WissensplattformTheorieReinigungstechnikenKehren & Kehrsaugen

EINZELKAPITEL · REINIGUNGSTECHNIK 01.5

Kehren & Kehrsaugen.
Der Schmutz muss im Behälter enden.

Der Seitenbesen macht noch keine saubere Fläche. Er führt den Rand zur Hauptkehrwalze; die Walze übernimmt den Transport. Beim Kehrsaugen kommt ein zweites System dazu: Luftstrom, Dichtungen und Filter müssen den aufgewirbelten Staub wirklich halten.

Kehrgut kennen+Walze einstellen+Rand zuführen+Staub kontrollieren=geschlossener Schmutzweg
Handgeführte Kehrmaschine mit sichtbarem Seitenbesen vor trockenem Laub, Sand und Grobschmutz in einer Industriehalle
BILD LESEN

Vorne rechts führt der Seitenbesen das trockene Kehrgut zur Maschinenmitte. Hauptkehrwalze, Kehrkante und Behälter liegen hinter dem Gehäuse. Ob zusätzlich ein wirksamer Saug- und Filterweg vorhanden ist, lässt sich von außen nicht zuverlässig erkennen – dafür braucht es Typenschild und Betriebsanleitung.

01

DREI VERSCHIEDENE SCHMUTZWEGE

Kehren bewegt. Kehrsaugen bewegt und filtert.

Alle drei Varianten beginnen bei loser Verschmutzung, aber sie kontrollieren feine Partikel unterschiedlich. Deshalb entscheidet nicht nur die Fläche – sondern zuerst das Kehrgut und die geforderte Staubkontrolle.

HANDBESEN

Manuelles Kehren

Besen führt lose Partikel zu einem Haufen; Schaufel und Behältnis übernehmen den letzten Weg.

Keine maschinelle Staubkontrolle. Im Innenraum bei Feinstaub meist die schwächste Wahl.
KEHRWALZE

Maschinelles Kehren

Seitenbesen führen Randverschmutzung zur Hauptkehrwalze; die Walze transportiert sie in den Kehrgutbehälter.

Schneller bei trockenem Grobschmutz, aber ohne wirksame Absaugung bleibt aufgewirbelter Feinstaub eine klare Grenze.
WALZE + LUFT

Kehrsaugen

Die gleiche Kehrmechanik wird durch Sauggebläse, abgedichteten Kehrraum und Filter ergänzt.

Staubärmer – aber nur bei passendem, intaktem und korrekt eingesetztem Gesamtsystem.
MANUELLES KEHREN
Besenwahl, Staubaufwirbelung und kompletter Handarbeitsweg

Das eigene Kapitel zeigt, warum ich im Innenraum meistens lieber sauge als trocken zu kehren.

02

VON HANDSCHUB BIS AUFSITZER

Die größte Maschine ist nicht automatisch die schnellste Wahl.

Fläche, Wendekreis, Rampen, Behälter, Staubart und Entleerung bestimmen gemeinsam die Baugröße. In einem zugestellten Lager kann ein wendiger Nachläufer produktiver sein als ein Aufsitzer, der ständig rangiert.

01

Mechanische Handkehrmaschine

Der Schub über die Räder treibt Walze und häufig den Seitenbesen an. Sie braucht keinen Akku und passt zu überschaubaren trockenen Flächen.

TYPISCH
Höfe, Wege, kleine Lager- und Eingangsbereiche
ACHTEN AUF
Keine aktive Absaugung; Tempo und Bodenunebenheit beeinflussen den Walzenantrieb.
02

Motorischer Nachläufer

Fahrantrieb, Kehrwalze und bei Kehrsaugmodellen auch Gebläse und Filter arbeiten motorisch. Die bedienende Person geht hinter der Maschine.

TYPISCH
Mittlere Innen- und Außenflächen mit Wendepunkten
ACHTEN AUF
Schiebekraft, Bremsweg, Batterie, Rampen und Staubsystem gehören zur Auswahl.
03

Aufsitz-Kehrsaugmaschine

Größere Arbeitsbreite, Behälter und Fahrgeschwindigkeit machen lange freie Wege wirtschaftlicher. Der Bedienplatz verändert Sicht und Gefahrenraum.

TYPISCH
Große Hallen, Logistik-, Park- und Verkehrsflächen
ACHTEN AUF
Mehr Leistung braucht mehr Wendefläche, sichere Verkehrsführung und eine passende Entleerung.
04

Industrie- oder Sonderausführung

Für besondere Staubarten, hohe Schmutzlast, geschlossene Entleerung, Außenbetrieb oder Ex-Bereiche existieren spezialisierte Systeme.

TYPISCH
Nur nach konkreter Aufgabe und Gefährdungsbeurteilung
ACHTEN AUF
Die Bezeichnung „Industriekehrmaschine“ ersetzt keine Freigabe für gefährliche oder explosionsfähige Stäube.
03

VOR DER MASCHINE ENTSCHEIDEN

Nicht alles, was lose herumliegt, gehört unter die Walze.

TROCKEN + LOSE

Sand, Splitt, Blätter, Krümel

Typischer Auftrag, sofern Partikelgröße, Boden und Maschine zusammenpassen.

PASSEND PRÜFEN
FEIN + STAUBEND

Feinstaub oder hoher Feinanteil

Nur mit wirksamer Staubkontrolle und geklärter Staubart. Eine sichtbare Staubfahne ist ein Abbruchsignal.

KEHRSAUGSYSTEM
LANG + WICKELND

Bänder, Schnüre, Draht, Folie

Vorher von Hand mit geeignetem Werkzeug aufnehmen. Das Material kann sich um Walze und Achsen wickeln.

VORHER RAUS
GROSS + SCHWER

Steine, Holzstücke, Verpackungsteile

Nur innerhalb der vom Hersteller freigegebenen Aufnahmegröße; Grobschmutzklappe ist modellabhängig.

NICHT ERZWINGEN
FEUCHT + KLEBRIG

Nasser Staub, Schlamm, Ölfilm

Kann Walze, Kehrkante, Dichtleisten und Filter zusetzen oder verschmieren. Ein anderes Verfahren ist häufig sinnvoller.

VERFAHREN WECHSELN
HEISS + UNBEKANNT

Glut, reaktive oder gefährliche Stäube

Nicht aufnehmen, solange Stoff, Temperatur und ausdrückliche Geräteeignung nicht sicher geklärt sind.

SOFORT STOPP
04

KEHRSPUR STATT BAUCHGEFÜHL

Mehr Borstendruck macht nicht mehr sauber.

Der Kehrspiegel ist die kontrollierte Kontakt- beziehungsweise Probefläche der Walze. Wie breit und wie sie geprüft wird, gibt der Maschinenhersteller vor. Eine Universalzahl für alle Walzen gibt es nicht.

Zu hoch eingestellte Hauptkehrwalze, deren Borsten den Boden kaum berühren
ZU WENIG KONTAKT

Schmutzstreifen bleiben

Die Walze erreicht Boden oder Vertiefungen nicht ausreichend, ist stark verschlissen oder der Fahrweg schließt nicht.

Richtig eingestellte Hauptkehrwalze mit gleichmäßigem, leichtem Bodenkontakt
KONTROLLIERTER KONTAKT

Geschlossene Aufnahmespur

Die Probebahn zeigt eine gleichmäßige, modellgerecht eingestellte Kehrspur ohne unnötigen Widerstand oder Staubauswurf.

Zu tief eingestellte Hauptkehrwalze mit stark nach außen gebogenen Borsten
ZU VIEL KONTAKT

Druck frisst Leistung

Zu tief eingestellte Borsten erhöhen Reibung und Verschleiß, verbiegen dauerhaft und können Schmutz oder Staub aus der Arbeitszone schleudern.

SEITENBESEN
Rand reinholen – dann hoch damit.

Der Seitenbesen ist kein Dauerquirl. Er erweitert die Arbeitsbreite an Wand, Kante und Ecke. Auf der freien Fläche kann er unnötig Staub und Grobteile seitlich verteilen; dort soll die Hauptkehrwalze arbeiten.

Zu tief

Borsten knicken, verschleißen und schleudern.

Zu hoch

Der Rand bleibt als sichtbare Spur stehen.

05

KOMPLETTER ARBEITSWEG

Vom Kehrgutcheck bis zum leeren Behälter.

01

Auftrag und Fläche klären

Innen oder außen, Bodenart, Kanten, Rampen, Verkehr, vereinbartes Ergebnis und nachfolgende Nassreinigung aufnehmen.

02

Kehrgut beurteilen

Trockenheit, Partikelgröße, Feinanteil und mögliche Gefährdung prüfen. Unbekannter Staub wird nicht durch Probieren bestimmt.

03

Wickel- und Übermaßteile entfernen

Schnüre, Bänder, Draht, lange Fasern, Folien und zu große Fremdkörper vor dem Maschineneinsatz gezielt aufnehmen.

04

Maschine vollständig prüfen

Energieversorgung, Reifen, Bremse, Behälter, Dichtleisten, Kehrwalze, Seitenbesen, Filter, Warnanzeigen und Schutzteile kontrollieren.

05

Walze und Seitenbesen einstellen

Hauptkehrwalze nach Hersteller-Prüfbild einstellen. Seitenbesen nur so tief wie nötig und zunächst nur für Randarbeit absenken.

06

Sicheren Fahrweg planen

Vom Rand zur freien Fläche, mit überschaubaren Wendepunkten und ohne Personen im möglichen Stein- oder Staubauswurf arbeiten.

07

Probebahn fahren

Mit kontrolliertem Tempo starten. Aufnahme, Staubaustritt, Reststreifen, Geräusch und Schiebewiderstand sofort beurteilen.

08

Rand zuführen, Fläche schließen

Seitenbesen holt Randverschmutzung in die Arbeitszone und wird danach angehoben. Die Hauptwalze übernimmt leicht überlappende Bahnen.

09

System währenddessen lesen

Füllstand, Staubentwicklung, Warnanzeigen, Filterdurchsatz, Wickelgeräusche und hinterlassene Schmutzspur regelmäßig prüfen.

10

Staubarm abschließen

Filter nach Herstellerverfahren abreinigen, Behälter kontrolliert leeren, Walzen bei stillgesetzter Maschine prüfen und Gerät einsatzbereit abstellen.

06

DAS ZWEITE SYSTEM

Die Walze kann weiterkehren, obwohl die Staubkontrolle schon ausfällt.

Ein zugesetzter Filter stoppt die Bürstenmechanik nicht zwingend. Genau deshalb reicht „Der Schmutz ist weg“ als Kontrolle nicht: Behälter, Filter, Dichtungen und Abluft müssen gemeinsam gelesen werden.

01

Kehrmechanik löst

Walze und Seitenbesen bewegen neben Grobschmutz immer auch feine Anteile.

02

Gebläse erfasst

Unterdruck zieht staubhaltige Luft aus dem abgedichteten Kehrraum zum Filter.

03

Filter scheidet ab

Der zum System passende Filter hält Partikel zurück; Dichtungen verhindern Nebenwege.

04

Abreinigung erhält Luft

Der vorgesehene Rüttler oder Impuls löst Filterkuchen, damit der Luftstrom nicht einbricht.

TROCKENE FLÄCHEGebläse nach Betriebsanleitung aktivieren

Bei einem typischen Kehrsaugmodell ist die Saugfunktion für trockenes Kehren vorgesehen. Ohne sie entsteht aus dem Kehrsaugen nur mechanisches Kehren.

FEUCHTE FLÄCHENicht einfach durch den Filter fahren

Manche Modelle verlangen bei feuchtem Boden ausdrücklich: Gebläse aus. Das schützt den Filter, beseitigt aber nicht die Verfahrensgrenze. Für feuchten Schmutz kann eine andere Maschine richtig sein.

FILTERABREINIGUNGNur das vorgesehene Verfahren

Rütteln, Impuls, vorsichtiges Absaugen oder Wechsel sind geräteabhängig. Nicht improvisiert ausklopfen oder im Arbeitsbereich mit Druckluft verteilen.

07

MASCHINE LESEN

Sechs Signale, bei denen Weiterfahren keine Lösung ist.

STOPP & PRÜFEN

Staubfahne an Gehäuse oder Abluft

Gebläse, Filter, Einbaulage, Dichtungen und Seitenbesenstellung prüfen. Nicht einfach schneller weiterfahren.

STOPP & PRÜFEN

Durchgehender Schmutzstreifen

Walzenkontakt, Verschleiß, Wickelgut, Kehrkante, Behälterfüllung und Fahrtempo kontrollieren.

STOPP & PRÜFEN

Klappern, Blockade oder Wickelgeräusch

Anhalten, Energiequelle sichern und erst bei stillstehender Mechanik nach Bändern, Draht oder Fremdkörpern suchen.

STOPP & PRÜFEN

Nasse oder klebrige Zone

Nicht in einen trockenen Filterweg hineinziehen. Herstellerangabe prüfen und bei Bedarf auf Nassaufnahme oder anderes Verfahren wechseln.

STOPP & PRÜFEN

Glut, heißes Teil oder ungewöhnlicher Geruch

Maschine sofort außer Betrieb nehmen. Brandrisiko und mögliche Schäden klären; nicht in den Behälter weiterfördern.

STOPP & PRÜFEN

Unbekannter oder gefährlicher Staub

Bereich sichern und Gefährdung beurteilen. Erst ein ausdrücklich geeignetes Gesamtsystem darf eingesetzt werden.

08

ECHTE STATT THEORETISCHE LEISTUNG

Arbeitsbreite mal Tempo ist nur der Prospektwert.

Die theoretische Flächenleistung entsteht rechnerisch aus Arbeitsbreite und Fahrgeschwindigkeit. In der Praxis gehen Überlappung, Randarbeit, Wenden, Verkehr, Filterabreinigung und Behälterleerung ab.

Arbeitsbreite×Fahrtempo=theoretische LeistungRand + Wenden + Stopps=nutzbare Objektleistung
01

Arbeitsbreite

Hauptwalze plus eingesetzter Seitenbesen bestimmen die nominelle Breite – nicht automatisch die wirksam gereinigte Bahn.

02

Fahrgeschwindigkeit

Zu schnell lässt Schmutz liegen und kann Grobteile schleudern; langsam allein hilft bei falscher Einstellung ebenfalls nicht.

03

Überlappung & Wendepunkte

Geschlossene Bahnen, Kurven, Sackgassen und Randarbeit verkleinern die rechnerische Leistung.

04

Kehrgutmenge

Volumen, Gewicht und Füllgrenze des Behälters bestimmen, wie oft die Arbeit für eine Entleerung stoppt.

05

Filterbelastung

Feiner Staub fordert Abreinigung und Kontrollen. Mit sinkendem Luftstrom fällt die Staubkontrolle früher aus als die Walze.

06

Verkehr & Sicherheit

Personen, Fahrzeuge, Rampen und Tore geben das Arbeitstempo vor – nicht die höchste Fahrstufe.

FLÄCHE

Keine geschlossene Restspur

Vereinbartes loses Kehrgut ist aufgenommen; Ecken, Ränder und Wendebereiche sind kontrolliert. Haftender Schmutz bleibt erkennbar ein Folgeauftrag.

LUFT

Keine sichtbare Staubfahne

Gehäuse, Dichtbereich und Abluft zeigen keinen auffälligen Staubaustritt. Bei Verdacht wird das Gerät nicht weiter betrieben.

MASCHINE

Behälter leer, Filter bereit

Kehrgut ist staubarm entsorgt, Filter nach Vorgabe abgereinigt und Walzen, Dichtleisten sowie Energieversorgung sind für den nächsten Einsatz geprüft.

FACHLICHER ABGLEICH

Fachliche Grundlagen und Quellen

Verfahrensgrenzen, Maschinenbauarten, Seitenbesen, Filterabreinigung, Trocken-/Feuchtbetrieb und Sicherheitsstopps wurden mit Herstellerunterlagen sowie Arbeitsschutzinformationen abgeglichen. Die konkrete Betriebsanleitung, Staubbeurteilung und Gerätezulassung bleiben verbindlich.

01Kärcher · Betriebsanleitung KM 85/50 W BpSeitenbesen, trockene und feuchte Fläche, Filterabreinigung, Wickelgut und Sicherheitsgrenzen ↗02Kärcher Professional · KM 85/50 W BpNachläuferbauart, schwimmende Kehrwalze, Filterfläche und Abreinigung ↗03Nilfisk Professional · KehrmaschinenAbgrenzung trockener loser Verschmutzung zur nassen Scheuerreinigung ↗04BG BAU · ReinigungsmaschinenBetriebsanweisung, Unterweisung, Schutzmaßnahmen und sichere Störungsbeseitigung ↗05DGUV Information 214-022 · IndustriereinigungGefährdungsbeurteilung, Staubexposition, Maschinen- und Arbeitsbereichssicherheit ↗06DGUV Information 209-084Industriesauger, Entstauber und die Einordnung der Staubklassen L, M und H ↗

WEITER IM VERFAHRENSREGISTER

Lose Verschmutzung passend aufnehmen.

Manuelles Kehren Trockensaugen Alle Reinigungstechniken