Nicht der Werbename entscheidet, sondern die Chemie. Hier findest du die beruflich relevanten Stofffamilien mit genauer Bezeichnung, Formel oder ehrlichem Gemisch-Hinweis, typischem pH-Umfeld und praktischer Aufgabe.
WICHTIG
„Sämtliche Stoffe“ kann chemisch keine abgeschlossene Weltliste sein. Handelsprodukte enthalten Kettenlängen, Homologe (ähnliche Moleküle einer Stoffreihe), Salze und firmeneigene Mischungen. Dieser Katalog erfasst deshalb die für professionelle Reinigung relevanten Familien und nennt einzelne Moleküle dort exakt, wo tatsächlich ein einzelner Stoff vorliegt.
ERST DIE FAMILIE · DANN DER NAME
„Kokostensid“ reicht nicht.
Der Wortteil „Coco“ weist meist auf eine Fettsäure- oder Fettalkoholmischung aus Cocos-Rohstoffen hin. Er sagt allein weder Ladung noch Säurestabilität voraus.
ANIONISCHNatrium-Cocoat
Seifengemisch. Im Sauren entstehen freie Fettsäuren; Trübung und Wirkungsverlust sind möglich.
NICHTIONISCHCoco-Glucosid
Alkylpolyglucosid. Häufig in breiterem pH-Bereich einsetzbar – genaue Produktfreigabe zählt.
AMPHOTERCocamidopropylbetain
Betain-Tensid. Kann in sauren Formulierungen arbeiten; seine Ladungsverteilung ändert sich mit dem pH-Wert.
ANIONISCHNatrium-Cocosulfat
Gemisch sulfatierter Cocos-Fettalkohole. Es ist weder Seife noch Glucosid und verhält sich entsprechend anders.
01
LADUNG · KETTE · KOPFGRUPPE
Tenside.
Die Ladung des wasserliebenden Molekülteils ist die erste sinnvolle Sortierung. Danach folgen chemische Kopfgruppe, Alkylkette, Ethoxylierungsgrad und Formulierung.
Anionische Tenside
Der wasserliebende Teil trägt in der Anwendung eine negative Ladung. Sie benetzen und reinigen häufig kräftig, können aber mit kationischen Stoffen unwirksame Verbände bilden.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Seife · Natrium-Cocoat
Natriumsalze einer Cocos-Fettsäure-Kettenmischung
Gemisch · R–COO⁻ Na⁺alkalisch
Seifentensid für Emulgierung und Fettablösung. Im Sauren werden freie Fettsäuren gebildet.Coco bezeichnet hier keine einzelne Fettsäure.
Seife · Natriumlaurat
Natriumdodecanoat; Natriumsalz der Laurinsäure
C₁₂H₂₃NaO₂alkalisch
Emulgiert Fett und benetzt. In saurer Lösung entsteht schwerer lösliche freie Fettsäure.Seife ist deshalb kein säurestabiles ‚Kokostensid‘.
Seife · Natriumoleat
Natrium-(9Z)-octadec-9-enoat; Natriumsalz der Ölsäure
C₁₈H₃₃NaO₂alkalisch
Klassische Seife mit guter Fett- und Schmutzemulgierung; empfindlich gegen Säure und hartes Wasser.
Fettalkoholsulfat · SLS
Natriumdodecylsulfat; auch Natriumlaurylsulfat
C₁₂H₂₅NaO₄Sneutral bis alkalisch
Stark benetzendes und schäumendes anionisches Tensid in Reinigungs- und Spezialformulierungen.
Natrium-Cocosulfat
Natriumsalze sulfatierter Cocos-Fettalkohole mit mehreren Kettenlängen
Gemisch · R–OSO₃Naneutral bis alkalisch
Anionisches Netz- und Schaumtensid. Trotz ‚Coco‘ chemisch deutlich von Natrium-Cocoat und Coco-Glucosid verschieden.
Gute Benetzung und Schaumbildung. Der Ethoxylierungsgrad n und die Kettenmischung bestimmen das Verhalten.SLES ist ein Homologengemisch, kein einziges Molekül.
LAS
Lineares Natrium-C₁₀–C₁₃-alkylbenzolsulfonat; Beispiel Natriumdodecylbenzolsulfonat
z. B. C₁₈H₂₉NaO₃Ssauer bis alkalisch
Leistungsfähiges Netz- und Waschtensid, besonders in Wasch- und alkalischen Reinigersystemen.
Sekundäres Alkansulfonat · SAS
Natrium-C₁₃–C₁₇-sek-alkansulfonat
R–CH(SO₃Na)–R′breiter Bereich
Benetzung, Fettablösung und Schaum in Haushalts-, Industrie- und institutionellen Reinigern.
Alpha-Olefinsulfonat · AOS
Natrium-C₁₄–C₁₆-olefinsulfonat; Gemisch aus Alken- und Hydroxyalkansulfonaten
Gemisch · R–SO₃Nabreiter Bereich
Gute Benetzung und Schaumbildung; kann in sauren und alkalischen Systemen eingesetzt werden, wenn die Rezeptur freigegeben ist.
Methylestersulfonat · MES
Natriumsalz sulfonierter Fettsäuremethylester
R–CH(SO₃Na)–COOCH₃neutral bis alkalisch
Waschaktives anionisches Tensid, vor allem in Waschmitteln und pulverförmigen Systemen.
Sulfosuccinat
Salze von Alkyl- oder Alkylethersulfosuccinaten; Beispiel Dinatriumlaurethsulfosuccinat
variabel · Sulfosuccinat-Gerüstmild sauer bis neutral
Benetzung und Schaummodifikation; eher Spezial- und milde Formulierungen als schwere Grundreinigung.
Alkylphosphat
Mono- und Dialkylphosphat-Salze, zum Beispiel Kaliumcetylphosphat
(RO)₁–₂P(O)(O⁻)₂–₁produktabhängig
Netz-, Emulgier- und teilweise Korrosionsschutzeffekt in Spezialformulierungen.
Nichtionische Tenside
Sie besitzen keine dauerhafte elektrische Ladung. Viele Fettalkoholethoxylate und Alkylpolyglucoside sind gute Fett- und Netzmittel für saure, neutrale oder alkalische Systeme.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Fettalkoholethoxylat · C₉–C₁₁ Pareth-6
Ethoxyliertes lineares C₉–C₁₁-Alkoholgemisch mit ungefähr 6 EO-Einheiten
R–(OCH₂CH₂)₆–OHsauer bis alkalisch
Schnelle Benetzung und Fettablösung in Hartflächen- und Industriereinigern.Trübungspunkt und Herstellerfenster beachten.
Fettalkoholethoxylat · C₁₂–C₁₅ Pareth-7
Ethoxyliertes C₁₂–C₁₅-Fettalkoholgemisch mit ungefähr 7 EO-Einheiten
R–(OCH₂CH₂)₇–OHsauer bis alkalisch
Fettlösendes nichtionisches Tensid in Universal-, Grund- und Waschreinigern.
Decylglucosid
C₈–C₁₀-Alkylpolyglucosid · APG
C₁₆H₃₂O₆ (Leitstruktur)breiter Bereich
Nichtionische Benetzung und Schmutzablösung; kann in sauren Sanitärformulierungen vorkommen.Technisches Produkt enthält mehrere Kettenlängen und Glucosidgrade.
Caprylyl/Capryl Glucoside
C₈–C₁₀-Alkylpolyglucosid mit kurzer Alkylkettenmischung
Gemisch · R–O–(Glucose)ₙbreiter Bereich
Netz- und Lösungsvermittler in wasserbasierten Formulierungen; kann Duft- oder Ölbestandteile solubilisieren.
Laurylglucosid
C₁₂–C₁₆-Alkylpolyglucosid · APG
variabel · R–O–(Glucose)ₙbreiter Bereich
Benetzung, Dispergierung und Schaumaufbau; Rezepturstabilität statt Marketingname prüfen.
Coco-Glucosid
Alkylpolyglucosid aus einer Cocos-Fettalkohol-Kettenmischung
Gemisch · R–O–(Glucose)ₙbreiter Bereich
Nichtionisches ‚Coco-Tensid‘ für Benetzung und Schaum. Es ist chemisch keine Seife und kein Sulfat.
EO/PO-Blockcopolymer
Poly(ethylenoxid)-block-poly(propylenoxid), zum Beispiel Poloxamere
HO–(EO)ₐ–(PO)ᵦ–(EO)ₐ–Hbreiter Bereich
Schaumarme Benetzung und Dispergierung, unter anderem in Maschinen- und Spezialreinigern.
Fettsäurealkanolamid
Zum Beispiel Cocamid MEA; Ethanolamid einer Cocos-Fettsäuremischung
Gemisch · R–CO–NH–CH₂CH₂OHneutral bis alkalisch
Schaum- und Viskositätsunterstützung. In professionellen Reinigern nur produktbezogen einordnen.
Sorbitanester
Zum Beispiel Sorbitanmonolaurat · Sorbitan laurate
C₁₈H₃₄O₆produktabhängig
Emulgator und Netzmittel in Spezialformulierungen; nicht typisch als alleiniger Hauptreiniger.
Amphotere und pH-abhängige Tenside
Ihre Ladung kann sich mit dem pH-Wert verändern. Genau deshalb können geeignete Betaine, Sultaine und Aminoxide in unterschiedlichen Milieus eingesetzt werden.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Cocamidopropylbetain · CAPB
Amidopropylbetain aus einer Cocos-Fettsäure-Kettenmischung
Gemisch · R–CO–NH–(CH₂)₃–N⁺(CH₃)₂–CH₂COO⁻sauer bis alkalisch
Schaum, Benetzung und Verträglichkeit in gemischten Tensidsystemen; in sauren Reinigern möglich.Die Ladungsverteilung ändert sich mit dem pH-Wert.
Laurylbetain
N-Dodecyl-N,N-dimethylglycin
C₁₆H₃₃NO₂sauer bis alkalisch
Amphoteres Netz- und Schaumtensid; produktbezogene pH-Freigabe beachten.
Natriumcocoamphoacetat
Imidazolin-abgeleitetes Amphoacetat aus Cocos-Fettsäuren
technisches Gemischbreiter Bereich
Mildes amphoteres Tensid und Lösungsvermittler; kann mit anderen Tensidklassen kombiniert werden.
Cocamidopropylhydroxysultain
Sultain aus einer Cocos-Fettsäure-Kettenmischung
technisches Gemischbreiter Bereich
pH-robustes Schaum- und Netzmittel für saure bis alkalische Formulierungen.
Lauraminoxid
Dodecyldimethylamin-N-oxid
C₁₄H₃₁NOpH-abhängige Ladung
Fettablösung, Benetzung und Schaum. Im Sauren stärker kationisch, bei höherem pH zwitterionisch beziehungsweise nichtionisch wirkend.
Cocaminoxid
Alkyldimethylaminoxide mit Cocos-Kettenverteilung
Gemisch · R–N⁺(CH₃)₂O⁻pH-abhängige Ladung
Schaumverstärkung und Fettablösung in sauren, neutralen oder alkalischen Systemen nach Rezepturprüfung.
Kationische Tenside
Sie tragen eine positive Ladung und binden stark an Oberflächen. Einige quartäre Ammoniumverbindungen sind Wirkstoffe zugelassener Biozidprodukte. Das macht sie nicht automatisch zu guten Schmutzlösern.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Benzalkoniumchlorid · BAC
Alkylbenzyldimethylammoniumchlorid; meist C₁₂–C₁₆-Homologengemisch
[C₆H₅CH₂N(CH₃)₂R]Clbreiter Bereich
Kationisch oberflächenaktiv; je nach zugelassenem Produkt auch Biozidwirkstoff.Nicht mit anionischen Tensiden mischen. Desinfektion nur nach Zulassung und Vorgabe.
Didecyldimethylammoniumchlorid · DDAC
N-Decyl-N,N-dimethyldecan-1-aminiumchlorid
C₂₂H₄₈ClNbreiter Bereich
Kationischer Biozidwirkstoff und Oberflächenstoff in zugelassenen Produkten; kein pauschaler Ersatz für Reinigung.
Cetrimoniumchlorid
Hexadecyltrimethylammoniumchlorid
C₁₉H₄₂ClNbreiter Bereich
Kationisches Tensid mit antistatischen und oberflächenbindenden Eigenschaften; eher Spezialanwendung.
Esterquat
Quaternäre Ammoniumverbindungen mit Esterbindungen und langen Alkylketten
technisches Gemischmild sauer
Vor allem weichmachende oder pflegende Wirkung, nicht primär starke Schmutzablösung.
FUN FACT · DUSCHGEL & CO.
Der gleiche Name macht noch nicht das gleiche Produkt.
SLES, Coco-Glucosid oder Cocamidopropylbetain können auch in Duschgel stehen. Im professionellen Reiniger treffen sie aber auf andere Konzentrationen, Säuren, Laugen, Lösemittel, Builder und Verschmutzungen. Die INCI-Zeile zeigt einen Stoffnamen – nicht die gesamte Leistung und schon gar keine Materialfreigabe.
Säuren liefern Protonen und reagieren unter anderem mit Carbonaten. Säurestärke, Konzentration, Materialangriff und Giftigkeit sind getrennte Eigenschaften.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Zitronensäure
2-Hydroxypropan-1,2,3-tricarbonsäure
C₆H₈O₇sauer
Kalklösung und Komplexierung in geeigneten Sanitär- und Entkalkungsprodukten.
Amidosulfonsäure
Sulfamidsäure · Sulfamic acid
NH₂SO₃Hsauer
Leistungsfähige Entkalkung mit geringer Flüchtigkeit; Material- und Produktfreigabe beachten.
Phosphorsäure
Orthophosphorsäure
H₃PO₄sauer
Mineralische Ablagerungen und Rostansätze in geeigneten professionellen Formulierungen.
Milchsäure
2-Hydroxypropansäure
C₃H₆O₃sauer
Kalklösung und pH-Einstellung; auch in ausgewählten desinfizierenden Formulierungen.
Methansulfonsäure
Methanesulfonic acid · MSA
CH₄O₃Sstark sauer
Spezial-Entkalkung und mineralische Ablagerungen; ausschließlich formuliert und materialgeprüft einsetzen.
Salzsäure
Wässrige Chlorwasserstofflösung
HCl(aq)stark sauer
Aggressive mineralische Reinigung in engen Spezialanwendungen; hohe Korrosions- und Gasgefahr bei Fehlmischung.
Salpetersäure
Nitric acid
HNO₃stark sauer · oxidierend
Industrielle Spezialreinigung und Passivierung nach festgelegtem Verfahren; keine allgemeine Gebäudereinigung.
Flusssäure
Wässrige Fluorwasserstofflösung
HF(aq)sauer · hochgefährlich
Extremer Spezialstoff mit schwerer systemischer Giftwirkung und Glasangriff; kein normaler Gebäudereiniger.
Alkalische Stoffe stellen Hydroxidionen bereit oder erhöhen den pH-Wert auf anderem Weg. Milde Salze und stark ätzende Laugen gehören nicht in dieselbe Risikoklasse.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Natriumhydrogencarbonat
Natriumbicarbonat · Natron
NaHCO₃mild alkalisch
Puffer, Geruchsbindung und milde Reinigungsunterstützung.
Natriumcarbonat
Soda · Dinatriumcarbonat
Na₂CO₃alkalisch
Wasserenthärtung, Fett- und Schmutzablösung in Wasch- und Grundreinigern.
Natriummetasilikat
Dinatriummetasilikat; häufig als Hydrat
Na₂SiO₃ · xH₂Ostark alkalisch
Builder, Alkalität, Dispergierung und Korrosionsschutz in kräftigen Reinigern.
Natriumhydroxid
Ätznatron in Wasser · Natronlauge
NaOHstark alkalisch
Verseifung und Abbau hartnäckiger organischer Verschmutzungen; stark ätzend.
Kaliumhydroxid
Ätzkali in Wasser · Kalilauge
KOHstark alkalisch
Starke Alkalität und Verseifung in flüssigen Spezialreinigern; stark ätzend.
Ammoniak
Ammoniak in Wasser; Gleichgewicht mit Ammonium
NH₃(aq) ⇌ NH₄⁺ + OH⁻alkalisch · flüchtig
Fett- und Filmablösung sowie pH-Einstellung; Dampf- und Gewässerrisiken beachten.
Monoethanolamin · MEA
2-Aminoethan-1-ol
C₂H₇NOalkalisch
pH-Einstellung, Fettablösung und Lösungsvermittlung in formulierten Reinigern.
Kaliumcarbonat
Dikaliumcarbonat
K₂CO₃alkalisch
Lösliche Alkalitätsquelle in Flüssig- und Spezialreinigern.
Lösemittel lösen oder verteilen andere Stoffe, ohne sie zwingend chemisch umzubauen. Polarität, Verdunstung, Flammpunkt und Materialverträglichkeit bestimmen den Einsatz.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Wasser
Oxidan · H₂O
H₂OpH produktabhängig
Wichtigstes anorganisches Lösemittel und Träger vieler Reinigungsprodukte.
Ethanol
Ethanol · Ethylalkohol
C₂H₆Oneutral formuliert
Schnelle Verdunstung, Fettfilm- und Tintenlösung; entzündbar.
2-Propanol · IPA
Propan-2-ol · Isopropanol
C₃H₈Oneutral formuliert
Fettfilm, Klebstoff- und Tintenreste sowie schnelles Trocknen; entzündbar.
Aceton
Propan-2-on
C₃H₆Oneutral
Starkes, schnell verdunstendes Speziallösemittel; greift viele Kunststoffe, Lacke und Beschichtungen an.
2-Butoxyethanol
2-Butoxyethan-1-ol · Butylglykol
C₆H₁₄O₂breit formulierbar
Glykoläther für Fett, Harz und Film in Grund- und Industriereinigern; Exposition beachten.
1-Methoxy-2-propanol
Propylenglykolmonomethylether · PGME
C₄H₁₀O₂breit formulierbar
Lösungsvermittler und Lösemittel in Oberflächen- und Spezialreinigern.
Ethylacetat
Ethylethanoat · Essigsäureethylester
C₄H₈O₂neutral
Klebstoff-, Lack- und Harzreste in Spezialverfahren; stark entzündbar und materialkritisch.
D-Limonen
(R)-1-Methyl-4-(prop-1-en-2-yl)cyclohex-1-en
C₁₀H₁₆unpolar · produktabhängig
Terpenlösemittel für Fett, Klebstoff und Harz; kann sensibilisieren und Gewässer belasten.
Isoparaffine
Verzweigte gesättigte Kohlenwasserstoffgemische
Gemisch · CₙH₂ₙ₊₂unpolar
Fett-, Wachs- und Klebstofflösung; Flammpunkt und Materialverträglichkeit beachten.
Dibasische Ester · DBE
Gemisch aus Dimethylsuccinat, Dimethylglutarat und Dimethyladipat
C₆H₁₀O₄ / C₇H₁₂O₄ / C₈H₁₄O₄neutral
Langsamer verdunstendes Speziallösemittel für Beschichtungen, Harze und hartnäckige Rückstände.
Bioaktiv bedeutet: Die Wirkung beruht auf einem biologischen Katalysator oder einem lebenden System. Das ist nicht dasselbe wie biobasiert und erst recht nicht dasselbe wie biozid.
ENZYMWerkzeug ohne Stoffwechsel
Ein Protein spaltet ganz bestimmte Bindungen. Es lebt und vermehrt sich nicht.
MIKROORGANISMUSLebendes System
Stamm, Keimzahl, Feuchte, Temperatur und verfügbare Nahrung entscheiden.
BIOZIDGegen Organismen
Ein Biozid soll Zielorganismen kontrollieren – eine völlig andere Aufgabe.
Enzyme
Enzyme sind Proteine und deshalb keine kleinen Moleküle mit einer einzigen handlichen Summenformel. Exakt wird über Enzymklasse, Zielbindung und Aktivitätsfenster gesprochen.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Proteasen
Peptidasen; Enzyme zur Spaltung von Peptidbindungen
Protein · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Eiweißverschmutzungen wie Blut, Ei, Milch oder Speisereste.
Amylasen
Glycosidasen zur Spaltung von Stärke
Protein · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Stärkehaltige Speise- und Küchenverschmutzungen.
Lipasen
Esterasen zur Spaltung geeigneter Fette
Protein · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Fett- und Ölverschmutzungen in Wasch- und Spezialreinigern.
Cellulasen
Glycosidasen zur Spaltung von Celluloseketten
Protein · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Vor allem Textilpflege, Faseroberfläche und Schmutzfreisetzung.
Mannanasen
Enzyme zur Spaltung von Mannanen
Protein · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Bestimmte Lebensmittelverdicker und pflanzliche Rückstände.
Pektinasen
Enzyme zur Spaltung pektinhaltiger Polysaccharide
Protein · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Obst-, Gemüse- und pflanzliche Lebensmittelrückstände in Spezial- und Waschverfahren.
Urease
Harnstoff-Amidohydrolase
Metalloenzym · keine feste Summenformelproduktabhängiges Aktivitätsfenster
Kann Harnstoff abbauen, erzeugt dabei jedoch Ammoniak; nur in gezielt formulierten Geruchs- oder Spezialprodukten sinnvoll.
Mikroorganismen und Sporen
Hier ist die exakte Angabe keine Summenformel, sondern mindestens Art, besser Stamm, Keimzahl und Produktstabilität. Ein Werbewort wie „probiotisch“ reicht fachlich nicht.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Bacillus-subtilis-Sporen
Sporen definierter Stämme der Bakterienart Bacillus subtilis
lebender Mikroorganismus · keine Summenformelfeucht · stammabhängig
Bioaktive Geruchs- und Reststoffkontrolle in dafür formulierten Produkten; Wirkung setzt geeignete Feuchte, Temperatur und Nahrung voraus.Stamm, Keimzahl und Stabilität sind wichtiger als ein bloßer Gattungsname.
Bacillus-licheniformis-Sporen
Sporen definierter Stämme der Bakterienart Bacillus licheniformis
lebender Mikroorganismus · keine Summenformelfeucht · stammabhängig
Kann organische Rückstände über gebildete Enzyme abbauen; typischerweise in Abfluss-, Geruchs- oder Langzeitkonzepten.
Bacillus-amyloliquefaciens-Sporen
Sporen definierter Stämme aus der Bacillus-subtilis-Artengruppe
lebender Mikroorganismus · keine Summenformelfeucht · stammabhängig
Bestandteil mancher mikrobieller Reinigungskulturen; Taxonomie, Stammidentität und Herstellerdaten entscheiden.
Mikrobielles Konsortium
Definierte Mischung mehrerer Bakterienstämme und gegebenenfalls ihrer Enzyme
biologisches Gemischanwendungsabhängig
Langsamer Abbau ausgewählter organischer Rückstände in Abflüssen, Geruchsquellen oder Abscheidern; nicht mit sofortiger chemischer Reinigung verwechseln.
Desinfizieren ist nicht Reinigen. Ein Wirkstoffname auf einer Liste beweist noch keine Desinfektionsleistung. Entscheidend sind ein verkehrsfähiges beziehungsweise zugelassenes Produkt, der erlaubte Anwendungsbereich, das geforderte Wirkspektrum, Konzentration, Temperatur und Einwirkzeit.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Ethanol
Ethanol · Ethylalkohol
C₂H₆Oproduktabhängig
Alkoholischer Wirkstoff in dafür vorgesehenen Desinfektionsprodukten; entzündbar und nicht für jedes Material geeignet.Der Stoffname allein beweist weder Wirkspektrum noch geprüfte Anwendung.
1-Propanol
Propan-1-ol · n-Propanol
C₃H₈Oproduktabhängig
Alkoholischer Desinfektionswirkstoff in professionellen Formulierungen; Konzentration und Einwirkzeit kommen vom Produkt.
2-Propanol · IPA
Propan-2-ol · Isopropanol
C₃H₈Oproduktabhängig
Alkoholischer Wirkstoff und Lösemittel; kann Kunststoffe, Beschichtungen oder Lacke beeinträchtigen.
Wasserstoffperoxid
Hydrogen peroxide
H₂O₂meist sauer stabilisiert
Oxidativer Wirkstoff in zugelassenen Desinfektions- und Spezialprodukten; Material- und Arbeitsschutzvorgaben beachten.
Peressigsäure
Peroxyethansäure · Peroxyacetic acid
C₂H₄O₃sauer · stark oxidierend
Oxidativer Wirkstoff für geregelte Desinfektionsverfahren, besonders im Lebensmittel- und Prozessbereich; stark reaktiv.
Natriumhypochlorit
Natriumsalz der hypochlorigen Säure
NaOClalkalisch stabilisiert
Aktivchlorträger in bestimmten Desinfektions- und Bleichprodukten. Niemals ansäuern oder mit Ammoniak mischen.
Hypochlorige Säure
Hypochlorous acid
HClOpH-abhängiges Gleichgewicht
Reaktive chlorhaltige Spezies in dafür ausgelegten Systemen; Anteil und Stabilität hängen stark vom pH-Wert ab.
Chlordioxid
Chlorine dioxide
ClO₂prozessabhängig
Oxidativer Spezialwirkstoff, der häufig vor Ort oder in kontrollierten Systemen erzeugt wird; kein frei improvisierbares Mischprodukt.
Benzalkoniumchlorid · BAC
Alkylbenzyldimethylammoniumchlorid; meist C₁₂–C₁₆-Homologengemisch
[C₆H₅CH₂N(CH₃)₂R]Clbreiter Bereich
Quartäre Ammoniumverbindung in bestimmten zugelassenen Biozidprodukten; anionische Tenside und Schmutz können die Leistung beeinträchtigen.
Didecyldimethylammoniumchlorid · DDAC
N-Decyl-N,N-dimethyldecan-1-aminiumchlorid
C₂₂H₄₈ClNbreiter Bereich
Kationischer Wirkstoff in ausgewählten Flächen- und Prozessdesinfektionsmitteln; Produktzulassung und Oberfläche entscheiden.
Glutaraldehyd
Pentan-1,5-dial
C₅H₈O₂produktabhängig
Aldehydischer Spezialwirkstoff in geregelten Desinfektionsverfahren; Exposition, Material und Anwendung streng kontrollieren.
Formaldehyd
Methanal
CH₂Oproduktabhängig
Historisch und in engen Spezialverfahren eingesetzter Aldehydwirkstoff; wegen Gefahren kein normaler Unterhaltsreinigungsstoff.
Diamin
N-(3-Aminopropyl)-N-dodecylpropan-1,3-diamin
C₁₈H₄₁N₃meist alkalisch formuliert
Aminderivat in bestimmten desinfizierenden Reinigern; genaue Salzform, Kombination und Produktfreigabe beachten.
o-Phenylphenol · OPP
Biphenyl-2-ol
C₁₂H₁₀Oproduktabhängig
Phenolischer Wirkstoff in ausgewählten Spezial- und Oberflächenprodukten; heute kein pauschaler Standardwirkstoff.
Polyhexamethylenbiguanid · PHMB
Polymeres Biguanid; häufig als Hydrochlorid
[C₈H₁₇N₅]ₙproduktabhängig
Polymerer kationischer Wirkstoff in speziellen Anwendungen; Rechtsstatus und zugelassenen Verwendungszweck produktbezogen prüfen.
Milchsäure
2-Hydroxypropansäure
C₃H₆O₃sauer
Organische Säure, die in bestimmten zugelassenen Biozidformulierungen Wirkstoff sein kann; Säurewirkung allein ist kein Desinfektionsnachweis.
07
ELEKTRONEN VERÄNDERN STRUKTUREN
Oxidations- und Reduktionsmittel.
Diese Stoffe verändern geeignete Flecken oder Farbstoffe chemisch. Manche tauchen zusätzlich als Desinfektionswirkstoffe auf – Funktion, Konzentration und zugelassenes Produkt entscheiden. Sie sind keine universellen Reiniger und können Material, Farbe sowie andere Chemikalien heftig angreifen.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Wasserstoffperoxid
Hydrogen peroxide
H₂O₂meist sauer stabilisiert
Oxidative Fleck- und Farbstoffveränderung in geeigneten Produkten.
Natriumpercarbonat
Additionsverbindung aus Natriumcarbonat und Wasserstoffperoxid
2 Na₂CO₃ · 3 H₂O₂alkalisch in Wasser
Pulverförmige Sauerstoffbleiche und Waschverstärkung.
Natriumhypochlorit
Natriumsalz der hypochlorigen Säure
NaOClalkalisch stabilisiert
Oxidation und – nur im zugelassenen Produkt – Desinfektion. Niemals mit Säuren oder Ammoniak mischen.
Peressigsäure
Peroxyethansäure
C₂H₄O₃sauer
Oxidativer Spezial- und Desinfektionswirkstoff in geregelten Verfahren; stark reaktiv.
Bleichaktivator · TAED
Tetraacetylethylendiamin
C₁₀H₁₆N₂O₄alkalisches Waschsystem
Reagiert mit einer Peroxidquelle zu einer wirksameren Bleichspezies. TAED ist dabei nicht selbst das Oxidationsmittel, sondern aktiviert das Bleichsystem.
Natriumdithionit
Dinatriumdithionit
Na₂S₂O₄alkalisch stabiler
Reduktionsbleiche und Spezialfleckentfernung; kann sich bei Feuchtigkeit stark erwärmen und beim Ansäuern giftiges Schwefeldioxid freisetzen.
Natriummetabisulfit
Dinatriumdisulfit
Na₂S₂O₅sauerstoffzehrend · produktabhängig
Reduktions- und Antioxidationsmittel in Spezialverfahren; beim Ansäuern kann giftiges Schwefeldioxid entstehen.
Natriumthiosulfat
Dinatriumthiosulfat
Na₂S₂O₃neutral bis alkalisch
Kann geeignete Oxidationsmittelreste, etwa Chlorreste, in festgelegten Verfahren reduzieren.
08
MECHANIK IM PRODUKT
Schleifkörper.
Schleifkörper reinigen nicht durch Lösen, sondern durch kontrollierten Materialabtrag. Teilchengröße, Härte, Form, Druck und Oberfläche entscheiden über Wirkung oder Kratzer.
Name / GruppeChemische BezeichnungFormelMilieuReinigungspraxis
Talk
Magnesiumsilikathydrat · Talkum
Mg₃Si₄O₁₀(OH)₂breit
Sehr weicher mineralischer Füll- oder Polierstoff; eine konkrete Reinigungswirkung hängt von Rezeptur und Teilchengröße ab.
Kaolin
Kaolinitreiches Tonmineralgemisch
Al₂Si₂O₅(OH)₄breit
Vergleichsweise weicher mineralischer Füll- und Schleifstoff in ausgewählten Pasten und Polituren.
Calciumcarbonat
Calciumcarbonat · Kreide
CaCO₃neutral bis alkalisch
Mineralischer Schleifkörper in Scheuerprodukten; nicht auf kratzempfindlichen Flächen.
Dolomit
Calciummagnesiumcarbonat
CaMg(CO₃)₂neutral bis alkalisch
Mineralischer Schleif- oder Füllstoff mittlerer Härte; Korn und Produktfreigabe entscheiden über den Einsatz.
Feldspat
Gruppe der Alkali- und Calciumaluminiumsilikate
Mineralgruppebreit
Härterer mineralischer Schleifstoff in ausgewählten Scheuer- und Polierprodukten.
Siliciumdioxid
Silica · Quarz oder amorphes Siliciumdioxid
SiO₂breit
Schleif- oder Verdickungseffekt je nach Teilchengröße und Form; Staubrisiko produktabhängig.
Aluminiumoxid
Alumina · Dialuminiumtrioxid
Al₂O₃breit
Harter Schleifstoff für Spezialpolituren und abrasive Systeme.
Siliciumcarbid
Siliciumcarbid · Karborund
SiCbreit
Sehr harter technischer Schleifstoff für enge Spezialanwendungen; kein gewöhnlicher Unterhaltsreiniger.
Sehr feine mechanische Abrasion durch offenzellige Struktur; kann Glanz und Beschichtungen abtragen.
WEICH ODER HART?
Härte ist ein Vergleich – keine Freigabe.
Die Mohs-Skala ordnet Mineralien nach ihrer Ritzhärte (Widerstand gegen Verkratzen) von 1 bis 10. Ein höherer Wert kann einen niedrigeren ritzen. Die Skala beschreibt aber weder Korngröße noch Kornform, Druck, Menge oder den Zustand der gereinigten Oberfläche.
1
Talk
sehr weicher Füll- und Polierstoff
2
Gips
Fingernagel liegt ungefähr bei 2,5
3
Calcit
Calciumcarbonat; Kupfermünze etwa 3,5
4
Fluorit
Dolomit liegt je nach Probe ungefähr bei 3,5–4
5
Apatit
Glasplatte und Messerklinge ungefähr bei 5,5
6
Orthoklas
Feldspat; Stahlnagel ungefähr bei 6,5
7
Quarz
harter Schleifkörper und häufiger Bestandteil von Sand
8
Topas
Mauerbohrer als Vergleichsobjekt ungefähr bei 8,5
9
Korund
Aluminiumoxid; Siliciumcarbid etwa 9–9,5
10
Diamant
härtestes Referenzmineral der Mohs-Skala
VERGLEICHSWEISE WEICH
Geringere mineralische Ritzhärte
Talk · etwa 1
Sehr weich; eher Füll- oder Polierstoff als kräftiger Schmutzabtrag.
Kaolin · etwa 2–2,5
Feines Tonmineral; Wirkung hängt stark von Aufbereitung und Partikeln ab.
Calciumcarbonat · etwa 3
Als Kreide beziehungsweise Calcit ein typischer milderer Schleifkörper.
Dolomit · etwa 3,5–4
Etwas härter als Calcit und deshalb nicht automatisch für empfindliche Flächen geeignet.
VERGLEICHSWEISE HART
Höhere mineralische Ritzhärte
Feldspat · etwa 6
Kann weichere Mineralwerkstoffe, Glasuren und Beschichtungen sichtbar verändern.
Quarz · etwa 7
Harter Bestandteil vieler Sande; bereits eingetragener Sand kann wie Schleifmittel wirken.
Aluminiumoxid · etwa 9
Sehr harter Schleifstoff für ausgewählte Polituren und Spezialverfahren.
Siliciumcarbid · etwa 9–9,5
Extrem harter technischer Schleifstoff für klar begrenzte Anwendungen.
SCHEUERMILCH / -CREMEAbrasivstoff in einer flüssigen Rezeptur
Teilchenart, -größe und -menge bestimmen gemeinsam mit Tensiden und weiteren Bestandteilen die Wirkung.