02.10.1 · GRUNDLAGEN
Verkehrsmittel
richtig reinigen.
Verkehrsmittel sind bewegliche Arbeitsplätze mit knappen Zeitfenstern, vielen Kontaktflächen, empfindlicher Technik und klaren Betreiberprozessen. Gereinigt wird erst, wenn Fahrzeug, Zugang und Arbeitsbereich verbindlich freigegeben sind.

LEISTUNGSUMFANG
„Fahrzeug reinigen“ ist als Auftrag zu ungenau.
Vor Beginn muss klar sein, welche Flächen in welcher Tiefe bearbeitet werden. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Betreiber; entscheidend sind die vereinbarten Tätigkeiten und das Ergebnis.
Zwischenservice
Vereinbarte Einzelaufgaben im kurzen Betriebsfenster, etwa Abfall, frische Verschmutzung oder einzelne Kontaktflächen.
Keine vollständige Innenreinigung zusagen, wenn nur Teilbereiche bearbeitet werden.Regelmäßige Innenreinigung
Alle im Leistungsverzeichnis vorgesehenen Flächen und Intervalle: Einrichtungen, Sitzbereiche, Kontaktflächen und Boden.
Eine tägliche Leistung umfasst nicht automatisch jedes Fenster, jede Polsterfläche oder jedes Fach.Intensiv- / Grundreinigung
Geplante vertiefte Reinigung, zum Beispiel Polster, Kanten oder stark haftende Rückstände. Eigenes Verfahren und ausreichend Standzeit vorsehen.
Trocknung, Probefläche und mögliche Materialfreigaben gehören in die Planung.Sonderauftrag
Kontamination, Graffiti, starke Gerüche oder Schädlingshinweise gesondert beurteilen. Außenwäsche und technische Bereiche separat beauftragen.
Zusatzarbeit und Freigaben klären, bevor der normale Ablauf erweitert wird.Wenn das Zeitfenster nicht reicht
Frühzeitig melden, welche Leistung bis zur Übergabe sicher erreichbar ist. Umfang, Personal oder Standzeit mit der verantwortlichen Stelle neu abstimmen; offene Arbeiten dokumentieren. Vorgeschriebene Einwirkzeiten, Trocknung und Kontrolle lassen sich nicht durch schnelleres Arbeiten ersetzen.
Beispiel: Ein stark durchfeuchteter Sitz wird nicht mit „Reinigung fertig“ übergeben. Trocknung, weitere Behandlung und eine mögliche Nutzungssperre werden mit dem Betreiber geklärt.
STARTKONTROLLE
Fahrzeug und Arbeitsstelle übernehmen.
Vorher festlegen, wer den Auftrag übergibt und wer bei einer Störung erreichbar ist.
Die DGUV behandelt in Kapitel 3.9 insbesondere sichere Zugänge, Betriebsverkehr, Elektrik, Reinigungschemie und besondere Kontaminationen. Zur Fachgrundlage ↗
- Betreiber, Fahrzeugnummer, Standort, Zeitfenster, Leistungsumfang und Übergabepunkt eindeutig bestätigen
- Stillsetzung, Wegrollschutz, Türen, Energieversorgung und Bewegungen benachbarter Fahrzeuge durch die zuständige Stelle klären
- Zonen und Grenzen festlegen: Fahrgastraum, Fahrer- oder Cockpitbereich, WC, Küche, Technik, Gepäck und Außenhaut sind nicht automatisch ein Auftrag
- Materialmix, Herstellerfreigaben und empfindliche Elektronik prüfen; Mittel nicht allein nach sichtbarem Schmutz auswählen
- Fundstücke, Gefahrstoffe, Spritzen, Körperflüssigkeiten, Schädlingshinweise und Schäden mit klarer Meldekette einplanen
- Reinigungswasser, Abfall, Textilien, Strom, Beleuchtung, Zugangskontrolle und Notfallkommunikation organisieren
MATERIALMIX IM INNENRAUM
Jede Oberfläche gesondert beurteilen.
Ein freigegebenes Fahrzeugreinigungsmittel passt nicht automatisch zu allen Bauteilen. Besonders bei Folien, Polstern und Spezialbeschichtungen zählen die Unterlagen des konkreten Fahrzeugs.
| Material / Bereich | Geeignetes Vorgehen prüfen | Grenzen beachten |
|---|---|---|
| PVC, Elastomer oder LinoleumBöden, Stufen und EingängeMaterialkunde ↗ | Belag tatsächlich bestimmen; Oberflächenvergütung und strukturierte Bereiche beachten. Lose Körner zuerst aufnehmen, dann mit angepasster Feuchte reinigen. | Gummiboden und Linoleum sind kein PVC. Chemie, Pad und Pflegefilm nicht pauschal übertragen; Fugen und Anschlüsse nicht fluten. |
| Textile Sitze & TeppichePolster, Rückenlehnen, LaufzonenMaterialkunde ↗ | Zugängliche Flächen mit passender Düse absaugen. Flecken nur mit abgestimmtem Mittel behandeln; bei Nassverfahren ausreichend Trocknungszeit einplanen. | Faser, Farbe, Polsteraufbau und Klebungen berücksichtigen. Keine durchnässten Sitze übergeben; technische oder schwer entflammbare Ausrüstungen nicht ungeprüft verändern. |
| Kunstleder & beschichtete KunststoffeSitze, Verkleidungen, TischeMaterialkunde ↗ | Weiches, geeignetes Tuch und sparsame Feuchte verwenden. Hautfett und klebrige Rückstände aufnehmen, anschließend nach Produktvorgabe nacharbeiten. | Nähte und Beschichtungen schützen. Keine pauschale Freigabe für Alkohol, Lösemittel, Schmutzradierer oder Dampf. |
| Glas, Folien & SichtscheibenFenster, Trennwände, AnzeigenMaterialkunde ↗ | Glas von Kunststoffscheiben, Folien und beschichteten Displays unterscheiden. Ein sauberes Tuch und ein für die Oberfläche geeignetes Mittel einsetzen. | Nicht direkt auf Bedienfelder sprühen. Keine Klinge oder abrasive Bearbeitung auf unbekannter Oberfläche; Randbereiche und Elektronik trocken halten. |
| Metalle & lackierte FlächenHaltestangen, Leisten, RahmenMaterialkunde ↗ | Kontaktflächen materialgerecht abwischen und Rückstände entfernen. Aluminium, Edelstahl, Lack und Beschichtung jeweils getrennt beurteilen. | Saure Sanitärmittel nicht auf benachbarte Metalle verschleppen. Keine öligen oder rutschigen Pflegefilme auf Griffflächen. |
| Holzdekor & VerbundplattenTische, Ablagen, InnenausbauMaterialkunde ↗ | Versiegelung, Folierung und offene Kanten prüfen. Nur so feucht arbeiten, wie Oberfläche und Plattenaufbau es vertragen. | Holzoptik sagt nichts über den Aufbau. Quellende Kanten, gelöste Folie und offene Fugen melden; nicht durch stärkere Nässe nachreinigen. |
Probefläche: Bei unklarer Verträglichkeit zunächst Freigabe klären und an geeigneter unauffälliger Stelle prüfen. Nach dem Abtrocknen auf Farbe, Glanz, Klebrigkeit und Oberflächenveränderung achten. Die Probe ersetzt keine erforderliche Herstellerfreigabe.
MITTEL UND VERFAHREN
Vier typische Produkt- und Verfahrensgruppen.
Auswahl und Dosierung folgen Material, Verschmutzung und Betreiberfreigabe. Produkte nicht mischen; angesetzte Lösungen eindeutig kennzeichnen.
Milder Innenraum- / Neutralreiniger
Für freigegebene wasserbeständige Oberflächen. Dosiert arbeiten, Schmutz aufnehmen und Rückstände nach Vorgabe entfernen.
Auch ein neutraler pH-Wert ersetzt keine Freigabe für Beschichtung, Display oder Fahrzeugtyp.
Zum Fachkapitel →Schaumarmer Bodenreiniger
Für geeignete maschinelle Verfahren auf freigegebenem Boden. Maschine, Dosierung und Flüssigkeitsaufnahme müssen zusammenpassen.
Enge Gänge, Einbauten und empfindliche Anschlüsse können Handarbeit erfordern. Keine freie Flüssigkeit unter Sitze und Verkleidungen drücken.
Zum Fachkapitel →Polster- / Sprühextraktionsmittel
Für ausdrücklich vorgesehene Textilnassreinigung mit Prüfung von Farbe, Faser und Polsteraufbau.
Trocknung und Wiederbenutzbarkeit vorher klären. Ein Duftspray beseitigt weder eine Geruchsquelle noch feuchte Polster.
Zum Fachkapitel →Glas- / Spezialoberflächenreiniger
Für die jeweils zugelassene Scheibe oder Sichtfläche; bei Technik sparsam über das Tuch auftragen.
Flugzeugfenster, Schutzfolien und Displays können andere Vorgaben haben als unbeschichtetes Fensterglas.
Zum Fachkapitel →Sanitärreiniger und Desinfektionsmittel gehören in einen eigenen, freigegebenen Hygieneablauf. Ein beliebiger Haushaltsreiniger ist insbesondere für Flugzeugkabinen keine Ersatzfreigabe. Lösemittel, Dampf, Hochdruck und filmbildende Pflege sind keine allgemeine Standardlösung für Fahrzeuginnenräume.
SAUBERES MATERIAL ORGANISIEREN
Fahrgastraum, Küche und WC getrennt bearbeiten.
Fahrgastbereich
Frische Tücher und Bezüge für die festgelegten Abschnitte bereithalten. Bei nachlassender Aufnahme oder Bereichswechsel wechseln; verschmutzte Tücher nicht wieder in den sauberen Vorrat geben.
Bordküche
Eigener Material- und Abfallweg nach Hygieneplan. Lebensmittel, Geschirr und Vorräte nur im beauftragten Umfang handhaben; erforderliche Nachspülung von Lebensmittelkontaktflächen beachten.
Bordtoilette
Sanitärbereich und WC-Zone mit getrennten Textilien bearbeiten. Tankentleerung, Frischwasserbefüllung und technische Wartung sind eigene Leistungen und nicht automatisch Teil der Innenreinigung.
GEMEINSAMER GRUNDABLAUF
Abschnitt für Abschnitt zum Ausgang arbeiten.
Die Reihenfolge innerhalb des Fahrzeugs wird passend zu Zugängen, Leistungsumfang und Hygienetrennung festgelegt. Grundregel: von oben nach unten, Boden zuletzt.
- 01
Identität prüfen
Richtiges Fahrzeug, richtiger Abschnitt und bestätigter Betriebszustand werden vor dem Einstieg abgeglichen.
- 02
Zugang und Material vorbereiten
Freigegebenen Zugang nutzen, Arbeitswege freihalten und Tücher, Bezüge sowie Abwurf für die getrennten Zonen bereitstellen. Türen und Rampen nur nach Betreiberanweisung handhaben.
- 03
Zustand erfassen
Fundsachen, Beschädigungen, besondere Kontamination und technische Auffälligkeiten vor dem Verändern melden und dokumentieren.
- 04
Abfall entnehmen
Behälter und lose Abfälle nach Auftrag leeren, ohne blind hineinzugreifen oder Säcke mit der Hand zu verdichten. Fundsachen und auffällige Gegenstände nach dem vorgesehenen Meldeweg behandeln.
- 05
Von oben nach unten
Freie Ablagen, Tische, zugängliche Sitze und vereinbarte Kontaktflächen je Abschnitt bearbeiten. Weiche Werkzeuge und dosierte Feuchte einsetzen; Bedien- und Sicherheitstechnik unverändert lassen.
- 06
Hygienezonen trennen
Küche und WC mit eigenem Material nach dem jeweiligen Plan bearbeiten. Anschließend unreines Material abwerfen, Handschuhe und Händehygiene berücksichtigen; nicht mit demselben Tuch in den Fahrgastraum zurückkehren.
- 07
Boden zuletzt
Losen Schmutz auf dem Boden saugend oder mit geeignetem staubarmem Verfahren aufnehmen. Danach entsprechend Belag und Schmutz feucht beziehungsweise nass reinigen, Schmutzflotte aufnehmen und Laufwege trocknen lassen. Rückweg zum Ausgang freihalten.
- 08
Übergeben
Beauftragte Leistung und Trocknung prüfen, Arbeitsmittel entfernen und tatsächlichen Umfang dokumentieren. Offene Flecken, Schäden und Fundstücke eindeutig übergeben; keine technische Betriebsfreigabe vorwegnehmen.
ABWEICHUNGEN ERKENNEN
Bei Sonderfällen den normalen Ablauf unterbrechen.
Fundsache oder Abfall?
Dokumente, Geräte und persönliche Gegenstände nach Fundverfahren behandeln. Fundort eindeutig angeben. Bei einem verdächtigen Gegenstand Abstand halten und den betrieblichen Sicherheitsprozess auslösen.
Scherbe, Kanüle oder Spritze
Nicht blind in Taschen oder Abfallbehälter greifen, Säcke nicht mit der Hand verdichten. Scharfe Funde sichern und melden; Aufnahme und Entsorgung nur nach dem festgelegten Verfahren.
Blut, Erbrochenes oder unbekannte Flüssigkeit
Bereich abgrenzen und zuständige Stelle informieren. Schutz, Verfahren und Entsorgung anhand des Sonderplans festlegen. Nicht mit normalen Tüchern verteilen oder in den regulären Textilkreislauf geben.
Schaden, Geruch oder Schädlingshinweis
Genaue Stelle dokumentieren. Lose Verkleidung, beschädigte Elektrik oder auffällige Sitze nicht selbst reparieren. Geruchsquellen untersuchen lassen; Duftmittel ersetzen keine Ursachenklärung.
Bei einem Unfall oder einer Stichverletzung Arbeit unterbrechen und unverzüglich den betrieblichen Erste-Hilfe- und Meldeweg nutzen. Der normale Reinigungsauftrag wird erst nach Klärung fortgesetzt.
ABSCHLUSSKONTROLLE
Erledigte und offene Arbeiten getrennt übergeben.
- Richtiges Fahrzeug; alle beauftragten Zonen bearbeitet oder Abweichungen vermerkt
- Laufwege trocken; nass gereinigte Sitze ausreichend getrocknet
- Keine klebrigen Rückstände, sichtbaren Bearbeitungsreste oder neuen Schäden
- Not- und Sicherheitseinrichtungen unverändert und zugänglich
- Fundsachen, Auffälligkeiten und Schäden mit genauer Ortsangabe gemeldet
- Abfall und Arbeitsmittel entfernt; Übergabe an die verantwortliche Stelle dokumentiert
Reinigungsabschluss und Betriebsfreigabe unterscheiden.
Der Betreiber bestimmt Stillsetzung, Zutritt, Hygiene, zulässige Produkte und Wiederinbetriebnahme. Ohne bestätigte Freigabe wird weder eingestiegen noch an Türen, Rampen, Cockpit, Führerstand, Technik oder Sicherheitseinrichtungen gearbeitet.
Die Reinigung bestätigt ihren Leistungsumfang und meldet sichtbare Auffälligkeiten. Die technische Kontrolle und Entscheidung über den weiteren Einsatz bleiben bei der dafür zuständigen Stelle.
EINSATZFELDER
Die Grundlagen auf das jeweilige Verkehrsmittel übertragen.
Die folgende Übersicht ordnet typische Aufgaben ein. Besondere Fahrzeugvorgaben gehen dem allgemeinen Ablauf vor.
Fernverkehrszug
Sitze, Tische, Gepäckbereiche, Bordgastronomie und Toiletten treffen auf kurze Wende- oder längere Bereitstellungszeiten.
Regionalzug
Hohe Wechselzahl, Mehrzweckbereiche, Türen und starke Bodenbelastung bestimmen die Unterhaltsreinigung.
S- und U-Bahn
Kurze Umläufe, dichter Fahrgastkontakt, Vandalismus und enge Betriebsfenster verlangen standardisierte Abläufe.
Straßenbahn
Niederflureinstiege, Gelenke, Haltestangen und große Glasflächen brauchen eine sichere Stillsetzung und Materialkenntnis.
Linienbus
Türbereiche, Haltestangen, Fahrerplatz und Mehrzweckfläche werden nach Betreiberfreigabe getrennt bearbeitet.
Reisebus
Polstersitze, Gepäckablagen, Bordtoilette, Küche und Gepäckraum erweitern den normalen Innenraumauftrag.
Flugzeug
Kabine, Bordküche und Toilette unterliegen Sicherheits-, Betreiber- und oft sehr engen Turnaround-Vorgaben.
Fähre
Fahrgast-, Fahrzeug-, Außen- und Sanitärbereiche sind unterschiedlichen Risiken und Freigaben zugeordnet.
Fahrgastschiff
Kabinen, Gastronomie, Decks und technische Bereiche dürfen nicht als eine gemeinsame Reinigungszone behandelt werden.
Shuttle & Mietfahrzeug
Kleine Räume, schnelle Nutzerwechsel und viele berührte Flächen erfordern klare Leistungsgrenzen.
Kranken- und Patiententransport
Für Kontakt- und Liegeflächen gelten die Hygiene- und Aufbereitungspläne des verantwortlichen Betreibers.
Sonderfahrzeug
Einsatz-, Werkstatt- oder Logistikfahrzeuge werden nur innerhalb bestätigter Zuständigkeit und technischer Freigabe bearbeitet.
DIREKT WEITER
Die passenden Vertiefungen.
Fachliche Grundlagen
Für die Ausführung gelten die konkrete Gefährdungsbeurteilung, Betreiberanweisungen, Materialfreigaben und der vereinbarte Leistungsumfang.