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02.8.6 · INDUSTRIEREINIGUNG

LACKIERBETRIEBE

Lackierbetriebe reinigen

Kabinenwände, Gitterroste und Laufwege haben unterschiedliche Anforderungen. Hier erfährst du, wie du Lackreste einordnest, geeignete Reinigungsmittel auswählst und vereinbarte Flächen reinigst, ohne Material oder Lackierprozess zu beeinträchtigen.

Leere Lackierkabine mit hellen Wandpaneelen, geschützten Lichtleisten, Metallgitterboden und einem unbestückten Werkstückgestell
Beispiel einer Lackierkabine · generierte Illustration
01 / RÜCKSTANDWelcher Lack liegt vor?

System, Zustand und Gefährdung klären.

02 / UNTERGRUNDWas muss erhalten bleiben?

Material und Schutzschichten erkennen.

03 / AUFTRAGWas darf gereinigt werden?

Flächen und Technik eindeutig abgrenzen.

01

Arbeitsbereiche und Lackreste unterscheiden

Overspray ist Lacknebel, der am Werkstück vorbeigeht und sich in der Umgebung ablagert. Je nach Lack und Alter bleibt eine klebrige Schicht, feiner Staub oder eine feste Anhaftung zurück.

01

Vorbereitung und Schleifbereich

Schleifstaub auf freigegebenen Außenflächen und Wegen aufnehmen. Werkstücke und ihre Vorbehandlung bleiben bei der Produktion; Zubehör nicht ungereinigt in die Lackierkabine mitnehmen.

02

Lackierkabine

Zugängliche Wände, geschlossene Abdeckungen und Bodenflächen nach Auftrag reinigen. Luftöffnungen, Sensoren und Sicherheitsfunktionen unverändert lassen.

03

Mischraum und Materialversorgung

Nur freigegebene Flächen bearbeiten. Gebinde, Härter, Mischanlagen und Dosiertechnik nicht eigenmächtig umstellen, öffnen oder spülen.

04

Abdunstung, Trocknung und Nebenräume

Restwärme und automatische Abläufe klären. Trocknerinnenräume gesondert planen. Büro- und Sanitärreinigung mit getrennten Arbeitsmitteln organisieren.

FRISCH / KLEBRIG

Gezielt aufnehmen

Kleine, bekannte Rückstände nach dem festgelegten Verfahren behandeln. Tücher rechtzeitig wechseln, damit du den Lack nicht über größere Flächen verteilst. Größere oder unbekannte Stoffaustritte zuerst melden und absichern lassen.

TROCKEN / LOSE

Staubarm entfernen

Für den konkreten Staub und die örtlichen Ex-Anforderungen geeignete Saugtechnik verwenden. Staubklasse und Explosionsschutz sind unterschiedliche Merkmale. Nicht trocken kehren oder Ablagerungen mit Druckluft verteilen.

FEST / AUSGEHÄRTET

Untergrund zuerst prüfen

Ein Lacklöser kann auch die darunterliegende Beschichtung angreifen. Zuerst einen abgestimmten Versuch an geeigneter Stelle durchführen. Bleibt die Anhaftung bestehen, Verfahren klären statt Druck oder Chemie immer weiter zu erhöhen.

02

Anlage sichern und Lüftung berücksichtigen

PRODUKTION

Gesichert für die Reinigung

Die zuständige Stelle sichert Roboter, Fördertechnik, Spritztechnik und gegebenenfalls Hochspannung. Restdruck, gespeicherte Energie, Nachlauf und heiße Flächen berücksichtigen. Ein Not-Halt allein genügt dafür nicht.

TECHNISCHE LÜFTUNG

Während der Reinigung wirksam

Die zum Schutz erforderliche Lüftung muss funktionieren. Nicht zusammen mit der Produktion pauschal abschalten. Falls die Reinigung gerade an der Lüftung stattfinden soll, braucht es einen gesonderten Arbeits- und Schutzplan.

  • Auftragsflächen, ausgeschlossene Bauteile und den zuständigen Ansprechpartner festlegen.
  • Lacksystem, Reinigungschemie, Zustand der Rückstände und Produktinformationen klären.
  • Ex-Bereiche, zugelassene Geräte, Erdung und erforderliche Schutzmaßnahmen bestätigen lassen.
  • Zugänge, sichere Arbeitshöhe und geschützte Werkstückwege vorbereiten.
  • Freigegebene fusselarme Textilien und getrennte Arbeitsmittel bereitstellen.
  • Behälter und Übergabestellen für die verschiedenen Reststoffe bestimmen.

Wasserlack, Lösemittellack, 2K oder UV?

„Wasserbasiert“ bedeutet nicht automatisch ungefährlich oder nicht brennbar. Unausgehärtete Zwei-Komponenten- und UV-Systeme können reaktive Bestandteile enthalten; bei bestimmten PU-Systemen sind Isocyanate relevant. Die konkrete Rezeptur und das Sicherheitsdatenblatt entscheiden über Schutz und Reinigung.

Gefahrstoffe und Exposition →
03

Diese Materialien kannst du antreffen

Die zu entfernende Lackschicht und die zu erhaltende Oberfläche liegen oft direkt aufeinander. Deshalb gehört die Materialprüfung vor die Mittelwahl.

Beschichtete Kabinenwände

Zum Fachkapitel →

Feste Werksbeschichtung, abziehbaren Schutzlack und aufgelagerten Overspray unterscheiden. Die tragende Beschichtung muss erhalten bleiben.

Grenze: Nicht mit Abbeizer, Klinge oder grobem Pad auf Verdacht bearbeiten. Einen vereinbarten Schutzschichtwechsel getrennt ausführen.

Gitterroste und Metallteile

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Stahl, verzinkte Teile, Aluminium und Edelstahl getrennt beurteilen. Ablagerungen an zugänglichen Oberseiten mit dem abgestimmten Verfahren lösen.

Grenze: Säuren oder starke Laugen können Metalle angreifen. Roste nicht ohne eigenen Auftrag ausheben; darunter können Filter oder offene Gruben liegen.

Sichtfenster und Lichtabdeckungen

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Glas, Schutzfolie und transparenten Kunststoff erkennen. Freigegebene geschlossene Abdeckungen mit einem weichen, sauberen Tuch bearbeiten.

Grenze: Acrylglas und Polycarbonat sind keine Glasscheiben. Lösemittel können Trübung oder Spannungsrisse verursachen. Leuchten nicht öffnen.

Beschichtete und ableitfähige Böden

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EP- oder PU-Beschichtung, Fugen, Rutschhemmung und gegebenenfalls elektrische Ableitfähigkeit berücksichtigen. Flotte vollständig aufnehmen.

Grenze: Keine beliebige Glanzpflege oder Wachsschicht auftragen. Vorgeschriebene elektrische Prüfungen lassen sich nicht durch eine Sichtprüfung ersetzen.

Dichtungen, Kabel und Bedienfelder

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Nur zugängliche und freigegebene Außenflächen reinigen. Flüssigkeit kontrolliert über das geeignete Tuch einsetzen; Stoff- und Feuchtigkeitsverträglichkeit prüfen.

Grenze: Nicht in Fugen sprühen, Dichtungen herausziehen oder Sicherheitsschalter überbrücken. Aufquellen, Versprödung und beschädigte Leitungen melden.

04

Passende Reiniger und Hilfsmittel auswählen

Die folgenden Mittelarten sind eine Orientierung. Konzentration, Einwirkzeit, Temperatur, Aufnahme und gegebenenfalls Nachreinigung werden für das konkrete Produkt und Material festgelegt.

01

Milder, rückstandsarmer Unterhaltsreiniger

Für gewöhnlichen Nutzungsschmutz auf beständigen Außenflächen und Nebenflächen, wenn das Mittel für den Lackierbereich zugelassen ist.

Ein neutraler pH-Wert allein beweist weder Materialverträglichkeit noch Eignung für die Produktion.

Neutralreiniger
02

Auf das Lacksystem abgestimmter Reiniger

Für bekannte, noch nicht ausgehärtete Lackreste. Bei wasserbasierten Systemen kann ein entsprechend freigegebenes wässriges Verfahren infrage kommen.

Wasserlack bleibt nach dem Trocknen nicht automatisch wasserlöslich. Lackhersteller und Anlagenbetreiber müssen das Verfahren bestätigen.

Löslichkeit und Lösemittel
03

Spezial-Lacklöser oder Entlackungsmittel

Für hartnäckige, bekannte Anhaftungen auf einem ausdrücklich geeigneten Untergrund – häufig als gesonderte Grundreinigung oder Bauteilbehandlung.

Kann zugleich die Beschichtung der Wand oder des Bodens lösen. Kein pauschaler Einsatz von Verdünnung, Aceton oder Farbentfernern in der gesamten Kabine.

Farb- und Markerlöser: Wirkungen und Grenzen
04

Bodenreiniger für das vorhandene System

Für wasserbeständige, freigegebene Bodenflächen. Bei Maschineneinsatz schaumarm und passend zu Bürste, Pad und Beschichtung auswählen.

Ableitfähige Böden benötigen ein abgestimmtes Reinigungssystem. Ein Mittel für Büroböden ist dafür keine automatische Alternative.

ESD- und leitfähige Beläge

Abziehbarer Schutzlack und Staubbindemittel

Solche Systeme erleichtern je nach Kabine die spätere Reinigung oder binden Staub. Sie sind keine beliebigen Haushalts-Pflegemittel. Auftragen, Erneuern und Entfernen nur nach Anlagenvorgabe; insbesondere die elektrische Ableitfähigkeit und zulässige Schichtaufbauten beachten. Keine selbst gewählte Folie über Wände, Boden oder Luftöffnungen kleben.

05

Beispiel: Zugängliche Kabinenflächen reinigen

Ein vereinbarter Ablauf für eine freigegebene Nasslackierkabine. Von oben nach unten arbeiten und den Boden zuletzt behandeln. Häufigkeit und Umfang richten sich nach Nutzung, Ablagerung und Anlagenplan.

Beispielauftrag

Enthalten
Zugängliche Wandfelder, geschlossene Lichtabdeckungen und freigegebene Boden- beziehungsweise Rostoberseiten.
Separater Auftrag
Filterwechsel, Unterflurbereich, Spritzpistolen, Leitungen, Mischbehälter, Trocknerinneres und vollständige Entlackung von Bauteilen.
Acht Schritte mit Kontrollpunkt
SchrittAusführungWorauf du achtest
01Auftrag übernehmenMit der benannten Stelle die Wandfelder und Bodenflächen abgleichen. Schäden und starke Anhaftungen vor Beginn dokumentieren. Werkstücke und nicht beauftragte Bereiche aus dem Arbeitsweg nehmen lassen.Fläche, Umfang und Ansprechpartner klar
02Betriebszustand bestätigenSicherung der Produktionsfunktionen und nötige Abkühlung bestätigen lassen. Die für die Reinigung erforderliche Lüftung muss wirksam bleiben. Zugang erst nach betrieblicher Freigabe.Sicherer Anlagenzustand bestätigt
03Mittel und Material prüfenFür die vereinbarten Flächen saubere Arbeitsmittel vorbereiten. An einer geeigneten Stelle das freigegebene Verfahren prüfen: nicht nur die Ablösung des Schmutzes, sondern auch die Wirkung auf den Untergrund.Arbeitsmittel und Abfallweg vorbereitet
04Lose Ablagerungen aufnehmenZugängliche obere Flächen zuerst, tiefer liegende danach reinigen. Geeignetes Sauggerät und Zubehör nach Staub und Einsatzbereich verwenden. Keine Ablagerungen in benachbarte Zonen fegen oder blasen.Keine neue Staubverteilung
05Haftende Reste behandelnWandfelder und geschlossene Abdeckungen abschnittsweise bearbeiten. Freigegebene Dosierung und Einwirkzeit einhalten, gelöste Reste mit sauberen Tuchflächen aufnehmen und Tücher rechtzeitig wechseln.Anhaftung gelöst, Untergrund erhalten
06Boden zuletzt reinigenFreigegebene Rostoberseiten und Bodenflächen materialgerecht bearbeiten. Einen dichten, wasserbeständigen Boden nur nach vereinbartem Nassverfahren reinigen; keine Flüssigkeit durch Roste oder in Filterbereiche spülen.Keine Rückstände in Unterflur oder Filter gespült
07Reststoffe übergebenBenutzte Tücher, Lackreste und gegebenenfalls aufgenommene Flotte den festgelegten Sammelwegen zuordnen. Arbeitsmittel aus dem Bereich entfernen und so aufbereiten, dass keine Fremdstoffe verschleppt werden.Reste getrennt und gekennzeichnet übergeben
08Kontrollieren und übergebenFlächen bei geeigneter Beleuchtung prüfen. Verbliebene Anhaftungen, Schäden und ausgelassene Stellen dokumentieren. Zuständige Stelle über Abschluss und offene Punkte informieren; Anlage nicht selbst wieder starten.Offene Punkte dokumentiert, Übergabe erfolgt

Die verlinkten Techniken erklären das Grundverfahren. Ihre Anwendung in der Kabine setzt die Eignung von Material, Gerät und Chemie für diesen Bereich voraus.

06

Reststoffe trennen und Schutzmaßnahmen einhalten

TÜCHER & FLÜSSIGE RESTE

Vorgesehene Sammelwege nutzen

Lack- und lösemittelbelastete Tücher in den dafür vorgesehenen, selbstschließenden, nicht brennbaren Sammelbehälter geben. Flüssige Reste getrennt nach betrieblichem Entsorgungsplan sammeln. Keine unbekannten Lacke, Härter oder Lösemittel zusammenschütten; nichts in Bodenabläufe spülen.

BELADENE FILTER

Wärmeentwicklung berücksichtigen

Gebrauchte Lackfilter können sich erwärmen und entzünden. Nicht zusammenpressen oder als dichten Haufen stapeln. Verpackung, Zwischenlagerung und Abgabe nach Lack- und Filtervorgaben organisieren; Wärme muss entsprechend dem festgelegten Verfahren abgeführt werden können.

Schutz passend zur Tätigkeit

Chemikalienschutzhandschuhe nach Stoff, Kontaktzeit und Wechselplan wählen. Erforderlichen Augen-, Atem- und Körperschutz sowie ableitfähige Ausrüstung nach Gefährdungsbeurteilung einsetzen. Ein Partikelfilter schützt nicht gegen Lösemitteldämpfe. Haut oder Kleidung nie mit Verdünnung reinigen.

Schutzhandschuhe auswählen →
07

Ergebnis prüfen und an den Betrieb übergeben

  1. Vereinbarte Flächen auf sichtbaren Staub, Fasern, Lackreste und Fremdkörper geprüft.
  2. Zulässige Restanhaftungen und nicht bearbeitete Stellen dokumentiert.
  3. Keine erkennbaren Reinigerfilme oder Pfützen; erforderliche Trocknung berücksichtigt.
  4. Luftöffnungen und Zugänge frei, keine Abdeckungen oder Werkzeuge zurückgelassen.
  5. Abfälle und Arbeitsmittel in die vorgesehenen Wege übergeben.
  6. Ergebnis und Auffälligkeiten an die zuständige Stelle gemeldet.
Neue Krater oder Benetzungsfehler im Lack?
Mittel, Hilfsmittel, Bereich und Zeitpunkt an die Qualitätssicherung melden. Das Fehlerbild allein beweist keine Silikonursache. Nicht mit einem zusätzlichen Pflegemittel nachbehandeln.
Ablagerungen oder Staub kehren rasch zurück?
Beobachtung dokumentieren und Luftführung, Produktion und Reinigungsintervalle durch die zuständigen Stellen prüfen lassen. Filterwechsel nicht durch häufigeres Oberflächenwischen ersetzen.
Eine Fläche wird stumpf, klebrig oder hell?
Behandlung stoppen und auf Materialangriff prüfen lassen. Das kann eine veränderte Beschichtung statt verbleibendem Schmutz sein. Nicht stärker scheuern.
BEISPIEL FÜR DIE ÜBERGABE

„Wandfelder und zugängliche Rostoberseiten gereinigt. Alte Anhaftung an Feld 3 blieb nach verträglicher Probebehandlung bestehen; Stelle dokumentiert. Keine Roste ausgehoben, keine Filter gewechselt. Abfälle übergeben. Weitere Behandlung und Produktionsfreigabe durch die zuständige Stelle.“

Fachliche Grundlagen und Quellen

Die konkrete Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Materialfreigabe bleiben maßgeblich. Quellen geprüft am 18. September 2026.

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