02.10.2 · REINIGUNGSABLAUF
Schienenfahrzeuge
reinigen.
Vom schnellen Zwischenservice bis zur Grundreinigung im Werk unterscheiden sich Zeit, Tiefe und Freigabe erheblich. Der Auftrag muss deshalb Ergebnis, Wagenbereiche, Häufigkeit und Ausschlüsse so genau beschreiben, dass niemand unter Zeitdruck raten muss.
Zum praktischen ArbeitsablaufReisezug · Nahverkehr · Straßen- und U-Bahn
Der konkrete Fahrzeug- und Betreiberplan bestimmt die Ausführung.

LEISTUNG VORHER FESTLEGEN
Welche Reinigung ist beauftragt?
Die Bezeichnungen sind betreiberspezifisch. Entscheidend sind Tätigkeiten, Intervalle und das vereinbarte Ergebnis. Ein Wendeservice umfasst nicht automatisch die gesamte Tagesleistung.
Wendeservice
Abfall, sichtbare Verschmutzung, WC-Kontrolle und definierte Kontaktpunkte innerhalb eines kurzen Stillstands.
Tagesreinigung
Vollständige vereinbarte Innenraumleistung einschließlich Boden, Sitzen, Tischen und Sanitärbereich.
Zwischenreinigung
Gezielte Wiederherstellung einzelner stark belasteter Bereiche während des Betriebsfensters.
Intensivreinigung
Vertiefte Bearbeitung von Kanten, Sitzen, Wandfeldern, Ablagen und schwer zugänglichen Bereichen im Werk.
Diese Leistungen gesondert organisieren
Teppich- und PolsterreinigungSeparater material- und trocknungsabhängiger Auftrag mit ausreichender Standzeit.
SanitärserviceWC-Reinigung, Verbrauchsmittel und Abfall werden als eigene Hygienezone organisiert.
SonderkontaminationKörperflüssigkeit, Schädlingshinweis, Spritze, Gefahrstoff oder massiver Vandalismus folgt einem Sonderplan.
AußenreinigungFahrzeugwäsche, Front, Fenster und Unterflur sind eigene technische Verfahren und nicht Teil der Innenreinigung.
Beispiel: prüfbares Leistungsverzeichnis für einen Reisezugwagen
Beispielbausteine zur Auftragsklärung: Häufigkeit, zuständige Person und akzeptiertes Ergebnis werden für den konkreten Zug ergänzt.
- Einstieg & Türen
- Grobschmutz entfernen, Griff- und Trittflächen bearbeiten; Türmechanik, Dichtungen und Sensoren nicht verstellen. Ergebnis: trocken, zugänglich und ohne Reinigungsrückstände; sichtbare Auffälligkeiten melden.
- Sitze & Armlehnen
- Freie Sitzflächen absaugen beziehungsweise abwischen, Flecken melden oder nach Freigabe behandeln. Ergebnis: frei von losem Schmutz und sichtbaren Bearbeitungsresten.
- Tische & Ablagen
- Nur freie Flächen reinigen; Fundsachen sichern. Ergebnis: schlierenarm, trocken und ohne zurückgelassene Gegenstände.
- Kontaktflächen
- Freigegebene Taster, Haltegriffe und Handläufe nach Vorgabe bearbeiten, ohne Flüssigkeit in Fugen oder Elektronik einzutragen.
- Fenster innen
- Zugängliche Scheiben nach Leistungsintervall reinigen; Folien, Beschichtungen und Randverbund beachten.
- Boden & Kanten
- Lose Verschmutzung vor der Nassreinigung aufnehmen, anschließend materialgerecht feucht bearbeiten; unter Sitzen nur soweit sicher und vereinbart erreichbar.
- WC-Bereich
- Getrennte Textilien und Handschuhe, Sanitärflächen, Becken, Boden, Abfall und Verbrauchsmittel nach Betreiberplan; Einwirkzeiten einhalten.
- Abfall & Fundstücke
- Behälter leeren, neu ausstatten und Abfallweg einhalten; Dokumente, Geräte und persönliche Gegenstände niemals eigenmächtig entsorgen.
- Störungs- und Schadensmeldung
- Defekte Sitze, scharfe Kanten, Glasbruch, lockere Teile, Schädlingshinweise und ungewöhnliche Gerüche mit Wagen- und Platzangabe melden.
- Abnahme
- Wagenbezeichnung, Leistungsart, Beginn, Ende, Abweichungen, Restfeuchte und Übergabe dokumentieren. Die technische Zugfreigabe bleibt beim Betreiber.
VOR DEM EINSTIEG
Den richtigen Zug und den Arbeitsbereich übernehmen.
Wagen eindeutig zuordnen und im Team festlegen, wer welchen Abschnitt übernimmt. Nicht allein aus Standort oder Reihenfolge auf die Wagenidentität schließen.
Bei geänderter Betriebslage oder unklarer Absprache Arbeit unterbrechen und den vereinbarten Meldeweg nutzen. Eine stillstehende Bahn ist noch keine Arbeitsfreigabe.
DGUV: Verkehrsmittelreinigung ↗- Zug-, Wagen- und Gleisbezeichnung gegen Auftrag prüfen
- Arbeitsfreigabe und Schutzmaßnahmen gegen Betriebsverkehr und elektrische Gefährdungen mit der zuständigen Stelle klären
- Leistungsstufe, Wagenreihenfolge, WC-Status und Zeitfenster klären
- Materialien und Geräte so bereitstellen, dass Türen und Übergänge frei bleiben
- Meldeweg für Fundsachen, Vandalismus, Spritzen und biologische Belastung festlegen
- Zulässige Stromversorgung für Arbeitsgeräte, Ausstieg und Übergabe vor Arbeitsbeginn klären
BEISPIEL · REGELMÄSSIGE INNENREINIGUNG
Wagen für Wagen, von oben nach unten.
Den Ablauf an Zugang, Teamaufteilung, Fahrzeugtyp und Tagesauftrag anpassen. Bei einer Teilreinigung werden nur die vereinbarten Aufgaben ausgeführt; der Boden folgt nach den darüberliegenden Flächen.
- 01
Zugang und Wagen bestätigen
Zug- und Wagenkennung mit dem Auftrag abgleichen. Erst nach abgestimmter Arbeitsfreigabe über den vorgesehenen Zugang einsteigen. Reinigungswagen und Geräte am zugewiesenen Platz bereitstellen; Türen und Übergänge frei halten.
- 02
Zustand aufnehmen
Den zugeteilten Wagen kontrollieren: Fundsachen, Scherben, starke Kontamination, beschädigte Sitze und lose Teile melden. Betroffene Stelle eindeutig benennen. Unklare oder gefährliche Funde nicht in den normalen Ablauf einbeziehen.
- 03
Abfall und groben Schmutz aufnehmen
Eindeutigen Abfall nach Auftrag entfernen, Behälter leeren und erforderliche Einsätze erneuern. Behälter innen und außen im vereinbarten Umfang reinigen. Keine Säcke von Hand verdichten; persönliche Gegenstände nach Fundverfahren behandeln.
- 04
Sitzgruppen systematisch reinigen
Freie Ablagen, Klapptische, Fensterumfeld und Kontaktflächen von oben nach unten bearbeiten. Pro Sitzgruppe denselben vereinbarten Umfang abarbeiten. Textilflächen absaugen, geeignete glatte Flächen sparsam feucht reinigen; verschmutzte Tuchseiten wechseln.
- 05
Fenster und Zusatzflächen bearbeiten
Innenscheiben, Trennwände, größere Gepäckablagen oder weitere Flächen nur gemäß Tagesauftrag und Intervall einbeziehen. Randbereiche nacharbeiten, ohne Feuchtigkeit in Elektrik oder Fugen einzutragen. Auf Folien und Beschichtungen achten.
- 06
Bord-WC getrennt abschließen
Sanitärleistung mit eigenem Material nach Hygieneplan durchführen; Toilettenoberflächen und übrige Sanitärflächen trennen. Verbrauchsmittel ergänzen, Auffälligkeiten melden. Erst nach dem vorgesehenen Material- und Hygienewechsel wieder im Fahrgastbereich arbeiten.
- 07
Boden zum Ausgang reinigen
Lose Partikel vollständig aufnehmen; unter Sitzen nur sicher zugängliche, beauftragte Flächen bearbeiten. Je nach Schmutz und Belag einstufig oder zweistufig nasswischen beziehungsweise das freigegebene Maschinenverfahren nutzen. Abschnittsweise zum vorgesehenen Ausgang arbeiten, Schmutzlösung aufnehmen und Trocknung berücksichtigen.
- 08
Reinigungsabschluss melden
Vereinbarte Flächen, Kanten und Trittbereiche kontrollieren. Geräte, Kabel und Abfall entfernen. Erledigte Leistung, feuchte Bereiche, nicht bearbeitete Stellen, Schäden und Fundsachen pro Wagen dokumentieren und ausdrücklich übergeben.
MATERIALCHECK AM WAGEN
Sechs typische Materialgruppen.
Das Aussehen reicht zur Bestimmung nicht aus. Fahrzeugunterlagen und Reinigungsplan heranziehen; bei unbekannter Beschichtung erst die Verträglichkeit klären.
| Material | Praktisches Vorgehen | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Textilpolster & TeppichZur Materialkunde ↗ | Krümel und Staub mit passender Polsterdüse aufnehmen. Flecken nach Art und Material einordnen; freigegebene Behandlung zunächst unauffällig prüfen. | Nicht durchfeuchten. Faser, Farbe, Klebungen und besondere Ausrüstung berücksichtigen. Nassreinigung braucht einen eigenen Auftrag und genügend Trocknungszeit. |
| Kunstleder & beschichtete SitzteileZur Materialkunde ↗ | Kopfstütze, Sitzschale und Polster können unterschiedliche Materialien sein. Beschichtete Teile mit weichem Tuch und abgestimmter Reinigungslösung bearbeiten. | Alkohol, Lösemittel, Scheuerpads und Dampf sind keine pauschal geeignete Lösung. Nähte und beschädigte Beschichtungen besonders schonen. |
| Elastische & strukturierte BödenZur Materialkunde ↗ | PVC, Elastomer und Linoleum unterscheiden. Lose Körner vor der Nassreinigung aufnehmen. Strukturierte Einstiegsmatten und Beläge mit geeigneter Bürste oder passendem Bezug bearbeiten. | Schmutzlösung vollständig aufnehmen. Kein ungeprüfter Pflegefilm auf Trittflächen; Fugen, Sitzbefestigungen und Bodenanschlüsse nicht fluten. |
| Scheiben, Folien & AnzeigenZur Materialkunde ↗ | Innenscheiben nach vereinbartem Intervall reinigen. Bei Folie, Kunststoffscheibe oder Display das jeweils freigegebene Mittel und Tuch verwenden. | Glasreiniger ist nicht automatisch für Displays oder Folien geeignet. Nicht direkt auf Taster, Steckdosen oder Anzeigen sprühen; keine Klinge auf unbekanntem Aufbau. |
| Tische & HolzdekoreZur Materialkunde ↗ | Klapptische, Tischkanten und Ablagen sparsam feucht abwischen. Holzoptik kann eine beschichtete Verbundplatte sein; Kanten und Fugen mitprüfen. | Offene Kanten, aufgequollene Platten oder gelöste Folien melden. Keine Flüssigkeit in Scharniere und Plattenstöße laufen lassen. |
| Haltestangen & MetallleistenZur Materialkunde ↗ | Griffe und Handläufe mit sauberer Tuchfläche bearbeiten. Edelstahl, Aluminium, Lack und andere Beschichtungen getrennt beurteilen. | Sanitärchemie nicht auf benachbarte Metalle verschleppen. Auf Griffen keine öligen oder glatten Pflegerückstände hinterlassen. |
Ein dauerhaft dunkler Laufweg, eine blank gescheuerte Armlehne oder eine matte Scheibe kann bereits eine Materialveränderung sein. Nicht mit immer stärkerer Chemie nacharbeiten: Zustand dokumentieren und klären lassen.
MITTEL UND VERFAHREN
Reiniger nach Oberfläche und Verfahren auswählen.
Innenraum- / Neutralreiniger
Für freigegebene wasserbeständige Tische, Verkleidungen und Griffe. Sparsam dosieren und gelösten Schmutz mit frischen Tuchflächen aufnehmen.
Ein neutraler pH-Wert allein belegt noch keine Verträglichkeit mit einer Fahrzeugbeschichtung.
Zum Fachkapitel →Bodenreiniger für das gewählte Verfahren
Belag, Oberflächenvergütung und Verfahren bestimmen die Auswahl. Für maschinelle Reinigung ein geeignetes schaumarmes Produkt einsetzen.
Maschineneinsatz nur bei passendem Platz, Gewicht, Zugang und Betreiberfreigabe; nicht jeder Wagen eignet sich dafür.
Zum Fachkapitel →Polsterreiniger / Sprühextraktionsmittel
Für geplante Textilnassreinigung mit geprüfter Farb- und Materialverträglichkeit. Schmutzlösung gründlich absaugen und Trocknung organisieren.
Kein spontanes Durchnässen im kurzen Wendeservice. Ein Duftmittel beseitigt weder die Geruchsquelle noch Restfeuchte.
Zum Fachkapitel →Freigegebener Sanitärreiniger
Passend zu Beckenoberfläche, Armatur, Dichtung und Toilettensystem auswählen. Produktvorgaben zu Dosierung und Nacharbeit beachten.
Kein beliebiger WC- oder Rohrreiniger für Vakuumtoiletten. Desinfektion nur nach festgelegtem Hygieneplan und Anlass; Mittel niemals mischen.
Zum Fachkapitel →EIGENE HYGIENEZONE
Das Bord-WC getrennt bearbeiten.
Die Reinigung sichtbarer Flächen ist von Tankservice, Wasserbefüllung und technischer Wartung zu unterscheiden. Eine Vakuumtoilette ist kein gewöhnliches Gebäude-WC.
Zum vollständigen Sanitärkapitel →- Material trennen. Eigene Tücher, Bezüge und geeignete Schutzhandschuhe nach Hygieneplan bereithalten. WC-Zone und übrige Sanitärflächen trennen; beim Rückwechsel in den Fahrgastraum Handschuhwechsel und Händehygiene beachten.
- Kontakt- und Sanitärflächen bearbeiten. Spiegel, Waschbecken, Armatur, Griffe und Toilettenoberflächen in der festgelegten Reihenfolge reinigen. Reinigungslösung nicht in Taster oder Öffnungen drücken. Vorgeschriebene Einwirkzeit und Nacharbeit einhalten.
- Verbrauchsmittel und Boden abschließen. Behälter im Auftrag leeren, vereinbarte Vorräte auffüllen, Boden zuletzt reinigen und Feuchte aufnehmen. Keine Reinigungstücher über die Toilette entsorgen.
- Auffälligkeiten melden. Leckage, Rückstau, Defekt oder starke Kontamination dokumentieren. Keine Störung selbst zurücksetzen und keinen gesperrten Bereich eigenmächtig wieder öffnen.
JE NACH FAHRZEUG
Ein Zug besteht aus mehr als Sitzreihen.
Mehrzweck- & Fahrradbereich
Klappsitze, Haltegriffe, zugängliche Halterungen und die Bodenfläche gehören nur im vereinbarten Umfang dazu. Gurte und Sicherungstechnik nicht demontieren. Nach dem Reinigen darf kein Gerät die Rollstuhl- oder Durchgangsfläche versperren.
Doppelstockwagen & Übergänge
Ober- und Unterdeck sowie Treppen ausdrücklich aufteilen, damit kein Abschnitt übersehen wird. Handläufe und Stufenkanten einbeziehen. Kabel und Schläuche nicht über Zugänge legen; Einstieg, Übergangsmechanik und bewegliche Tritte nach Fahrzeugvorgabe behandeln.
Bordbistro, Küche & Schlafabteil
Lebensmittelkontaktflächen, Geschirr, Bettwäsche und Liegeplätze brauchen eigene Leistungs- und Hygienevorgaben. Keine WC-Textilien im Küchenbereich verwenden. Vorräte und persönliche Gegenstände nicht eigenmächtig umräumen oder entsorgen.
ABWEICHUNGEN
Diese Funde ändern den Ablauf.
Gepäck, Dokumente, Geräte
Nach Fundverfahren behandeln und den Fundort mit Wagen und Sitzgruppe angeben. Verdächtige Gegenstände nicht öffnen; den betrieblichen Sicherheitsprozess nutzen.
Scherben oder Kanülen
Nicht blind greifen oder Säcke mit der Hand zusammendrücken. Aufnahme, Behälter und Entsorgung nach dem festgelegten Verfahren organisieren; bei Verletzung sofort den Erste-Hilfe- und Meldeweg nutzen.
Körperflüssigkeit oder Schädlingshinweis
Betroffenen Abschnitt melden und nach Sonderplan behandeln. Schutz, Verfahren und Entsorgung vor Beginn klären. Auffällige Textilien nicht in den normalen sauberen Materialvorrat zurückgeben.
Zeitfenster reicht nicht
Frühzeitig benennen, welcher Wagen oder Bereich offen bleibt. Prioritäten, Personal oder Standzeit abstimmen. Eine nasse Sitzfläche wird nicht durch Zeitdruck wieder benutzbar.
ABSCHLUSS JE WAGEN
Ergebnis prüfen und offene Punkte übergeben.
- Alle beauftragten Wagen und Bereiche abgeglichen
- WC- und Fahrgastmaterial getrennt gehalten
- Türen, Übergänge und Stellflächen frei von Arbeitsmitteln
- Boden, Tritte und bearbeitete Polster auf Restfeuchte kontrolliert
- Keine sichtbaren Schmutz- oder Reinigungsmittelreste zurückgelassen
- Fundsachen, Schäden und offene Arbeiten eindeutig übergeben
- Leistungsnachweis mit Wagenkennung vollständig
Reinigungsabschluss ist keine technische Zugfreigabe.
Reinigung bedient keine Fahrzeugsteuerung, löst keine technischen Sperren und erteilt keine Zugfreigabe. Gleise, Dach, Kupplung, Unterflur und Führerstand brauchen einen gesonderten Auftrag, eine technische Sicherung und entsprechend qualifizierte Zuständigkeit.
WEITERLESEN
Fachwissen direkt vertiefen.
Fachliche Grundlagen
Zusätzlich gelten Fahrzeugunterlagen, Gefährdungsbeurteilung, Reinigungs- und Hygieneplan sowie die örtlichen Betreiberanweisungen.