REINIGUNGSABLAUF · EINRICHTUNG & BAUTEIL

Küchen &
Lebensmittelbereiche

Arbeitsflächen, Spülbecken, Kochgeräte und Kühlung brauchen unterschiedliche Verfahren. Entscheidend sind Material, Lebensmittelkontakt, Verschmutzung und der vereinbarte Hygieneplan.

IM FOKUS

Arbeitsflächen, Geräte und fest eingebaute Bauteile. Der betriebliche Hygieneplan legt fest, wer was wann reinigt und desinfiziert.

Leere gewerbliche Küche mit Edelstahl-Arbeitstisch, Spülbecken, geschlossenen Kühlgeräten und ausgeschalteter Kochzeile unter einer Abzugshaube
Vorbereitung, Kochen, Spülen: Jede Station hat eigene Oberflächen und Reinigungsaufgaben.

01 · VOR DEM START

Auftrag und Küchenbetrieb abstimmen.

In einer Teeküche gelten andere Abläufe als in einer Mensa oder Produktionsküche. Tätigkeiten, Zeitfenster und Verantwortlichkeiten konkret vereinbaren.

  1. 01

    Reinigungsumfang, Zeitpunkt und Zuständigkeiten klären: Welche Bauteile sind beauftragt, wer räumt Lebensmittel um und wer gibt den Bereich anschließend frei?

  2. 02

    Lebensmittel und sauberes Geschirr aus dem Arbeitsfeld nehmen oder wirksam schützen. Rohwaren, verzehrfertige Speisen und allergenhaltige Zutaten nach Betriebsplan getrennt behandeln.

  3. 03

    Gerätestillstand und sichere Arbeitsbedingungen herstellen lassen. Hitze, scharfe Teile, Elektrik, Gas und Wiederanlauf berücksichtigen; nur freigegebene Bauteile öffnen.

  4. 04

    Materialien, Produktfreigaben und Schutzausrüstung prüfen. Frische Tücher, getrennte Bürsten und passende Werkzeuge bereitstellen; für Böden, Abfälle und Abläufe eigene Arbeitsmittel vorsehen.

02 · MATERIAL PRÜFEN

Auch in der Edelstahlküche
ist nicht alles Edelstahl.

Das sichtbare Bauteil, seine Beschichtung und angrenzende Dichtungen gemeinsam prüfen. Eine Materialprobe ersetzt keine Herstellerfreigabe für ein Gerät.

01Edelstahl

Weiches geeignetes Tuch oder freigegebenes Vlies, bei gebürsteter Oberfläche in Schliffrichtung arbeiten. Schmutz und Produktreste vollständig entfernen.

Darauf achten: Keine gewöhnliche Stahlwolle: eingetragene Eisenpartikel können rosten. Chlorhaltige Mittel und starke Säuren nicht pauschal freigeben; Edelstahl ist nicht gegen jede Chemie beständig.

Passendes Fachkapitel →
02Aluminium und eloxierte Teile

Zum Beispiel an Filtern, Blechen, Griffen oder Gerätebauteilen. Einen ausdrücklich dafür geeigneten Reiniger in der vorgesehenen Anwendung wählen.

Darauf achten: Starke Laugen und Säuren können angreifen und verfärben. Ein für Edelstahl geeigneter Grillreiniger ist deshalb noch kein Aluminiumreiniger.

Passendes Fachkapitel →
03Kunststoff, Schichtstoff und Holz

Bretter, Einsätze und Arbeitsplatten unterscheiden. Kanten, Fugen und Beschädigungen prüfen; Feuchte begrenzen, wo sie in den Aufbau eindringen kann.

Darauf achten: Tiefe Schnitte, aufgequollene Kanten und offene Risse melden. Mehr Desinfektionsmittel stellt eine beschädigte, schlecht reinigbare Oberfläche nicht wieder her.

Passendes Fachkapitel →
04Emaille, Glas und Beschichtungen

Geräteanleitung und Oberflächenfinish bestimmen Mittel und Werkzeug. Antihaft-, katalytische und andere Spezialflächen haben eigene Vorgaben.

Darauf achten: Kein Backofenreiniger auf jede Innenwand, kein Scheuervlies auf jede Beschichtung. Kochfelder nur im vorgesehenen Temperaturzustand bearbeiten.

Passendes Fachkapitel →
05Stein, Fliese und Fuge

Bei Platten Naturstein, Kunststein oder Keramik unterscheiden. Auf strukturierten Böden gelösten Schmutz auch aus Vertiefungen austragen.

Darauf achten: Kalkhaltiger Stein und Zementfugen vertragen keine beliebige Säure. Offene Fugen und defekte Abdichtungen nicht mit mehr Wasser belasten.

Passendes Fachkapitel →

03 · NACH BAUTEIL ARBEITEN

Sechs Arbeitsbereiche,
unterschiedliche Anforderungen.

Die Buchstaben helfen bei der Orientierung. Sie sind keine starre Reihenfolge für jede Küche.

A

DIREKTER LEBENSMITTELKONTAKT

Arbeitsplatten, Schneidbretter und Vorbereitungstische

  1. Freiräumen und grob vorreinigen. Lebensmittel und sauberes Geschirr aus dem Arbeitsfeld nehmen. Reste mit einem geeigneten Werkzeug aufnehmen; nicht in Fugen oder auf benachbarte saubere Flächen schieben.
  2. Die ganze Kontaktfläche erfassen. Platte, Kanten, zugängliche Anschlüsse und nach Auftrag auch die Unterseite bearbeiten. Bei losen Brettern beide Seiten sowie Griffe und Ränder berücksichtigen.
  3. Rückstände entfernen. Gelösten Schmutz aufnehmen und Reinigungsmittelreste nach Vorgabe mit Trinkwasser entfernen. Eine optisch glänzende Fläche kann trotzdem noch einen Produktfilm tragen.
  4. Geplante Hygienestufe anschließen. Falls vorgesehen desinfizieren, Kontaktzeit vollständig einhalten und erforderliche Nachspülung durchführen. Hygienisch trocknen lassen oder mit geeignetem frischem Material trocknen.
B

SPÜLZONE

Spülbecken und Geschirrspülmaschine

Becken und Armatur

Von den weniger belasteten Bereichen zum Becken und zuletzt zu Sieb beziehungsweise Ablauf arbeiten. Für Ablaufdetails eine eigene Bürste nehmen. Diese anschließend nicht am Wasserauslauf oder an sauberen Arbeitsflächen verwenden.

Maschine und entnehmbare Teile

Entleerung und Reinigungsprogramm nach Geräteanleitung durchführen. Zugängliche Siebe, Sprüharme, Dichtungen und Körbe nur im freigegebenen, sicheren Zustand entnehmen beziehungsweise bearbeiten. Auf Glassplitter achten; nicht blind in das Sieb greifen.

Dosierung und Entkalkung

Vorgesehene Maschinenchemie und Programme verwenden. Handspülmittel verursacht unerwünschten Schaum. Entkalkung getrennt nach Anleitung durchführen; an automatischen Dosieranlagen nur im vereinbarten Zuständigkeitsbereich arbeiten.

Maschinengeschirrreiniger: Mittel und Dosierung →
C

WARME KÜCHE

Herd, Ofen, Grill und Fritteuse

Gerätezustand zuerst klären

Abschalten und gegen unbeabsichtigtes Einschalten sichern, soweit für die Arbeit erforderlich. Vor manueller Reinigung auf die zulässige Temperatur abkühlen lassen. Automatische Reinigungsprogramme haben eigene Betriebsbedingungen.

Anhaftungen gezielt lösen

Lose Reste entfernen; freigegebenen Reiniger bei passender Temperatur einsetzen. Keine beliebige Klinge, Stahlwolle oder starke Lauge auf Beschichtungen. Elektrik, Gasdüsen, Zündung und Lüftungsöffnungen nicht fluten.

Fritteuse gesondert behandeln

Ölwechsel, Entleerung und Innenreinigung nur nach festgelegtem Geräteablauf und durch unterwiesene Personen. Niemals Wasser oder wässrigen Reiniger in heißes Fett geben. Vor Wiederbefüllung muss der dafür vorgesehene Innenraum vollständig trocken sein.

Grill- und Backofenreiniger richtig einsetzen →
D

KÜHLUNG

Kühlschrank, Kühltheke und Tiefkühlgerät

01

Ware geschützt umlagern

Zeitfenster und geeignete Ersatzkühlung mit der verantwortlichen Person abstimmen. Temperaturen richten sich nach Ware und Betriebsplan. Reinigungszeit ist keine Freigabe zum Unterbrechen der Kühlkette.

02

Innenraum und Details reinigen

Zugelassene Einsätze entnehmen, Innenflächen und Dichtungsfalten mild reinigen. Rückstände entfernen und trocknen. Ablauföffnungen nur mit der vorgesehenen Methode bearbeiten; nichts in die Technik drücken.

03

Betriebsbereit zurückgeben

Einsätze korrekt einsetzen, Dichtungssitz und Türschluss prüfen. Ware erst nach erreichter Solltemperatur und betrieblicher Freigabe zurückstellen. Eisansatz und beschädigte Dichtungen dokumentieren.

E

ABLUFT

Hauben und Fettfilter

Zugängliche Außen- und Innenflächen nur nach Auftrag reinigen. Sicheren Zugang und Gerätestillstand klären; nicht auf Herd, Arbeitsplatte oder einen improvisierten Aufbau steigen.

Entnehmbare Metallfilter nach Anleitung ausbauen und gegen Herabfallen sichern. Reiniger auf Edelstahl oder Aluminium abstimmen. Ein Metallfilter ist nicht automatisch spülmaschinengeeignet; Aktivkohlefilter sind nicht pauschal auswaschbar.

Nach Reinigung erforderliche Spülung durchführen, trocknen und richtig einsetzen. Scharfe Kanten berücksichtigen. Fettbeläge nicht in Motoren, Beleuchtung oder Kanäle hineinsprühen.

RLT-Anlagen und Luftauslässe →
F

STÄRKER BELASTETE ZONEN

Boden, Abläufe und Abfallbehälter

Obere Flächen zuerst, Boden anschließend. Abfälle rechtzeitig getrennt entfernen, Behälter innen und außen nach Plan reinigen. Nach diesen Tätigkeiten Materialwechsel sowie Handschuh- und Händehygiene vor sauberen Arbeiten beachten.

Für rutschhemmende Fliesen und strukturierte Böden passende Bürsten beziehungsweise Pads verwenden. Fettfilm aus Vertiefungen lösen und die Schmutzflotte vollständig aufnehmen. Rückstände können die Trittsicherheit verschlechtern.

Ablaufgitter und zugängliche Einsätze zuletzt mit gesondertem Werkzeug bearbeiten. Keine verschmutzten Bürsten auf Arbeitsflächen ablegen. Abwasserprobleme und beschädigte Roste melden.

Rutschhemmende Beläge reinigen →

04 · REINIGUNGSMITTEL AUSWÄHLEN

Welcher Belag liegt vor?

Produktgruppe, Materialverträglichkeit und Anwendung zusammen betrachten. Konzentration, Temperatur und Einwirkzeit aus der konkreten Produkt- und Geräteanweisung übernehmen.

01

Fett & Küchenfilm

Materialgeeigneter Fettlöser

Dosierung, Temperatur und Einwirkzeit auf Belag und Oberfläche abstimmen. Anschließend mechanisch lösen und die Schmutzflotte aufnehmen. Mehr Konzentrat ersetzt keinen Schmutzaustrag.

Reinigungsmittel vertiefen →
02

Eiweiß & Speisereste

Passender Küchen- oder Eiweißreiniger

Lose Reste zuerst entfernen. Eiweißhaltige Rückstände nicht mit unkontrolliert heißem Wasser auf der Fläche fixieren. Vorreinigung und Produkttemperatur nach Verfahren wählen.

Reinigungsmittel vertiefen →
03

Stärke & Zucker

Wasser und geeigneter Reiniger

Wasserlösliche Reste kontrolliert anlösen. Stärke kann mit Wärme verkleistern; Temperatur und Mechanik deshalb bewusst wählen. Aufgeweichte Reste aufnehmen, statt sie nur zu verteilen.

Reinigungsmittel vertiefen →
04

Eingebrannte Rückstände

Freigegebener Grill- oder Backofenreiniger

Nur auf dafür geeigneten Flächen und bei zulässiger Temperatur. Aluminium, Lack, Dichtungen und empfindliche Beschichtungen schützen. Reinigungsprogramme des Gerätes haben Vorrang.

Reinigungsmittel vertiefen →
05

Kalk & mineralische Ablagerung

Materialgeeigneter Entkalker

Eine gesonderte Entkalkung kann nötig sein, etwa an geeigneten Spülbauteilen. Sie ersetzt keine Fettentfernung. Produktwechsel und Spülung nach Anleitung; Reiniger niemals mischen.

Reinigungsmittel vertiefen →

05 · ARBEITSFOLGE

Vom freigegebenen Arbeitsfeld
zur nutzbaren Küche.

Diese Folge an Bauteil, Reinigungsplan und Nutzung anpassen. Ein kombiniertes Reinigungs- und Desinfektionsverfahren braucht eine ausdrücklich geeignete, festgelegte Anwendung.

  1. 01

    Arbeitsfeld freigeben lassen, Lebensmittel schützen und Kühlware abgestimmt umlagern. Geräte nach Anleitung in den sicheren Reinigungszustand versetzen.

  2. 02

    Abfälle sowie lose Speisereste kontrolliert aufnehmen. Zulässige Einsätze entnehmen; keine Reste in Fugen, Geräteöffnungen oder Abläufe hineindrücken.

  3. 03

    Von oben nach unten und von weniger zu stärker belasteten Flächen arbeiten. Rohwaren- und Allergenbereiche mit dem vorgesehenen Materialwechsel behandeln.

  4. 04

    Materialgeeigneten Reiniger richtig dosieren. Vorgeschriebene Temperatur und Einwirkzeit einhalten, Schmutz mechanisch lösen und Antrocknen vermeiden.

  5. 05

    Schmutzflotte aufnehmen. Reinigungsmittelreste auf Kontaktflächen mit Trinkwasser nach Vorgabe entfernen; auch Kanten, Vertiefungen und entnommene Teile kontrollieren.

  6. 06

    Falls vorgesehen desinfizieren: passende Konzentration, ausreichende Benetzung und vollständige Kontaktzeit sicherstellen. Erforderliche Nachspülung erst danach durchführen.

  7. 07

    Flächen und Bauteile hygienisch trocknen lassen oder mit geeignetem frischem Material trocknen. Freigegebene Teile vollständig und korrekt wieder einsetzen.

  8. 08

    Böden, Ablaufdetails und Abfallbehälter mit getrenntem Material abschließen. Reinigungstextilien und Werkzeuge anschließend nach Plan aufbereiten.

  9. 09

    Ergebnis, Bauteilzustand und verbliebene Rückstände prüfen. Gerätebereitschaft und nötige Kühltemperatur durch Zuständige kontrollieren lassen; Abweichungen dokumentieren und übergeben.

06 · HYGIENE EINORDNEN

Reinigung, Desinfektion
und Allergenentfernung unterscheiden.

Desinfektion nach Plan

Eine gereinigte Fläche kann anschließend eine Desinfektion benötigen. Anlass, Bereich, Wirkspektrum, Konzentration und Kontaktzeit sind festgelegt. Schmutz kann die Wirkung beeinträchtigen; verbleibendes Wasser darf die Anwendung nicht unzulässig verdünnen.

Vollständig benetzen und Kontaktzeit einhalten. Ob danach mit Trinkwasser nachgespült werden muss, richtet sich nach Produkt und Einsatzbereich. Eine vorgeschriebene Nachspülung erst nach der Einwirkzeit durchführen.

Wischdesinfektion: das vollständige Verfahren →

Allergene tatsächlich entfernen

Milch, Ei, Nüsse oder Mehl können auf Geräten und Arbeitsflächen zurückbleiben. Desinfizieren ersetzt ihre Entfernung nicht. Betrieblich festgelegte Reinigung, getrennte Arbeitsmittel und gegebenenfalls Wechsel der Ausstattung beachten.

„Sieht sauber aus“ ist keine pauschale Aussage über Allergenfreiheit. Bei entsprechendem Risiko sind dafür geeignete, im Betrieb festgelegte Kontrollen nötig. Auch ein ATP-Schnelltest ist weder ein Allergen- noch ein Erregernachweis.

Hygieneplan und Zuständigkeiten →

Die EU-Lebensmittelhygienevorgaben verlangen reinigbare, instand gehaltene Ausstattung und Schutz vor Kontamination. Auch der Wechsel von allergenhaltigen zu anderen Lebensmitteln verlangt Reinigung und mindestens eine Prüfung auf sichtbare Rückstände. Der Betrieb legt daraus die erforderlichen Verfahren und Kontrollen fest.

Verordnung (EG) Nr. 852/2004 · Anhang II ↗

07 · KONTROLLE & ÜBERGABE

Vor dem nächsten
Lebensmittelkontakt prüfen.

Reinigungsergebnis, Abweichungen und noch offene Arbeiten nachvollziehbar übergeben. Die betriebliche Freigabe bleibt bei der dafür benannten Person.

  • Speisereste und Fettfilm sind auch an Kanten, Griffen, Dichtungen und schwer einsehbaren freigegebenen Stellen entfernt.
  • Spül- und Desinfektionsvorgaben sind erfüllt; es bleiben keine unzulässigen Chemierückstände oder Fremdkörper zurück.
  • Einsätze, Filter und Schutzteile sitzen korrekt. Schäden und nicht ausgeführte Arbeiten sind gemeldet.
  • Boden ist sicher begehbar; Abläufe und Reinigungswerkzeuge haben saubere Kontaktflächen nicht erneut verschmutzt.
  • Kühlung und weitere Geräte sind nach Betriebsplan freigegeben. Lebensmittel werden erst zum vorgesehenen Zeitpunkt zurückgestellt.
  • Erforderliche Hygienekontrollen und Dokumentation sind abgeschlossen; eine Sichtkontrolle allein belegt weder Keim- noch Allergenfreiheit.

Arbeitsschutz: DGUV Regel 101-605 · Branche Gebäudereinigung ↗