Mineralisch
Staub, Sand, Kalk- und Wasserläufer, Gips, Zement- und Mörtelreste, Salzausblühungen, Rost und weitere Metalloxide sowie mineralische Spritzer.
Vor Ort klärenLiegt eine Ablagerung vor oder tritt Material aus dem Bauteil aus?
REINIGUNGSABLAUF · FASSADEN

WERKSTOFF, OBERFLÄCHE UND SCHMUTZ EINORDNEN
Eine Fassade ist selten nur eine große Wand. Putzfeld, Naturstein, Glas, Metall, Beschichtung, Fuge, Dämmverbundsystem und Anschluss können nebeneinanderliegen – und dieselbe Schmutzfahne auf jedem Teil etwas anderes bedeuten.
WERKSTOFFÜBERSICHT
Der Werkstoffname ist der Anfang. Sichtschicht, Zustand, Fuge und Aufbau bestimmen, welches Verfahren am konkreten Bauteil möglich ist.
Bindemittel, Beschichtung und Aufbau bestimmen die Verträglichkeit. Poröse oder geschädigte Flächen reagieren empfindlich auf Wasser und Mechanik; Säuren können mineralische Bestandteile angreifen. Hohllagen und Risse vorher erfassen.
Mineralische BaustoffeKann Sichtbeton, beschichtet, hydrophobiert oder bereits karbonatisiert sein; Porenbild und Schalhaut bleiben Teil der Gestaltung.
Beton & SichtbetonGebrannte Keramik mit stark unterschiedlicher Saugfähigkeit; Fugen und Ausblühungen bestimmen das Verfahren mit.
Klinker in der MaterialkundePlatten und Formteile sind häufig beständig, doch Glasur, Fugen, Befestigung und Hinterlüftung setzen Grenzen.
Keramische OberflächenMineralbestand, Porenraum und Oberflächenbearbeitung entscheiden über Säureempfindlichkeit, Wasseraufnahme und Mechanik.
Naturstein bestimmenBeschichtungen, Folien, Bedruckungen, Dichtungen und vorgespannte Scheiben verlangen eine genaue Identifikation.
Glas und FunktionsschichtenDie anodische Oxidschicht ist fest mit dem Metall verbunden, aber durch starke Säuren, Laugen und abrasive Werkzeuge schädigbar.
03.11.4 · Anodisierte MetallfassadenPulver-, Nasslack- oder Coil-Coating-Systeme reagieren anders als blankes Metall; Alterung und Kreidung nicht wegpolieren.
03.11.5 · Organisch beschichtetes MetallZink, Kupfer und Edelstahl bilden eigene Oberflächenzustände. Patina, Korrosion und Schmutz sind nicht dasselbe.
Metalle vergleichenAlter, Produkt und Beschichtung klären. Bei älteren Platten ist Asbestverdacht vor jeder Reinigung fachlich abzuklären; Aussehen allein erlaubt weder Entwarnung noch eine Materialdiagnose.
Altbestand und AsbestverdachtHolzart, Lasur, Lack, Öl, konstruktiver Schutz und offene Kanten begrenzen Feuchte, Druck und Chemie.
Holz und OberflächenbehandlungHarzplatten, Verbundtafeln und Kunststoffe können quellen, ausbleichen, verspröden oder durch Lösemittel angelöst werden.
Kunststoffoberflächen nachschlagenBEFUND EINORDNEN
Die Gruppen helfen bei der Arbeitsplanung und können sich überschneiden. Farbe, Geruch oder ein einzelner Fleck reichen nicht aus, um Zusammensetzung und Ursache sicher festzustellen.
Staub, Sand, Kalk- und Wasserläufer, Gips, Zement- und Mörtelreste, Salzausblühungen, Rost und weitere Metalloxide sowie mineralische Spritzer.
Vor Ort klärenLiegt eine Ablagerung vor oder tritt Material aus dem Bauteil aus?
Öl, Fett, Ruß- und Bindemittelfilm, Pollen, Harz, Vogel- und Insektenrückstände, Klebstoff, Farbmittel und Graffiti.
Vor Ort klärenWelcher Rückstand liegt auf welcher Beschichtung?
Algen, Pilze, Flechten, Moose und andere Aufwüchse; Feuchtequelle, Untergrund und Wiederbewuchs gehören zur Beurteilung.
Vor Ort klärenWoher kommt die Feuchte und ist die Oberfläche noch intakt?
Ruß mit Fett, Staub im Biofilm oder Kalk auf organischem Film reagieren nicht wie ein einzelner Reinstoff. Deshalb entscheidet die Probefläche.
Vor Ort klärenWelche Schicht liegt oben, welche darunter?
Urin an Sockelzonen ist kein einfacher ‚Säureschmutz‘, sondern ein veränderliches Gemisch aus viel Wasser, Harnstoff, gelösten Salzen und organischen Anteilen. Wiederholte Belastung, mikrobieller Umbau und Trocknung können Geruch, Verfärbung, Salzkrusten und auf porösen mineralischen Untergründen Gefügeschäden fördern. Ein einzelner Fleck beweist aber weder Säureangriff noch Materialzerstörung.
Vor Ort klärenWie oft wird der Bereich belastet und welche Veränderungen bleiben nach dem Trocknen?
Stoffeigenschaften stehen im Kapitel Verschmutzungen. Wenn die Oberfläche selbst verändert ist: Schadensbilder vergleichen.
VOR DEM START
Zugang, Sicherung und Verantwortlichkeiten: 03.11.2 Planung & Sicherheit. Auffangung und Entsorgungsweg: 03.11.3 Schmutzflotte & Abwasser.
ARBEITSABLAUF
Schmutzfahnen, Wetterseiten, Sockelzonen, Anschlüsse und wiederkehrende Muster zunächst im Gesamtbild erfassen.
Werkstoff, Beschichtung, Fuge, Festigkeit und Vorschäden abschnittsweise prüfen und nicht aus der Farbe ableiten.
Staub, Sand, Kalk- und Salzspuren, Zementreste, Rost, Ruß, Fett, Pollen, Harz, Kot, Algen, Pilze, Flechten, Moose, Graffiti und Klebstoffe unterscheiden.
Erst nach Klärung von Material, Belastung und Schutzmaßnahmen lose Partikel mit einem geeigneten Verfahren erfassen. Unbekannte Stäube, Kot oder biologische Beläge nicht trocken aufwirbeln; bei Gefahrstoffverdacht stoppen.
Mittel, Konzentration, Temperatur, Einwirkzeit, Mechanik, Druck, Abstand und Spülung gemeinsam testen.
Auftrags- und Spülrichtung verfahrensbezogen festlegen; Herstellerangabe, Vorbenetzung, Wasserweg und Auffangung entscheiden. Läufer, Antrocknung und Überlappungen vermeiden.
Gelöste Stoffe nicht in Fugen, Boden, Gully, Grünfläche oder Nachbarbauteil verlagern.
Farbton, Glanz, Struktur, Fuge, Restfilm und mögliche neue Schäden bei geeignetem Licht kontrollieren.
PROBEFLÄCHE AUSWERTEN
Je Werkstoff, Beschichtung und deutlich anderem Zustand getrennt prüfen. Eine geeignete unbehandelte Vergleichsstelle erhalten und gereinigte Bereiche erst trocken unter vereinbarten Licht- und Betrachtungsbedingungen bewerten.
Ein hellerer oder glänzenderer Fleck ist nicht automatisch ein besseres Reinigungsergebnis. Kann das Ziel nur durch Material- oder Beschichtungsabtrag erreicht werden, ist der Auftrag neu abzugrenzen.
Verfahrensvergleich und ausführlicher Vorversuch: 03.11.6 Steinfassaden. Die GRM erläutert die Abnahme anhand der vereinbarten Musterfläche.
RISIKEN & MATERIALGRENZEN
Kalkhaltige Steine, Putze, Fugen und Beton können durch Säure sichtbar und dauerhaft verändert werden.
Harz, Öl, Ruß oder Klebstoff rechtfertigen kein pauschales Lösemittel; Beschichtungen und Dichtstoffe können anlösen.
Algen, Pilze, Flechten und Moose hängen oft mit Feuchte und Konstruktion zusammen. Reinigung beseitigt nicht automatisch die Ursache.
Dunkle Zonen, Wasserläufer, Ausblühungen, Kalk- oder Salzkrusten, Bioaufwuchs, Blasen, Ablösungen, ausgewaschene Fugen, Frostabplatzungen, Rostfahnen und Risse können auf einen Feuchteweg oder bereits auf Schaden hinweisen. Wasser ist dabei oft Transport- und Reaktionsmedium; Ursache, sichtbare Ablagerung und Materialverlust werden getrennt beurteilt.
Zu kleiner Abstand, falsche Düse oder zu hoher Druck öffnen Fugen, rauen Oberflächen auf und treiben Wasser in den Aufbau.
Kreidung, Korrosion, Verwitterung, Ausbleichung und Beschichtungsverlust werden nicht durch intensiveres Reinigen rückgängig.
Das empfindlichste angrenzende Material begrenzt Verfahren und Spülweg. Abdeckungen und Wasserführung müssen auch Fenster, Dichtungen und bereits gereinigte Nachbarfelder schützen.
ERGEBNISKONTROLLE
Die Sichtkontrolle erfasst erkennbare Veränderungen. Sie ersetzt keine Dichtheitsprüfung und keine technische Bewertung verdeckter Schäden. Abweichungen von der Musterfläche und verbleibende Spuren dokumentieren.
FACHLICHE GRENZE
Reinigung entfernt aufliegende oder anhaftende Stoffe. Sie erneuert weder Beschichtung noch Fuge, repariert keinen Putz und beseitigt keine konstruktive Feuchteursache. Unklarer Aufbau, Gefahrstoffverdacht, lose Bauteile oder fehlende Freigabe bedeuten Stopp und Fachklärung.
WEITERARBEITEN
QUELLEN & EINORDNUNG
Geprüft am 19. September 2026. GRM behandelt Musterfläche und Abnahme, Kärcher die materialabhängige Verfahrenswahl, BG BAU die Erkundung bei Asbestverdacht. Die konservatorischen Quellen von CCI und NPS erklären Material- und Schadenszusammenhänge; daraus folgt keine pauschale Reinigungsfreigabe für heutige Fassadensysteme.
Objektbezogen gelten zusätzlich Herstellerunterlagen, Betreiberfreigabe, Gefährdungsbeurteilung, Vertrag und örtliche Vorgaben.