Ein Spezialwerkzeug für passenden Schmutz.
Ein Enzym arbeitet nicht wahllos. Seine Form passt nur zu bestimmten Bestandteilen im Schmutz. Darum hilft eine Protease bei Eiweiß, aber nicht automatisch bei Kalk oder Rost.
WICHTIG ZU WISSEN · KAPITEL 03.5
Enzyme beschleunigen ganz bestimmte chemische Reaktionen. In Reinigern helfen sie dabei, Eiweiß, Stärke oder geeignete Fette in kleinere, leichter ablösbare Stücke zu zerlegen.
Ein Enzym arbeitet nicht wahllos. Seine Form passt nur zu bestimmten Bestandteilen im Schmutz. Darum hilft eine Protease bei Eiweiß, aber nicht automatisch bei Kalk oder Rost.
ERKENNEN · BINDEN · SPALTEN
Enzyme sind Biokatalysatoren (Stoffe, die eine chemische Reaktion beschleunigen, ohne dabei verbraucht zu werden). Jedes Enzym besitzt ein aktives Zentrum (Bereich, an dem ein passender Schmutzbaustein bindet).
DAS PAC-MAN-PRINZIP
Der passende Schmutzbaustein kommt zum aktiven Zentrum. Das Enzym bindet ihn kurz, trennt eine bestimmte Verbindung und gibt kleinere Stücke wieder frei.
Nur eine passende Molekülstruktur gelangt sinnvoll an das aktive Zentrum.
Es entsteht kurz ein Enzym-Substrat-Komplex (Verbindung aus Enzym und passendem Schmutzbaustein).
Viele Reinigungsenzyme nutzen Wasser, um eine chemische Bindung zu trennen.
Die kleineren Teile lösen sich. Das Enzym kann danach grundsätzlich erneut arbeiten.
Der passende Schmutzbaustein heißt Substrat (Stoff, auf den ein Enzym wirkt). Viele Reinigungsenzyme sind Hydrolasen (Enzyme, die mit Hilfe von Wasser eine chemische Bindung trennen).
JEDES ENZYM HAT SEINEN AUFTRAG
Die Endung „-ase“ zeigt häufig, dass es sich um ein Enzym handelt. Der vordere Teil des Namens verrät oft, auf welchen Stoff es wirkt. Trotzdem entscheidet immer das konkrete Produkt, ob ein Enzym für die Aufgabe geeignet ist.
Sie trennen Peptidbindungen (Verbindungen zwischen Eiweißbausteinen).
Zum Beispiel bei geeigneten Blut-, Milch-, Ei- und Soßenresten.Sie spalten geeignete tierische und pflanzliche Fette in kleinere Bestandteile.
Zum Beispiel bei Speisefett, Butter oder fetthaltigen Lebensmittelresten.Sie zerlegen lange Stärkeketten in kleinere Zuckerbausteine.
Zum Beispiel bei Kartoffel-, Reis-, Nudel-, Mehl- oder Soßenresten.Cellulasen wirken auf Cellulose, Pektinasen auf Pektin und Mannanasen auf bestimmte Verdickungsmittel.
Sie kommen nur in dafür entwickelten Produkten und Verfahren zum Einsatz.TEMPERATUR · pH-WERT · ZEIT
Enzyme brauchen einen passenden Arbeitsbereich. Dieser Bereich ist produktspezifisch (für jedes Produkt einzeln festgelegt). Mehr Wärme, mehr Chemie oder mehr Zeit verbessern das Ergebnis nicht automatisch.
Bei niedriger Temperatur läuft die Reaktion meist langsamer. Zu große Hitze kann das Enzym denaturieren (seine räumliche Form dauerhaft verändern). Dann passt das aktive Zentrum nicht mehr.
Ein stark saurer oder stark alkalischer Bereich kann Ladungen und Form des Enzyms verändern. Außerhalb des vorgesehenen pH-Bereichs sinkt die Wirkung oder fällt ganz aus.
Enzym und Schmutz müssen ausreichend lange feucht miteinander in Kontakt bleiben. Trocknet die Lösung zu früh an, stoppt die Reaktion. Die Zeitangabe des Herstellers ist verbindlich.
Temperatur, pH-Wert, Feuchtigkeit, Dosierung und Einwirkzeit genau nach Produktvorgabe wählen. Nicht auf Verdacht heißer, konzentrierter oder länger arbeiten.
SCHMUTZ RICHTIG ZUORDNEN
Enzyme sind besonders nützlich, wenn der Schmutz genau zum Enzym passt. Das Produkt muss außerdem für Material, Verfahren und Einsatzbereich freigegeben sein.
Blut, Milch, Ei oder eiweißhaltige Soßen auf geeigneten, waschbaren Textilien und Oberflächen. Bei Blut gelten zusätzlich Hygiene- und Infektionsschutzregeln.
Kartoffel, Reis, Nudeln, Mehl und angedickte Soßen in Küchen, Kantinen oder lebensmittelverarbeitenden Bereichen.
Tierische oder pflanzliche Fette in dafür vorgesehenen Reinigungsprodukten. Verharzte Fette oder Mineralöl können andere Verfahren benötigen.
Ein Fleck kann Eiweiß, Stärke und Fett zugleich enthalten. Ein abgestimmtes Produkt kann deshalb mehrere Enzymarten kombinieren.
Nur bei freigegebenen Fasern, Farben und Verfahren. Lösung kontrolliert auftragen, vollständig aufnehmen und die Fläche nicht unnötig durchnässen.
Enzyme können geeignete geruchsbildende Rückstände abbauen helfen. Sie überdecken den Geruch nicht und ersetzen keine Desinfektion.
FALSCHER SCHMUTZ · FALSCHER BEREICH
Ein Enzym kann sehr gezielt wirken. Genau diese Stärke ist zugleich seine Grenze. Passt der Schmutz nicht, bleibt die Wirkung aus.
Amylase hilft bei Stärke, aber nicht bei Kalk. Protease hilft bei Eiweiß, aber nicht automatisch bei Rost.
Zu heißes Wasser kann das Enzym verformen. Die Wirkung sinkt, obwohl die Lösung vermeintlich „stärker“ angesetzt wurde.
Starke Säuren, Laugen, Oxidationsmittel oder unbekannte Produkte können das Enzym unwirksam machen und gefährlich reagieren.
Ohne Feuchtigkeit und ausreichende Einwirkzeit kann das Enzym den passenden Schmutz nicht vollständig erreichen.
Schmutzabbau ist keine Desinfektion. Ein Enzymreiniger tötet Krankheitserreger nicht automatisch zuverlässig ab.
Auch kleinere Bruchstücke und Reinigerreste müssen nach dem vorgesehenen Verfahren vollständig aufgenommen werden.
STAUB · SPRÜHNEBEL · ATEMWEGE
Enzyme sind Proteine (Eiweißstoffe). Enzymhaltiger Staub oder Sprühnebel kann die Atemwege sensibilisieren (allergisch überempfindlich machen). Nach einer Sensibilisierung können schon kleine spätere Mengen Beschwerden auslösen.
RISIKO AN DER QUELLE VERMEIDEN
Aerosole sind feine Flüssigkeitströpfchen in der Luft. Bevorzugt werden flüssige, staubarme oder gekapselte Produkte und Verfahren ohne Sprühen. Lüftung, geschlossene Dosierung und weitere Schutzmaßnahmen richten sich nach der Gefährdungsbeurteilung.
Staubarme Form wählen Pulver nicht schütten oder aufwirbeln, wenn eine sicherere Produktform vorgesehen ist.
Nicht versprühen Auch aus Flüssigkeiten können beim Sprühen oder Hochdruckverfahren enzymhaltige Aerosole entstehen.
Unterlagen beachten Etikett, Sicherheitsdatenblatt, Gefährdungsbeurteilung und Betriebsanweisung legen Schutzmaßnahmen fest.
Beschwerden ernst nehmen Husten, pfeifende Atmung, Atemnot oder wiederkehrende Beschwerden sofort nach dem betrieblichen Verfahren melden und abklären lassen.
GESAMTPRODUKT · SCHMUTZWASSER
Viele Reinigungsenzyme sind Proteine und grundsätzlich biologisch abbaubar. Trotzdem ist der fertige Reiniger nicht automatisch harmlos für die Umwelt. Es zählen immer alle Inhaltsstoffe und der aufgenommene Schmutz.
Enzyme können unter passenden Bedingungen von Mikroorganismen (winzige Lebewesen wie Bakterien und Pilze) zerlegt werden. Das passiert nicht sofort. Eine gebrauchte Lösung darf deshalb nicht in den Boden, ins Gebüsch oder in ein Gewässer gekippt werden.
Für die Umweltwirkung zählen alle Inhaltsstoffe im fertigen Produkt. Fachleute sprechen von der Gesamtrezeptur (vollständige Mischung aller Bestandteile). Das Sicherheitsdatenblatt (Dokument mit Angaben zu Gefahren und Entsorgung) und die Herstellerangaben zeigen, wie das Produkt eingestuft und entsorgt werden muss.
Gebrauchte Lösungen niemals in den Boden, ins Gebüsch, in den Hofablauf oder in den Straßengully geben. Der vorgesehene Schmutzwasserweg darf nur genutzt werden, wenn die Angaben zum Produkt und die Regeln im Betrieb das ausdrücklich erlauben.
Zur Produktmischung kommt die Schmutzfracht (der vom Reinigungswasser aufgenommene Schmutz). Zum Beispiel können Fett, Eiweiß, Farbstoffe oder andere Rückstände den Entsorgungsweg verändern.
Richtig dosieren und Sprühnebel vermeiden. Die gebrauchte Lösung vollständig aufnehmen. Der richtige Entsorgungsweg steht in den Produktunterlagen und in den Regeln des Betriebs.
PRÜFEN · AUFTRAGEN · AUFNEHMEN
Das Grundprinzip bleibt gleich: Erst Schmutz und Material bestimmen. Dann das passende Produkt nach Vorgabe einsetzen und die gebrauchte Lösung vollständig aufnehmen.
Groben Rückstand vorsichtig abnehmen. Material und Farbe prüfen. Proteasehaltiges Produkt ohne Sprühnebel auftragen, vorgeschriebene Temperatur und Zeit einhalten und anschließend vollständig aufnehmen beziehungsweise ausspülen.
Lose Speisereste zuerst entfernen. Prüfen, ob ein Produkt mit Amylase, Lipase oder einer abgestimmten Mischung freigegeben ist. Lösung feucht wirken lassen, mechanisch unterstützen und die Schmutzflotte kontrolliert aufnehmen.
Faser, Rücken, Farbe und Reinigungsverfahren prüfen. Wenig Lösung gezielt einsetzen, nicht durchnässen und keine Aerosole erzeugen. Nach der Einwirkzeit Rückstände gründlich aufnehmen und die Trocknung kontrollieren.
Eiweiß, Stärke, geeignetes Fett oder eine Mischung? Kalk, Rost und Mineralöl brauchen meist andere Wirkstoffe.
Produktfreigabe, Farbe, Faser, Beschichtung und angrenzende Materialien beachten.
Dosierung, Temperatur, pH-Bereich, Einwirkzeit und Schutzmaßnahmen übernehmen.
Nicht unnötig sprühen. Staubarme oder flüssige Produktform kontrolliert einsetzen.
Die Fläche nicht antrocknen lassen, sofern die Produktvorgabe nichts anderes verlangt.
Gelöste Bestandteile und Reinigerreste vollständig aus der Fläche entfernen.
Nicht blind nachdosieren. Ursache prüfen und bei Bedarf das freigegebene Verfahren wiederholen.
Produktangaben, Sicherheitsdatenblatt, betriebliche Regeln und örtliche Vorgaben beachten.
SELBSTKONTROLLE
Es beschleunigt eine passende chemische Reaktion. Dabei zerlegt es bestimmte Schmutzbestandteile in kleinere Teile und wird grundsätzlich nicht verbraucht.
Nur ein passender Schmutzbaustein bindet am aktiven Zentrum. Das Enzym hält ihn kurz fest, trennt eine bestimmte Bindung und gibt kleinere Stücke frei.
Proteasen wirken auf Eiweiß, Amylasen auf Stärke und Lipasen auf geeignete tierische oder pflanzliche Fette.
Zu große Hitze kann das Enzym denaturieren, also seine räumliche Form verändern. Dann passt das aktive Zentrum nicht mehr richtig zum Schmutzbaustein.
Der pH-Wert beeinflusst Form und Ladung des Enzyms. Die Einwirkzeit gibt Enzym und Schmutz genügend feuchten Kontakt für die Reaktion.
Nein. Schmutzabbau und Desinfektion sind unterschiedliche Aufgaben. Nur ein dafür zugelassenes Verfahren erreicht eine festgelegte Desinfektionswirkung.
Enzymhaltige Teilchen in der Luft können die Atemwege sensibilisieren. Nach einer Sensibilisierung können schon kleine spätere Mengen Beschwerden auslösen.
Nein. Entscheidend sind die gesamte Produktmischung und der aufgenommene Schmutz. Gebrauchte Lösungen gehören nicht in den Boden, ins Gebüsch oder in einen Regenwasserablauf.
FACHLICHE GRUNDLAGEN
NÄCHSTER BEREICH · 04