Elektrische Gefährdungen: erst prüfen, dann einschalten.
Reinigung verbindet Feuchtigkeit, leitfähige Bauteile, Kabel und bewegte Maschinen. Deshalb braucht es verständliche Grundkenntnisse – aber keine improvisierten Elektroarbeiten.
Die Formel erklärt einen Zusammenhang. Sie legt keine sichere Berührung fest.
PROFI-REGELEin elektrisches Betriebsmittel mit sichtbarem Mangel wird außer Betrieb genommen, gekennzeichnet und gemeldet – nicht mit Klebeband bis Feierabend überredet.
01
WIDERSTAND RICHTIG EINORDNEN
Nicht jeder Widerstand ist dasselbe.
Bei einem gleichförmigen Leiter gilt vereinfacht: R = ρ · l / A. Der Widerstand hängt also vom Werkstoff, der Länge und dem Querschnitt ab. Beim menschlichen Körper kommen stark veränderliche Kontaktbedingungen hinzu – deshalb wird Sicherheit nie aus einer überschlagenen Körperwiderstandszahl abgeleitet.
Werkstoff
Der spezifische Widerstand beschreibt, wie stark ein Material den Stromfluss grundsätzlich hemmt.
Länge
Ein längerer Leiter besitzt bei gleichem Material und Querschnitt einen größeren Widerstand.
Querschnitt
Ein größerer Leiterquerschnitt verringert den Widerstand. Ein dünnes, beschädigtes Kabel kann zusätzlich heiß werden.
Temperatur
Der Widerstand vieler Leiter und Bauteile ändert sich mit der Temperatur. Die Richtung hängt vom Material ab.
Kontakt
Übergänge, Klemmen, Korrosion und lose Verbindungen erzeugen zusätzlichen Widerstand und mögliche Erwärmung.
Feuchtigkeit & Haut
Beim Menschen verändern nasse Haut, Kontaktfläche, Druck, Kleidung und Untergrund den wirksamen Körper- und Kontaktwiderstand.
02
GLEICH- UND WECHSELSTROM
Zwei Stromarten. Keine davon ist Spielzeug.
DEFINITIONElektrischer Strom ist der gerichtete Transport elektrischer Ladung.
Die Stromstärke I beschreibt, wie viel Ladung Q in der Zeit t einen Querschnitt passiert: I = Q / t. Die Einheit ist Ampere. Ob der Strom seine Richtung beibehält oder periodisch wechselt, unterscheidet Gleich- und Wechselstrom.
DC · GLEICHSTROMPolarität und Stromrichtung bleiben gleich.
Typische Quellen sind Batterien, Akkus, Netzteil-Ausgänge und Photovoltaikmodule. Ein ausgeschalteter Wechselrichter macht beleuchtete PV-Module nicht automatisch spannungsfrei.
AC · WECHSELSTROMRichtung und Wert ändern sich periodisch.
Das öffentliche Niederspannungsnetz arbeitet in Deutschland typischerweise mit 50 Hz. Die Wirkung auf den Körper hängt neben Spannung und Stromweg auch von der Frequenz ab.
03
WAS STROM ANRICHTEN KANN
Die unsichtbare Gefahr hat mehrere Wege.
Körperdurchströmung
Strom kann Nerven, Muskeln, Atmung und Herzfunktion beeinflussen. Von außen ist die innere Wirkung nicht zuverlässig erkennbar.
Verbrennung
Kontaktstellen, Lichtbogen und stark erwärmte Leiter können tiefe thermische Schäden verursachen.
Brand
Kurzschluss, Überlastung, beschädigte Isolation und schlechte Kontakte können Bauteile entzünden.
Sekundärunfall
Schreck, Muskelreaktion oder Kontrollverlust können Sturz, Anstoß oder den Kontakt mit Maschinen auslösen.
Feuchte Umgebung
Wasser, nasse Böden, Metall und feuchte Hände können ungünstige Stromwege schaffen. Reinigungsarbeit bringt diese Faktoren oft zusammen.
Lichtbogen
Bei geeigneten elektrischen Anlagen kann ein Lichtbogen enorme Wärme, Druck, Licht und Metallspritzer freisetzen. Das ist keine normale Reinigungssituation.
VERLETZUNGSSCHWERE
Spannung
+
Stromweg
+
Einwirkdauer
+
Frequenz
+
Kontakt & Umgebung
04
SCHUTZEINRICHTUNGEN
Jede Maßnahme hat eine bestimmte Aufgabe.
01Abdeckung & Isolierung
Aktive Teile sind gegen Berührung geschützt. Defekte, offene oder fehlende Abdeckungen bedeuten Stopp.
02Schutzleiter
Bei Geräten der Schutzklasse I verbindet er berührbare leitfähige Teile mit dem Schutzsystem. Er darf nie entfernt oder umgangen werden.
03Schutzisolierung
Geräte der Schutzklasse II besitzen eine verstärkte beziehungsweise doppelte Isolierung und benötigen deshalb keinen Schutzleiter.
04Kleinspannung
SELV oder PELV kann das Risiko durch begrenzte Spannung reduzieren. Das konkrete System und seine Umgebung müssen dafür vorgesehen sein.
05Sicherung/Leitungsschutz
Schaltet bei Überlast oder Kurzschluss ab und schützt hauptsächlich Leitung und Anlage. Das ist kein vollständiger Personenschutz.
06RCD/FI
Vergleicht hin- und zurückfließenden Strom und schaltet bei unzulässiger Differenz schnell ab. Er verhindert trotzdem nicht jede gefährliche Berührung.
07Gehäuse & IP-Schutz
Begrenzen Zugang sowie das Eindringen von Fremdkörpern und Wasser entsprechend der Kennzeichnung. IP bedeutet nicht automatisch hochdruckfest.
08Prüfung & Instandhaltung
Wiederkehrende Prüfungen und Reparaturen erfolgen durch die dafür festgelegten qualifizierten Personen. Die tägliche Sichtkontrolle ergänzt sie nur.
05
TYPENSCHILD
Lesen können. Nicht hineininterpretieren.
Die Angaben helfen, Gerät, Versorgung und Schutzkonzept zuzuordnen. Sie sagen nicht, ob Kabel, Stecker, Schalter und innere Bauteile heute noch sicher sind.
Schutzleiter-, Schutzisolierungs- oder Kleinspannungskonzept
IP-Code
Schutz gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser
Baujahr/Kennzeichnung
Herstellerangaben und Dokumentation zuordnen
06
VOR JEDER BENUTZUNG
Acht Punkte vor dem Start.
01
Eignung
Passt das Gerät zu Aufgabe, Umgebung, Spannung, Nässe, Staub und möglicher explosionsfähiger Atmosphäre?
02
Gehäuse
Risse, lose Teile, fehlende Abdeckungen, Geruch, Hitze oder Verfärbungen bedeuten: nicht benutzen.
03
Leitung & Stecker
Knicke, Quetschungen, blanke Stellen, beschädigte Zugentlastung und verbogene Kontakte kontrollieren.
04
Arbeitswerkzeug
Bürste, Pad, Düse, Schutzhaube und Zubehör müssen passend, vollständig und sicher befestigt sein.
05
Versorgung
Steckdose, Verlängerung, Kabeltrommel, RCD und zulässige Anschlussleistung nach Objektvorgabe prüfen.
06
Kabelweg
Nicht durch Wasser, Türen, Verkehrswege, scharfe Kanten oder unter die eigene Maschine führen.
07
Trockener Start
Nur mit trockenen Händen anschließen. Stecker und Kupplungen nicht auf nassem Boden ablegen.
08
Probelauf
Nach Betriebsanleitung kontrolliert starten. Bei ungewöhnlichem Geräusch, Geruch, Funken, Wärme oder Auslösung sofort stoppen.
PRÜFFRISTEN · RISIKOBASIERT
Es gibt keine einzige Frist für jedes ortsveränderliche Gerät.
Der Arbeitgeber legt die Frist aus Einsatzbedingungen, Beanspruchung, Herstellerangaben und festgestellter Fehlerquote fest. Die folgenden BG-BAU-Werte sind Beispiele zur Orientierung, keine automatisch gültigen Termine.
SEHR HOHE BEANSPRUCHUNG
Beispielsweise harte mechanische oder chemische Beanspruchung: Je nach tatsächlichem Einsatz kann eine tägliche Kontrolle durch die nutzende Person und eine wöchentliche elektrische Prüfung erforderlich werden.
HOHE BEANSPRUCHUNG
Für stark beanspruchte Geräte nennt die BG BAU als möglichen Richtwert etwa drei Monate.
NORMALE BAU- UND INNENARBEIT
Für typische Bau- und Ausbauumgebungen wird häufig ein Richtwert von etwa sechs Monaten genannt.
SEHR SELTENE BENUTZUNG
Bei sehr geringer Beanspruchung, etwa einzelnen Hausmeistereinsätzen, kann ungefähr ein Jahr als Orientierung dienen.
07
TEMPORÄRE STROMVERSORGUNG
Baustrom ist kein Verlängerungskabel mit Abenteuerlust.
Bei Bau-, Montage-, Außen- und Nassarbeiten muss der Anschluss zum Einsatz passen und freigegeben sein. Starre Merksätze mit einer angeblich vollständigen Zahl zulässiger Speisepunkte helfen weniger als ein geprüftes Schutzkonzept für die tatsächliche Anlage.
Freigegebener Speisepunkt
Baustromverteiler oder ein zugeordneter Anschluss werden nur benutzt, wenn Schutzmaßnahmen, Belastbarkeit und Zuständigkeit für den Einsatz bestätigt sind.
Gebäudesteckdose nicht erraten
Eine vorhandene Steckdose ist nicht automatisch für Bau-, Außen- oder Nassarbeit geeignet. Bei unbekanntem Zustand wird sie nicht benutzt; eine für die Einsatzbedingungen ausgewählte mobile Schutzeinrichtung kann nur nach betrieblicher Festlegung ergänzen.
Stromerzeuger als System
Mobile Stromerzeuger werden ausschließlich nach ihrem Schutz-, Erdungs- und Betriebskonzept sowie der Betriebsanleitung eingesetzt. Improvisierte Verbindungen sind tabu.
Leitungsweg schützen
Leitungen, Stecker und Kupplungen müssen für die Beanspruchung geeignet und gegen Wasser, Verkehr, Quetschung, scharfe Kanten und Zug geschützt sein.
Täglich ansehen, bei Mangel stoppen
Beschädigung, Erwärmung, Auslösung, stehende Nässe oder eine unklare Schutzmaßnahme bedeuten sofortigen Stopp, Kennzeichnung und Meldung.
Fachgrenze einhalten
Auswahl, Errichtung, Prüfung, Änderung und Reparatur elektrischer Schutzmaßnahmen bleiben bei den dafür qualifizierten und beauftragten Verantwortlichen. Reinigungspersonal nutzt nur freigegebene Anschlüsse.
PRCD-STragbarer Fehlerstromschutz mit Schutzleiterüberwachung.
Das Gerät wird zwischen Steckdose und Verbraucher eingesetzt. Es kann bestimmte Fehler der vorgeschalteten Versorgung erkennen und besitzt einen geschalteten Schutzleiter. Auswahl, Bedienung, Einschalttest und zulässige Einsatzbedingungen folgen der betrieblichen Festlegung und Herstelleranleitung. Ein PRCD-S repariert keine unbekannte Anlage und macht eine ungeeignete Steckdose nicht pauschal sicher.
08
ELEKTRISCHER UNFALL
Erst Eigenschutz. Dann Hilfe.
01
Nicht ungesichert berühren
Kann die Person noch unter Spannung stehen, darf niemand durch direkten Kontakt zum zweiten Unfallopfer werden.
02
Energie sicher abschalten lassen
Not-Aus, Netztrennung oder Abschaltung nur nutzen, wenn das ohne Eigengefährdung möglich und vorgesehen ist.
03
112 und betriebliche Hilfe
Unfallort, elektrische Gefahr und Zustand der betroffenen Person klar melden.
04
Erste Hilfe
Nach gesicherter Freigabe Bewusstsein und Atmung prüfen und erforderliche Maßnahmen einschließlich Wiederbelebung/AED beginnen.
05
Medizinisch abklären
Elektrische Unfälle können innere oder verzögerte Folgen haben. Der betriebliche Notfallweg entscheidet über die weitere Versorgung.
QUELLEN & EINORDNUNG
Regelwerk und Branchenpraxis.
Betriebsanleitung, Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung und die konkrete elektrische Anlage haben Vorrang.