinsam prüfen

Die gereinigte Fläche mit dem vereinbarten Muster vergleichen. Bereits vorhandene Unterschiede bleiben Teil der Dokumentation.

  • Keine neue Mattierung oder Glanzstelle
  • Farbton und Glanz entsprechen dem freigegebenen Muster
  • Keine Reinigerreste
  • Keine eingebrachte Restnässe an Kanten und Fugen
  • Kreidung nicht mit Schmutz verwechselt
  • Schäden dokumentiert übergeben

Den nächsten Pflegegang festlegen

Intervall nach Beschichtungssystem, Herstellerangaben, Verschmutzung und Lage bestimmen. Auch regengeschützte Bereiche kontrollieren. Regelmäßige Pflege soll vermeiden, dass später nur noch ein stärkerer Eingriff zum gewünschten Ergebnis führen würde.

GEZIELT WEITERLESEN

Werkstoff, Verfahren und Fassadenpraxis

Die Grundlagen stehen in den Fachkapiteln. Hier bleibt der Schwerpunkt auf dem Arbeitsablauf an beschichteten Metallfassaden.

GEPRÜFTE FACH- UND HERSTELLERQUELLEN

Geltungsbereiche der Empfehlungen beachten

Abgleich vom 20. September 2026: GRM 07 unterscheidet matte und strukturierte Oberflächen; GRM 03 ordnet Mittel und Hilfsmittel zu. IGP TI108 beschreibt die Pflege von Pulverbeschichtungen, TI106 die Besonderheiten von Perlglimmereffekten.

Herstellerhinweise zu speziellen Fleckenmitteln sind keine allgemeine Rezeptur für Nasslack, Coil-Coating, Folien oder unbekannte Reparaturlacke. Bei widersprüchlichen Angaben die Freigabe für das konkrete System klären. Die weiteren Links ergänzen Beschichtungsqualität, Arbeitsschutz, Wasserrecht und Sanierung.