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WICHTIG ZU WISSEN · BEREICH 03Reinigungsaktive Stoffe
Alle fünf Bereiche

WICHTIG ZU WISSEN · KAPITEL 03.1

Tenside bei der Arbeit.

Ein Tensid ist kein Sauberkeitsversprechen. Es ist ein Werkzeug der Rezeptur: Es verändert Grenzflächen, unterstützt den Kontakt zum Schmutz und hilft, abgelöste Bestandteile in der Reinigungsflotte zu halten.

JANS ARBEITSREGEL

Erst die Aufgabe klären. Dann den Reiniger wählen.

Schau zuerst auf Oberfläche, Verschmutzung und Verfahren. Erst daraus ergibt sich, welche Benetzung, Schmutztrageleistung und Schaumeigenschaft gebraucht wird.

NACH DIESEM KAPITEL KANNST DU
  • die Aufgabe eines Tensids im Arbeitsablauf bestimmen,
  • den amphiphilen Molekülaufbau erklären,
  • Emulsion, Dispersion und Mizelle unterscheiden,
  • Tensidklassen als Rezepturhinweis einordnen,
  • typische Produktgruppen ohne starre Inhaltsstoffregel vergleichen,
  • Produktwechsel ohne Mischversuch planen,
  • Reinigungswasser sicher bewerten und entsorgen.
01

DIE REINIGUNGSAUFGABE LESEN

Was soll die Flotte leisten?

In der Praxis zählt nicht zuerst der Name einer Tensidklasse. Entscheidend ist, was zwischen Oberfläche, Reiniger und Schmutz passieren soll – und wie die verschmutzte Flüssigkeit anschließend wieder von der Fläche kommt.

KONTAKTDie Lösung muss die Fläche erreichen.

Auf schlecht benetzbaren Bereichen zieht sich Wasser stärker zusammen. Eine passende Rezeptur verteilt sich gleichmäßiger und erreicht Vertiefungen besser.

SCHMUTZDie Verbindung zur Fläche muss nachlassen.

Tenside unterstützen den Kontakt zwischen wässriger Flotte und fettigen oder teilchenförmigen Verschmutzungen. Mechanik und Einwirkzeit bleiben Teil des Verfahrens.

TRANSPORTGelöster Schmutz muss beweglich bleiben.

Abgelöste Tröpfchen und Partikel sollen nicht sofort wieder anhaften. Die gebrauchte Reinigungsflotte muss sie bis zur Aufnahme tragen.

02

VON DER FLÄCHE ZUM ERGEBNIS

Fünf Kontrollen statt Chemieraten.

  1. 01
    Oberfläche prüfen

    Material, Beschichtung, Fugen und empfindliche Randbereiche bestimmen die Grenzen des Verfahrens.

  2. 02
    Schmutz einordnen

    Fettige, teilchenförmige und wasserlösliche Anteile brauchen unterschiedliche Unterstützung durch Rezeptur und Mechanik.

  3. 03
    Verfahren festlegen

    Wischen, Scheuern, Sprühen, Schaumauftrag oder maschinelle Aufnahme stellen unterschiedliche Anforderungen an Benetzung und Schaum.

  4. 04
    Kontrolliert anwenden

    Nach Herstellerangabe dosieren, die Fläche vollständig benetzen und nur so lange einwirken lassen, wie Produkt und Material es erlauben.

  5. 05
    Flotte entfernen

    Gelöster Schmutz ist noch nicht weg. Rückstände werden erst vermieden, wenn die verschmutzte Flüssigkeit vollständig aufgenommen wird.

Benetzen

Die Reinigungslösung breitet sich auf einer Oberfläche aus und erreicht mehr Kontaktfläche.

Emulgieren

Zwei Flüssigkeiten, die sich normalerweise trennen, liegen als fein verteiltes Gemisch vor. Bei der Reinigung kann beispielsweise eine Ölphase in der Wasserphase verteilt werden.

Dispergieren

Feste Teilchen werden in einer Flüssigkeit verteilt und gegen rasches Zusammenlagern stabilisiert.

Stabilisieren

Abgelöste Tröpfchen oder Teilchen bleiben transportfähig und haften weniger schnell wieder an.

Kapillaren erreichen

Eine gut benetzende Flotte gelangt leichter in schmale Fugen, Poren und Faserzwischenräume.

Abtransportieren

Die Reinigungsflotte wird mit Tuch, Mopp, Absaugung oder Maschine vollständig von der Fläche entfernt.

03

ORIENTIERUNG AN GRENZFLÄCHEN

Warum ein Tensid vermitteln kann.

PSEUDO-3D-MIZELLEAußen Kontakt zur Flotte, innen Kontakt zur Fettphase.

Die polaren Gruppen bleiben der Reinigungsflotte zugewandt. Die wassermeidenden Molekülteile liegen an der Fettphase. So kann der Tropfen in der Flüssigkeit verteilt und anschließend aufgenommen werden.

Tenside sind amphiphil (sie verbinden Bereiche mit unterschiedlicher Vorliebe für Wasser und Fett). Diese Kombination ermöglicht ihre bevorzugte Anordnung an Grenzflächen (Übergängen zwischen zwei Phasen), etwa zwischen Wasser und Fett.

Wasserfreundlicher Bereichhydrophil · meist zugleich lipophob
H
Wassermeidender Bereichhydrophob · meist zugleich lipophil
H

Hydrophil und meist lipophob

Hydrophil bedeutet wasserfreundlich. Lipophob bedeutet fett- oder ölmeidend. Im vereinfachten Tensidmodell beschreiben beide Begriffe den zur Wasserphase orientierten Bereich.

F

Hydrophob und meist lipophil

Hydrophob bedeutet wassermeidend. Lipophil bedeutet fett- oder ölfreundlich. Dieser Bereich lagert sich bevorzugt an wassermeidende Verschmutzungen wie Öl oder Fett an.

ANIMATION · WASSER/LUFTSo besetzt ein Tensid die Grenzfläche.

Beobachte den Ablauf: Das Tensid gelangt aus der Wasserphase an die Oberfläche und richtet sich dort aus. Der wasserfreundliche Kopf bleibt im Wasser, während der wassermeidende Schwanz aus der Wasserphase weist.

LUFTWASSER
OHH
OHH
OHH
OHH
hydrophob · lipophilhydrophil · lipophob
01stärkerer Zusammenhalt
02geringere Oberflächenspannung
  1. 01
    Ohne Tensid

    Wassermoleküle an der Oberfläche erfahren andere Wechselwirkungen als Moleküle im Inneren. Wasser hält seine freie Oberfläche deshalb möglichst klein.

  2. 02
    An der Grenzfläche

    Das Tensid reichert sich dort an und richtet seine beiden unterschiedlich wechselwirkenden Bereiche passend zu Wasser und Luft aus.

  3. 03
    Leichter benetzbar

    Für zusätzliche Oberfläche ist nun weniger Arbeit nötig: Die Oberflächenspannung sinkt und die Flotte kann sich leichter ausbreiten.

GERINGERE BENETZUNG
H₂O
Die Flotte zieht sich stärker zusammen

Kontaktfläche und Zugang zu Vertiefungen können kleiner bleiben.

PASSENDE BENETZUNG
H₂O + T
Die Flotte verteilt sich leichter

Mehr Fläche wird erreicht, sofern Material und Verfahren dazu passen.

MODELL RICHTIG LESEN

Die Kopf-Schwanz-Darstellung zeigt eine Funktion, keine einheitliche Molekülgröße oder Bauform. Tenside umfassen viele Strukturen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Oberflächenspannung eines Mediums und/oder die Grenzflächenspannung zu einer anderen Phase herabsetzen können.

04

SCHMUTZ TRANSPORTFÄHIG HALTEN

Was in der Reinigungsflotte passiert.

Nach dem Ablösen liegt Schmutz nicht automatisch gelöst vor. Fetttröpfchen, feste Partikel und kleine wassermeidende Moleküle können in unterschiedlichen Strukturen verteilt oder aufgenommen werden.

WÄSSRIGE FLOTTE
KERN
MizellenmodellIm Wasser richtet sich der Verband so aus, dass gut mit Wasser wechselwirkende Gruppen Kontakt zur Flotte halten. Die wassermeidenden Molekülteile liegen abgeschirmt im Kern; dort können passende Stoffe aufgenommen werden.
EMULSIONZwei Flüssigkeitsphasen

Bei einer Emulsion bleibt die Ölphase fein in der wasserbasierten Reinigungsflotte verteilt. Die Bestandteile liegen weiterhin als getrennte Phasen vor – es entsteht keine molekulare Lösung.

DISPERSIONTeilchen in einer Flüssigkeit

Feste Schmutzpartikel bleiben fein verteilt. Die Formulierung soll Zusammenlagerung und Wiederanhaftung begrenzen.

MIZELLEDynamischer Molekülverband

Tensidmoleküle bilden Aggregate (Molekülverbände), die mit einzelnen Molekülen und anderen Strukturen im Gleichgewicht stehen.

PRÜFREGEL · SCHAUM

Schaum muss zum Verfahren passen.

Bei einem Schaumauftrag kann eine stabile Schicht die sichtbare Verteilung und Kontaktzeit unterstützen. In einer Scheuersaugmaschine kann zu viel Schaum dagegen Aufnahme, Sensorik (Mess- und Steuertechnik) und nutzbares Tankvolumen beeinträchtigen. Beurteile deshalb immer das Arbeitsergebnis und die Verfahrensfreigabe.

05

KLASSEN ALS LESEHILFE

Was die Ladung verrät – und was nicht.

Die Ladung des hydrophilen Bereichs hilft bei der chemischen Einordnung. Sie ersetzt keine Produktprüfung: Bauform, Mischung, Konzentration und weitere Inhaltsstoffe bestimmen die tatsächliche Leistung.

0FORMULIERUNGSHINWEIS 01

Nichtionische Tenside

Der wasserfreundliche Bereich besitzt keine formale elektrische Ladung.

  • häufig in fettlösenden Formulierungen
  • Schaumprofil hängt stark von der konkreten Struktur ab
  • Verhalten bei Wasserhärte und Temperatur produktbezogen prüfen
FORMULIERUNGSHINWEIS 02

Anionische Tenside

Der wasserfreundliche Bereich trägt eine negative Ladung.

  • häufig in Wasch- und Reinigungsformulierungen
  • je nach Struktur gute Benetzungs- und Schmutztrageleistung
  • Kompatibilität mit kationischen Systemen prüfen
+FORMULIERUNGSHINWEIS 03

Kationische Tenside

Der wasserfreundliche Bereich trägt eine positive Ladung.

  • können sich an negativ geladene Oberflächen und Fasern anlagern
  • werden für besondere Pflege- oder Wirkstoffaufgaben eingesetzt
  • die Ladung allein beweist keine Desinfektionswirkung
±FORMULIERUNGSHINWEIS 04

Amphotere Tenside

Das Ladungsverhalten kann von Struktur und chemischer Umgebung abhängen.

  • können positive und negative Gruppen besitzen
  • häufig Teil kombinierter Tensidsysteme
  • amphoter und zwitterionisch sind nicht in jedem Zusammenhang gleichbedeutend
PRODUKTGRUPPEN · HÄUFIG, NICHT ZWINGEND

Tenside können in sehr unterschiedlichen Reinigungsprodukten vorkommen. Die folgende Übersicht nennt typische Aufgaben – sie ist keine Zutaten-Garantie. Selbst zwei Produkte mit demselben Namen können verschieden aufgebaut sein.

ProduktgruppeTypische TensidaufgabeWas außerdem entscheidet
Neutral- und Allzweckreinigerbenetzen, Fetttröpfchen und Partikel verteilen

Material, Dosierung, Rückstandsverhalten und gesamte Rezeptur

Saure SanitärreinigerFläche benetzen und gemischte Verschmutzungen transportieren

Die Säure löst mineralische Ablagerungen; das Tensid ersetzt diese Säurewirkung nicht.

Alkalische FettlöserFettkontakt, Emulgierung und Schmutztransport unterstützen

Alkalität, Temperatur, Einwirkzeit, Mechanik und Materialverträglichkeit

Glas- und Oberflächenreinigergleichmäßige Benetzung mit möglichst geringem Rückstand

Lösemittel, Wasserqualität, Dosierung und sauberes Arbeitsmittel

Ultranetzer und maschinengeeignete Reinigerstark benetzen und zugleich kontrolliert beziehungsweise sehr wenig schäumen

Maschinentyp, Absaugung, Tank und ausdrückliche Verfahrensfreigabe

Textil- und TeppichreinigerFasern benetzen, Schmutz verteilen und den Abtransport unterstützen

Faser, Rücken, Farbechtheit, Schaumverfahren und vollständige Extraktion

WischpflegeBenetzung und gleichmäßige Verteilung von Pflegebestandteilen unterstützen

Pflegekomponenten, Belag, vorhandenes Pflegesystem und Rutschhemmung

DesinfektionsreinigerBenetzung und Verteilung innerhalb der geprüften Formulierung unterstützen

Wirkspektrum, Konzentration und Einwirkzeit gelten nur für das freigegebene Gesamtprodukt.

VerfahrenPrüfsignalArbeitsentscheidung
MaschinellSchaumverhalten

Nur ein ausdrücklich maschinengeeignetes, kontrolliert schäumendes Produkt verwenden.

FettverschmutzungMaterial + Rezeptur

Benetzung, Alkalität (alkalische Wirkung), Lösemittel, Temperatur und Mechanik gemeinsam bewerten.

TextilRückstandsrisiko

Produktfreigabe, vollständige Aufnahme und notwendige Spül- oder Extraktionsschritte beachten.

DesinfektionWirksamkeitsnachweis

Nur das geprüfte Produkt im freigegebenen Verfahren einsetzen; die Tensidklasse reicht als Nachweis nicht aus.

06

FORMULIERUNGEN NICHT IMPROVISIEREN

Produktwechsel ohne Mischversuch.

Treffen unverträgliche anionische und kationische Systeme unkontrolliert aufeinander, können sich Ionenpaare und größere Aggregate bilden. Ob Trübung, Ausfällung oder eine andere Phasenbildung entsteht, hängt unter anderem von Struktur, Verhältnis, Konzentration, pH-Wert und Temperatur ab.

SYSTEM Aanionische Bestandteile
+
+
SYSTEM Bkationische Bestandteile
?
UNGEPRÜFTER KONTAKTZusammensetzung und Wirkung können sich ändern
  1. 01
    Wechsel planen

    Prüfe Herstellerangaben, Betriebsanweisung und die vorgesehene Reihenfolge, bevor ein anderes Produkt in Behälter oder Dosiertechnik kommt.

  2. 02
    System trennen

    Restmengen entfernen und Behälter, Leitung, Tuch oder Gerät nur nach der vorgesehenen Anleitung spülen beziehungsweise wechseln.

  3. 03
    Warnzeichen ernst nehmen

    Trübung, Flocken, Schichtbildung, Wärme, Gas, Geruch oder unerwarteter Wirkungsverlust bedeuten: Arbeit stoppen und Vorgaben prüfen.

  4. 04
    Kein Eigenversuch

    Unbekannte Mischungen nicht durch Nachdosieren retten. Produkt sichern und die verantwortliche Stelle informieren.

07

PRODUKT · SCHMUTZFRACHT · ABWASSERWEG

Reinigungswasser richtig beurteilen.

Ach ja – wie oft habe ich schon beobachtet, wie Glasreiniger ihre schön schaumige Flotte ins Gebüsch kippten oder Unterhaltsreiniger das Schmutzwasser einfach auf die Straße schütteten. Nach dem Motto: „Die Natur macht das schon – ist ja biologisch abbaubar.“ Wie oft ich diesen Stuss schon gehört habe.

VOM BODEN BIS ZUM SEE

Was im Gebüsch verschwindet, ist nicht weg. Mit Regen können gelöste Bestandteile durch Boden und Untergrund sickern. Ein Teil wird je nach Stoff, Boden und Standort zurückgehalten oder abgebaut; ein anderer Teil kann das Grundwasser erreichen.

Grundwasser steht nicht still. Es tritt an Quellen wieder aus, speist Bäche, Flüsse und Seen oder wird zur Trinkwassergewinnung genutzt. Ist es verunreinigt, lässt es sich nur mit großem Aufwand und häufig erst über lange Zeiträume sanieren.

Im See entscheidet die tatsächliche Mischung über die Folgen: Wassergefährdende Bestandteile können Organismen schädigen, der mikrobielle Abbau organischer Fracht verbraucht Sauerstoff und enthaltene Nährstoffe können übermäßiges Algenwachstum fördern. Denk dran: Ein Straßengully kann Boden und Grundwasser sogar umgehen und belastetes Wasser direkt in ein Oberflächengewässer leiten.

DREI GETRENNTE PRÜFFRAGEN

Abbau, Gefahr und Entsorgung nicht vermischen.

Jede Frage liefert eine andere Information für die Praxis.

01

Was wird im Test abgebaut?

Der Primärabbau erfasst den Schritt, nach dem ein verändertes Tensidmolekül seine typische Wirkung an Phasengrenzen nicht mehr ausübt. Für den vollständigen aeroben Abbau wird das organische Material unter Sauerstoffzufuhr weiter zerlegt.

+
02

Welche Gefahr ist eingestuft?

Aquatische Toxizität (Giftigkeit für Wasserorganismen), Abbaubarkeit und Bioakkumulation (Anreicherung in Lebewesen) sind getrennte Bewertungsgrößen. Maßgeblich sind Stoff- und Produktdaten.

+
03

Welcher Weg ist erlaubt?

Etikett, Sicherheitsdatenblatt, Betriebsregeln und örtliche Abwasser- oder Abfallvorgaben bestimmen, wie die gebrauchte Mischung entsorgt wird.

✕ NICHT KONTROLLIERT

Beet, Boden oder unbekannter Gully

  1. 01

    Die Zusammensetzung der gebrauchten Flotte wird nicht geprüft.

  2. 02

    Ein Regenwasserablauf kann ohne Kläranlage direkt in ein Gewässer führen.

  3. 03

    Bestandteile können versickern oder mit Regen weitergetragen werden.

✓ KONTROLLIERTER WEG

Nur nach Vorgabe in den Schmutzwasserweg

  1. 01

    Produkt, Schmutzfracht und mögliche gefährliche Rückstände werden beurteilt.

  2. 02

    Der vorgesehene Ausguss muss nachweislich an die Schmutzwasserkanalisation angeschlossen sein.

  3. 03

    Herstellerangaben, Sicherheitsdatenblatt und betriebliche sowie örtliche Regeln müssen diesen Weg erlauben.

  4. 04

    Abweichende oder gefährliche Reststoffe gehen in den dafür festgelegten Entsorgungsweg.

01

Stoff statt Sammelbegriff

Die Wirkung auf Wasserorganismen unterscheidet sich zwischen Tensiden und fertigen Produkten. „Mild“ und „aggressiv“ sind keine fachlichen Gefahrenkategorien für die Umwelt. Prüfe Gefahrenkennzeichnung und Sicherheitsdatenblatt statt aus dem Wort „Tensid“ eine pauschale Gefahr abzuleiten.

02

Die Rezeptur zählt

Duftstoffe, Konservierungsmittel, Komplexbildner (Stoffe zur Bindung von Metallionen), Biozide und weitere Bestandteile können die Umweltbewertung verändern.

03

Der Schmutz fährt mit

Öl, Metalle, Lösemittel und andere aufgenommene Rückstände können den Entsorgungsweg bestimmen, selbst wenn das Reinigungsprodukt für sich betrachtet unauffällig ist.

04

Abbaubar ist nicht ungiftig

Biologische Abbaubarkeit und aquatische Toxizität werden getrennt beurteilt. Ein Stoff kann unter festgelegten Bedingungen gut abbaubar sein und Wasserorganismen vor oder während dieses Abbaus trotzdem schädigen. Das Ergebnis eines Abbautests beschreibt außerdem nicht automatisch das Verhalten jeder gebrauchten Mischung in Boden, Gully oder Gewässer.

05

Messwerte richtig lesen

Der CSB (chemischer Sauerstoffbedarf) gibt die Sauerstoffmenge an, die der bei einem festgelegten Prüfverfahren verbrauchten Menge an Oxidationsmittel entspricht. Er beschreibt die chemisch oxidierbare Belastung einer Wasserprobe und wird üblicherweise in Milligramm Sauerstoff je Liter angegeben. Der BSB (biochemischer Sauerstoffbedarf) betrachtet dagegen den Sauerstoffverbrauch durch biologische Abbauvorgänge unter festgelegten Bedingungen. Beide Werte sind für sich weder ein Nachweis geringer Toxizität noch eine Entsorgungsfreigabe.

06

Dosierung begrenzt den Eintrag

Nur die vorgesehene Menge einsetzen, Schmutzwasser vollständig aufnehmen und Restkonzentrate getrennt beurteilen. Verdünnung und eine erwartete Behandlung in der Kläranlage sind keine Entsorgungsstrategie. Mehr Produkt bedeutet nicht automatisch ein besseres Ergebnis.

07

Ein Beispiel beweist keine Gruppenregel

SLS beziehungsweise Natriumlaurylsulfat ist ein bestimmtes anionisches Tensid. Daten zu diesem Einzelstoff lassen sich nicht pauschal auf alle anionischen Tenside, andere Tensidgruppen oder fertig formulierte Reinigungsmittel übertragen.

MERKSATZ FÜR DIE PRAXISErst Inhalt und Anschluss klären, dann entsorgen.

Gewöhnliches Putzwasser darf nur über einen vorgesehenen Schmutzwasseranschluss entsorgt werden, wenn Produktangaben und örtliche Regeln das erlauben. Denk dran: Ein Straßengully oder Hofablauf kann direkt zur Regenwasserkanalisation gehören.

08

SELBSTKONTROLLE

Kannst du damit arbeiten?

Was prüfst du vor der Auswahl eines tensidhaltigen Reinigers?+

Oberfläche, Verschmutzung, Verfahren, Materialfreigabe und die vorgesehene Aufnahme der Schmutzflotte. Erst danach wird das passende Produkt nach Herstellerangabe ausgewählt.

Warum kann ein Tensid zwischen Wasser und Fett vermitteln?+

Es ist amphiphil: Ein Bereich ist hydrophil (wasserfreundlich) und meist lipophob (fettmeidend), der andere hydrophob (wassermeidend) und meist lipophil (fettfreundlich). Deshalb kann sich das Tensid bevorzugt an der Grenzfläche zwischen beiden Phasen anordnen.

Was unterscheidet Emulsion, Dispersion und Mizelle?+

Bei einer Emulsion werden zwei nicht mischbare Flüssigkeitsphasen fein ineinander verteilt. Bei einer Dispersion liegt dagegen ein Feststoff als Teilchen in einer Flüssigkeit vor. Eine Mizelle ist ein sich ständig neu ordnender Verband von Tensidmolekülen.

Warum muss die Schmutzflotte vollständig entfernt werden?+

Weil abgelöster Schmutz und Produktbestandteile weiterhin in der Flüssigkeit liegen. Trocknet sie auf der Fläche, können Rückstände und Wiederanschmutzung entstehen.

Wie beurteilst du Schaum?+

Nicht nach der Menge, sondern nach dem Verfahren. Schaum kann bei gezieltem Auftrag nützlich und in einer Maschine störend sein.

Was ist bei einem Produktwechsel zu beachten?+

Produkte nicht mischen. Restmengen, Behälter und Dosiertechnik werden nach Herstellerangabe getrennt, gespült oder gewechselt.

Warum entscheidet „biologisch abbaubar“ nicht über die Entsorgung?+

Weil ein Labortest nur eine bestimmte Eigenschaft unter festgelegten Bedingungen beschreibt. Für die Entsorgung zählen das Gesamtprodukt, die Schmutzfracht und die geltenden Vorgaben.

Welche Unterlagen entscheiden bei gefährlichen Reststoffen?+

Etikett, Sicherheitsdatenblatt, Betriebsanweisung sowie örtliche Abwasser- und Abfallvorgaben. Bei Unsicherheit wird die verantwortliche Stelle gefragt.

FACHLICHE GRUNDLAGEN

Quellen und Vertiefung

IUPAC Gold BookDefinition eines Tensids IUPAC Gold BookAmphiphiler Molekülaufbau IUPAC Gold BookHydrophil: Affinität zu Wasser IUPAC Gold BookLipophob und lipophil unterscheiden IUPAC Gold BookDefinition einer Mizelle IUPAC Gold BookKritischer Mizellbildungsbereich Journal of Surfactants and DetergentsTensidklassen und gemischte Tensidsysteme Europäische UnionVerordnung (EG) Nr. 648/2004 über Detergenzien Bundesministerium der JustizWRMG: Abbaubarkeit von Tensiden Europäische UnionVerordnung (EU) 2026/405 OECDPrüfmethoden zur leichten biologischen Abbaubarkeit UmweltbundesamtAbbaubarkeit, Bioakkumulation und Gewässergefährdung UmweltbundesamtGrundwasser, Oberflächengewässer und Trinkwasserressource UmweltbundesamtEintragspfade von Chemikalien in Grundwasser, Flüsse und Seen UmweltbundesamtNährstoffeinträge, Algenwachstum und Sauerstoffmangel US Environmental Protection AgencyBSB, CSB und Sauerstoffzehrung in Gewässern Europäische Union · REACH-AnhangUmweltangaben und Entsorgung im Sicherheitsdatenblatt Bayerisches UmweltministeriumSchmutzwasser und Regenwasserablauf unterscheiden Journal of Colloid and Interface SciencePhasenverhalten anionischer/kationischer Tensidmischungen Journal of Colloid and Interface ScienceSchaumstruktur und Reinigungsleistung

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