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03.2 · ARBEITSSICHERHEIT

Elektrische Gefährdungen:
erst prüfen, dann einschalten.

Reinigung verbindet Feuchtigkeit, leitfähige Bauteile, Kabel und bewegte Maschinen. Deshalb braucht es verständliche Grundkenntnisse – aber keine improvisierten Elektroarbeiten.

GRUNDZUSAMMENHANGSpannung treibt. Widerstand begrenzt. Strom wirkt.
USpannung=RWiderstand×IStrom

Die Formel erklärt einen Zusammenhang. Sie legt keine sichere Berührung fest.

PROFI-REGELEin elektrisches Betriebsmittel mit sichtbarem Mangel wird außer Betrieb genommen, gekennzeichnet und gemeldet – nicht mit Klebeband bis Feierabend überredet.
01

WIDERSTAND RICHTIG EINORDNEN

Nicht jeder Widerstand ist dasselbe.

Bei einem gleichförmigen Leiter gilt vereinfacht: R = ρ · l / A. Der Widerstand hängt also vom Werkstoff, der Länge und dem Querschnitt ab. Beim menschlichen Körper kommen stark veränderliche Kontaktbedingungen hinzu – deshalb wird Sicherheit nie aus einer überschlagenen Körperwiderstandszahl abgeleitet.

Werkstoff

Der spezifische Widerstand beschreibt, wie stark ein Material den Stromfluss grundsätzlich hemmt.

Länge

Ein längerer Leiter besitzt bei gleichem Material und Querschnitt einen größeren Widerstand.

Querschnitt

Ein größerer Leiterquerschnitt verringert den Widerstand. Ein dünnes, beschädigtes Kabel kann zusätzlich heiß werden.

Temperatur

Der Widerstand vieler Leiter und Bauteile ändert sich mit der Temperatur. Die Richtung hängt vom Material ab.

Kontakt

Übergänge, Klemmen, Korrosion und lose Verbindungen erzeugen zusätzlichen Widerstand und mögliche Erwärmung.

Feuchtigkeit & Haut

Beim Menschen verändern nasse Haut, Kontaktfläche, Druck, Kleidung und Untergrund den wirksamen Körper- und Kontaktwiderstand.

02

GLEICH- UND WECHSELSTROM

Zwei Stromarten. Keine davon ist Spielzeug.

DEFINITIONElektrischer Strom ist der gerichtete Transport elektrischer Ladung.

Die Stromstärke I beschreibt, wie viel Ladung Q in der Zeit t einen Querschnitt passiert: I = Q / t. Die Einheit ist Ampere. Ob der Strom seine Richtung beibehält oder periodisch wechselt, unterscheidet Gleich- und Wechselstrom.

DC · GLEICHSTROMPolarität und Stromrichtung bleiben gleich.

Typische Quellen sind Batterien, Akkus, Netzteil-Ausgänge und Photovoltaikmodule. Ein ausgeschalteter Wechselrichter macht beleuchtete PV-Module nicht automatisch spannungsfrei.

AC · WECHSELSTROMRichtung und Wert ändern sich periodisch.

Das öffentliche Niederspannungsnetz arbeitet in Deutschland typischerweise mit 50 Hz. Die Wirkung auf den Körper hängt neben Spannung und Stromweg auch von der Frequenz ab.

03

WAS STROM ANRICHTEN KANN

Die unsichtbare Gefahr hat mehrere Wege.

Körperdurchströmung

Strom kann Nerven, Muskeln, Atmung und Herzfunktion beeinflussen. Von außen ist die innere Wirkung nicht zuverlässig erkennbar.

Verbrennung

Kontaktstellen, Lichtbogen und stark erwärmte Leiter können tiefe thermische Schäden verursachen.

Brand

Kurzschluss, Überlastung, beschädigte Isolation und schlechte Kontakte können Bauteile entzünden.

Sekundärunfall

Schreck, Muskelreaktion oder Kontrollverlust können Sturz, Anstoß oder den Kontakt mit Maschinen auslösen.

Feuchte Umgebung

Wasser, nasse Böden, Metall und feuchte Hände können ungünstige Stromwege schaffen. Reinigungsarbeit bringt diese Faktoren oft zusammen.

Lichtbogen

Bei geeigneten elektrischen Anlagen kann ein Lichtbogen enorme Wärme, Druck, Licht und Metallspritzer freisetzen. Das ist keine normale Reinigungssituation.

VERLETZUNGSSCHWERE

Spannung

+

Stromweg

+

Einwirkdauer

+

Frequenz

+

Kontakt & Umgebung

04

SCHUTZEINRICHTUNGEN

Jede Maßnahme hat eine bestimmte Aufgabe.

01Abdeckung & Isolierung

Aktive Teile sind gegen Berührung geschützt. Defekte, offene oder fehlende Abdeckungen bedeuten Stopp.

02Schutzleiter

Bei Geräten der Schutzklasse I verbindet er berührbare leitfähige Teile mit dem Schutzsystem. Er darf nie entfernt oder umgangen werden.

03Schutzisolierung

Geräte der Schutzklasse II besitzen eine verstärkte beziehungsweise doppelte Isolierung und benötigen deshalb keinen Schutzleiter.

04Kleinspannung

SELV oder PELV kann das Risiko durch begrenzte Spannung reduzieren. Das konkrete System und seine Umgebung müssen dafür vorgesehen sein.

05Sicherung/Leitungsschutz

Schaltet bei Überlast oder Kurzschluss ab und schützt hauptsächlich Leitung und Anlage. Das ist kein vollständiger Personenschutz.

06RCD/FI

Vergleicht hin- und zurückfließenden Strom und schaltet bei unzulässiger Differenz schnell ab. Er verhindert trotzdem nicht jede gefährliche Berührung.

07Gehäuse & IP-Schutz

Begrenzen Zugang sowie das Eindringen von Fremdkörpern und Wasser entsprechend der Kennzeichnung. IP bedeutet nicht automatisch hochdruckfest.

08Prüfung & Instandhaltung

Wiederkehrende Prüfungen und Reparaturen erfolgen durch die dafür festgelegten qualifizierten Personen. Die tägliche Sichtkontrolle ergänzt sie nur.

05

TYPENSCHILD

Lesen können. Nicht hineininterpretieren.

Die Angaben helfen, Gerät, Versorgung und Schutzkonzept zuzuordnen. Sie sagen nicht, ob Kabel, Stecker, Schalter und innere Bauteile heute noch sicher sind.

Hersteller, Typ, Seriennummer

Gerät und Betriebsanleitung eindeutig zuordnen

Nennspannung

vorgesehene Versorgung erkennen

~ oder ⎓

Wechsel- beziehungsweise Gleichversorgung unterscheiden

Frequenz in Hz

Netzfrequenz bei Wechselstromgeräten

A, W oder kW

Stromaufnahme beziehungsweise elektrische Leistung

Schutzklasse

Schutzleiter-, Schutzisolierungs- oder Kleinspannungskonzept

IP-Code

Schutz gegen Berührung, Fremdkörper und Wasser

Baujahr/Kennzeichnung

Herstellerangaben und Dokumentation zuordnen

06

VOR JEDER BENUTZUNG

Acht Punkte vor dem Start.

  1. 01
    Eignung

    Passt das Gerät zu Aufgabe, Umgebung, Spannung, Nässe, Staub und möglicher explosionsfähiger Atmosphäre?

  2. 02
    Gehäuse

    Risse, lose Teile, fehlende Abdeckungen, Geruch, Hitze oder Verfärbungen bedeuten: nicht benutzen.

  3. 03
    Leitung & Stecker

    Knicke, Quetschungen, blanke Stellen, beschädigte Zugentlastung und verbogene Kontakte kontrollieren.

  4. 04
    Arbeitswerkzeug

    Bürste, Pad, Düse, Schutzhaube und Zubehör müssen passend, vollständig und sicher befestigt sein.

  5. 05
    Versorgung

    Steckdose, Verlängerung, Kabeltrommel, RCD und zulässige Anschlussleistung nach Objektvorgabe prüfen.

  6. 06
    Kabelweg

    Nicht durch Wasser, Türen, Verkehrswege, scharfe Kanten oder unter die eigene Maschine führen.

  7. 07
    Trockener Start

    Nur mit trockenen Händen anschließen. Stecker und Kupplungen nicht auf nassem Boden ablegen.

  8. 08
    Probelauf

    Nach Betriebsanleitung kontrolliert starten. Bei ungewöhnlichem Geräusch, Geruch, Funken, Wärme oder Auslösung sofort stoppen.

PRÜFFRISTEN · RISIKOBASIERT

Es gibt keine einzige Frist für jedes ortsveränderliche Gerät.

Der Arbeitgeber legt die Frist aus Einsatzbedingungen, Beanspruchung, Herstellerangaben und festgestellter Fehlerquote fest. Die folgenden BG-BAU-Werte sind Beispiele zur Orientierung, keine automatisch gültigen Termine.

SEHR HOHE BEANSPRUCHUNG

Beispielsweise harte mechanische oder chemische Beanspruchung: Je nach tatsächlichem Einsatz kann eine tägliche Kontrolle durch die nutzende Person und eine wöchentliche elektrische Prüfung erforderlich werden.

HOHE BEANSPRUCHUNG

Für stark beanspruchte Geräte nennt die BG BAU als möglichen Richtwert etwa drei Monate.

NORMALE BAU- UND INNENARBEIT

Für typische Bau- und Ausbauumgebungen wird häufig ein Richtwert von etwa sechs Monaten genannt.

SEHR SELTENE BENUTZUNG

Bei sehr geringer Beanspruchung, etwa einzelnen Hausmeistereinsätzen, kann ungefähr ein Jahr als Orientierung dienen.

07

TEMPORÄRE STROMVERSORGUNG

Baustrom ist kein Verlängerungskabel mit Abenteuerlust.

Bei Bau-, Montage-, Außen- und Nassarbeiten muss der Anschluss zum Einsatz passen und freigegeben sein. Starre Merksätze mit einer angeblich vollständigen Zahl zulässiger Speisepunkte helfen weniger als ein geprüftes Schutzkonzept für die tatsächliche Anlage.

Freigegebener Speisepunkt

Baustromverteiler oder ein zugeordneter Anschluss werden nur benutzt, wenn Schutzmaßnahmen, Belastbarkeit und Zuständigkeit für den Einsatz bestätigt sind.

Gebäudesteckdose nicht erraten

Eine vorhandene Steckdose ist nicht automatisch für Bau-, Außen- oder Nassarbeit geeignet. Bei unbekanntem Zustand wird sie nicht benutzt; eine für die Einsatzbedingungen ausgewählte mobile Schutzeinrichtung kann nur nach betrieblicher Festlegung ergänzen.

Stromerzeuger als System

Mobile Stromerzeuger werden ausschließlich nach ihrem Schutz-, Erdungs- und Betriebskonzept sowie der Betriebsanleitung eingesetzt. Improvisierte Verbindungen sind tabu.

Leitungsweg schützen

Leitungen, Stecker und Kupplungen müssen für die Beanspruchung geeignet und gegen Wasser, Verkehr, Quetschung, scharfe Kanten und Zug geschützt sein.

Täglich ansehen, bei Mangel stoppen

Beschädigung, Erwärmung, Auslösung, stehende Nässe oder eine unklare Schutzmaßnahme bedeuten sofortigen Stopp, Kennzeichnung und Meldung.

Fachgrenze einhalten

Auswahl, Errichtung, Prüfung, Änderung und Reparatur elektrischer Schutzmaßnahmen bleiben bei den dafür qualifizierten und beauftragten Verantwortlichen. Reinigungspersonal nutzt nur freigegebene Anschlüsse.

PRCD-STragbarer Fehlerstromschutz mit Schutzleiterüberwachung.

Das Gerät wird zwischen Steckdose und Verbraucher eingesetzt. Es kann bestimmte Fehler der vorgeschalteten Versorgung erkennen und besitzt einen geschalteten Schutzleiter. Auswahl, Bedienung, Einschalttest und zulässige Einsatzbedingungen folgen der betrieblichen Festlegung und Herstelleranleitung. Ein PRCD-S repariert keine unbekannte Anlage und macht eine ungeeignete Steckdose nicht pauschal sicher.

08

ELEKTRISCHER UNFALL

Erst Eigenschutz. Dann Hilfe.

  1. 01
    Nicht ungesichert berühren

    Kann die Person noch unter Spannung stehen, darf niemand durch direkten Kontakt zum zweiten Unfallopfer werden.

  2. 02
    Energie sicher abschalten lassen

    Not-Aus, Netztrennung oder Abschaltung nur nutzen, wenn das ohne Eigengefährdung möglich und vorgesehen ist.

  3. 03
    112 und betriebliche Hilfe

    Unfallort, elektrische Gefahr und Zustand der betroffenen Person klar melden.

  4. 04
    Erste Hilfe

    Nach gesicherter Freigabe Bewusstsein und Atmung prüfen und erforderliche Maßnahmen einschließlich Wiederbelebung/AED beginnen.

  5. 05
    Medizinisch abklären

    Elektrische Unfälle können innere oder verzögerte Folgen haben. Der betriebliche Notfallweg entscheidet über die weitere Versorgung.

QUELLEN & EINORDNUNG

Regelwerk und Branchenpraxis.

Betriebsanleitung, Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung und die konkrete elektrische Anlage haben Vorrang.

DGUV Vorschrift 3 · Elektrische Anlagen und Betriebsmittel DGUV Regel 101-605 · Branche Gebäudereinigung Betriebssicherheitsverordnung DGUV Information 203-071 · Wiederkehrende Prüfungen DGUV Information 203-006 · Elektrische Anlagen auf Bau- und Montagestellen BG BAU · Personenschutzschalter PRCD-S BG BAU · Elektrosicherheit und Prüffristen