INHALTBimsstein
MATERIALKUNDE · BEREICH 03Naturstein
Alle Kapitel im Überblick

MATERIALKUNDE · NATURSTEIN · KAPITEL 20

Bimsstein.
Vom Bruch bis zur Reinigung.

Bims entsteht aus gasreicher, schlagartig erstarrter Lava und kann wegen seines Porenanteils auf Wasser schwimmen. Als Sichtfläche ist er selten; häufiger steckt er in Leichtbeton, Mauersteinen oder Schleifkörpern.

Magmatischhochporiges vulkanisches Glasgesteinvulkanisches Glas · Feldspäte · extrem viele Gasporen
Generiertes Bildpaar aus hellen Bimssteinbauteilen und einem rohen extrem porigen Bimssteinblock
LINKS · VERLEGT / BEARBEITET

Typische Anwendung als Platte oder Bauteil. Sorte, Finish und Fugenbild können abweichen.

RECHTS · ROHFASSUNG

Lehrdarstellung des unbearbeiteten Gefüges vor Sägen, Schleifen oder Spalten.

01 · ENTSTEHUNG, ROHSTEIN & ABBAU

Woher kommt Bimsstein?
Was passiert vor der Platte?

ENTSTEHUNG

Geologischer Ursprung

Bei explosiven Eruptionen expandieren Gase in zähflüssigem Magma. Das glasige Gerüst friert mit zahllosen Blasenhohlräumen ein.

ROHFASSUNG

So wirkt der Bruch

Sehr heller, federleichter und schwammartig poriger Stein mit scharfkantigen bis rundlichen Hohlräumen.

GEWINNUNG

Vom Lager zum Werkstück

Lockere Bimslager werden im Tagebau gewonnen, gebrochen, gesiebt und überwiegend als Leichtzuschlag verarbeitet; massive Werkstücke sind selten.

WICHTIGE HERKUNFTS- UND ABBAUREGIONEN
  • Deutschland: besonders Neuwieder Becken und Osteifel
  • Europa: Italien, Griechenland, Türkei und Island
  • Weltweit in jungen vulkanischen Regionen
Die Liste nennt typische Regionen, keine abschließende Markt- oder Herkunftsgarantie. Maßgeblich sind Lieferschein, Produktdaten und Bezugsprobe.

02 · WO UND ALS WAS?

Typische Verwendung.
Bevorzugte Einbauorte.

BAUTEILE & FORMATE
  • Bims- und Leichtbetonsteine
  • Leichtzuschlag in Putzen, Estrichen und Betonen
  • Garten- und Substratmaterial
  • Schleif- und Reibkörper – nicht als allgemeines Reinigungspad
BESONDERS PASSEND
  • Leichte nichttragende oder konstruktiv freigegebene Bauteile
  • Wärme- und schalltechnische Leichtbausysteme
  • Spezialanwendungen, nicht hochglänzende Nutzflächen

03 · POSITIV & NEGATIV

Stärken nutzen.
Schwachstellen nicht wegreden.

+

Positive Eigenschaften

  • sehr geringes Gewicht
  • gute Wärme- und Schalldämmwirkung im Bauteil
  • mineralisch und nicht brennbar
  • ressourceneffizient als regionaler Leichtzuschlag

Negative Eigenschaften

  • extrem hohe Wasser- und Schmutzaufnahme
  • raue Poren lassen sich schwer vollständig ausspülen
  • Kanten können absanden oder ausbrechen
  • als Schleifstein kann Bims empfindliche Oberflächen zerkratzen

04 · OBERFLÄCHE ERKENNEN

Gleicher Stein.
Anderes Finish, andere Reinigung.

GÄNGIGE BEARBEITUNGEN
rohgesägt – seltenals Zuschlag sichtbarverputzt oder beschichtet
VOR ORT PRÜFEN
  • außergewöhnlich leicht
  • glasig-schwammiges Porengefüge
  • häufig Bestandteil eines Verbundbaustoffs statt eigenständiger Belag
SÄURESTATUSnur nach Freigabe

Kein Freibrief: Minerale, Fugen, Imprägnierungen und Reparaturharze können trotzdem reagieren. Säure nur nach eindeutiger System- und Produktfreigabe.

05 · REINIGUNG & MITTEL

Welche Chemie?
Welche Mechanik?

UNTERHALTSREINIGUNG

Für den regelmäßigen Einsatz

Bauteilsystem bestimmen. Unbeschichteten Bims möglichst trocken absaugen; beschichtete Flächen nach der Beschichtung reinigen.

INTENSIVREINIGUNG

Bei haftendem Schmutz

Nassreinigung nur bei bestätigter Eignung und kontrollierter Trocknung; stark porige Flächen nicht fluten.

FLECKENBEHANDLUNG

Nur ursachenbezogen

Tief eingezogene Flecken sind oft nicht vollständig entfernbar. Fleckchemie nur nach Bauteil- und Beschichtungsprüfung.

WERKZEUG & VERFAHREN

Mechanik passend dosieren

Weiche Saugbürste, geringe Feuchte und geringe mechanische Belastung; Schmutz nicht tiefer in Poren drücken.

PRAXISABLAUF

Fünf Schritte für Bimsstein.

  1. 01
    Material belegen

    Bimsstein, Handelsname, Finish, Fuge und Schutzbehandlung anhand der Unterlagen prüfen.

  2. 02
    Trocken entlasten

    Sand, Splitt und lose Partikel mit kratzfreier Technik vollständig aufnehmen.

  3. 03
    Probefläche anlegen

    Freigegebenen Reiniger korrekt dosieren und eine verdeckte Fläche vollständig trocknen lassen.

  4. 04
    Mechanik abstimmen

    Bürste oder Pad nach Härte, Porenbild und Oberflächenbearbeitung auswählen.

  5. 05
    Flotte entfernen

    Gelösten Schmutz vollständig aufnehmen, klar nacharbeiten und das Trockenbild kontrollieren.

FACHLICHE GRUNDLAGE

Einordnung und Pflege.

DNV · 2024BTI 3.2 Reinigung und Pflege · FachhinweiseDNV / NatursteinNaturwerkstein und Steinbrüche in DeutschlandBritish Geological SurveyRocks and minerals · Entstehung und GesteinsgruppenNatural Stone InstituteCare & Cleaning of Natural StoneNatural Stone InstituteWissenschaftliche und kommerzielle BezeichnungenMaterialarchivStatuario · Carrara-Marmor und Materialeinordnung