Papierstaub, Toner, Farbe und Klebstoff brauchen unterschiedliche Verfahren. Hier erfährst du, wie du freigegebene Flächen in einer Druckerei materialgerecht reinigst, Rückstände getrennt aufnimmst und den Auftrag mit der Produktion abstimmst.
Vor Beginn klärenDruckverfahren · Rückstand · Material · Auftrag
Beispiel einer Druckhalle · generierte Illustration
01
Welche Flächen gehören zum Auftrag?
Vor jeder Reinigung wird festgelegt, welche Bereiche zugänglich sind, welcher Anlagenzustand erforderlich ist und wer die Freigabe erteilt.
VEREINBARTE FLÄCHENREINIGUNG
Boden, Wege und Außenflächen
Zum Beispiel freigegebene Laufwege, erreichbare Gehäuseaußenseiten, Ablagen und Nebenräume. Reinigungsumfang, Turnus und Ergebnis stehen im Leistungsverzeichnis. Auch eine Außenfläche kann nahe an einer Einzugsstelle liegen.
GESONDERTE FACHAUFGABE
Druckwerk und Maschineninneres
Walzen, Gummitücher, Druckplatten, Druckköpfe, Sensorjustierung und automatische Waschanlagen gehören nur mit ausdrücklicher Beauftragung und geeigneter Qualifikation dazu. Schutzeinrichtungen bleiben wirksam; nichts überbrücken.
UNERWARTETER STOFFAUSTRITT
Auftrag unterbrechen und melden
Bei unbekannter Flüssigkeit, größerem Austritt, Rauch, Erwärmung oder einer Warnmeldung nach betrieblichem Alarmplan handeln. Keine spontane Lösemittel-, Neutralisations- oder Absaugaktion beginnen.
Eine stillstehende Maschine ist nicht automatisch sicher: Wiederanlauf, Nachlauf und gespeicherte Energie müssen durch die zuständige Stelle beherrscht sein. Produktionsanlagen sicher übernehmen →
02
Das Druckverfahren verändert die Reinigung
Der Betrieb kann mehrere Verfahren gleichzeitig nutzen. Deshalb werden Maschinen und Bereiche einzeln aufgenommen.
01
Offsetdruck
Farbe · Feuchtmittel · Puder
Je nach Anlage treffen ölhaltige oder strahlungshärtende Farben auf Papierstaub, Feuchtmittel und Druckbestäubungspuder. Dieser Puder hält bedruckte Bögen im Stapel auf Abstand. Ablagerungen auf Verkehrswegen gehören in den Reinigungsplan; das Dosieren des Puders bleibt Aufgabe der Produktion.
Arbeitsgrenze: Gummitücher, Walzen und Druckplatten haben eigene Reinigungsverfahren. Maschinenwaschmittel sind keine allgemeinen Bodenreiniger.
02
Flexo- und Tiefdruck
Wässrige oder lösemittelhaltige Systeme
Farben und Lacke können wasserbasiert, lösemittelhaltig oder reaktiv sein. Die Bezeichnung des Druckverfahrens allein bestimmt deshalb weder den Reiniger noch den Schutz. Im Auftrag müssen das tatsächliche Farbsystem und die betroffenen Flächen stehen.
Arbeitsgrenze: Rasterwalzen, Farbkreisläufe und Druckformen nur im gesondert beauftragten Fachumfang reinigen.
03
Digitaldruck
Trockentoner · Flüssigtoner · Inkjet
Pulverförmiger Toner verlangt eine andere Aufnahme als flüssige Tinte. Inkjet bezeichnet den Auftrag durch Druckdüsen und sagt noch nichts über die chemische Zusammensetzung aus. Auch wasserbasierte Tinte kann hautbelastende Inhaltsstoffe enthalten.
Arbeitsgrenze: Druckköpfe, Fixiereinheiten und Geräteinneres bleiben beim dafür vorgesehenen Personal. Toner nur mit einem hierfür geeigneten Saugsystem aufnehmen.
04
Siebdruck und Weiterverarbeitung
Farbe · Klebstoff · Papierabschnitte
Neben Farbresten können Klebstoffe an Klebebindern, Schneidabfälle, Folien und Verpackungsmaterial vorkommen. Leim auf einer freigegebenen Tischfläche ist eine andere Aufgabe als ein verklebtes Maschinenbauteil.
Arbeitsgrenze: Siebentschichtung, Messerwechsel, Heißleimaggregate und das Freimachen von Förderern sind keine beiläufigen Zusatzarbeiten.
03
Rückstände getrennt aufnehmen
Die Übersicht dient zur Arbeitsplanung. Das konkrete Produkt, seine Gefahren und der Untergrund müssen vor Ort bestätigt werden.
Lose, feine Ablagerungen; Material und Menge klären.
Mit freigegebenem Saugsystem staubarm aufnehmen. Aufwirbeln, Abblasen und trockenes Kehren vermeiden; Produktionsmaterial schützen.
Staubklasse und Eignung für brennbare Stäube getrennt prüfen.
Trockentoner
Feines Pulver, kein gewöhnlicher Hausstaub.
Bereich gegen Verschleppung sichern. Herstellerverfahren und geeigneten Tonersauger verwenden; nicht mit dem üblichen Haushaltssauger improvisieren.
Filterung sowie gegebenenfalls Explosionsschutz nach Toner, Menge und Einsatz klären.
Frische Farbe oder Tinte
Farbsystem und Untergrund müssen bekannt sein.
Im freigegebenen Umfang mit geeignetem Aufnahmematerial begrenzen und aufnehmen. Anschließend Rückstände gezielt lösen, Tücher häufig wechseln.
Kein breitflächiges Verreiben. Ein laufender oder unbekannter Austritt wird nach Alarmplan behandelt.
Getrocknete oder gehärtete Farbe
Anhaftung oder bereits verfärbter Untergrund unterscheiden.
Kleine Probefläche mit dem bestätigten Verfahren bearbeiten. Verträgliche Mechanik und Kontaktzeit begrenzen; gelöste Reste aufnehmen.
Nicht mit mehr Lösemittel oder einer Metallklinge erzwingen. Materialveränderung melden.
Öl & Schmierstoff
Verschmutzung von einer vorgesehenen Schmierstelle unterscheiden.
Leckage melden, Rutschgefahr sichern und freigegebene Aufnahme ausführen. Verbleibenden Film materialgerecht entfernen.
Keine Lager, Führungen oder Dichtstellen auswaschen.
Klebstoff & Etikettenreste
Wasserlöslicher Leim, Schmelzkleber oder anderer Klebstoff?
Klebstoffart bestätigen; nur auf freigegebener Fläche mit geeignetem Klebstoffentferner oder abgestimmter schonender Mechanik arbeiten.
Keine pauschale Wärmebehandlung, kein beliebiger Verdünner.
Papierstreifen & Folien
Saubere Produktionsreste von belastetem Abfall trennen.
Aus dem freigegebenen Bereich kontrolliert aufnehmen und dem vereinbarten Sammelweg zuführen.
Nicht in laufende Messer, Walzen, Förderer oder Verdichter greifen.
Staub und Flüssigkeiten getrennt halten. Papierstaub, Druckpuder, Farbreste und lösemittelhaltige Tücher nicht zu einem unbekannten Gemisch zusammenführen. Für jeden Stoffstrom muss der Sammelweg feststehen.
04
Diese Materialien können dir begegnen
Neben dem Grundwerkstoff zählen Beschichtung, Alter, Vorschäden, Fugen und empfindliche Nachbarbauteile.
01Lackierte Gehäuse & Pulverbeschichtung
Starke Reiniger, Lösemittel und Scheuerpads können Glanz, Farbe und Haftung verändern. Mildes, freigegebenes System nutzen; Lack am Tuch ist ein Abbruchsignal.
Die Legierung und Oberflächenbehandlung zählen. Aluminium und Eloxal vertragen nicht jede Säure oder Lauge; Edelstahl kann durch chloridhaltige Rückstände oder Fremdeisen geschädigt werden.
Sichtfenster können aus Kunststoff bestehen. Ungeeignete Lösemittel, abrasive Tücher und zu viel Feuchte können Trübung, Spannungsrisse oder Schäden an Anschlüssen verursachen.
Quellung und Härteveränderung können die Funktion beeinträchtigen. Ein am Gehäuse verträgliches Mittel ist noch nicht für eine Walze freigegeben. Produktionsbauteile gesondert behandeln lassen.
Epoxidharz, Polyurethan und andere Aufbauten haben eigene Freigaben. Bei ESD-Böden (elektrostatisch ableitfähigen Böden) keine beliebigen Pflegefilme aufbringen; Fugen und Schäden vor Nässe schützen.
Trocken halten und vor Staub, Spritzern sowie Reinigungsmitteln schützen. Stapel und Druckbögen nur nach Absprache bewegen; fehlerhafte oder angedruckte Bögen nicht eigenmächtig entsorgen.
Die Auswahl erfolgt nach Reinigungsaufgabe und Freigabe. Ein möglichst starkes Mittel ist kein Auswahlkriterium.
01
Staub- oder Tonersaugsystem
Für den bestätigten trockenen Rückstand, mit passenden Filtern, Düsen und staubarmem Behälterwechsel.
Staubklasse, elektrische Ableitfähigkeit und Explosionsschutz sind verschiedene Eigenschaften. Ein Trockensauger ist nicht für Lösemittel oder heiße Reste freigegeben.
Nur passend zu Rückstand, Material und betrieblicher Freigabe. Maschinenbezogene Waschmittel benötigen zusätzlich die Anlagenfreigabe.
Möglichst geringere Gefährdung wählen. Geruchsarm bedeutet nicht ungefährlich; keine Reiniger mischen und Maschinenwaschmittel nicht in die Scheuersaugmaschine geben.
Für freigegebene Außenflächen geeignete, fusselarme und beständige Tücher verwenden. Farbbehaftete Tücher nicht an Bedienflächen oder sauberen Ablagen weiterbenutzen. Trockenstaub, Farbe und normale Unterhaltsreinigung erhalten getrennte Arbeitsmittel. Die Materialfreigabe entscheidet auch darüber, ob Mikrofaser geeignet ist.
Beispiel: Druckhalle nach Produktionsende reinigen
BEISPIELAUFTRAG · BOGENOFFSET
Enthalten
Freigegebene Gehäuseaußenflächen, Ablagen, Papierstaub an zugänglichen Flächen und ein beschichteter Hallenboden.
Ausgenommen
Druckwerk, Walzen, Druckplatten, UV-Anlage, Schaltschränke, Maschineninneres und Arbeiten an der Absaugung.
Voraussetzung
Sicherer Anlagenzustand und Verkehrsregelung bestätigt; Rückstände bekannt; Mittel, Aufnahme und Reststoffwege festgelegt.
Die Reihenfolge wird an die Halle angepasst. Für die hier beschriebenen Außenflächen gilt: höher liegende freigegebene Flächen zuerst, Boden zuletzt. Saubere Zonen vor Verschleppung schützen und den Rückweg offen halten.
01
Arbeitsbereich übernehmen und sichern
Mit der Schichtleitung Auftrag, Vorschäden und zugängliche Flächen durchgehen. Den erforderlichen sicheren Anlagenzustand einschließlich Schutz vor Wiederanlauf bestätigen lassen. Verkehrswege abgrenzen; Fluchtwege bleiben frei.
02
Produkte schützen und Arbeitsmittel bereitstellen
Papierstapel, Druckbögen und offene Gebinde durch die zuständige Stelle sichern lassen. Getrennte Tücher, das geeignete Saugsystem und vorgesehene Reststoffbehälter bereitlegen. Material nur nach Absprache umstellen.
03
Lose Rückstände von oben nach unten aufnehmen
Erreichbare, freigegebene Ablagen und Außenflächen staubarm absaugen; danach lose Reste am Boden aufnehmen. Grobe Abschnitte getrennt sammeln. Nicht abblasen und nicht auf Maschinen steigen, um höhere Flächen zu erreichen.
04
Farb-, Öl- und Klebstoffstellen gezielt behandeln
Nur bekannte Rückstände im vereinbarten Umfang bearbeiten. Mittel und Mechanik an einer kleinen, unauffälligen Stelle prüfen; frische Reste zunächst aufnehmen und Tücher rechtzeitig wechseln. Bei angelöstem Lack oder bleibender Verfärbung unterbrechen und dokumentieren.
05
Freigegebene Außenflächen abwischen
Mit geeignetem, fusselarmem Tuch und dosiertem, freigegebenem Mittel reinigen. Feuchtigkeit kontrollieren und gelöste Rückstände vollständig aufnehmen. Nicht in Öffnungen sprühen, keine Hauben öffnen und keine Bedienelemente verstellen.
06
Boden zuletzt abschnittsweise reinigen
Den beschichteten Boden nach Freigabe wischen oder scheuersaugen. Bürste beziehungsweise Pad, Dosierung und Feuchtigkeit auf den Belag abstimmen. Ränder und Profile berücksichtigen; Schmutzflotte vollständig aufnehmen und bei Vorgabe nachspülen. Nasse Bereiche gesperrt halten.
07
Reststoffe und Arbeitsmittel geordnet übergeben
Sauberes Papier, belastete Rückstände, gebrauchte Tücher und Flüssigkeiten getrennt in die vorgesehenen Sammelwege geben. Sauger und Textilien nach Geräte- und Betriebsanweisung behandeln; keine unkontrollierte Entleerung in der Halle.
08
Ergebnis prüfen und offene Punkte festhalten
Trocknung, sichtbare Rückstände, freie Wege und den Zustand beauftragter Flächen gemeinsam prüfen. Nicht entfernte Anhaftungen und Schäden dokumentieren. Die befugte Betreiberstelle entscheidet über technische Freigabe und Wiederinbetriebnahme.
Absaugung, Lüftung und gegebenenfalls Explosionsschutz vor Beginn klären. Raumklima und Luftbefeuchtung nicht eigenmächtig verändern.
Schutzmaßnahmen nach Gefährdungsbeurteilung einsetzen. Handschuhe müssen gegen den Rückstand und den Reiniger geeignet sein; eine Materialbezeichnung allein genügt nicht.
Bei Bedarf Augen-, Körper-, Atem- und Gehörschutz nach betrieblicher Vorgabe. Eine Staubmaske schützt nicht automatisch gegen Lösemitteldämpfe.
Haut nicht mit Maschinenwaschmittel reinigen. Essen und Getränke aus dem belasteten Arbeitsbereich fernhalten.
Saubere Papierabschnitte dem vereinbarten Papierstrom zuführen; farb- oder chemikalienbelastete Reste getrennt sammeln.
Für benetzte Tücher die vorgesehenen, geeigneten Behälter verwenden, geschlossen halten und nicht überfüllen. Keine offenen Tuchhaufen liegen lassen.
Überschüssige Lösemittel und tropfnasse Tücher nicht in gewöhnliche Putztuchsammelbehälter geben. Den gesonderten Aufnahme- und Übergabeweg beachten.
Waschflüssigkeiten, Farbreste und Schmutzflotte gekennzeichnet übergeben. Nicht in Bodenabläufe schütten; Einstufung und Entsorgung betrieblich klären.
Einige ölbelastete Tücher können sich selbst erwärmen. Sammelbehälter und Standort werden deshalb nach Stoff und Brandschutzkonzept festgelegt. Gebrauchte Industrietücher nicht ohne vereinbartes Aufbereitungsverfahren mit normalen Reinigungstextilien waschen.
08
Ergebnis prüfen und an die Produktion übergeben
01Beauftragte Flächen auf sichtbaren Staub, Farbe und verschleppte Rückstände kontrolliert
02Boden trocken; keine sichtbaren Filme, Pfützen oder losen Reste auf Verkehrswegen
03Empfindliche Bauteile unberührt; Auffälligkeiten und Vorschäden dokumentiert
04Werkzeuge, Tücher und Reststoffe vollständig in die vereinbarten Wege übergeben
05Nicht entfernte Anhaftungen, ausgesparte Flächen und verbleibende Sperren festgehalten
06Ergebnis und offene Punkte an die benannte Betreiberstelle übergeben
BEISPIEL EINER ÜBERGABENOTIZ
„Druckhalle, Gang B: freigegebene Außenflächen und Boden gereinigt. An einer Sockelbeschichtung bleibt eine gehärtete Farbanhaftung zurück. Keine stärkere Chemie eingesetzt. Stelle dokumentiert und an die Schichtleitung gemeldet. Reststoffe am vereinbarten Sammelpunkt übergeben; weitere Behandlung separat abstimmen.“
Eine Sichtprüfung bestätigt keine gemessene Rutschhemmung, Ableitfähigkeit oder technische Betriebsbereitschaft. Erforderliche Funktionsprüfungen und Wiederinbetriebnahme erfolgen durch die dafür zuständige Stelle.
Die betrieblichen Anweisungen, Stoffdaten, Herstellerfreigaben und der konkrete Auftrag bestimmen die tatsächliche Ausführung. Quellenstand: 18. September 2026.