INHALTRisikoeinstufung von Medizinprodukten
HYGIENESTUFEN · 04.3Sterilisation
Alle Kapitel im Überblick
WissensplattformHygiene & MikrobiologieRisikoeinstufung von Medizinprodukten

04.3 · Sterilisation

Risikoeinstufung von Medizinprodukten

Kontaktart, Bauform und Aufbereitbarkeit bestimmen, ob ein Produkt unkritisch, semikritisch oder kritisch ist.

HYGIENE ALS REGELKREIS

Ein guter Prozess lässt sich wiederholen und kontrollieren.

Nicht jedes Instrument muss steril sein – entscheidend sind Anwendung und Risiko.

01PLANEN

Zweckbestimmung und Kontakt zum Körper klären

02BEREITSTELLEN

Bauform, Material, Hohlräume, Gelenke und Herstellerangaben bewerten

03DURCHFÜHREN

Produkt als unkritisch, semikritisch oder kritisch einordnen

04PRÜFEN

Zusatzanforderung A, B oder C festlegen und dokumentieren

01

EINORDNUNG

Worum geht es bei Risikoeinstufung von Medizinprodukten?

DEFINITION

Vor jeder Aufbereitung wird ein wiederverwendbares Medizinprodukt nach seiner vorgesehenen Anwendung und den Anforderungen an die Aufbereitung eingestuft. Unkritische Produkte berühren nur intakte Haut, semikritische Produkte Schleimhaut oder krankhaft veränderte Haut und kritische Produkte durchdringen Haut oder Schleimhaut beziehungsweise kommen mit Blut, innerem Gewebe, Organen oder Wunden in Kontakt.

BIOLOGISCH WICHTIG
  • je näher ein Produkt an sterile Körperbereiche oder das Gefäßsystem gelangt, desto höher sind die Anforderungen
  • Hohlräume, Gelenke, raue Flächen und schwer zugängliche Stellen erschweren Reinigung und Prozesskontrolle
  • kritische Medizinprodukte müssen für ihre vorgesehene Anwendung steril bereitgestellt werden
  • die Untergruppen A, B und C beschreiben steigende Anforderungen an die Aufbereitung
02

PRAXISFELDER

Wo spielt das im Arbeitsalltag eine Rolle?

01

unkritisch: zum Beispiel Produkte mit ausschließlichem Kontakt zu intakter Haut

02

semikritisch: Produkte mit Kontakt zu Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut

03

kritisch: Instrumente für invasive Eingriffe, sterile Körperbereiche oder das Gefäßsystem

04

Kritisch C: besonders hohe Aufbereitungsanforderungen mit zusätzlichen Anforderungen an das Qualitätsmanagement

03

PROZESS & GRENZEN

Was entscheidet über die sichere sterile Bereitstellung?

Die Risikoeinstufung verbindet Patientenkontakt, Bauform und Aufbereitbarkeit. Erst daraus folgt, welches Ergebnis und welcher Prozess erforderlich sind.

01Situationsabhängig

Unkritisch

Kontakt nur mit intakter Haut verlangt normalerweise Reinigung und gegebenenfalls Desinfektion, aber nicht automatisch Sterilisation.

02Situationsabhängig

Semikritisch

Kontakt mit Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut erhöht die Aufbereitungsanforderungen.

03Häufig relevant

Kritisch

Bei Durchdringen von Haut oder Schleimhaut sowie Kontakt zu Blut, innerem Gewebe, Organen oder Wunden ist sterile Bereitstellung erforderlich.

PRAXISORTE

In diesen Bereichen spielt das eine besonders große Rolle.

01

Einfache Bauform

Glatte, gut zugängliche Flächen lassen sich meist leichter kontrolliert aufbereiten.

02

Komplexe Bauform

Hohlräume, Gelenke und schwer zugängliche Flächen führen zu höheren Anforderungen.

03

Dokumentation

Einstufung, Herstellerangaben und freigegebener Prozess müssen eindeutig zusammenpassen.

04

ARBEITSABLAUF

Was folgt daraus für den Arbeitsablauf?

EINORDNUNG

Die Einstufung wird vor der ersten Aufbereitung dokumentiert und bei Produkt-, Verfahrens- oder Anwendungsänderungen geprüft. Herstellerangaben, Bauform, Material und tatsächliche Anwendung gehören zusammen; ein ähnliches Aussehen macht aus zwei Instrumenten noch nicht dieselbe Risikoklasse.

  1. 01Zweckbestimmung und Kontakt zum Körper klären
  2. 02Bauform, Material, Hohlräume, Gelenke und Herstellerangaben bewerten
  3. 03Produkt als unkritisch, semikritisch oder kritisch einordnen
  4. 04Zusatzanforderung A, B oder C festlegen und dokumentieren
  5. 05nur dafür geeignete und validierte Aufbereitungsschritte freigeben
05

RISIKOGRENZEN

Hier besonders aufpassen.

NICHT VERWECHSELN · NICHT ABKÜRZENNicht jedes Instrument muss steril sein – entscheidend sind Anwendung und Risiko.
  • !alle Instrumente pauschal gleich behandeln
  • !Herstellerangaben oder begrenzte Aufbereitungszyklen übergehen
  • !ein kritisches Produkt ohne Sterilisation freigeben
  • !schwer zugängliche Innenflächen bei der Einstufung vergessen
  • !die Risikoeinstufung allein der Person am Sterilisator überlassen
06

BEGRIFFE RICHTIG LESEN

Fachwörter – direkt daneben einfach erklärt.

Medizinprodukt

Produkt mit medizinischer Zweckbestimmung, zum Beispiel ein ärztliches Instrument

unkritisch

Produkt mit ausschließlichem Kontakt zu intakter Haut

semikritisch

Produkt mit Kontakt zu Schleimhaut oder krankhaft veränderter Haut

kritisch

Produkt, das Haut oder Schleimhaut durchdringt oder mit Blut, innerem Gewebe, Organen oder Wunden in Kontakt kommt

Kritisch C

kritisches Produkt mit besonders hohen Anforderungen an die Aufbereitung

07

OFFIZIELLE QUELLEN

Fachliche Grundlage dieses Kapitels.